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2018 | Buch

Entgrenzungen des Konsums

Dokumentation der Jahreskonferenz des Netzwerks Verbraucherforschung

herausgegeben von: Prof. Dr. Peter Kenning, Prof. Dr. Jörn Lamla

Verlag: Springer Fachmedien Wiesbaden

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Über dieses Buch

In diesem Tagungsband gehen renommierte Autoren und Autorinnen aus den Verbraucherwissenschaften der Frage nach, inwieweit die vielschichtigen neueren Praktiken des Konsums die Verbraucherforschung beeinflussen. Im Fokus steht die Problematik, welche Implikationen mit einer Entgrenzung des Konsums für die Verbraucherforschung verbunden sind. Das Ziel des Buches ist es, den Wissenstransfer und Austausch von Ergebnissen der aktuellen Verbraucherforschung in Wissenschaft und Politik zu fördern und Antworten auf die dringende Frage zu finden: Wie kann Verbraucherforschung diese Spannung zwischen Entgrenzung und drohender Konturlosigkeit bei steigendem Forschungsbedarf und Bedeutungszuwachs aushalten und auflösen?

Der Inhalt
Entgrenzungen von Konsumpraktiken: Prosuming, Crowdworking und Sharing
Transnationale Wertschöpfung und entgrenzte Konsumverantwortung
Entgrenzung des Verbrauchersubjekts

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Keynote

Frontmatter
Kaufen, um die Welt zu retten: Wie Verbraucherinnen und Verbraucher globale Probleme lösen wollen
Zusammenfassung
Der Beitrag von Dietlind Stolle beleuchtet den aktuellen Forschungsstand und die Problematik rund um politischen Konsum. Am politischen Konsum zeigen sich mehrere Phänomene der Entgrenzung des Konsums. Wieso sich Konsumenten und Konsumentinnen zugunsten bestimmter Produkte entscheiden, welche Einflüsse politischer Konsum auf Unternehmen und Institutionen hat und wie er als Antwort auf eine globale Krise verstanden werden kann, sind zentrale Fragen dieses Forschungsgebiets.
Dietlind Stolle

Entgrenzungen von Konsumpraktiken:Prosuming, Crowdworking und Sharing

Frontmatter
Varieties of Prosuming – konzeptionelle Überlegungen und empirische Befunde zur veränderten Rolle von Konsument_innen
Zusammenfassung
Das Phänomen der Beteiligung von Konsument_innen am Wertschöpfungsprozess ist nicht neu, gewinnt aber durch die Möglichkeiten des Internets eine neue gesellschaftliche Relevanz. Ursprünglich im Übergang zur Dienstleistungsgesellschaft beobachtet, verweist das Kunstwort Prosuming auf die erneute Kopplung von Produktion und Konsumtion, die in der Industriegesellschaft zugunsten einer klaren Trennung dieser zwei Sphären aufgehoben war. Die Diskussion vor allem wirtschafts- und sozialwissenschaftlicher Konzepte der Beteiligung – an betrieblichen Produktions- und Innovationsprozessen – zeigt Diskrepanzen im Verständnis, aber auch bzgl. der Folgen von Prosuming auf. Die ökonomische Idee einer Win-win-Situation interaktiver Wertschöpfung wird in der Soziologie zum „arbeitenden Kunden“, der zunehmend Aufgaben im Produktionsprozess übernimmt und damit zur unentgeltlichen betrieblichen Wertquelle wird. Prosuming-Initiativen, die sich jenseits der Marktlogik bewegen, wie das Urban Gardening, stellen hingegen eine gesamtgesellschaftliche Wertquelle dar. Die Analyse belegt aber auch, dass Prosuming ein heterogenes Phänomen ist, mit welchem die Protagonist_innen unterschiedliche Motive verbinden und welches sozial-strukturell breit gefächert ist.
Birgit Blättel-Mink
Die Rolle des Konsumenten im Kontext der Open Innovation
Zusammenfassung
In Zeiten, in denen Unternehmen immer mehr auf externe Impulsgeber und Innovationspartner angewiesen sind, verändert sich auch die Bedeutung von Kunden und Konsumenten. Der Open-Innovation-Ansatz beschreibt die strategische Einbindung externer Ressourcen in den Innovationsprozess mit dem Ziel, das Unternehmen effizienter und die Innovationsleistung wirksamer zu gestalten. Kunden und Konsumenten werden in diesem Ansatz nicht nur als Ideengeber durch Websites adressiert, sondern sind kompetente Entwicklungspartner (Lead User) oder entwickeln die Produkte oder Dienstleistungen gleich alleine ohne Mithilfe eines Unternehmens (z. B. Open Source). Hierbei werden nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Gruppen wie Web-Communities oder zukünftige Kunden in Crowdsourcing-Aktivitäten in den Innovationsprozess eingebunden. In Zukunft ist damit zu rechnen, dass die Unternehmensgrenzen sich weiter auflösen und externe Ressourcen und Partnerschaften weiterhin an Bedeutung für die dynamische Anpassung an sich verändernde Markt- und Umfeldbedingungen zunehmen. Ein Maturitätsmodell für Open Innovation zeigt auf, welche Stadien ein Unternehmen durchlaufen kann und welche internen und externen Einflussfaktoren die Entwicklung bedingen.
Ellen Enkel

