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27.03.2018 | Energie | Im Fokus | Onlineartikel

Flüssiggas kann Heizöl ersetzen

Autor:
Frank Urbansky

Flüssiggas ist im Wärmemarkt ein Nischenprodukt. Nur drei Prozent der Wohnungen werden damit beheizt. Doch es verbrennt umweltschonender als Heizöl und könnte dieses in ländlichen Gebieten ersetzen.

Flüssiggas, ein Gemisch aus Propan und Butan, ist ein vielfältig einsetzbares Nebenprodukt, das bei Raffinerieprozessen und der Förderung von Erdöl und Erdgas gewonnen wird. "Flüssiggas dient im privaten Bereich als Heiz- oder Kochgas, in der Industrie als Brenngas und in Kraftfahrzeugen mit Ottomotor als Autogas (Treibgas). Das Gas kann auf See, auf der Schiene und auf der Straße in Tanks befördert werden", beschreibt Springer Vieweg- Autor Christian Petersen auf Seite 474 seines Buchkapitels Thermodynamik das breite Einsatzspektrum. 

Empfehlung der Redaktion

2017 | OriginalPaper | Buchkapitel

Thermodynamik

Die Thermodynamik zählt zu den wichtigen Anwendungsdisziplinen der Naturwissenschaften. Im Kapitel wird zunächst untersucht, wie sich Festkörper, Flüssigkeiten und Gase unter Wärmeeinwirkung verhalten. 


Am häufigsten wird Flüssiggas hierzulande als Heizgas verwendet. 600.000 Wohngebäude werden so beheizt. Doch das sind nur rund drei Prozent aller Haushalte. Dabei ist das Potenzial von Flüssiggas viel größer.

Dezentraler Netzersatz

Zum Einsatz kommt es vor allem dort, wo keine Wärme- oder Gasnetze anliegen, also in ländlichen Gebieten. Hier ist auch der größte Konkurrent von Flüssiggas, Heizöl, weit verbreitet. Damit werden immerhin 5,6 Millionen Wohnungen beheizt. Auch Heizungen mit Holzpellets sind beliebt und kommen auf 460.000 Heizungen. Allen drei Heiztechnologien ist gemeinsam, dass sie dezentral sind und Tanks nutzen.
Sowohl gegenüber Heizöl als auch Pellets hat Flüssiggas einige Vorteile bei der Verbrennung aufzuweisen. (Die folgenden Forschungsergebnisse wurden vom Institut für Feuerungs- und Kraftwerkstechnik (IFK) der Universität Stuttgart im Jahr 2016 ermittelt.) 

Flüssiggas emittiert 16 Prozent weniger CO2 als Heizöl, weist eine geringere Feinstaubemission und damit zusammenhängend eine geringere Ruß- und Aschebildung auf. Heizöl emittiert bei Kesseln zwischen 4 und 25 Kilowatt rund 0,8 Milligramm pro Megajoule, Flüssiggasgeräte nur 0,018 Milligramm pro Megajoule. Zudem enthält Flüssiggas fast keinen Schwefel. Die geringen Spuren sind auf ein Odiermittel zurückzuführen, das Flüssiggas aus Sicherheitsgründen beigegeben wird. Deswegen wird bei der Verbrennung von Flüssiggas die Luft mit 50 Prozent weniger Schwefeloxiden belastet als bei Heizöl. Ein ähnliches Verhältnis gilt für den Ausstoß von Stickoxiden.

Weniger Feinstaub als Pellets

Gegenüber Holzpellets hat Flüssiggas vor allem in Bezug auf die Feinstaubemissionen deutliche Vorteile. Mit 21 Milligramm pro Megajoule stoßen Pellets etwa die 1,166-fache Menge des Feinstaubs aus, die beim Heizen mit Flüssiggas entstehen. Bei Stickoxiden ist es in etwa das Vierfache und bei Kohlenmonoxid je nach Verbrennungstechnik das 20- bis 100-fache. Diese geringeren Emissionen machen Flüssiggas zu einer Alternative im Wärmemarkt und zur Brückentechnologie auf dem Weg zu einer CO2-freien Wärmeversorgung.

Als Ersatz für alte Ölheizungen ist das Potenzial von Flüssiggas sehr hoch. 2,8 Millionen Ölheizungen, also etwas mehr als die Hälfte, sind weder an das Erdgas- noch an das Fernwärmenetz anschließbar. Geht man von einem zu 70 Prozent veralteten Heizungsbestand aus, könnten fast zwei Millionen Ölheizungen durch Flüssiggasheizungen ersetzt werden. Ein gewaltiges Potenzial. Zudem ist Flüssiggas – im Gegensatz zu Heizöl – nicht wassergefährdend und kann auch in Hochwasser- oder Trinkwassergebieten eingesetzt werden.
Die größte Vorteile hat Flüssiggas also aufgrund seines für einen fossilen Brennstoff recht guten Emissionsverhaltens sowie seiner Dezentralität, die in der Speicher- und Lagerfähigkeit in kleinen Tanks begründet liegt. "Im Gegensatz zum Stromsektor steht der Speicherbedarf in der Wärme- und Kälteversorgung deutlich im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. [...] Fast jeder Haushalt hat einen Wärmepuffer, so auch erneuerbare Heizsysteme wie Pelletheizungen, Erdwärme- oder Solarwärmeanlagen. Einige Haushalte mit Flüssiggas- oder Ölheizungen verfügen sogar über zwei Speicher: einen Kraftstoffspeicher und ein Wärmepuffer", beschreiben die Springer Vieweg-Autoren Michael Sterner, Fabian Eckert, Norman Gerhardt, Hans-Martin Henning und Andreas Palzer diesen Vorteil aller dezentralen Heiztechnologien auf Seite 4 ihres Buchkapitels Speicherbedarf in der Wärmeversorgung

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Thermische Energietechnik

Quelle:
Thermische Energiesysteme

2017 | OriginalPaper | Buchkapitel

Verbrennungsprozesse

Quelle:
Thermodynamik

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