Zum Inhalt

Synthetischer Kraftstoff aus dem Offshore-Windpark

Aktivieren Sie unsere intelligente Suche, um passende Fachinhalte oder Patente zu finden.

search-config
loading …
print
DRUCKEN
insite
SUCHEN

Eine erste schwimmende Produktionsplattform für Power-to-X-Kraftstoffe geht in den Probebetrieb. Forschende wollen so die Offshore-Herstellung von E-Fuels aus Wind, Wasser und Luft vor Helgoland testen.

Eine schwimmende Plattform mit modularer Containeranlage dient der Offshore-Produktion von synthetischen Kraftstoffen aus Windenergie, Meerwasser und Umgebungsluft.


Netzunabhängig, modular und hochseetauglich – mit diesen Eigenschaften will das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) gemeinsam mit Partnern im H2Mare-Projekt PtX-Wind die Herstellung synthetischer Kraftstoffe direkt auf See demonstrieren.

Auf einer schwimmenden Plattform soll künftig Windenergie genutzt werden, um aus Meerwasser und Umgebungsluft klimaneutrale E-Fuels zu erzeugen. Die modulare Anlage wurde auf einer Barke installiert, liegt betriebsbereit in Bremerhaven und soll noch in diesem Jahr vor Helgoland erstmals Kraftstoff direkt auf dem Meer produzieren.

Erste Offshore-Pilotanlage eröffnet

Im Rahmen des Projektes wurde im Juli 2025 die weltweit erste schwimmende Versuchsplattform zur Demonstration einer vollständigen Power-to-X-Prozesskette für synthetische Kraftstoffe eröffnet.

"Wir wollen den gesamten Planungsprozess von der Genehmigung über die Errichtung bis hin zum Betrieb der Anlage einmal in der Realität durchspielen, um Konzepte für den Bau von größeren Produktionsplattformen erstellen zu können", sagte Professor Roland Dittmeyer, Leiter des Instituts für Mikroverfahrenstechnik des KIT und Projektkoordinator, bei der Eröffnung in Bremerhaven.

Kraftstoffe aus Wind, Wasser und Luft

Die neuartige Plattform kombiniert mehrere Schlüsseltechnologien der Energiewende: Sie nutzt Windenergie, Meerwasser und Umgebungsluft, um daraus flüssige Energieträger zu erzeugen. Kernkomponenten sind eine Direct-Air-Capture-Anlage (DAC) zur Gewinnung von CO₂ aus der Luft, eine Meerwasserentsalzungsanlage und eine Hochtemperatur-Elektrolyse, die ein wasserstoffhaltiges Synthesegas erzeugt.

Dieses dient als Ausgangsstoff für die Fischer-Tropsch-Synthese, bei der grüner Wasserstoff und CO₂ zu flüssigen Kraftstoffen umgewandelt werden. Durch den modularen Aufbau kann die gesamte Prozesskette flexibel und netzunabhängig betrieben werden – je nach Windverfügbarkeit auf See.

Die Forschenden testeten die Plattform zunächst im Hafen von Bremerhaven, anschließend im Realbetrieb vor Helgoland. Dabei werden neben der Prozessstabilität auch maritime Einflüsse, Materialbeständigkeit und regulatorische Bedingungen untersucht. Ziel ist es, Grundlagen für größere Produktionsplattformen zu schaffen, die künftig direkt mit Offshore-Windparks gekoppelt werden können. Parallel dazu arbeitet PtX-Wind an weiteren Power-to-X-Syntheserouten wie der Herstellung von Methan, Methanol und Ammoniak.

H2Mare ist eines von drei Wasserstoff-Leitprojekten des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) und leistet einen Beitrag zur Nationalen Wasserstoffstrategie. Im Teilprojekt PtX-Wind erforscht das KIT gemeinsam mit dem Institut für Technische Thermodynamik des DLR und der Technischen Universität Berlin die Weiterverarbeitung von grünem Offshore-Wasserstoff zu sogenannten Derivaten – also zu synthetischen Folgeprodukten wie E-Fuels.

TransferWind soll Akzeptanz schaffen

Neben der Technologieentwicklung spielt der gesellschaftliche und regulatorische Rahmen eine zentrale Rolle. Das Schwesterprojekt TransferWind widmet sich im Rahmen von H2Mare übergeordneten Fragestellungen, Kommunikation und Wissenstransfer. Es untersucht rechtliche und genehmigungstechnische Aspekte, fördert den Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft und erarbeitet Handlungsoptionen für einen sicheren und umweltverträglichen Offshore-Betrieb.

Ein Schwerpunkt liegt auf dem Akzeptanzmanagement: Durch Stakeholder-Workshops, Bildungsarbeit und öffentliche Kommunikation soll das Verständnis für Offshore-Power-to-X-Projekte gestärkt werden. "Mit geteiltem Wissen zu neuen Lösungen" – so beschreibt TransferWind seine Mission, Forschungsergebnisse aus allen H2Mare-Projekten zusammenzuführen und die Grundlage für den großtechnischen Einsatz grüner Offshore-Kraftstoffe zu schaffen.

print
DRUCKEN

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

Die grüne Wasserstoffvision norddeutscher Küstenregionen. Eine Akzeptanzstudie am Beispiel Helgoland

  • Open Access
  • Angewandte Geographie

Die Regierungen der Norddeutschen Bundesländer haben eine gemeinsame Vision: Sie wollen ihren Überschuss an Windenergie zunehmend für die Produktion von grünem Wasserstoff und seinen Folgeprodukten nutzen und damit eine europaweite Vorreiterrolle …

Elektrolyse

Power-to-X steht für die Erzeugung von Wasserstoff, Ammoniak, Oxymethylenethern und anderen chemischen Speicherformen mit Strom aus Solarenergie, Wind- und Wasserkraft. Die Wasserelektrolyse gewinnt mitWasserstoff als mittelfristigem …

Zukünftige Phasen der Energiewende

Für die Zukunft sind das weitgehende Zusammenwachsen und die Abstimmung der Energieinfrastrukturen für die drei Anwendungsbereiche allgemeine Elektrizitätsversorgung, Gebäudeheizung und Automobil relevant. Auf der Erzeugungsseite läuft dies zum …

„Verkehrswende“ oder ein Paradigmenwechsel zu einer neuen Mobilitätskultur

In diesem Kapitel wird deutlich, dass eine Mobilitätswende nur durch das Zusammenwirken von kleinteiligen räumlichen Maßnahmen, Verhaltensänderungen und anderen Antriebs- und Nutzungskonzepten von Automobilen möglich wird. Das „Höher, Schneller …

    Bildnachweise
    H2 Mare Bild/© H2Mare