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30.09.2016 | Energie | Interview | Onlineartikel

"Der Stromvertrag hängt am Kabel"

Autor:
Günter Knackfuß
Interviewt wurde:
Dr. Niklas Schirmer

ist Leiter Energiewirtschaft des mehrfach für seine innovativen Ideen ausgezeichneten Berliner Unternehmens ubitricity.

Der Aufbau von effizienten Ladeinfrastrukturen stellt alle Beteiligten vor erhebliche Herausforderungen. Springer Professional sprach mit Niklas Schirmer über eine innovative Lösung.

Springer Professional: Intelligente Ladekabel – was verbirgt sich dahinter?

Niklas Schirmer: Üblicherweise war ein Stromzähler bisher immer stationär, z.B. der Zähler im Haus oder in der Wohnung. Genauso ist es auch mit den Stromzählern in herkömmlichen Ladesäulen. Das macht diese Ladesäulen recht kostenintensiv in der Anschaffung. Denn es braucht hier nicht nur den Zähler, sondern auch die Kommunikationstechnik, um die geladenen Strommengen an ein Backend zu übertragen, und das verursacht nicht unerhebliche laufende Betriebskosten an der Ladesäule. Unsere Ladepunkte können hingegen technisch schlank bleiben. Sie sind im Grunde auf eine einfache Systemsteckdose reduziert. Das macht sie nicht nur deutlich günstiger in der Anschaffung; auch die laufenden Kosten entfallen nahezu vollständig. All das schaffen wir mit unserem intelligenten Ladekabel, dem SmartCable. Hierfür haben wir den Zähler mobil gemacht und damit die Möglichkeit geschaffen, einen Stromvertrag an das Kabel zu hängen. So bringt der Nutzer seinen Stromvertrag zu jedem Ladevorgang einfach mit. Alle Ladevorgänge werden dann ganz einfach und übersichtlich auf einer transparenten monatlichen Rechnung erfasst. Und das gilt auch für die Ladevorgänge an Säulen von Fremdanbietern.

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Was unterscheidet ihr System von anderen Lösungen?

Unsere Lösung mit dem mobilen Stromzähler und den günstigen Ladepunkten ermöglicht erstmals, eine flächendeckende Ladeinfrastruktur auszurollen und nicht nur, wie bisher, vorwiegend an hochfrequentierten Orten Ladesäulen aufzubauen. Erst eine Infrastruktur, die es dem Fahrer ermöglicht, überall dort zu laden, wo er auch parkt, macht den Einstieg in die Elektromobilität auch attraktiv. Neben der kostengünstigen Anschaffung lassen sich die SimpleSockets zudem überall aufbauen, wo Strom vorhanden ist – ob als Wandinstallation, in einem Poller oder Lichtmast integriert. Zudem handelt es sich bei dem MobileCharging-System von Ubitricity um eine Lösung, die eben nicht nur die Hardware berücksichtig, sondern vor allem ein Abrechnungsproblem löst. Das ist entscheidend. Denn schaut man auf die Herausforderungen, mit denen sich unsere Kunden in Bezug auf Elektromobilität konfrontiert sehen, ist es genau das, was ihnen bisher gefehlt hat: eine Abrechnungslösung.

Insgesamt offerieren sie Möglichkeiten für verschiedene Nutzergruppen. Worin bestehen die Unterschiede?

