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08.05.2018 | Energienutzung | Im Fokus | Onlineartikel

Quartiere effizient und multimedial durch Digitalisierung

Autor:
Frank Urbansky

Quartiere mit Wohn- und Geschäftsgebäuden lassen sich äußerst energieeffizient gestalten. Dafür dienen dezentrale Versorgungslösungen. Die Digitalisierung ermöglicht zudem multimediale Angebote.

Die bisherige Gesetzgebung zur Energieeinsparverordnung richtet sich vor allem an Einzelgebäude. Doch bezogen auf Quartiere wären die Einsparpotenziale viel größer. "Viele Klimaschutzmaßnahmen sind auf das einzelne Gebäude bezogen […]. Zusätzliche Potenziale lassen sich generieren, wenn man sich von einem gebäudebezogenen Ansatz löst und das Quartier im Ganzen betrachtet […]. Heterogene Formen der Energieerzeugung und -verteilung und damit einhergehend dezentrale Versorgungsstrukturen nehmen gegenüber zentralistischen Strukturen zu […]. Quartierslösungen können daher für die Energiewende eine wichtige Stellung einnehmen […]", beschreiben dies die Springer-Autoren Geraldine Quénéhervé, Jeannine Tischler und Volker Hochschild auf Seite 390 ihres Buchkapitels Energiewende im Quartier – Ein Ansatz im Reallabor.

Empfehlung der Redaktion

2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Energiewende im Quartier – Ein Ansatz im Reallabor

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts lebten erstmalig mehr als 50 % der Menschen in Städten, welche zwischen 60 und 80 % der weltweit benötigten Energie verbrauchen. Die Transformation der Städte hin zu nachhaltigen Gesellschaften mit nachhaltigen Energiesystemen wird aber nicht nur durch die gebaute Umwelt, Technologien und Politik geprägt, sondern v. a. durch Systeminnovationen. 


Die neue Bundesregierung will diese Entwicklung unterstützen. "Die anzustrebenden CO2-Einsparungen können auch auf Quartiersebene bilanziert werden", heißt es im Koalitionsvertrag. Vorgesehen ist auch die Förderung von Wärmespeichern in Quartieren.

Effizient durch weniger Leitungsverluste

Denn solche Vor-Ort-Lösungen sind immer dann effizient, wenn sie große Leitungsstrukturen überflüssig machen. So kann die Stromerzeugung vor Ort mittels eigener Photovoltaik-Anlage oder Blockheizkraftwerk den Netzausbau reduzieren. Dieses Blockheizkraftwerk kann wiederum in Verbund mit Solarthermie einen Großteil der Wärme und des Warmwassers bereitstellen, was teure Fernwärmenetze und Gasanschlüsse ersetzen kann. Diesen Lösungen ist eines gemein: Sie reduzieren Leitungsverluste und ermöglichen ganz neue Vermarktungsmodelle für Energie vor Ort. Möglich wären etwa Modelle mit Mieterstrom oder Warmmieten, in denen die Nebenkosten für Wärmenergie nicht mehr vorkommen. Denn diese würde so effizient produziert und verbraucht, dass sich das getrennte Ablesen, Verarbeiten und Abrechnen nicht mehr lohnen würde.

Weiterhin ist denkbar, dass der eigens erzeugte PV-Strom den Mietern wieder zur Verfügung gestellt wird, um ihre E-Mobile aufzuladen. Das ist etwa in Franklin der Fall, einem neuen Stadtteil von Mannheim, der einmal 9.000 Mietern Platz auf dem Gelände einer alten US-Army-Kaserne bieten soll. E- Autos können heute schon umsonst betankt und gemietet werden. Dafür sorgt eine PV-Anlage auf dem Informationsbüro des Viertels.

Letztlich ist die Entwicklung solcher Quartiere die Möglichkeit, die Energiewende in die Städte zu bringen. Investoren zielen schon heute – entweder gezwungen durch Energieeinsparverordnung (EnEV) oder Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) im Neubau – darauf ab, energieeffiziente Wohnungen zu errichten. Diese lassen sich später auch einfacher vermarkten – ein umfassender Ansatz für ein Quartier, der neben Energieversorgung und Mobilität auch die Telekommunikation erfasst, denn diese kann ja bei den Planungen und den zu verlegenden Leitungen schon komplett mit bedacht werden. 

Digitalisierung bündelt Angebote

Die dann anfallenden Datenmengen im Quartier können dank Digitalisierung auch effizient und für die Mieter sowie Bewohner und Nutzer jederzeit einsehbar verarbeitet werden. Vor Ort sorgen dann noch Ansprechpartner als Quartiersmanager für den nötigen Informationsfluss und die Erläuterung der Angebote.

Deswegen setzen immer mehr Städte, meist in Verbund mit ihren eigenen Wirtschaftstöchtern für Infrastruktur und Energie, auf Quartierslösungen. "Gesellschaftlich sind die Ausbaupfade davon abhängig, welches Ausmaß dezentrale-kommunale EE-Energieversorgungssysteme (kurz: EE-EVS) innerhalb des Gesamtsystems und welche Ausmaße wiederum die dezentralen LAVA (lokal-autarke Versorgungsareale - d. Red.) -Quartierslösungen innerhalb dieser lokalen EE-EVS annehmen. Es ist zu vermuten, dass immer mehr Kommunen solche EE-EVS anstreben, positive Beispiele vor Augen", sieht Uwe Pfenning auf Seite 4 seines Artikels in der Zeitschrift für Energiewirtschaft vom 20. März 2018 Eine soziologische Systemanalyse und sozio-ökonomisches Review der Soziotechnik Energiewende diese Entwicklung voraus.

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