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15.11.2016 | Energie | Im Fokus | Onlineartikel

Energieautarkie in Gebäuden teuer und schwer umzusetzen

Autor:
Frank Urbansky

Energieautarkie ist die Unabhängigkeit von fossilen Energiequellen und Deckung des kompletten Eigenbedarfs mittels Erneuerbarer Energien. In Gebäuden ist dies jedoch nicht immer sinnvoll.

Energieautarkie, also die Unabhängigkeit von fossilen und die komplette Eigenversorgung durch Erneuerbare Energien, wird schon praktiziert. Doch die Beispiele sind rar gesät. "In der Tat wäre es schon mit heute verfügbaren Technologien möglich, die meisten kleineren Städte und Gemeinden (weitgehend) stromautark zu machen. Man benötigt 'nur' eine geeignete Kombination von lokalen Windrädern, lokalen Biomasseanlagen, PV-Anlagen, lokalen Blockheizkraftwerken (BHKW) und lokalen Speichern", beschreibt Springer Autor Thomas Unnerstall die Potenziale, aber auch die Voraussetzungen für die Stromautarkie in seinem Buchkapitel "Rahmenbedingungen der Energiewende – Beschreibung" auf Seite 49. 

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Nicht nur für die Stromversorgung gibt es Autarkiebestrebungen, sondern auch für den Wärmemarkt und den Verkehr – die beiden anderen großen Energieverbrauchsbereiche. Wie sinnvoll, sprich wie wirtschaftlich ist jedoch das Streben nach Energieautarkie insbesondere im Gebäudebereich?

Dämmung verhindert Kühlung

Will man ein Gebäude energieautark errichten, bedarf es einer sehr gut gedämmten Gebäudehülle. Denn die Versorgung durch Erneuerbare Energien würde nur mittels Solarthermie in Kombination mit einem Biomassekessel oder mit einer Wärmepumpe funktionieren. Um den Heizbedarf so gering wie möglich zu halten, braucht es die Dämmung. Diese hat jedoch einen entscheidenden Nachteil. Im Sommer sorgt sie dafür, dass die Wärme im Haus bleibt. Beispiele, wo hoch gedämmte Häuser nachträglich eine Kühlanlage brauchten, gibt es genug. Das jedoch macht eine energieautarke Lösung nahezu unmöglich, ganz abgesehen von den Kosten.

Ein zweiter Punkt sind die Fenster. Energieautarke Häuser leben bei der Wärmegewinnung auch von dem Wärmeertrag, der durch die Sonne in das Haus hinein strahlt. Und der ist nicht unbeträchtlich. Je Quadratmeter Glasfläche können das bis zu 1.000 Watt sein. Bei kleineren Räumen reicht das selbst im Winter für eine komplette Erwärmung aus. Aber auch hier gilt: Im Sommer ist diese Wärme unerwünscht. Es bedarf Verschattungslösungen, etwa automatische Jalousien, die auf die Stärke der Sonneneinstrahlung reagieren. Diese jedoch bedürfen wieder elektrischer Energie, da sie mittels Motoren angetrieben werden. Auch das macht eine gebäudebezogene Energieautarkie schwer erreichbar.

Planer streben selten nach Autarkie

Zwar gibt es im schweizerischen Brütten tatsächlich ein erstes energieautarkes Haus, das komplett ohne Zuleitungen von Strom, Gas und Wasser auskommt. Doch diese Lösung ist für die meisten Neubauten, geschweige denn den Gebäudebestand kaum machbar. Bauplaner versuchen meist, den Bedarf insbesondere der Wärmeenergie durch Eigenerzeugung und geringe Verbräuche so zu optimieren, dass nur geringe Wärmezuführungen von außen notwendig sind. Dafür steht etwa das Passivhaus, das immerhin 15 Kilowattstunden je Quadratmeter Wohnfläche und Jahr extern beziehen darf. Dies wird meist mit Fernwärme oder Erneuerbaren Quellen wie Solarthermie oder Wärmepumpen gedeckt.

Doch auch diese technische Lösung der Netznutzung kann energieautark sein. "Energieautarkie benötigt keine Einrichtungen zur Speicherung, Netzregelung oder für das Energiemanagement, sondern nimmt Netzdienstleistungen hierfür in Anspruch2, definiert das Springer Vieweg-Autor Günther Brauner in seinem Buchkapitel "Grundlagen der dezentralen nachhaltigen Energieversorgung" auf Seite 29. 

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