Zurzeit haben wir für uns vor allem zwei Zielgruppen identifiziert. Das sind zum einen die Energieversorgungsunternehmen und zum anderen die Flotten- und Fuhrparkbetreiber. Beiden Zielgruppen lösen wir jeweils unterschiedliche Probleme. Bei den Energieversorgern ist der Einstieg in das Geschäftsfeld der Elektromobilität oft der nächste sinnvolle Schritt nach der Fokussierung auf regenerative Energien. Neben der Entscheidung für eine nachhaltige und wirtschaftlich sinnvolle Infrastruktur, stellt sich die Frage nach der Abrechnung. Wir lösen beide Probleme gleichermaßen. Zudem ist all das im Rahmen unserer WhiteLabel-Lösung auch im Look and Feel des Kunden möglich. Das heißt, dass sowohl die Hardware, SimpleSocket und SmartCable, sowie das Kundenportal und die monatliche Abrechnung dem Design des Energieversorgers angepasst werden. Damit kann dieser gegenüber seinen Kunden ganz einfach zum Mobilstromanbieter werden und dieses neue, zukunftsträchtige Geschäftsfeld für sich erschließen.
Der Flotten- und Fuhrparkbetreiber steht indes vor einer ähnlichen Herausforderung. Die Integration eines Elektrofahrzeuges in den Fuhrpark bringt ebenfalls ein Abrechnungsproblem mit sich. Der Einsatz einer Tankkarte für die Verbrenner macht es einfach, die Energiekosten für das Fahrzeug auf einer Kostenstelle zu erfassen. Bei Elektrofahrzeugen, die jeweils an unterschiedlichen Systemen laden, wird die Abrechnung in der Regel wieder deutlich komplexer. Das MobileCharging-System von Ubitricity löst auch dieses Problem. Nicht nur, dass es günstig ist, Ladeinfrastruktur sowohl am Arbeitsplatz wie auch beim Fahrer eines Dienstfahrzeugs zuhause aufzubauen, alle Ladevorgänge, ob an diesen Ladepunkten oder auch an Ladesäulen von Fremdanbietern, werden einfach auf einer Rechnung erfasst. So wird es ebenso einfach ein Elektrofahrzeug in die Flotte zu integrieren, wie bisher einen herkömmlichen Verbrenner.

An Technik bieten sie die komplette Linie vom Ladekabel bis zum Abrechnungstool. Worauf kommt es dabei an?

Bei unserem MobileCharging-System handelt es sich um eine Systemlösung. Diese besteht zum einen aus der SimpleSocket, also dem Ladepunkt, dem intelligenten SmartCable mit mobilem Zähler, der Abrechnungslösung sowie unserem Kundenportal, bei dem der Endkunde sich über all seine Ladevorgänge in Echtzeit informieren kann, oder auch einfach den nächsten Ladepunkt suchen kann. Damit bieten wir eine Dienstleistung aus einer Hand. Damit wird der Einstieg in die Elektromobilität für die Nutzer denkbar einfach.

Wie sieht es insgesamt mit dem Datenschutz aus?

Datenschutz und Datensicherheit sind uns besonders wichtig. Daher haben wir in der Entwicklung auf diesen Aspekt besonderen Wert gelegt. Wir verwenden eine End-to-end-Verschlüsselung. Das bedeutet, es erfolgt zwischen den Komponenten, dem Ladepunkt und SmartCable, zunächst eine authentifizierte Autorisierung auf Zertifikatsbasis unter Nutzung einer PKI (Public Key Infrastruktur). Die Kommunikation erfolgt dann verschlüsselt. Somit liegt die Sicherheit bei der Verwendung unseres Systems oberhalb dessen, was derzeit im Bereich des Online-Banking Standard ist.

Gibt es für ihr System bereits ein belastbares Praxisbeispiel?

Aktuell zählen bereits fünf Stadtwerke zu unseren Kunden. Und in Kürze kommen weitere dazu, denn immer mehr Energieversorgungsunternehmen setzen auf die intelligente Systemlösung. Zu unseren ersten Anwendern zählen zum Beispiel die Stadtwerke Iserlohn. Hier haben wir gemeinsam mit den Stadtwerken und der Kommune zahlreiche Ladepunkte in der Stadt geschaffen und die Stadtwerke Iserlohn sind nun in der Lage, ihren Kunden ihr Produkt Sauerland-Strom Mobil anzubieten. Und das ganz ohne systemseitigen Integrationsaufwand für die Implementierung. Denn die gesamte, transaktionsgenaue Abrechnung gegenüber den Kunden wird von uns abgewickelt. Aus der Sicht der Stadtwerke ist es damit eine Rundum-Sorglos Lösung mit einer Dienstleistung aus einer Hand. 

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