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09.04.2015 | Energie | Im Fokus | Onlineartikel

Bürger gestalten die Energiewende

Autor:
Sabine Voith

Die Energieversorgungsunternehmen stellen ihre Geschäftsmodelle auf die Energiewende ein. Viele Menschen warten die Umstellung jedoch nicht ab, sondern gehen die Energiewende mit eigenem Konzept an.

Das Energieversorgungsunternehmen Süwag meldete anlässlich der Messe E-World in Essen, dass es einen ungebrochenen Trend zur Selbsterzeugung von Energie gebe. Wie stark die Bürger die Energiewende vorantreiben, zeigt der oft gebrauchte Begriff der „Bürgerenergiewende“. Praktische Beispiele finden sich in Gemeinden wie Feldheim in Brandenburg, das Schlagzeilen als erstes energieautarkes Dorf machte. In Schönau hat sich eine Bürgerinitiative zu einem bundesweiten Ökostromanbieter entwickelt. Sie lebt ihre Vision von einer demokratisch-dezentralen Energiewende wie Springer-Autor Sebastian Slade im Buchkapitel "EWS Schönau: Die Schönauer Stromrebellen – Energiewende in Bürgerhand" erläutert.

Ein Zusammenschluss mit anderen Bürgern ist wichtig, wie Gespräche mit Betreibern zeigen, um die richtigen Anschaffungen zu tätigen, Fragen während des Betriebs zu klären oder individuelle Anlagen zu entwickeln, die zur Haus- oder Betriebssituation passen.

Photovoltaik ist der Schlüssel

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Betreiber sind sich einig: Die Photovoltaik-Anlage ist die Schlüsselanlage für ein energieautarkes Anlagenkonzept. An ihr hängt die weitere Technik im Haus. Wichtig ist dabei die Auslegung der Anlage. Zwischen zehn und 30 Kilowatt Leistung sollte installiert werden. Als Faustregel gilt, das man dreimal so viel installieren soll, wie man braucht, um auch sonnenarme Tage auszugleichen. Für den Ausgleich ist eine Speicherlösung unabdingbar. Überschüsse können unter anderem in Wasserspeicher gespeist werden. Der Energie-Mix macht die Betreiber flexibel.

Schritt für Schritt zur Energieautarkie

Als weiterer Speicher wird meist eine Batterie hinzugefügt. Untereinander besprechen motivierte Bürger die Auswahl, da das Angebot groß ist. Eine Wärmepumpe darf für eine Insellösung nicht fehlen. Allerdings kommt es auch hier auf die Ausgangsbedingungen an. Wer über Holz verfügt, fügt seinem Anlagenkonzept eine Holzheizung hinzu. Als technisches Highlight und technischer Luxus gilt das Blockheizkraftwerk. Hierfür ist technisches Grundwissen nötig. Betreiber fügen oft über Jahre nach und nach eine Anlage zu "ihrem Netz" hinzu und nehmen die gewonnene Erfahrung mit in neue Projekte.

Die Motivation

Was Bürger antreibt, Zeit und Geld in eine eigene Insellösung zu investieren, und auf andere Luxusartikel wie Autos oder Reisen zu verzichten, kann nicht pauschal beantwortet werden. Ein entsprechendes technisches Studium oder eine Ausbildung kann den Pioniergeist wecken. Dieser Pioniergeist kann technisch, politisch oder ökologisch motiviert sein. Auch wirtschaftliche und finanzielle Gründe spielen mit hinein.

Dass Energieautarkie verschieden ausgelegt und bewertet wird, zeigen die Autoren Russell McKenna, Tobias Jäger und Wolf Fichtner im Zeitschriftenartikel "Energieautarkie – ausgewählte Ansätze und Praxiserfahrungen im deutschsprachigen Raum", erschienen in der Fachzeitschrift uwf UmweltWirtschaftsForum in Ausgabe 04/2014.

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