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31.01.2013 | Energie | Im Fokus | Onlineartikel

Studie zu Auswirkungen des deutschen Kernenergie-Ausstiegs auf den Stromaustausch

Autor:
Julia Ehl

Die Behauptung, der deutsche Atomausstieg würde nur durch vermehrte Importe von Atomstrom aus Nachbarländern möglich sein, ist nun durch die wissenschaftliche Studie "Auswirkungen des deutschen Kernenergie-Ausstiegs auf den Stromaustausch mit den Nachbarländern" des Öko-Instituts widerlegt.

Die in der Studie analysierten Zahlen zeigen eindeutig, dass der Stromaustausch mit Tschechien sich nur marginal verändert hat obwohl Tschechien überwiegend Strom aus Atomkraft gewinnt. Die Stromlieferungen aus Frankreich haben sich leicht erhöht, allerdings nur um 1 Prozent der deutschen Stromerzeugung. Gleichzeitig ist die Produktion der französischen Atomkraftwerke nicht angestiegen. Es gibt demnach keinen belastbaren Beweis, dass der nicht mehr in Deutschland produzierte Atomstrom durch Stromlieferungen aus Kernkraftwerken der Nachbarländer gedeckt wird.

Die Wissenschaftler weisen in der Studie darauf hin, dass der entscheidende Treiber sowohl für Importe als auch Exporte der aktuelle Preis an der Strombörse sei und nicht ein vermeintlich drohender Versorgungsengpass. So stellt Charlotte Loreck, Mitautorin der Studie und Energieexpertin am Öko-Institut, fest : "Ausschlaggebend ist  die Kostenoptimierung des Kraftwerkeinsatzes am europäischen Strommarkt. Die Kraftwerke mit den niedrigsten Produktionskosten kommen zuerst zum Zuge. An diesem Mechanismus hat auch die Stilllegung von acht AKW nichts geändert."

Der eigene Energiebedarf kann in Deutschland gedeckt werden. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) meldet sogar, das in 2012 soviel Strom wie noch nie zuvor exportiert werden konnte. "Der internationale Handel mit Strom ist in letzter Zeit zu Unrecht in Verruf gekommen. Denn Importe und Exporte sorgen für zusätzliche Flexibilität – ein großer Vorteil beim Ausbau der Erneuerbaren Energien", sagte Niklas Schinerl, Energieexperte von Greenpeace. Traditionell hat Deutschland vor dem Atomausstieg im Sommer mehr Strom importiert als exportiert. Doch im Jahr 2012 exportierte Deutschland – erstmals seit zehn Jahren – auch im Sommer Strom. Grund dafür ist auch der Ausbau der Erneuerbaren Energien und insbesondere der Photovoltaik: Deutschland lieferte im Sommer 2012 den meisten Strom in den frühen Nachmittagsstunden ins Ausland.

Ursache des Stromüberschusses sind die deutschen Kohlekraftwerke, die sich eher  schwerfällig auf den kurzfristigen Energiebedarf einstellen können und aus betriebswirtschaftlichen Gründen weiterlaufen. Billige CO2-Zertifikate begünstigen den klimaschädlichen Kohlestrom. "Die EU muss über den EU-Emissionshandel den CO2-Preis anheben; die Bundesregierung muss den Kohleausstieg per Gesetz verordnen. Dann werden flexible Gaskraftwerke die Kohleblöcke ersetzen – und Gas bildet die Brücke zu 100 Prozent Erneuerbaren Energien", erklärt Schinerl.

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