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28.10.2014 | Energie | Im Fokus | Onlineartikel

Erstes kommerzielles Batteriekraftwerk sichert Netzstabilität

Autor:
Sabine Voith
2 Min. Lesedauer

Europas erstes kommerzielles Batteriekraftwerk, ein fünf Megawatt Lithium-Ionen Speicher, ging im September ans Netz. Er soll die Netzfrequenz auf der Übertragungsnetzebene stabilisieren und volatile Energiequellen integrieren.

Mit einer vollautomatischen Anlage stabilisiert eine eigenständige Batterie im neu eröffneten Batteriekraftwerk kurzfristige Schwankungen der Netzfrequenz mit Regelleistung. Regelleistung ist eine Systemdienstleistung, bei der durch kurzfristige Anpassung der Produktion Angebot und Nachfrage von Strom ins Gleichgewicht gebracht werden. Bisher wird dies hauptsächlich durch konventionelle Kraftwerke geleistet, die sich ungenau und schwerfällig regeln lassen. So entstehen "Must-run"-Kapazitäten, die volkswirtschaftliche Nachteile schaffen. Marktfähige Großbatterien können dies vermeiden.

Die Anlage wurde von der Firma Younicos konzipiert und wird vom Schweriner Ökostromversorger Wemag betrieben. Die 5 Megawatt-Batterie in Schwerin ersetzt das Regelpotenzial einer konventionellen 50 Megawatt-Turbine, so Clemens Triebel, Technischer Vorstand von Younicos.

Der Speicher

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Der Speicher wurde innerhalb von zwölf Monaten schlüsselfertig errichtet. 25.600 Lithium-Manganoxid-Zellen speichern den Strom in Millisekunden. Die Leistung des Batteriekraftwerks wird von Seiten des Zell-Herstellers für mindestens 20 Jahre garantiert. Fünf, jeweils vier Tonnen schwere Mittelspannungs-Transformatoren verbinden das Kraftwerk sowohl mit dem regionalen Verteilnetz als auch mit dem nahegelegenen 380-kV-Höchstspannungsnetz.

Künftig soll die Batterie auch andere Systemdienstleistungen wie Schwarzstartfähigkeit oder Blindleistung bereitstellen.

Die Kosten

Das Projekt zeigt, dass sich intelligente Kurzzeitspeicher schon heute aus betriebswirtschaftlicher und volkswirtschaftlicher Sicht lohnen. Michael Sterner, Professor für Energiespeicher an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg sagt: "Aus Sicht der Wissenschaft ist klar, dass Batteriekraftwerke technisch besonders gut zur Systemstabilität beitragen können. Bei den derzeit stark fallenden Batteriepreisen wirkt ihr Einsatz kostensenkend und ist damit gesamtwirtschaftlich sinnvoll." Auch die jüngste Speicherstudie der "Agora Energiewende" zeigt, dass Batteriespeicher heute schon Systemdienstleitungen kosteneffizient bereitstellen können.

Die Springer-Autoren Hendrik Kondziella, Kristina Brod, Thomas Bruckner, Sebastian Albert und Florian Mes haben die Kosten untersucht, die beim Einsatz von stationären Batteriespeichern auf der Großhandels- oder Übertragungsnetzebene entstehen, und ihre Ergebnisse im Zeitschriftenartikel "Stromspeicher für die "Energiewende" – eine akteursbasierte Analyse der zusätzlichen Speicherkosten" veröffentlicht.

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