Transnationale Wertschöpfungund entgrenzte Konsumverantwortung

Frontmatter
Globale Konsumentenverantwortung – Überlegungen zu ihrer Konzeptualisierung und Begründung
Zusammenfassung
Dieser Aufsatz ist der begrifflichen Fassung und Begründung von Konsumentenverantwortung im globalen Zeitalter gewidmet. Dabei wird die Frage nach der globalen Verantwortung von Konsumenten affirmativ beantwortet: Konsumenten haben eine Verantwortung von prinzipiell globaler Reichweite, die jedoch nicht zu eng konzipiert werden darf. Hierzu werden zunächst der empirische Hintergrund und Kernaspekte der allgemeinen Theorie globaler Verantwortung dargelegt. Darauf aufbauend wird zunächst ein enges Verständnis von globaler Konsumentenverantwortung entwickelt, demzufolge diese innerhalb von interpersonalen Beziehungen mittels verschiedener Initiativen des ethischen Welthandels einzulösen sei. Dem wird in einem letzten Schritt ein weites Verständnis von Konsumentenverantwortung gegenübergestellt, das zwar die Teilnahme an solchen Initiativen einschließt, aber nicht durch sie erschöpft wird. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Annahme, dass globale Verantwortung wesentlich als strukturelle Verantwortung zu verstehen ist.
Valentin Beck
Verändert der Faire Handel die Gesellschaft? – Erkenntnisse aus einer Trend- und Wirkungsstudie
Zusammenfassung
Obgleich ein Themengebiet mit langer Tradition, gibt es zum „Fairen Handel“ in Deutschland kaum empirische Studien, welche seine Wirkung im Hinblick auf den Konsumentenmarkt erfassen. Diese Forschungslücke adressiert der vorliegende Beitrag, in dem ausgewählte Ergebnisse einer empirischen Trend- und Wirkungsstudie zielgruppenspezifisch vorgestellt werden. Im Ergebnis zeigt sich, dass der Faire Handel in den vergangenen 15 Jahren im Hinblick auf vorökonomische und ökonomische Kategorien an Bedeutung gewonnen hat. Neben den zahlreichen Maßnahmen, die von der Fair- Handels-Bewegung ergriffen wurden, und dem Einfluss weiterer gesellschaftlicher Akteure ist ein Grund auch in der gestiegenen Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit zu sehen. Insofern hat diese einbettende Entgrenzung des Konsums in diesem Feld eine positive Entwicklung begünstigt, deren Ende noch nicht abzusehen ist.
Sandra Bäthge

