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24.01.2018 | Energiewende | Im Fokus | Onlineartikel

Gebäude müssen emissionsfrei werden

Autor:
Dipl.-Ing. Stefan Oehler

Nahezu alle Gebäude in der EU müssen energetisch grundlegend saniert werden. Springer Vieweg-Autor Stefan Oehler gibt Handlungsempfehlungen und zeigt Beispiele für eine ganzheitliche Sanierung auf.

Das Buch Emissionsfrei Gebäude beschreibt den fehlenden Baustein der Energiewende, die Sanierung des Gebäudebestandes. Sogar die EU hat inzwischen festgestellt, dass 97 Prozent aller Gebäude in der EU energetisch grundlegend saniert werden müssen, um den Klimawandel wirksam zu bremsen.

Empfehlung der Redaktion

2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Das Konzept der ganzheitlichen Sanierung

Auf der Suche nach dem kürzesten Weg zum emissionsfreien Gebäudebestand wurde das Konzept der ganzheitlichen Gebäudesanierung entwickelt. Dabei wird vom emissionsfreien Zielzustand 2050 ausgehend gedacht, und durch diese veränderte Perspektive auf die heutigen Gebäude ergibt sich automatisch ein ganz anderes Vorgehen. 


Die Weltgemeinschaft ist sich theoretisch einig, dass bis 2050 der globale CO2-Ausstoß auf null reduziert werden muss. Jetzt muss dieser Wunsch "nur" noch in die Tat umgesetzt werden, und dafür gilt es zahlreiche Gewohnheiten abzubauen und die sich bietenden Chancen genauer zu beschreiben.

Bewusstsein muss entwickelt werden

Die erste Aufgabe ist philosophischer Art und besteht darin, erstmalig ein planetares Bewusstsein zu entwickeln. Die Welt benötigt eine ähnlich tiefgreifende Aufklärung wie zu Beginn der Neuzeit, um die Globalisierung nicht den Konzernen und Finanzindustrie zu überlassen, sondern um die Interessen der Menschheit und ihrer Zukunft zu gestalten.

Der Politik mangelt es bisher an Entschlusskraft, den erforderlichen Sprung in die Zukunft anzupacken. Das eingeübte Denken in 4-Jahres-Plänen greift zu kurz, die Weichen müssen viel mutiger und mindestens bis 2050 gestellt werden. Offensichtlich sind die Vorteile dieser Weiterentwicklung noch nicht ausreichend erkannt worden.

Die wirtschaftlichen Bedingungen für diesen Umstieg werden im Buchkapitel Die Stadt der Zukunft beschrieben. Die Erzeugung regenerativer Energie ist bereits heute weltweit kostengünstiger als jede fossile Verbrennung. Für umweltfreundliche Mobilität und Gebäude sind faire und transparente Voraussetzungen einzuführen. Die Gebäudesanierung wird dann so attraktiv, dass eine enorme Nachfrage entsteht und jeder Gebäudeeigentümer in die Lage versetzt wird, an diesem größten und nachhaltigsten Konjunkturpaket der Bundesrepublik teilnehmen zu dürfen.

Beispiel für eine ganzheitliche energetische Sanierung

Das technische Handwerkszeug wird konkret am Beispiel eine Bürogebäudesanierung beschrieben. Alle erforderlichen Werkzeuge liegen vor, um den Gebäudebestand emissionsfrei "upzugraden", proportional dazu wird auch der Komfort ansteigen. Weitere Praxisbeispiele untermauern diese Erfahrung. Die Stadt der Zukunft wird elektrisch sein, Fahrzeuge und Gebäude werden emissionsfrei betrieben, unsere Städte können sich zu "Luftkurorten" entwickeln. 

Unsere Energiewende besteht aus drei sehr unterschiedlich entwickelten Teilen:

  1.  Bei der Umstellung von Fossil und Atomar auf Regenerativ ist ein erstaunlicher Fortschritt zu messen, Deutschland hat in wenigen Jahren seinen regenerativen Anteil von Null auf 34 Prozent raketenhaft gesteigert. Wenn man jetzt noch die seit über 60 Jahren unwirtschaftliche und hochsubventionierte Kohle einspart, dann ist das nicht nur volkswirtschaftlich profitabel, sondern Deutschland kann auch seine seit über acht Jahren stagnierende CO2-Einsparung wiederbeleben.
  2. Der Umstieg in der Mobilität wird derzeit medienwirksam diskutiert. Die Öffentlichkeit ist überrascht, dass die Fahrzeuge schmutziger sind als gewünscht. Auch hier ist beim Umstieg auf Elektromobilität volkswirtschaftlich ein Gewinn zu erwarten, sobald man mit tatsächlichen Preisen und Umweltfolgekosten zu rechnen beginnt.
  3. Bei Gebäuden wird es eine ähnlich empörte Überraschungswelle geben, sobald man deren Emissionen real misst, denn entscheidend ist nur das, "was hinten raus kommt". Das Thema energetische Gebäudesanierung wird seit vielen Jahren aufgeschoben. Man könnte vermuten, die politischen Kräfte und die Konjunktur sind dafür zu schwach. Allerdings wird es niemals größere politische Mehrheiten, weniger Arbeitslosigkeit, mehr Steuereinnahmen, mehr geparktes Kapital und eine bessere Konjunktur geben, als es derzeit der Fall ist. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Das Buch Emissionsfreie Gebäude möchte mit konkreten Erfahrungen aus der Sanierungs-Praxis dazu beitragen, die Energiewende zu beschleunigen, indem es für den Gebäudebestand die technischen Möglichkeiten und die ungeahnten Potenziale beschreibt, die dieser Sprung in die Zukunft bietet.

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