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Über dieses Buch

Der Band gibt einen Überblick über 40 Jahre Diskussion zum Grundeinkommen mittels einer Auswahl zentraler Artikel aus dieser Zeitspanne von einem ausgewiesenen Experten im Bereich Sozialpolitik und Sozialstaat. Deutlich werden dabei sowohl die gleich bleibenden als auch die sich verändernden Argumentationen - und ebenso die Aktualität der Frage nach der Bedeutung von Arbeit heute.
Für die Entkoppelung von Arbeit und Einkommen zu argumentieren, erübrigt sich. Dieser Prozess findet ohnehin statt, er wird aber kaum verstanden und keineswegs angemessen politisch reguliert.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Entkoppelung: Zur Entwicklung der Grundeinkommensidee

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Kapitel 1. Recht auf Arbeit? Wider die unheilige Allianz der Profit- und Beschäftigungsmaximierer

Ökologieproblematik und sich verfestigende Arbeitslosigkeit bestimmten den gesellschaftlichen Erfahrungshintergrund in der zweiten Hälfte der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts. Ich habe in diesem Text versucht, beides miteinander zu verbinden. Es ging um die Kritik an jenen unredlichen Positionen, die mit der Forderung nach einem Recht auf Arbeit durch die Hintertür zu planwirtschaftlichen Ansätzen kommen wollten, um die Verarbeitung beunruhigender Konfrontationen zwischen Arbeitern und Umweltschützern. Und es ging – schon damals – um die Preisgabe von Politik im Namen von Jobs, Jobs, Jobs.
Allerdings, die Aktualität der Ausführungen sollte man keineswegs dem Text zugute halten, sondern allenfalls den Verhältnissen vorwerfen. Tatsächlich war die politische Verwaltung des gesellschaftlichen status quo seitdem doppelt erfolglos: Weder hat sich die vormalige Ordnung der Vollbeschäftigungsgesellschaft wieder herstellen lassen, noch ist es gelungen, aus den Problemen etwas Neues zu machen. So ist die Aktualität des Textes Beleg für den zähen sozialen Wandel seit mehr als einem Vierteljahrhundert.
Georg Vobruba

Kapitel 2. Die Entkoppelung von Arbeit und Einkommen

Die Grundeinkommensdiskussion, am Beginn der 80er Jahre rasch breiter wurde, hatte von Anfang an einen stark normativen Bias. Die Diskussion zog mich stark an, da sie die Chance bot, über den festgefahrenen status quo von Arbeit und Einkommen, Arbeitsmarkt und Sozialpolitik hinaus zu denken. Zugleich war ich aber überzeugt, dass die Konzentration auf normativ unterfüttertes Fordern weder sozialwissenschaftlich fruchtbar ist noch politisch weiterführt. Es geht in diesem Beitrag also in erster Linie darum, auf Probleme im Verhältnis zwischen Arbeitsmarkt und Sozialstaat aufmerksam zu machen, an die sich Forderungen nach einem Grundeinkommen anschließen lassen. Man kann den Beitrag als den Versuch lesen, Schnittstellen von tatsächlicher Entwicklung und politischem Forderungsdiskurs zu bestimmen.
Georg Vobruba

Kapitel 3. Arbeiten und Essen. Die Logik im Wandel des Verhältnisses von gesellschaftlicher Arbeit und existenzieller Sicherung im Kapitalismus

Dieser Beitrag entstand unter dem Eindruck der damals intensiv geführten Grundeinkommensdiskussion. Der rasche Austausch von Positionen und Einschätzungen war anregend, brachte aber eine gewisse theoretische Kurzatmigkeit zahlreicher Beiträge mit sich. Es ging also darum, dieses Theoriedefizit abzubauen. Dazu habe ich die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Einsatz von Arbeit und Verteilung von Einkommen als Abfolge von Phasen in einem weiten Zeithorizont dargestellt, ohne dies als Automatismus zu interpretieren. Das ist nicht immer so verstanden und als „Geschichtsphilosophie“ (Wegener, Leviathan 13:91–114, 1985) kritisiert worden. Ich habe darauf später mit dem Versuch einer handlungstheoretischen Rekonstruktion der Phasenübergänge reagiert (Vobruba, Wahnsinn und Gesellschaft, Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1997), um zu zeigen, dass der Ansatz ausreichend Raum für historische Kontingenzen lässt.
Georg Vobruba