Entgrenzungen des Verbrauchersubjekts

Frontmatter
C2B statt B2C? – Auswirkungen von Blockchain, Smart Contracts & Co. auf die Rolle des Verbrauchers
Zusammenfassung
Blockchains beinhalten das Potenzial, die Rollen von Marktakteuren grundlegend zu verändern, insbesondere die Beziehung zwischen Verbrauchern und Unternehmern neu zu strukturieren oder die traditionellen Rollengrenzen aufzuheben. Unter anderem wird dadurch dem Verbraucher die Möglichkeit eröffnet, bei der Aushandlung von Verträgen eine wesentlich aktivere Rolle zu übernehmen (C2B), als dies derzeit im Massengeschäft der Fall ist (B2C), und überdies die Datenhoheit zurückzuerobern. Die Unveränderlichkeit und die garantierte Ausführung von Smart Contracts erlaubt ihm möglicherweise die Überwindung des Rechtsdurchsetzungsdefizits im Bereich niedriger Streitwerte. Eine Regulierung mit Augenmaß könnte dazu beitragen, dem durch Blockchains und Smart Contracts entstehenden „Internet der Werte“ eine europäische Dimension zu geben und die vor mehr als 20 Jahren beim „Internet der Information“ vertane Chance nunmehr zu nutzen.
Walter Blocher
Besitzend und Besessen – Konsum und Besitz vor dem Hintergrund bröckelnder Subjekt-Objekt-Grenzen
Zusammenfassung
Die psychologische Erfahrung von Besitz ist für Menschen und deren Gesellschaften zentral. Grundthemen, die mit Besitz verbunden sind, sind die Erfahrung und das Ausüben von Kontrolle und das Übernehmen von Verantwortung. Basis für die Entwicklung von psychologischem Besitz ist die Erarbeitung und das Begreifbarmachen von Objekten. In diesem Beitrag wird die These vorgebracht, dass gegenwärtige gesellschaftliche und technologische Entwicklungen diese Basis zunehmend untergraben und es zu einer graduellen Verschiebung oder Auflösung der Grenze zwischen besitzendem Subjekt und besessenem Objekt kommt. Da diese Grenze für die Besitzausübung notwendig ist, plädiert dieser Beitrag letztlich dafür, diese als selbstverständlich erachtete Grenze neu zu beleuchten.
Bernadette Kamleitner

Podiumsdiskussion

Frontmatter
Was steht im Fokus der Verbraucherforschung angesichts der Entgrenzungen des Konsums?
Podiumsdiskussion
Zusammenfassung
Unter dem Titel „Was steht im Fokus der Verbraucherforschung angesichts der Entgrenzungen des Konsums?“ diskutierten die Vortragenden Frau Prof. Dr. Birgit Blättel-Mink, Herr Prof. Dr. Dr. Walter Blocher, Frau Prof. Dr. Ellen Enkel sowie Frau Prof. DDr. Bernadette Kamleitner über die Bedeutung und Entwicklungstendenzen von Entgrenzungsphänomenen. Unter der Moderation von Herrn Prof. Dr. Peter Kenning wurde anhand der drei Ebenen „Deskription“, „Explikation“ und „Normation“ diskutiert, wie ggf. neue Phänomene und Theorien im Rahmen der Verbraucherforschung verortet werden können. Der vorliegende Beitrag gibt den Verlauf der Diskussion in wesentlichen Punkten wieder.
Peter Kenning, Ellen Enkel, Birgit Blättel-Mink, Bernadette Kamleitner, Walter Blocher

Schlusswort

Frontmatter
Entgrenzter Konsum und Konsequenzen für die Verbraucherforschung
Zusammenfassung
Der Beitrag resümiert die drei Entgrenzungskomplexe des Konsums und zeigt auf, welche Herausforderungen für die Verbraucherforschung damit verbunden sind: Konsumpraktiken wie Prosuming oder Sharing erinnern daran, dass es sich beim Konsum nicht um ein rein ökonomisches Phänomen, sondern um vielschichtig sozial, kulturell und politisch eingebettete Praktiken handelt, die eine entsprechende Analyseperspektive erfordern. Unter Gesichtspunkten transnationaler Verflechtung ist der Konsum als Teil komplexer Wertschöpfungsnetzwerke anzusehen, woraus Herausforderungen für die Attribuierung von Verantwortung für problematische Folgen und Verteilungseffekte sowohl innerhalb dieser Aggregate selbst als auch für die Verbraucherforschung folgen. Und der Subjektstatus der Verbraucherinnen und Verbraucher ist ebenfalls sowohl durch wissenschaftliche als auch z. B. technische Entwicklungen fragwürdig geworden. Abschließend werden Konsequenzen für die zukünftige Aufstellung der Verbraucherforschung in disziplinärer wie inter-/transdisziplinärer Hinsicht zusammengefasst.
Jörn Lamla
Metadaten
Titel
Entgrenzungen des Konsums
herausgegeben von
Prof. Dr. Peter Kenning
Prof. Dr. Jörn Lamla
Copyright-Jahr
2018
Electronic ISBN
978-3-658-19339-3
Print ISBN
978-3-658-19338-6
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-19339-3