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29.03.2017 | Energieverteilung | Im Fokus | Onlineartikel

Stromnetze für Energiewende zwischen Ausbau und Reduktion

Autor:
Frank Urbansky
3 Min. Lesedauer

​​​​​​​Der Ausbau der Stromnetze ist eine der Prioritäten der Energiewende. Dabei lässt sich dieser durch vorausschauende Planung, dezentrale Erzeugung und überlegenes Redispatching stark reduzieren.

An der Notwendigkeit zum Ausbau der Übertragungsstromnetze gibt es in der aktuellen politischen Diskussion kaum Zweifel.  "Die erste große Herausforderung ist der für den Erfolg der Energiewende notwendige Ausbau der deutschen Stromnetze. Experten und Politiker bezeichnen diesen Ausbau sowohl von der Kapazität her, als auch bezüglich des zeitlichen Rahmens, für absolut "entscheidend", um die Energiewende erfolgreich zu realisieren", fasst dies Springer-Autor Philip Würfel in seinem Buchkapitel Ein Ausblick in bewegte(n) Zeiten: die Zukunft der deutschen Stromversorgung auf Seite 258 zusammen. 

Empfehlung der Redaktion

2017 | OriginalPaper | Buchkapitel

Ein Ausblick in bewegte(n) Zeiten: die Zukunft der deutschen Stromversorgung

Die vorhergehenden Kapitel des Buches haben die Funktionsweise, die Mechanismen und die großen Veränderungen des deutschen Stromversorgungssystems durch die Energiewende beschrieben. Dabei offenbarten sich die Herausforderungen, vor welchen dieses System heute an vielen Stellen steht. 


Tatsächlich sorgen die fluktuierende Einspeisung von Wind- und Sonnenstrom für Netzengpässe. Hinzu kommt auch die Durchleitung großer im Norden mittels Windkraft und in der Lausitz durch Braunkohle erzeugten Stroms in den industriellen Süden des Landes.

Redispatch und Abschaltung

Bisher werden diese durch zwei Maßnahmen bewältigt: erstens durch Redispatching, also Eingriffe der Netzbetreiber zur Stabilisierung und zweitens, in dessen Folge, mit der Abschaltung entweder der fluktuierenden Einspeiser oder dem Herunterfahren konventioneller Erzeugungskapazitäten. Im Notfall können auch industrielle Großverbraucher abgeschaltet werden.

Der Netzausbau nun soll dafür sorgen, dass die gegenwärtigen und künftig neuen Wind- und Sonnenstromkapazitäten voll genutzt und nicht mehr abgeregelt werden müssen. In dessen Folge sollen insbesondere veraltete Kohlekraftwerke, die derzeit etwa als Kapazitätsreserve ihr durch Steuern gut gepolstertes Dasein fristen, abgeschaltet und rückgebaut werden.

Die Kosten für die beiden Suedlink und Suedostlink genannten Trassen werden auf bis zu 15 Milliarden Euro geschätzt – Kosten, die alle Verbraucher via Netzumlage zu tragen haben. So teuer wurden die Trassen auch durch die deutlich teurere Erdverkabelung, die Bayern dem Bund abgerungen hat. Das erzeugt auch seitens der Betroffenen Widerstand gegen diese Netzpläne

Kein Wunder, dass sich hier Stimmen regen, die die Sinnhaftigkeit dieses Netzausbaus anzweifeln, zumal es mit diesen Kosten nicht getan ist und auch die Mittelspannungs- und Verteilnetze, die an die Trassen anknüpfen, ertüchtigt werden müssen. Experten rechnen mit einer Spanne der Gesamtkosten zwischen 27,5 und 42,5 Mrd. Euro in den kommenden 15 Jahren.

Nur Netzbetreiber planen

Diese Kosten orientieren sich an den Planungen der Netzbetreiber, auch als Netzentwicklungspläne bekannt. Das hat zur Folge, dass vor allem deren sehr selektive Wahrnehmung des Marktgeschehens Berücksichtigung findet, nicht jedoch die zukünftigen Möglichkeiten etwa einer höheren Dezentralität der Erzeugung und Verteilung, eines verbesserten Einspeisemanagements dank dann zur Verfügung stehender Speicher oder einem effizienteren Redispatching. Gerade letzteres könnte auch immer bei Engpassituationen zur Anwendung kommen, ohne dass die Netze aufwändig ausgebaut werden müssten.

"Die Berücksichtigung der Möglichkeiten des Einspeisemanagements und des Redispatch bei der Netzausbauplanung – also die Kombination beider Maßnahmen – kann demnach zu substanziellen Wohlfahrtsgewinnen und einer signifikanten Verringerung des notwendigen Netzausbaus führen. Die Modellberechnungen für ein vereinfachtes deutsches Übertragungsnetz mit Verbindungen ins Ausland ergeben eine Reduktion der notwendigen Leitungskapazität um 57 Prozent und zeigen, dass 83 Prozent des maximal erreichbaren Wohlfahrtsgewinns realisiert werden kann", zeigen die Springer Gabler-Autoren Veronika Grimm, Bastian Rückel, Christian Sölch und Gregor Zöttl in ihrem Zeitschriftenbeitrag Zur Reduktion des Netzausbaubedarfs durch Redispatch und effizientes Einspeisemanagement: Eine modellbasierte Abschätzung auf Seite 495 die möglichen Potenziale zur Vermeidung des Netzausbaus. 

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