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12.06.2018 | Energiewende | Im Fokus | Onlineartikel

Wärmewende nur mit Technologieoffenheit zu schaffen

Autor:
Frank Urbansky

Der energetische Standard im Gebäudesektor, bisher Stiefkind der Energiewende mit riesigen Potentialen, kann nur mit technologieoffener Förderpolitik gehoben werden, so eine aktuelle Studie.

Ohne eine Steigerung der Sanierungsrate kann die Wärmewende nicht gelingen. "Für die Energiewende in der Wärmeversorgung sind die energetische Sanierung des Gebäudebestands und die Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien an der Wärmeerzeugung die entscheidenden Parameter, um die politisch definierten Ziele zu erreichen. Das Energiekonzept der Bundesregierung sieht vor, die Sanierungsrate von 1 Prozent auf 2 Prozent pro Jahr zu steigern und somit den Energiebedarf für die Wärmeversorgung um 20 Prozent bis 2020 und 50 Prozent bis 2050 gegenüber 2008 zu senken", beschreibt diesen Zusammenhang, der aber derzeit weit von der Realisierung entfernt ist, Susanne Schubert in ihrem Zeitschriftenbeitrag Ausbau von Wärmenetzen vs. energetische Sanierung? – Umgang mit konkurrierenden Strategien zur Umsetzung der "Wärmewende" auf kommunaler Ebene, Seite 261. 

Empfehlung der Redaktion

25.05.2016 | Bericht aus Forschung und Praxis | Ausgabe 3/2016

Ausbau von Wärmenetzen vs. energetische Sanierung? – Umgang mit konkurrierenden Strategien zur Umsetzung der „Wärmewende“ auf kommunaler Ebene

Strategien zur Integration erneuerbarer Energien in die Wärmeversorgung von Städten umfassen oftmals den Auf- oder Ausbau von Wärmenetzen. 


Eine aktuelle Leitstudie der Deutschen Energie Agentur (dena) zur integrierten Energiewende erstellt mehrere Szenarien, die sich an diesen politischen Zielen orientieren:

Szenario "Technologiemix" 

  • 1,4 Prozent Sanierungsrate
  • 6,5 Millionen Wärmepumpen (Stand 2018: 0,8 Millionen Wärmepumpen)
  • Synthetische Kraftstoffe, die mittels Strom aus Wasser und Kohlendioxid hergestellt werden, sogenannte E-Fuels
  • Investitionen: 442 bis 450 Milliarden Euro

Szenario "Elektrifizierung"

  • 2 Prozent Sanierungsrate
  • 16 Millionen Wärmepumpen
  • E-Fuels
  • Investitionen: 890 bis 1.026 Milliarden Euro
  • Austauschrate der Anlagentechnik (ohne energetische Sanierung): 3,5 Prozent pro Jahr

Gebäudesektor braucht höchste Investitionen

Eine der wichtigsten Schlussfolgerungen: Gebäudebestand und Energiesektor benötigen die höchsten Investitionen. Diese sind durch alle Gebäudeeigentümer zu tragen – somit könnte die Sanierungsrate von derzeit 1 auf mindestens 1,4 Prozent angehoben werden. Um diesen Prozess zu stimulieren, bedarf es einer Förderung ohne ordnungsrechtlichen Zwang, was allein schon die langen Investitionszyklen im Gebäudebereich erforderten.

"Eine möglichst kosteneffiziente Energiewende im Gebäudebereich braucht Technologieoffenheit", urteilt die Studie. Sie biete (siehe oben) volkswirtschaftliche Kostenvorteile gegenüber einem Pfad, der auf eine fast vollständige Elektrifizierung des Gebäudesektors setze. 

Verfolgt werden muss dabei ein integrierter Ansatz aus Gebäudehülle und -technik bis hin zu einer gebäudeintegrierten Energieerzeugung. Genannt werden Aufdach-Photovoltaik oder Kraft-Wärme-Kopplung. Fernwärmenetze sollten so umgebaut werden, dass sie mit niedrigeren Temperaturen gefahren und erneuerbare Energien eingebunden werden könnten. All das gelte sowohl im Neubau als auch im Bestand.

Hybride spielen größere Rolle

Technologieoffene Hybridsysteme sowie dezentrale Erzeugungs- und Speichersysteme werden eine immer größere Rolle spielen, um unterschiedliche – zunehmend erneuerbare – Energieträger in das Wärmesystem zu integrieren. Dabei sind vor allem Fragen der Versorgungssicherheit und der Einfluss von besonderen Wetterperioden (beispielsweise der kalten Dunkelflaute) zu berücksichtigen.

Die Studie gibt deswegen folgende Handlungsempfehlungen:

  • Pfade zur Zielerreichung bei Förderung und Forschung technologieoffen halten
  • Regulatorischen Rahmen einfach und effizient gestalten, deswegen Eigenstromverbrauch vereinfachen und Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz, Energieeinsparverordnung und Energieeinsparungsgesetz zum Gebäudeenergiegesetz zusammenfassen
  • Fördermaßnahmen ausbauen, da durch die jährlichen Mehrinvestitionen von 13 bis 29 Milliarden Euro eine deutlich höhere Gesamtfördersumme notwendig ist. Ebenso wird gefordert, die geplante steuerliche Sanierungsförderung schnell einzuführen.
  • Informationen und unterstützende Marktinstrumente verstärken
  • Qualifizierung von Planern und Handwerkern verbessern
  • Energieeffizienten Betrieb installierter Gebäudetechnik sicherstellen, etwa durch Monitoring der Anlagen
  • Energieeffizienz von Nichtwohngebäuden erhöhen
  • Datenbasis verbessern, insbesondere bei Nichtwohngebäuden, damit die Wirksamkeit von Effizienzmaßnahmen besser bewertet und spezifische Maßnahmen abgeleitet werden können.

Übertrieben ist diese Fülle an Forderungen kaum, denn im Gegensatz zum Strommarkt und selbst zum Verkehr ist der Wärmemarkt viel stärker fragmentiert. 

Eine große Herausforderung des Einsatzes Erneuerbarer Energien im Wärmebereich (Wärmewende) sind die spezifischen Bedingungen des Wärmemarktes. Er ist durch eine sehr begrenzte Transportentfernung von Wärmeenergie sowie eine große Heterogenität geprägt. Dies bezieht sich auf individuelle Eigentümer und Betreiber, Anlagengrößen und Technologien, Gebäudetypen (Neu-/Bestandsbauten) und Anwendungsfelder. Am Beispiel der Wärmebedarfe in Haushalten wird deutlich, dass Eigentümerverhalten, Gebäudecharakteristika und Wetterbedingungen häufig schwer vorhersagbare Parameter sind“,

 beschreiben dies Michael Nelles, Elena H. Angelova und Romann Glowacki in ihrem WASSER UND ABFALL-Artikel Entwicklung der energetischen Biomassenutzung in Deutschland ab Seite 27.

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