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28.03.2018 | Energieverteilung | Im Fokus | Onlineartikel

Netzausbau auch bei dezentraler Energiewende erforderlich

Autor:
Julia Ehl

Nicht das Ob, sondern das Wann und Wie des Netzausbaus ist bei der dezentralen Energiewende zu klären. Dies zeigt eine Meta-Studie des Öko-Instituts. Proteste verzögern den Ausbau schon jetzt.

Auch die dezentrale Energiewende braucht einen Netzausbau. Dies ist die zentrale Aussage der Studie "Dezentralität, Regionalisierung und Stromnetze - Meta-Studie über Annahmen, Erkenntnisse und Narrative", die das Öko-Institut im Auftrag von Renewable Grid Initiative (RGI) erstellt hat. "Das elektrische Energieversorgungsnetz ist das tragende Element der elektrischen Energieverteilung vom Kraftwerk zum Verbraucher. … Steigende Primärenergiekosten aber auch die dezentrale Einspeisung von Kleinstkraftwerken führen zu einem geänderten Lastverhalten. Demgegenüber steht eine geänderte Kraftwerksstruktur auf Grund der vermehrten Einspeisung elektrischer Energie aus erneuerbaren Energien, wie zum Beispiel Windenergieeinspeisung und Fotovoltaikanlagen. Diese geänderte Verbraucher- und Erzeugerstruktur führen zu geänderten Anforderungen an die Netzstruktur. Diese geänderte Netzstruktur kann vielfach nur durch Investitionen in neue, zum Teil auch in höchst innovative Betriebsmittel realisiert werden.", leitet Jutta Hanson ihr Buchkapitel Netzplanung und Netzberechnung ein und stützt damit die Studienergebnisse.

Empfehlung der Redaktion

2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Netzplanung und Netzberechnung

Das elektrische Energieversorgungsnetz ist das tragende Element der elektrischen Energieverteilung vom Kraftwerk zum Verbraucher. Öffentliche und industrielle Energieversorgungsnetze und elektrische Anlagen in Kraftwerken müssen eine hohe Verfügbarkeit besitzen.


Die Verfasser der Studie betonen, eine jederzeit verbrauchsnahe Stromversorgung basierend auf erneuerbaren Energiequellen ist nicht vorstellbar. Neben fehlenden technischen Möglichkeiten werden Belange des Naturschutzes und die fehlende Akzeptanz von Anlagen zur Energieerzeugung, wie beispielsweise Windkraftanlagen nahe von bebauten Gebieten, die direkte Stromerzeugung vor Ort verhindern und Stromnetze und deren Ausbau erforderlich machen.

Aktuell geplanter Netzausbau ist notwendig

Selbst wenn alle Speicher und Flexibilitätsoptionen genutzt werden, ist der bis 2030 geplante Netzausbau erforderlich, belegt der Vergleich der diversen Untersuchungen in der Meta-Studie. Dies liegt darin begründet, dass die Potenziale zur Erzeugung von Wind- und Solarstrom in Deutschland sehr unterschiedlich verteilt sind. In der Nähe von großen Verbrauchszentren ist das Potenzial aus diesen Erneuerbaren teilweise zu klein, um den Bedarf zu decken.

Die in der Meta-Studie berücksichtigten Studien, die einen geringen Netzausbaubedarf ausweisen, gehen vor allem von einem erheblichen Ausbau der Windenergie in Süddeutschland aus. Die daraus resultierenden gravierenden Folgen wie beispielsweise ein vergrößerter Flächenbedarf, geringerer Wirkungsgrad der Windkraftanlagen sowie die Erweiterung der Kapazitäten in gasbasierten Kraftwerken für die Versorgungssicherheit müssten den Folgen des geplanten Leitungsausbaus gegenüber gestellt werden, vernachlässigen diese Folgen aber meist. Es wird daher festgestellt, dass der geplante Leitungsausbau auf jeden Fall erforderlich ist. Geklärt werden müssen nur die Umsetzung und der zeitliche Rahmen.

Das Wie wird nicht einfach

"Die Proteste und Widerstände von Bürgern, Anwohnern, Bürgerinitiativen, Bundesländern, Landkreisen und Kommunen und die komplexen Planungsverfahren verzögern den Ausbau schon jetzt erheblich (Neukirch 2013). Klar ist: Die Energiewende und der Trassenausbau sind zum einen auf die gesellschaftliche Akzeptanz angewiesen und zum anderen auf die Bereitschaft der lokalen Bevölkerung die Risiken und negativen Auswirkungen dieser Entscheidungen zu tragen. Die Widerstände verdeutlichen, dass es weder Bundestag, Bundesrat und Landesregierungen noch Bundesnetzagentur und die Planungsbehörden der Länder vermögen, den Ausbau der Netzinfrastruktur mit der nötigen Legitimität und in der Folge auch mit Akzeptanz auszustatten.", stellen Jan-Hendrik Kamlage, Ina Richter und Patrizia Nanz im Buchkapitel An den Grenzen der Bürgerbeteiligung: Informelle dialogorientierte Bürgerbeteiligung im Netzausbau der Energiewende fest.

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