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16.08.2018 | Energie | Im Fokus | Onlineartikel

Smart Meter funktioniert schon ohne Rollout in der Praxis

Autor:
Frank Urbansky
3 Min. Lesedauer

Der Smart Meter Rollout hinkt dem vorgesehen Zeitplan hinterher. Dabei gibt es schon Eigeninitiativen, die zeigen, dass damit Energie gespart und die Versorgung gut gesteuert werden kann.

Deutschland hat – im Gegensatz zu seinen europäischen Nachbarn – ganz eigene Vorstellungen, wie der Smart Meter Rollout, also das Ausstatten aller Stromverbrauchspunkte mit intelligenten Messgeräten, vonstattengehen soll. "Der "deutsche Weg" für die Einführung von Smart Metern sieht einen stufenweisen Rollout sowie ein Höchstmaß an Informations- und Datensicherheit vor", beschreiben dies die Springer Vieweg-Autoren Karsten Vortanz und Peter Zayer auf Seite 585 ihres Buchkapitels Smart Meter Rollout: Intelligente Messsysteme als Schnittstelle zum Kunden im Smart Grid und Smart Market

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Smart Meter Rollout: Intelligente Messsysteme als Schnittstelle zum Kunden im Smart Grid und Smart Market

Das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende ist verabschiedet. Ab 2017 sind moderne Messeinrichtungen (mME) und intelligente Messsysteme (iMSys) zu verbauen und zu betreiben. Der "deutsche Weg" für die Einführung von Smart Metern sieht einen stufenweisen Rollout sowie ein Höchstmaß an Informations‐ und Datensicherheit vor. 


Dabei werden zwei Systeme eingesetzt. Bei Verbräuchen unter 6.000 Kilowattstunden kommen moderne Messeinrichtungen zum Einsatz. Sie ersetzen bis 2032 rund 36 Millionen alte Ferraris-Zähler und können keine Daten versenden. Bei über 6.000 Kilowattstunden kommen hingegen intelligente Messsysteme zum Zuge. Sie bestehen aus einer Messeinrichtung und einem Smart Meter Gateway, das Daten über Bezüge und Verbräuche versenden kann. Davon werden in den nächsten Jahren vermutlich vier Millionen Stück verbaut.

Start verzögert sich

Doch der Rollout, der im vollen Umfang bereits 2017 starten sollte, verzögert sich. Gründe: zum einen die noch nicht ausgereifte und entsprechend getestete Technik für die intelligenten Messsysteme, zum anderen sollten schon im letzten Jahr regierungsseitig drei Smart-Meter-Gateway-Administratoren ernannt werden. Das ist bisher nicht geschehen, soll aber zum Jahresende erfolgen.

Dabei ist das Leben mal wieder schneller als die Regierungspraxis. Die Stadtwerke Haßfurt zum Beispiel, bundesweit Vorreiter bei der Erzeugung und Selbstversorgung mit erneuerbaren Energien, rüstet schon seit Jahren als erster und einziger Energieversorger in Deutschland seine Kunden mit intelligenten Stromzählern aus. Seit 2007 wurden 12.000 Haushalte damit ausgestattet.

Das hat einen einfachen Grund. Das Unternehmen erzeugt mit folgenden Anlagen eigenen Strom:
Photovoltaik (PV): 10 MW
Kraft-Wärme-Kopplung (KWK): 3,0 MW
Windkraft: 30,9 MW 
Biogasanlage: 1,45/2,35 MW 

Insgesamt wurden damit 2017 rund 85,4 Megawattstunden Strom erzeugt. Das waren 208 Prozent dessen, was im Verteilgebiet verbraucht wurde. Der Rest wird ins Netz eingespeist und verkauft.

Strommix selbst zusammenstellen

Der Strom wird jedoch nur von den KWK-Anlagen grundlastfähig erzeugt. Deswegen ist es für die Stadtwerke wichtig zu wissen, wann ihre Kunden welche Mengen Strom verbrauchen. Danach wird die Produktion der KWK-Anlagen ausgerichtet – die Mieter werden direkt mit Strom aus den PV- oder Windanlage versorgt, wenn diese ausreichend Strom liefern. Das wiederum ermöglicht entsprechende Tarife, die günstiger als vergleichbare Stromkosten für die Kunden der Stadtwerke Haßfurt sind. Jeder Kunde kann sich seinen persönlich passenden Energiemix aus regenerativen und herkömmlichen Energien selbst zusammenstellen. Der Minimaltarif kann so bei rund 25 Eurocent brutto je Kilowattstunde liegen. Ebenso kann der Betrieb von kleinen Blockheizkraftwerken in Wohnhäusern durch die neue Technik exakt abgerechnet werden.

Doch beim Smart Meter Rollout, wie er bundesweit geplant ist, wird dieses Modell keine Rolle spielen, da nur ein Teil der Großverbraucher mit sendefähigen Geräten ausgestattet wird. "Zwar werden alle Zähler getauscht, aber aufgrund der hohen erwarteten Kosten müssen nur ca. 15% der Geräte, welche aber den Löwenanteil der gesamten transportierten Strommenge abbilden, mit einer Kommunikationsfunktion ausgestattet werden", beschreibt dies der Arbeitskreis Regulierung in Netzindustrien der Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft auf Seite 230 des Buchkapitels Digitalisierung und Regulierung in Netzindustrien

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