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12.09.2014 | Energietechnik | Im Fokus | Onlineartikel

Die Mär vom Stromspeicher, der die Energiewende retten soll

2:30 Min. Lesedauer

Energiespeicher werden überbewertet, kritisiert Springer-Autor Herbert Niederhausen den Aktionismus der Politik. Für ihn wird die Elektrovollversorgung nur dann bedarfsbasiert, verlässlich und hochverfügbar sein, wenn während der nächsten Jahrzehnte die Primärenergieträger Wind, Sonne, Wasser, Biomasse, Gase, Kohlen und Uran in vernünftigen Anteilen genutzt werden.

Täglich benötigen wir 1,7 Milliarden, stündlich 70 Millionen kWh Elektroenergie. Diese Menge ist weder jetzt noch in absehbarer Zeit direkt speicherbar. Für indirekte Speicherung wird der Weg nach Power to Gas to Power favorisiert, der unter anderem wegen des geringen Wirkungsgrads von kleiner 25 % kein Königsweg ist, sondern eine Sackgasse. Momentan führt ein „Trampelpfad der Naivität“ in Richtung Wasserspeicher, an dessen Ende die nötige Anzahl fehlt. Unsere verfügbaren Wasserspeicher beinhalten eine potenzielle Energie von 42 Mio. kWh, womit rechnerisch der Elektroenergiebedarf für 36 Minuten gedeckt werden kann.

In praxi leisten die Speicherwasser-Generatoren 7 Millionen kW, was eine Entspeicherungszeit von 6 Stunden ergibt. Die Folge: Von den stündlich nötigen 42 Millionen kWh sind 6 Millionen kWh je Stunde verfügbar und damit nur 8,5% der erforderlichen Energiemenge. Um 5 Tage zu 50% mit Strom durch Speicherwasser zu überbrücken, müsste es 480 Speicherkraftwerke vom Typ Goldisthal, unser größtes Pumpspeicherkraftwerk (Kosten: 1 Milliarde Euro), geben. Überschussstrom müsste die Speicher wieder füllen.

Zwei Beispiele zur Einschätzung der Energie aus Speicherwasser:

  • Wenn 1000 Liter Wasser aus 360 Meter Höhe abgelaufen sind, dann wurde 1 kWh verfügbar.

  • Wenn die 50 km³ Wasser des Bodensees während eines Jahres in 5000 Meter Tiefe geflossen wären, dann wurden 585 Milliarden kWh generiert, unsere jährliche Elektroenergienutzung.

Fazit: Die Elektrovollversorgung wird nur dann bedarfsbasiert, verlässlich und hochverfügbar sein, wenn während der nächsten Jahrzehnte die Primärenergieträger Wind, Sonne, Wasser, Biomasse, Gase, Kohlen und Uran in vernünftigen Anteilen genutzt werden. Taktisch und strategisch kann das nur im europäischen Kontext geschehen, zumal der Strombedarf in Europa sich bis 2035 versechsfachen wird. Zur Stabilisierung der politisch fragilen Versorgungssicherheit mit Erdgas müssen wir mit Flüssigerdgas (LNG, Liquefield Natural Gas) beliefert werden können, wozu die seit Jahrzehnten überfälligen LNG-Terminals zum Beispiel in Emden und Wilhelmshaven unverzüglich zu bauen sind, um das LNG zu konvertieren, damit es in die Erdgaspipelines für den Verteiltransport, unter anderem in die Kraftwerke für Gas to Power gelangt.

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Ansonsten wird Deutschland zum Känguru-Reservat. Wegen beeindruckender Show-Sprünge mit leerem Beutel und Vorreiten im Galopp allerdings ein reversibler Touristen-Speicher.

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