Keine Verbindlichkeit mehr beim Heizungsgesetz
- 26.02.2026
- Energiegesetz
- Kommentar
- Online-Artikel
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Die Koalition kippt die 65-Prozent-Vorgabe und erlaubt weiter Öl- und Gasheizungen. Das schafft kurzfristig Ruhe – schwächt aber eine klimapolitisch sinnvolle Leitplanke und vertagt Investitionen in eine zukunftsfeste Wärmeversorgung.
Wärmpumpen konnten die bisherige Vorgabe von mindestens 65 Prozent erneuerbarer Energien bei der Wärmeversorgung locker erfüllen. Dieses Ziel wurde nun gekippt.
Frank Urbansky
Die schwarz-rote Einigung zur Reform des Gebäudeenergiegesetzes ist eine politische Zäsur. Die Pflicht, neue Heizungen zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien zu betreiben, entfällt. Künftig sollen Öl- und Gasheizungen wieder (fast) uneingeschränkt eingebaut werden dürfen, flankiert von einer moderaten Grüngasquote für Erdgas und Heizöl – wobei weitgehend offen bleibt, wo diese Mengen herkommen sollen. Was als Befreiungsschlag verkauft wird, ist in Wahrheit eine deutliche Abschwächung einer an sich sinnvollen Regelung.
Die 65-Prozent-Vorgabe war kein Selbstzweck. Sie setzte einen klaren Investitionsrahmen für Eigentümer, Industrie und Handwerk. Gerade im Gebäudesektor, der seine Klimaziele seit Jahren verfehlt, braucht es Verbindlichkeit. Stattdessen verlagert die Koalition Verantwortung auf Energieversorger, die ab 2028 beziehungsweise 2029 schrittweise klimafreundliche Gase beimischen sollen – zunächst in sehr geringen Größenordnungen. Ein Prozent ab 2028, zehn Prozent ab 2029 für neue Anlagen: politisch leichter vermittelbar, klimapolitisch aber wenig ambitioniert – und mengenmäßig kaum darstellbar.
Kosten bleiben hoch, aber tragbar
Natürlich: Der Umstieg auf Wärmepumpen, Fernwärme oder hybride Systeme ist teuer. Die Investitionskosten für Eigentümer liegen deutlich über denen einer konventionellen Gasheizung. Doch diese Ausgaben wären finanzierbar gewesen – auch dank der hohen Förderquoten von bis zu 70 Prozent über die Bundesförderung für effiziente Gebäude, die immerhin bis 2029 erhalten bleiben soll. Vor allem verschieben Investitionen in erneuerbare Wärme einen Teil der Last in die Zukunft: geringere CO₂-Kosten, sinkende Importabhängigkeit und stabilere Betriebskosten.
Fossile Heizungen sind zwar heute günstiger in der Anschaffung. Sie binden Haushalte jedoch an steigende CO₂-Preise, volatile Gaspreise und perspektivisch schrumpfende Netzinfrastrukturen mit wachsenden Fixkosten pro Anschluss.
Europa setzt den Rahmen
Europarechtlich bewegt sich die Bundesregierung in einem engen Korridor. Die novellierte Energy Performance of Buildings Directive sowie die Renewable Energy Directive verpflichten Deutschland zu klaren Fortschritten im Gebäudesektor. Die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz weist darauf hin, dass die Klimawirkung der bisherigen Regelung mindestens erreicht werden muss. Auch der Bundesverband Erneuerbare Energie betont die Verbindlichkeit der europäischen Zielvorgaben.
Sollte sich zeigen, dass Grüngasquote und Evaluierungsklausel nicht ausreichen, drohen erneute Nachbesserungen – inklusive Rechtsunsicherheit für Investoren. Planungssicherheit entsteht nicht durch geringere Ambition, sondern durch konsistente Zielpfade.
Verbände gespalten, Förderung als Plus
Die Stimmen aus der Branche sind geteilt. Der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie begrüßt Bürokratieabbau, Flexibilität und mehr Entscheidungsfreiheit für Eigentümer. Auch Energiedienstleister sehen Chancen in einer stärkeren Einbindung der Versorger.
Kritischer äußern sich Umweltverbände wie Deutsche Umwelthilfe und Greenpeace. Sie warnen vor einer Verfestigung fossiler Abhängigkeiten und steigenden Belastungen für Mieter. Auch Teile der Effizienz- und Erneuerbaren-Branche bezweifeln, dass eine niedrige Grüngasquote ausreichend Transformationsdruck erzeugt.
Positiv ist die angekündigte Fortführung der Förderung bis mindestens 2029. Sie stabilisiert einen Markt, der zuletzt massiv verunsichert war. Entscheidend wird sein, dass Fördersystematik und Förderhöhe erhalten bleiben.
Unterm Strich bleibt ein ambivalentes Bild. Die ursprüngliche 65-Prozent-Regel war politisch umkämpft, setzte jedoch einen klaren Dekarbonisierungspfad. Die Reform nimmt Druck aus dem System. Das schafft kurzfristig Akzeptanz – erhöht jedoch das Risiko, dass notwendige Investitionen später unter größerem Zeitdruck und zu höheren Kosten nachgeholt werden müssen.