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25.11.2016 | Energie | Im Fokus | Onlineartikel

Stadtwerke brauchen neue Geschäftsmodelle

Autor:
Frank Urbansky

Stadtwerke und Energieversorgungsunternehmen müssen radikal umdenken. Digitalisierung und Dezentralisierung ihrer Stammmärkte rufen Mitbewerber auf den Plan, ermöglichen aber neue Geschäftsmodelle.

Stadtwerke und andere Energieversorgungsunternehmen (EVU) stehen unter deutlichem Druck. Die Marktliberalisierung ruft zahlreiche neue Mitbewerber auf den Plan. Je nach Region kann man in Deutschland zwischen bis zu 60 Gas- und 90 Stromlieferanten wählen – das klassische Geschäft der kommunalen und regionalen Versorger. Doch die Platzhirsche im Energiemarkt haben einen großen Vorteil. "Durch ihre kommunale Verankerung haben die Stadtwerke einen direkten Draht zu den Endkunden, was in der neuen Energiemarktstruktur vorteilhaft sein müsste" , beschreibt dies Springer-Autor Josef Gochermann im Buchkapitel "Stadtwerke und regionale Energieversorger" auf Seite 164.

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2016 | OriginalPaper | Buchkapitel

Stadtwerke und regionale Energieversorger

Die Energiewende findet zu einem großen Teil auf der regionalen Ebene statt. Die Expedition durch die Stadtwerkewelt zeigt die vielfältigen und individuellen Maßnahmen und Projekte auf, die von großen und auch kleineren regionalen Energieversorgern seit Mitte des letzten Jahrzehnts vorangetrieben werden.


Die Entwicklung dahin ist in vollem Gange. 41 Prozent geben in der Studie Digitale
Geschäftsmodelle - Digitalisierung in der Energiewirtschaft
 an, dass sich ihr Geschäftsmodell stark oder sehr stark, bei 35 mittelstark und bei 24 Prozent leicht oder gar nicht verändert haben.

Veränderungen stärker erwartet

Für die kommenden Jahre erwarten 47 Prozent eine starke oder sehr starke Veränderung, 40 Prozent eine mittlere und nur noch 13 Prozent eine leichte oder gar keine Veränderung. Als Treiber werden von den Verantwortlichen die regulatorischen Marktbedingungen unter anderem hin zu mehr Liberalität gesehen, aber auch Dezentralisierung, veränderte Kundenbedürfnisse und die Digitalisierung.

In diesen an sich fortschrittlichen und letztlich nicht aufhaltbaren Entwicklungen liegen aber auch die Hauptgefahren für tradierte Geschäftsmodelle der EVU. Marktanteile und Umsätze gehen teils schon jetzt spürbar zurück, auch wenn der Wechselwille bei den meisten Kunden nicht sehr stark ausgeprägt ist. Hinzu kommen Modelle von Energieautarkie oder Mieterstrom, bei denen klassische Energieversorger, aber auch neue Marktkeilnehmer komplett außen vor bleiben.

Neue Geschäftsmodelle möglich

Deswegen müssen die EVU neue Geschäftsmodelle entwickeln – auf Basis eben jener Digitalisierung und Dezentralisierung. Und die gibt es zuhauf. Eines wären virtuelle Kraftwerke, also der Zusammenschluss vieler kleiner Erzeuger für eine finanziell lukrative Teilnahme am Regelenergiemarkt, also jenem Markt, der für Netzstabilität bei fluktuierenden Energiequellen wie Wind und Sonne sorgt. Mit der Digitalisierung können auch variable Stromtarife entwickelt werden, die für Nutzer zeitlich begrenzt attraktiv sind, etwa für den Betrieb von Wärmepumpen. Genau diese Tarife, etwa für Nachtspeicherheizungen, wurden über die Jahre hinweg kontinuierlich abgeschafft. Die intelligenten Zähler ermöglichen zudem weitere Geschäftsmodelle, etwa Laststeuerungen bis hinunter in die einzelne Wohnungen oder Häuser, so dass dem Kunden jeweils der günstigste Stromtarif zur Verfügung gestellt wird, etwa zum Aufladung seines E-Mobiles.

"Immer öfter müssen sich die Stadtwerke neuen Wettbewerbern stellen, womit in der Regel Preissenkungen verbunden sind. Die daraus entstehenden Mindereinnahmen können nur durch interne und externe Einsparungen kompensiert werden", beschreiben die Springer Gabler-Autoren Karlheinz Weißer und Gerold Rüdrich in ihrem Buchkapitel "Drastische Einsparungen in Stadtwerken" auf Seite 165 die unausweichliche Konsequenz, falls die EVU sich nicht darauf einstellen.

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