Skip to main content
main-content

09.06.2016 | Energiewende | Im Fokus | Onlineartikel

Zweifel am Gelingen der Energiewende

Autor:
Julia Ehl

In einer Studie der Deutsche Bank Research wird ein Fazit zur Energiewende gezogen: Deutschland hat sich zu viel in zu kurzer Zeit vorgenommen. Das Gelingen in allen Teilbereichen wird bezweifelt.

In der Wahrnehmung der deutschen Öffentlichkeit wird die Energiewende häufig ausschließlich auf eine Transformation der Stromversorgung reduziert. Energiewende heißt aber nicht nur Stromwende, sondern Transformation der gesamten Energieversorgung, auch wenn die Stromversorgung von besonderer Bedeutung ist.", schreibt Springer Vieweg-Autor Klaus-Dieter Maubach auf Seite 7 im Buchkapitel "Energiewende: Vision und Realität".

Empfehlung der Redaktion

2015 | OriginalPaper | Buchkapitel

Energiewende: Vision und Realität

Die Stromwende ist ein unverzichtbarer Teil der deutschen Energiewende - ohne Stromwende keine erfolgreiche Energiewende. Damit dies gelingt, werden für folgende, zentrale Fragen rund um die Stromwende Antworten formuliert:Warum reichen die herrschen


Die Deutsche Bank Research hat die Energiewende in Deutschland im Bericht "Deutsche Energiewende: Zielverfehlungen in Sicht" kritisch beleuchtet. Auch hier wird festgestellt, dass die Energiewende bisher vor allem eine Stromwende ist. Eindeutig wird das Fazit formuliert, Deutschland habe sich in zu kurzer Zeit zu viel vorgenommen. In vielen Teilbereichen zur Energiewende liegt der Ist-Zustand deutlich hinter den Planungen zurück. Fortschritte lassen sich vor allem dort verzeichnen, wo Subventionen die Instrumente fördern. Fehlen oder sind die Anreize zu gering, sind die Zielverfehlungen in diesen Teilbereichen absehbar, stellt die Kurzstudie heraus.

Nüchterne Analyse der Zahlen

Im abschließenden Abschnitt der Analyse stellt der Autor Eric Heymann fest, dass im Hinblick auf die Endlichkeiten der fossilen Energie und des Klimawandels die Idee der Energiewende überzeugt. Aus Sicht eines Ökonomen müssen aber die Zahlen und die Wirkungsweisen von politischen Maßnahmen analysiert werden. Dabei ergeben sich vier limitierende Faktoren, fasst Heymann zusammen:

  • Kosten
    Hohe Investitionskosten machen auch langfristig eine Förderung erforderlich. Insbesondere im derzeit noch nicht stark geförderten Wärmemarkt und Verkehrsbereich werden erhebliche Kosten anfallen. Eng verknüpft mit der Thematik der Kosten ist auch die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland, betont Heymann.
  • Physikalische Grenzen
    Hier wird in der Kurzstudie die begrenzte Leistungsfähigkeit der Erneuerbaren genannt, die eine kostengünstige und längerfristige Speicherung der Energie erforderlich machen. Die heutigen Speichertechnologien werden diesem Anspruch noch nicht gerecht. Weiterhin kann der hohe Flächenverbrauch der Erneuerbaren als physikalische Grenze betrachtet werden.
  • Zeitbudget
    Das erste Zwischenziel der Planungen der Bundesregierung soll 2020 erreicht werden, die langfristige Planung reicht bis 2050. Dieser Zeitraum ist für die Veränderungen in vor allem bestehenden Strukturen sehr knapp bemessen. Als Beispiel wird die energetische Umrüstung des Gebäudebestandes angeführt.
  • Politische Machbarkeit
    Das Erreichen der Ziele der Energiewende wird voraussichtlich politisch vor allem durch die Implementierung von weiteren Verordnungen und Gesetzen vorangetrieben. Höhere Kosten für private Haushalte und Unternehmen, aber auch Eingriffe in das Eigentumsrecht und die Wahlfreiheit sind wahrscheinlich. Die politisch angestoßenen Maßnahmen können damit zu Widerstand in der Bevölkerung, bei Verbänden, Gewerkschaften und Politik führen. In wie weit dann unpopuläre, aber erforderliche Regelungen durchzusetzen sind, bleibt abzuwarten.

Empfehlungen aus der Analyse

Hinsichtlich der Kosten wird in der Analyse empfohlen, die vorhandenen Mittel zur Förderung so einzusetzen, dass sie den höchsten Nutzen bringen. Außerdem wird angeregt eine demokratische Debatte über die maximalen Kosten der Energiewende zu führen. An erster Stelle aber wird die stärkere Einbindung der deutschen Energiewende in die europäische Energie- und Klimapolitik genannt. Damit werden die Klimaziele zwar weniger anspruchsvoll, aber realistischer erreichbar. Erik Gawel, Sebastian Strunz und Paul Lehmann beschäftigen sich mit der Einbindung der deutschen Energiepolitik in die europäische im Fachartikel "Wie viel Europa braucht die Energiewende?", erschienen in Ausgabe 03/2014 der Zeitschrift für Energiewirtschaft.

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

Das könnte Sie auch interessieren

    Bildnachweise