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Über dieses Buch

Moderne Gesellschaften bestehen aus einer Vielzahl von Lebenswelten. Diese besitzen aber spezifische kulturelle Eigenheiten, die sich einem Verständnis und somit auch einer wissenschaftlichen Erfassung von außen teilweise entziehen. Szenen dienen dabei als hilfreiches Konzept, um diese gesellschaftlich relevanten Gebilde fassbar zu machen. Hierzu bedarf es zunächst einer Annäherung und Beschreibung der kulturellen Eigenheiten aus der Binnenperspektive. Gegenstand des vorliegenden Buches ist die Szene des Heavy-Metal bzw. ihre Manifestation im Rahmen eines Festivals. Mit Hilfe ethnographischer Methoden werden die unterschiedlichsten szenespezifischen Phänomene anhand konkreter Situationen – etwa in den unterschiedlichsten Formen des Campens über ritualisierte Verhaltensweisen, das spezifische Konsumverhalten und die äußere Erscheinung der Protagonisten bis hin zur erstaunlichen Neigung zu beinahe konservativen Wertvorstellungen – beschrieben und untersucht. Zudem soll abschließend in einem Exkurs zu einer gänzlich anderen Szene gezeigt werden, wie viele erstaunliche Parallelen sich hinsichtlich der szenischen Vergemeinschaftung im Allgemeinen finden lassen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Battle order – Vorbemerkungen und Theoretische Verortung

Frontmatter

Kapitel 1. Die Szene als soziologisches Konzept: Zum Metal und dem Summer Breeze

Zusammenfassung
Staubwolken liegen in der Luft, tausende Menschen in Kutten, Männer mit langen Haaren, die aus Rinderhörnern trinken und die Faust mit ausgestrecktem kleinen und Zeigefinger zur sogenannten Corna in die Höhe recken, um der lauten, gitarrenlastigen und mit tiefen Crowls garnierten Musik, die von der Bühne kommt, zu huldigen oder sich vor der Bühne gegenseitig umherzustoßen, sodass diese Ausdrucksform wohl eher an eine körperliche Auseinandersetzung denn an den Akt des Tanzens erinnert – wollte man ein Open Air Konzert beziehungsweise ein Festival in einem Satz beschreiben, so wäre diese oder eine ähnliche Beschreibung wohl allgemein verständlich und ausreichend bildhaft. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass sie wohl dem allgemeinen Bild der Heavy-Metal-Kultur entspricht, welches in der Gesellschaft vorherrscht. Hinzu kommen verschiedenste Vorstellungen, wodurch sich diese Szene auszeichnet, denn diese sind letztlich allzu offensichtlich: Der übermäßige Genuss von Alkohol, die Zurschaustellung satanistischer und antireligöser Symbole in Form von Schmuck, Kleidungsstücken und Tätowierungen und letztlich Liedtexte, die etwa von Wikingerschlachten, finsteren Mächten und Gräueltaten berichten, lassen wohl keinen Zweifel daran, dass es sich hierbei um eine sehr gefährliche und alles in allem unsoziale Subkultur handelt, in welcher sich vor allem randständige Individuen der Gesellschaft tummeln.
Nico Richter

Kapitel 2. Ethnographie als soziologische Methode. Einige Anmerkungen

Zusammenfassung
Zielsetzung des diesem Band zugrundeliegenden Lehrforschungsprojekt war es, mit Heavy Metal eine bestimmte Musikszene und mit Festivals eine bestimmte Art des Musikerlebens genauer zu betrachten und zu analysieren. Dabei sollten jedoch nicht musiktheoretische Überlegungen – wie komplex ist dieser Musikstil? – oder betriebswirtschaftliche Aspekte – Event-Management ist ein beliebter Studiengang – im Mittelpunkt stehen, sondern immer eine soziologische Perspektive (vgl. dazu den einleitenden Text von Nico Richter in diesem Band). Es geht um die Beschreibung einer bestimmten Szene und Kultur und damit um ein in modernen Gesellschaften wahrscheinlich immer wichtiger werdendes Phänomen. Eher individualisierte und diversifizierte Gesellschaften haben eine Fülle von Lebensoptionen und bedingen sogenannte Bastelbiographien.
Johannes Kopp

Battle observed

Frontmatter

Kapitel 3. Von Wagenburgen und Fliesentischen – Camping auf dem Festival

Zusammenfassung
Das Summer Breeze besitzt, wie jedes gut organisierte Festival auch, verschiedene Orte, an denen die Besucher außerhalb der Konzerte ihre Zeit verbringen. Für die meisten mehrtägigen Besucher ist dies vor allem ein vom Summer Breeze organisierter Campingplatz, auf dem gegessen, geschlafen, getrunken und allgemein ein nicht unwesentlicher Teil der Festivalzeit verbracht wird. Für die Festivalbesucher ist der Campingplatz dabei viel mehr als nur ein rein funktionales Gelände.
Alexander Baer, Myriel Mohra, Mona Pellin

