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01.02.2022 | Energieeffizienz | Im Fokus | Online-Artikel

Nachhaltiges Bauen wird Pflicht und treibt die Kosten

verfasst von: Frank Urbansky

3:30 Min. Lesedauer
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Das Bauen braucht in Zukunft mehr Nachhaltigkeit. Das wiederum wird die Baukosten nach oben treiben. Ausgleichen lässt sich dies durch bessere Vermarktungschancen und höhere Effizienz.

Bauen ist energieintensiv und verursacht hierzulande einen Großteil der Emissionen. "Etwa 30 % des gesamten CO2-Ausstoßes in Deutschland werden durch den Bau und die Nutzung von Gebäuden verursacht. Immobilien weisen mithin ein hohes, bislang nur teilweise ausgeschöpftes Nachhaltigkeitspotenzial auf", beziffern dies die Springer-Gabler-Autoren Barnim G. Jeschke und Marcus Todt in ihrem Buchkapitel Nachhaltigkeit in der Bauwirtschaft – Konzeption, Potenziale und Umsetzung bei Großimmobilien auf Seite 221.

Empfehlung der Redaktion

2022 | OriginalPaper | Buchkapitel

Nachhaltigkeit in der Bauwirtschaft – Konzeption, Potenziale und Umsetzung bei Großimmobilien

Etwa 30 % des gesamten CO2-Ausstoßes in Deutschland werden durch den Bau und die Nutzung von Gebäuden verursacht. Immobilien weisen mithin ein hohes, bislang nur teilweise ausgeschöpftes Nachhaltigkeitspotenzial auf. Gleichzeitig beeinflussen …

Eines der wesentlichen Vorhaben der neuen Bundesregierung ist mehr Nachhaltigkeit. Das Wort findet sich auch im Titel des Koalitionsvertrages. Der Nachhaltigkeit am Bau ist ein ganzes Kapitel gewidmet. "Im Rahmen des Klimaschutzsofortprogramms führen wir 2022 nach dem Auslaufen der Neubauförderung für den KfW-Effizienzhausstandard 55 (EH 55) ein Förderprogramm für den Wohnungsneubau ein, das insbesondere die Treibhausgas-Emissionen (THG-Emissionen) pro m² Wohnfläche fokussiert […,] zum 1. Januar 2024 werden für wesentliche Ausbauten, Umbauten und Erweiterungen von Bestandsgebäuden im GEG die Standards so angepasst, dass die auszutauschenden Teile dem EH 70 entsprechen; im GEG werden die Neubau-Standards zum 1. Januar 2025 an den KfW-EH 40 angeglichen", so die Koalitionäre.

Förderung in Zukunft nach THG-Einsparungen

Heißt: Die bisherige Förderung nach Effizienz wird umgestellt auf eine Förderung nach eingesparten THG-Emissionen. Zudem will die neue Regierung die Grundlagen schaffen, den Einsatz grauer Energie sowie die Lebenszykluskosten am Bau verstärkt betrachten zu können.

Doch ab wann gilt ein Bauwerk überhaupt als nachhaltig? Die derzeitigen Standards wie Leadership in Energy and Environmental Design (LEED; USA), Building Research Establishment Environmental Assessment Method (BREEAM; UK) oder das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB), der von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) mitentwickelt wurde, wenden meist zwei Methoden an. Beim additiven Ansatz wird die Nachhaltigkeit unabhängig vom Wert des Gebäudes ermittelt, beim integrativen Ansatz werden alle wertrelevanten Aspekte der Nachhaltigkeit für die Wertermittlung betrachtet.

Für beide Methoden braucht es messbarer Indikatoren. Die aktuellen Vorgaben, die auch vom neuen Bundesbauministerium übernommen werden, sind jedoch aufwendig und nicht immer objektiv. Diese könnten aber anhand von Klimadaten oder zuverlässigen Simulationen von Verbräuchen verbessert werden.

Letztlich muss man alle Aspekte nachhaltigen Bauens auf folgende Phasen des Ressourcenverbrauchs zurückführen: bei der Baustoffherstellung, dem Vorgang des Bauens an sich, während des Betriebs des Gebäudes, während Modernisierungsphasen und schließlich beim Rückbau und dem Recyceln beziehungsweise einer anderen Verwertung der Baustoffe.

Erlöse durch Effizienz und Vermarktung

Das wird jedoch zumindest kurz- und mittelfristig, also bevor zu recycelnde Baustoffe einen Wert darstellen, zu einem Anstieg der Baukosten führen. Nach dem Bauprojektentwickler Dress & Sommer liegen die Kosten für nachhaltiges Bauen um 2 bis 6 Prozent über denen für konventionelles Bauen. Allerdings lassen sich schon heute nachhaltig errichtete Immobilien besser vermarkten – und sie ermöglichen potentiell höhere Mieten und Verkaufspreise. Das wiederum könnte die Mehrkosten auch ohne die späteren Erlöse aus dem Recycling egalisieren.

Ähnliches gilt für die Energiekosten. Da nachhaltiges Bauen durch die geforderte Ressourcenschonung auch im Betrieb per se energieeffizient sein muss, verbrauchen so gebaute Gebäude auch weniger Energie. Das wiederum bedeutet einen weiteren Vorteil bei der Vermarktung. "Möglich ist, dass die nicht nachhaltige Liegenschaft im Wettbewerb um Mieter einer Mietzinserosion ausgesetzt ist. Dies, weil die Nebenkosten für die Mieter höher ausfallen, oder weil die ökologische Nachhaltigkeit das Gewissen der Mietenden so verändert, dass bei vergleichbaren Angeboten die Liegenschaft mit ökologisch vorteilhaftem Heizsystem zu leicht höheren Mieten vorgezogen wird. Auch auf der Kostenebene können sich Unterschiede einstellen", benennen dies die Springer-Gabler- Autoren Christian Kraft und Constantin Kempf in ihrem Buchkapitel Einfluss nachhaltiger Projektattribute auf Kosten, Mieten und Werte auf Seite 112.

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