Kapitel 4. Entwicklung und Stand der deutschen Diskussion um ein garantiertes Grundeinkommen

In diesem Beitrag ging es mir darum zu zeigen, dass die Idee eines garantierten Grundeinkommens eine lange Tradition hat, und dass es sinnvoll ist, die aktuelle Grundeinkommensdiskussion in Auseinandersetzung mit früheren Entwürfen zu entwickeln. Und es geht mir immer noch darum. Denn immer noch hat man den Eindruck, dass das Konzept eines garantierten Grundeinkommens alle zwei Jahrzehnte neu erfunden wird. Dies ist der Steigerung des sozialwissenschaftlichen Reflexionsniveaus bei der Befassung mit dem Thema nicht unbedingt förderlich.
Georg Vobruba

Kapitel 5. Wege aus der Flexibilisierungsfalle. Die Verbindung von Arbeitszeitverkürzung, Flexibilisierung und garantiertem Grundeinkommen

Die Diskussion über Arbeitszeitflexibilisierung und die Grundeinkommensdiskussion liefen in den 80er Jahren etwa parallel aber weitgehend unverbunden. Eine Verbindung lag jedoch nahe und versprach, Blockaden in beiden Politikfeldern zu lösen. Darum bemühte ich mich, Arbeitszeitpolitik und Grundeinkommen mit Blick auf wechselseitige Anschlussfähigkeit zu analysieren. Zugleich ging es mir darum, mich von ökolibertären Argumentationen und deren Mutationspotenzial zu schlicht neoliberalen Positionen abzugrenzen.
Georg Vobruba

Arbeit: In der flexiblen Arbeitsgesellschaft

Frontmatter

Kapitel 6. Der Arbeitsmarkt – ein Markt?

Peter Glotz, damals Bundesgeschäftsführer der SPD, hatte in einem Aufsatz die Idee eines garantierten Grundeinkommens ausführlich kritisiert. Es war in der Diskussion von herausragender Bedeutung, dass sich ein Spitzenrepräsentant einer großen, traditionell stark auf Arbeit fixierten Partei auf diese Diskussion überhaupt einließ. Glotz veröffentlichte seine Kritik in einem Sammelband (Opielka M, Vobruba G, Das garantierte Grundeinkommen. Entwicklung und Perspektive einer Forderung, Frankfurt a. M.: Fischer, 1986) und in der Theoriezeitschrift der Sozialistischen Partei Österreichs (Glotz P, Freiwillige Arbeitslosigkeit, Zukunft, Wien, 1985). Dort erschien als meine Erwiderung dieser Aufsatz, in dem ich darzustellen versuchte, dass, jedenfalls beim Thema Arbeit und Einkommen, Klärungen theoretischer Grundlagen von unmittelbar politischer Bedeutung sein können.
In einer seiner letzten öffentlichen Äußerungen hat Peter Glotz die Revision seiner Auffassung zum Thema dokumentiert (Lotter W, Der Lohn der Angst. In: brand eins. Arbeit. Nie wieder Vollbeschäftigung! Hamburg, 2005): „Sinnloses Geschwätz“ sei das Gerede von Vollbeschäftigung.
Georg Vobruba

Kapitel 7. Ende der Vollbeschäftigungsgesellschaft

Diese Untersuchung verdankt sich der Persistenz der Problemlage gleichermaßen wie dem Altern der Debatte. Nach dem Fall des eisernen Vorhangs hatten die Wiedervereinigung und die Transformationsdynamik einige Zeit unverkennbar die meiste politische und sozialwissenschaftliche Aufmerksamkeit absorbiert. Dann aber gerieten die Probleme seit dem Ende der Vollbeschäftigung wieder in den Blick. Was sah man? Zähen sozialen Wandel, eine unglaubliche Hartnäckigkeit der geläufigen Problemwahrnehmung der politischen Akteure, die auch durch Jahrzehnte beschäftigungspolitischer Misserfolge nicht irritierbar ist. Was tun? Entweder mit Forderungen gegen die Wirklichkeit anrennen oder versuchen, in die Analyse der Beschäftigungsproblematik eine neue Reflexionsschleife einzuziehen. Ich habe mich für letzteres entschieden, erst versucht im Wege einer Rekonstruktion der früheren Debatte ihrer zunehmenden Verengung entgegen zu wirken und dann die Konstitutionsbedingungen des Zieles Vollbeschäftigung mit zum Gegenstand der Untersuchung zu machen.
Georg Vobruba

