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27.11.2018 | Energiespeicher | Im Fokus | Online-Artikel

Studie vergleicht erstmals alle marktgängigen Stromspeicher

verfasst von: Frank Urbansky

2:30 Min. Lesedauer
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Der Bedarf an E-Batterien nimmt zu. Viele Anbieter tummeln sich inzwischen auf dem Markt. Eine Studie hat erstmals alle verfügbaren Stromspeicher hinsichtlich ihrer Effizienz miteinander verglichen.


Speicher für elektrischen Strom sind für die Energiewende unentbehrlich. "Stromspeicher können vorrangig für einen zeitlichen und zum Teil auch räumlichen Ausgleich von Unterschieden in Erzeugung, Nachfrage und Systemkapazität im Stromsystem sorgen und zudem durch bestimmte Systemdienstleistungen zum Erhalt der Versorgungssicherheit und der Funktionsfähigkeit des Elektroenergiesystems beitragen", beschreibt Springer Vieweg-Autor Martin Zapf in seinem Buchkapitel Stromspeicher – Technologien und Bedarf auf Seite 96 deren wesentlichen Zweck. 

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2017 | OriginalPaper | Buchkapitel

Stromspeicher – Technologien und Bedarf

Der Stromspeicherbedarf ist von einer Vielzahl an Faktoren abhängig. Neben dem erneuerbaren Ausbaugrad und Energieeffizienzmaßnahmen beeinflussen vor allem Flexibilitätsoptionen im Stromsystem, wie Demand-Side-Management-Maßnahmen, die Notwendigkeit von Stromspeichern. 


In einer Studie, der Stromspeicher-Inspektion 2018, hat die Forschungsgruppe Solarspeichersysteme der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW Berlin) nun erstmals die Energieeffizienz von 20 Speichersystemen geprüft. Gefördert wurde sie von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt.

"Die Ergebnisse stellen weit verbreitete Pauschalaussagen zur Wahl der Speichergröße und Relevanz der Speicherverluste infrage“, so die Autoren rund um Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin.

Größe nicht ausschlaggebend

Bei dem Vergleich gerieten die Forscher auch mit einer alten Gewissheit in Konflikt. Bisher galt: Je größer ein Stromspeicher, umso effizienter arbeitet er. Das, so die Studie, sei jedoch kein Naturgesetz. Als Grund ermittelten die Wissenschaftler hohe Umwandlungs- und Standby-Verluste von überdimensionierten Speichersystemen. Diese schmälern den eigentlichen Nutzen der Stromspeicherung. "Dagegen können kleine, effiziente Speichersysteme erstaunlicherweise sogar eine geringere Stromrechnung am Jahresende ermöglichen", so Johannes Weniger, Initiator der Stromspeicher-Inspektion. Er empfiehlt deswegen, beim Speicherkauf die Systemeffizienz als wichtigeres Auswahlkriterium zugrunde zu legen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Studie waren Systemkonzepte zur Einbindung der Batteriespeicher, wobei zehn Hersteller aktiv teilnahmen. Zugrunde lag dem Test der an der HTW Berlin entwickelte System Performance Index (SPI). Dieser erfasst alle relevanten Verlustursachen. Drei besonders effiziente Photovoltaik-Speichersysteme erzielten einen SPI von knapp über 90 Prozent. Die Effizienzunterschiede zwischen den Systemen seien größer als bislang vermutet, so die Autoren. Die Ersparnis dank eines effizienten Systems könne in den ersten zehn Jahren bis zu 1.000 Euro betragen. Die Höhe der Speicherverluste wirke sich direkt auf die Kosten aus.

Mehr Transparenz von Herstellern gefordert

Generell kommt die Studie jedoch zu dem Schluss, dass sich die Mehrheit der untersuchten Solarspeichersysteme in Bezug auf die Effizienz nicht verstecken muss. Allerdings wünschen sich die Wissenschaftler, dass die Hersteller ihre Karten für mehr Transparenz im Speichermarkt offenlegten.

Effizienz ist jedoch nicht der einzige Entscheidungsgrund für einen Stromspeicher und wird es wohl auch nicht bleiben. "So sind […] die Motive für den Kauf eines Stromspeichers für den Privathaushalt deren Relevanz nach geordnet: Unabhängigkeit, finanzieller Profit, Erhöhung des sozialen Status, Beitrag zum Umweltschutz, und das Bedürfnis, "etwas Gutes für die deutsche Wirtschaft zu tun". Diese Haushalte haben in der Regel mehr Kinder als solche Haushalte, die die Anschaffung eines PV-Systems mit Speicher aus Gründen der Scheu vor hohen Kosten und hohem Aufwand meiden", beschreiben diese Gemengelage die Springer Autoren Tim Wawer, Kai-Michael Griese, Dominik Halstrup und Manuel Ortmann in ihrem Zeitschriftenbeitrag Stromspeicher im Quartier auf Seite 229.

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