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10.07.2018 | Energienutzung | Im Fokus | Onlineartikel

Wärmerückgewinnung als Quartierslösung für 86 Wohnungen

Autor:
Frank Urbansky

Wärmerückgewinnung in Wohnungen steigert die Energieeffizienz und senkt die Nebenkosten. Lösungen gibt es inzwischen für ganze Quartiere. Dabei bleiben die einzelnen Wohnungen individuell regelbar.

Die Wärmewende hat ein Effizienzproblem. Bis 2050 soll der Wärmebedarf allein durch Effizienzmaßnahmen um 40 Prozent abnehmen. Eine Möglichkeit: Abwärmenutzung. Allerdings "kann in der Praxis nur ein kleiner Teil der Primärenergie als Abwärme aus vielen Betriebsbereichen zurückgewonnen werden. Vielfach stellt sich die Frage nach einer sinnvollen Verwertung, besonders in den Sommermonaten, wenn keine Heizenergie benötigt wird." So beschreibt Springer Vieweg-Autor Rolf Stiefel in seinem Buchkapitel Das Konzept Prozesswasserautarkie als Zukunftsinvestition auf Seite 206 ganz praktische Probleme dieser Technologie.

Empfehlung der Redaktion

2017 | OriginalPaper | Buchkapitel

Das Konzept Prozesswasserautarkie als Zukunftsinvestition

Technische Entwicklungen sind oft von unterschiedlichen Parametern abhängig, die sich gegenseitig bestärken oder schwächen können. Eine Möglichkeit, sie vorausschauend zu bewerten, bietet der Ansatz über Szenarien, um mögliche Entwicklungen zu veranschaulichen. 


In Wohngebäuden bliebe diese Frage jedoch nicht unbeantwortet: Hier könnte die gewonnene Abwärme in den Sommermonaten zur Warmwasserbereitung genutzt werden. Doch eine viel größere Rolle spielt die kontrollierte Wohnraumlüftung in hochgedämmten Gebäuden. 

Wohnraumlüftung Voraussetzung

Wie das geht, zeigt ein Beispiel im oberbayerischen Eichstätt. Errichtet wurden die mehrgeschossigen Neubauten auf einem alten Bahnareal nahe der Innenstadt. Hier wurden nicht nur einzelne Wohnungen, sondern ein ganzes Quartier mit 86 Wohneinheiten entsprechend ausgerüstet. 

Voraussetzung für eine effiziente Abwärmenutzung im Wohnbereich ist eine effiziente Dämmung. Ein erstes Baufeld wurde im KfW-70-Standard gebaut, ein späteres im KfW-55-Standard. Zum Einsatz kamen hier dezentrale Lüftungsgeräte mit Wärmerückgewinnung. Knackpunkt dabei: Alle hochgedämmten Gebäude müssen regelmäßig gelüftet werden. Ansonsten bildet sich im Inneren Kondenswasser, das zu Schimmelschäden führen kann. Will ein Investor sich nicht darauf verlassen, dass die Bewohner regelmäßig die Fenster öffnen, ist eine kontrollierte Wohnraumlüftung das Mittel der Wahl. Und diese kann, wie hier in dem auf Spitalstadt Eichstätt getauften Quartier, problemlos mit einer Wärmerückgewinnung via Aluminium-Wärmespeicher kombiniert werden.

Verbaut wurden insgesamt 263 Thermolüfter der Firma LTM. Im ersten Gebäude belüften 118 Geräte 40 Wohneinheiten, im zweiten 145 Geräte 46 Wohneinheiten. Die unterschiedliche Anzahl an Geräten war nötig, weil die Wohnflächen der Wohnungen variieren. Bei größeren Wohnungen sind also mehr Lüfter notwendig als bei kleineren.

Ständig frische Luft

Neben ständig frischer Luft wird durch die Wärmerückgewinnung ein Wärmebereitstellungsgrad von bis zu 89 Prozent und auch der KfW-Effizienzhausstandard erreicht. Alle Lüftungsgeräte befinden sich direkt in den Außenwänden und können in jeder Wohneinheit über eine Zentralsteuerung bedient werden. Im Winter wird so die Frischluft behaglich vortemperiert und im Sommer kann kühle Nachtluft einströmen.

Gerade bei Quartieren sind noch ganz andere Formen der Abwärmenutzung denkbar, etwa, wenn Abwärme in benachbarten Firmen oder im Einzelhandel anfällt. "Dabei wird die Abwärme von den Innengeräten im Kühlmodus für die Warmwasserbereitung oder das Heizen anderer Räume genutzt. Im Idealfall kann somit die Abwärme z. B. einer Technikzentrale/eines Serverraumes innerhalb eines Gebäudes ohne weiteren Energieeinsatz komplett zur Beheizung der weiteren Räume genutzt werden. Das führt zu bedeutenden Steigerungen der Energieeffizienz und Senkungen der CO2-Emissionen", beschreibt dieses Prinzip Springer Gabler-Autor Gunther Gamst in seinem Buchkapitel Die Energiewende beginnt im Gebäude. Wie Unternehmen von grüner Gebäudetechnik profitieren auf Seite 234.

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