Kapitel 4. Die Schlacht beginnt – Vor der Bühne

Zusammenfassung
Der Himmel ist finster über der dunkel gekleideten Menschenmenge. Die von Rauchschwaden und verschiedene Scheinwerfer ummantelte Bühne vor ihr wirkt, dank immer wieder hochschießender Flammen und zwei gigantischen Dämonenfiguren zu beiden Seiten, wie das Tor zur Hölle. Der Soundcheck lässt bereits erahnen, mit welchen Tongewalten sich das Publikum bald konfrontiert sieht.
Alexander Baer

Kapitel 5. Von Trophäen und Fleischeslust – Essen, Trinken und Einkaufen auf dem Festival

Zusammenfassung
Dieses Motto ist nicht nur im Allgemeinen für Festivals üblich, sondern passt ziemlich gut zur Situation auf dem Summer Breeze 2017. Schließlich wird, abgesehen von der Musik, ein großer Teil der Zeit genau damit verbracht: mit Essen und Trinken. Diese Bedürfnisse spielen auf allen größeren und kleineren Veranstaltungen für die meisten Gäste eine wichtige Rolle.
Marvin Jung, Myriel Mohra, Sonja Roja Torci

Kapitel 6. Ist Waschen Metal? – Sanitärbereiche und soziale Schichtung

Zusammenfassung
Man steht morgens auf und schlüpft unter die Dusche. Das Wasser perlt langsam aus dem Duschkopf und benetzt den Körper. Das Haar wird mit Shampoo gewaschen, die Spülung wirkt ein, während der restliche Körper mit Duschgel gereinigt wird.
Yannick Loeppke

Kapitel 7. Leder, Nieten, Kutte – Kleidung und nonkonformistischer Konformismus

Zusammenfassung
Mode ist ein unausweichlicher Bestandteil unseres Seins, Zeichen des Zeitgeistes und Spiegel der Gesellschaft, Zeugnis sozialer Ungleichheit und damit ein wichtiges Ausdrucksmittel des menschlichen Miteinanders. Sie dient als soziales Kommunikationsmittel, wodurch Kulturkreise oder soziale Gruppen anhand von Kleidung optisch identifizierbar werden. Im Mittelalter beispielsweise war Mode ständegebunden.
Yannick Loeppke

Kapitel 8. „Is this true?“ – Authentizität und Heavy Metal

Zusammenfassung
Was für die einen ein Werkstoff, ist für die anderen eine der bedeutendsten Musikrichtungen des späten 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts. Der Metal entstand in den 1970er Jahren und beschreibt mittlerweile nicht mehr einfach nur noch einen Musikstil, sondern eine Vielzahl an verschiedenen Stilrichtungen und Subgenres. In der von der Individualisierung beherrschten Zeit der Postmoderne entwickelte er sich so hin zu etwas, was viele als Lebensgefühl betiteln.
Yannick Loeppke

Kapitel 9. Die Kunst des Selbermachens: Von Kettensägen, Dildos und Fahnenmasten

Zusammenfassung
Ein Phänomen, welches in den verschiedensten Arten auf dem Summer Breeze entdeckt werden kann, ist die Anwendung des Do it Yourself-Gedanken. Deshalb soll unter anderem diesem Begriff und den unterschiedlichen Arten der Umsetzung dessen auf dem Festival das folgende Kapitel gewidmet werden. Hierbei werden vor allem zwei Aspekte des Selbermachens unterschieden, erläutert und anhand von Beispielen in den Festivalkontext eingebettet.
Marvin Jung, Myriel Mohra

To tidy up the Battlefield

Frontmatter

Kapitel 10. Nachbetrachtung: ein Blick zurück, ein Blick nach vorne und wohl auch ein kleiner Blick zur Seite

Zusammenfassung
Das vorliegende Buch beschäftigt sich mit einer Thematik, welche auf den ersten Blick wohl als eher unkonventionell zu bezeichnen ist: Musikkulturen wie der Heavy Metal sind in der üblichen Fachliteratur wohl kaum als Standard-Anwendungsfall für soziologische Betrachtungen zu sehen. Auf einen zweiten Blick jedoch handelt es sich dabei um ein Phänomen neben anderen, welches vor dem Hintergrund einer theoretischen Betrachtung als Szene im dargestellten Sinne durchaus zum spannenden Betätigungsfeld für Sozialwissenschaftler und Sozialwissenschaftlerinnen wird. Schon immer bildeten solche Erscheinungen etwas, bei dem ein zweiter Blick sich als lohnend erwies.
Alois Hahn
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