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17.11.2017 | Energie | Im Fokus | Onlineartikel

Flexible Heizstromtarife können systemdienlich sein

Autor:
Frank Urbansky

Um Stromverbraucher besser in ein modernes, auf die Energiewende zugeschnittenes Stromnetz anzupassen, bedarf es flexibler Tarife. Seit einiger Zeit nimmt die Anzahl der Heizstromtarife wieder zu.

Will man Leitungskapazitäten und Speicher in einem Stromnetz gering halten, bedarf es eines ausgefeilten Lastmanagements. Dafür sind flexible Tarife für die Verbraucher nötig. "Insbesondere der notwendige Einklang zwischen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien und der Stromnachfrage erfordert neue Instrumente wie Lastmanagement, lastvariable Tarife und den Einsatz von Speichern. […] Steuerbare Verbrauchseinrichtungen wie Nachtspeicherheizungen oder Elektrofahrzeuge lassen sich so künftig dann aufladen, wenn besonders viel Strom verfügbar ist", beschreiben dies die Springer Vieweg-Autoren Karsten Vortanz und Peter Zayer auf Seite 586 des Buchkapitels Smart Meter Rollout: Intelligente Messsysteme als Schnittstelle zum Kunden im Smart Grid und Smart Market

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2017 | OriginalPaper | Buchkapitel

Smart Meter Rollout: Intelligente Messsysteme als Schnittstelle zum Kunden im Smart Grid und Smart Market

Das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende ist verabschiedet. Ab 2017 sind moderne Messeinrichtungen (mME) und intelligente Messsysteme (iMSys) zu verbauen und zu betreiben. Der "deutsche Weg" für die Einführung von Smart Metern sieht einen stufenweisen Rollout sowie ein Höchstmaß an Informations‐ und Datensicherheit vor. 


Durch die wachsende Anzahl der Wärmepumpen im Markt bekommt die Zahl der flexiblen Tarife auch eine aktuelle Bedeutung.

Anzahl Wärmepumpen wächst stark

Nach Schätzungen des Think-Tanks Agora Energiewende könnte es im Jahre 2030 fünf bis sechs Millionen Wärmepumpen geben. Sie könnten dann 25 Prozent des Wärmebedarfs in Haushalten abdecken – eine Position, die heute noch die Ölheizung innehat. Schon heute haben alle 800.000 Wärmepumpen in Deutschland ein Potenzial von 3.000 Megawatt. Das entspricht in etwa der Leistung, die stündlich als Regelenergie gehandelt wird.

Da diese Reserve sowohl für Abschaltungen als auch Zuschaltungen noch weiter zunehmen wird, wächst also auch die Bedeutung von flexiblen Tarifen, mit denen Verbraucher ihre Wärmepumpen systemdienlich betreiben. Das bedeutet, dass sie diese etwa bei einem Überschussangebot an Wind- oder Solarstrom anwerfen und bei einem zu geringen Angebot abschalten. Machbar wäre dies zum einen durch eine intelligente Signalgebung, zum anderen durch eine Tarifgestaltung, die diese Betriebsweise belohnt. Diese auch als Demand Side Management (DSM) bezeichnete Nutzungsform verbraucht Energie immer dann, wenn sie besonders günstig ist.

Noch reiner Nachtstrom

Noch jedoch sind die angebotenen Tarife für Wärmepumpen, aber auch für Stromdirektheizungen, reine Nachtstromtarife. Die günstigsten liegen in Deutschland bei etwa 18 Eurocent je Kilowattstunde (ohne Grundpreis). Seit 2014 nimmt die Zahl der Anbieter wieder zu – parallel zum wachsenden Markt für Wärmepumpen. Derzeit bieten etwa 220 Stromversorger solche Tarife an – von rund 900 in Deutschland. Speziell für Speicherheizungen gibt es etwa 35 Tarife von 25 Anbietern, bei Wärmepumpen sind es 37 Tarife von 26 Anbietern. Seit 2014 hat sich diese Zahl mehr als verdoppelt.

Profitieren können davon aber nicht nur stromgeführte Heizungsgeräte. "Laut der Dena-Netzstudie II können die Haushalte sowohl den höchsten negativen als auch den höchsten positiven Beitrag zum Lastausgleich leisten. Im Privathaushalt sind dies vor allem Speicheröfen, Elektrowärmepumpen, Kühl- und Gefriergeräte, Waschmaschinen und Trockner. Zusammen erreichen diese ein technisches Potenzial von über 30 GW, um kurzfristig überschüssige Energie aufzunehmen (negativer Beitrag), und ein Potenzial von über 10 GW Bereitstellung von Energie (positiver Beitrag). Der positive Beitrag wird über die zeitliche Verschiebung des Verbrauchs auf lastärmere oder erzeugungsstärkere Stunden durch kurzfristiges Abschalten erreicht", zeigt ein Springer Vieweg-Autorenkollektiv um Michael Sterner auf Seite 67 seines Buchkapitels Speicherbedarf in der Stromversorgung das schon heute vorhandene Potenzial auf. 

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