Kapitel 8. Income Mixes. Die neue Normalität nach der Vollbeschäftigung

Dies ist der Versuch einer Bestandsaufnahme der neuen Normalität nach der Vollbeschäftigung: Immer mehr Menschen beziehen ihr Einkommen aus mehr als einer Quelle. Kapitaleinkommen, Arbeitseinkommen und Sozialtransfers sind die Bestandteile moderner Income Mixes. Wenn sich solche Income Mixes immer mehr ausbreiten, muss Politik die Schnittstellen zwischen diesen Einkommensarten so gestalten, dass sie tatsächlich kombinierbar werden. Damit entscheidet sich, ob Income Mixes eine Gefahr oder eine Chance sind.
Georg Vobruba

Kapitel 9. Politik in der Beschäftigungsfalle

Mit dieser Prognose über die Aussichten der zweiten rot-grünen Bundesregierung (2002–2005) verfolgte ich zwei Absichten. Zum einen ging es darum, die politischen Kosten des Festhaltens am Vollbeschäftigungspostulat zu untersuchen. Zum anderen habe ich versucht, das Argument so zu formulieren, dass das Interesse der politischen Akteure an ihrer Selbsterhaltung zum Abbau ihrer Lernresistenz in Fragen von Beschäftigung und sozialer Sicherheit mobilisiert wird.
Georg Vobruba

Kapitel 10. Die flexible Arbeitsgesellschaft

Arbeitsflexibilität ist weder umfassend konsensfähig, noch muss sie an Interessengegensätzen scheitern. Um das zu zeigen, entwickle ich erst die begriffliche Grundausstattung zur Erfassung unterschiedlicher Phänomene von Arbeitsflexibilität. Dann rekonstruiere ich die Entwicklung der Diskussion um Arbeitszeitflexibilisierung und ihre Erweiterung zur Flexibilität des Arbeitseinsatzes in seinen Dimensionen Zeit, Ort und Qualifikation. Anschließend biete ich eine Systematik der Formen von Arbeitsflexibilität an, verknüpfe sie mit Flexicurity und diskutiere die Entwicklung von Flexibilitätsketten. Daraus ergeben sich Anschlussfragen nach den Erträgen und Kosten von Flexibilität, zum Verhältnis von ökonomischen Effizienzsteigerungen und individuellen Autonomiegewinnen sowie nach den weiterreichenden Folgen einer flexiblen Arbeitsgesellschaft.
Georg Vobruba

Einkommen: Probleme mit dem Grundeinkommen

Frontmatter

Kapitel 11. Gute Gründe reichen nicht. Zur neuen Diskussion eines garantierten Grundeinkommens

Hat man erst einmal die richtigen Gründe, muss man nur noch Überzeugungsarbeit leisten. – Die Verwechslung von Begründung und Strategie ist eine zentrale Schwäche der neueren Grundeinkommensdiskussion. Der Aufsatz richtet sich nicht gegen stringentes Argumentieren. Ganz bestimmt nicht. Ich will nur zeigen, dass es nicht reicht.
Georg Vobruba

Kapitel 12. Zielgenauigkeit versus Akzeptanz. Das Realisationsdilemma der Grundeinkommensidee

Für die Akzeptanz eines Grundeinkommens kommt es darauf an, die in der Diskussion zentralen Pro-Argumente mit Gerechtigkeitsvorstellungen der Leute abzugleichen. Ich argumentiere für einen derart gesteigerten Realismus, um Probleme sichtbar werden zu lassen, an denen die Debatte ohnehin nicht vorbei kommt.
Georg Vobruba

Kapitel 13. Wege aus der Utopiefalle des Grundeinkommens

Philosophie ist die Kunstlehre elaborierten Wünschens. Nicht nur, aber auch. Dass sie die Grundeinkommensdiskussion weltweit bis heute stark prägt, wirkt ambivalent: Einerseits leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Kontinuität der Debatte und zur Klärung der Argumente. Andererseits wird dadurch eine Kluft zwischen Realität und Wünschen fortgeschrieben, die ich Utopiefalle (Vobruba, 2017, Das Grundeinkommen in der Utopiefalle. In: Der Standard, 3. 11. 2017. https://​derstandard.​at/​2000067144710/​Das-Grundeinkommen-in-der-Utopiefalle) nenne: Man weiß, was man sich warum wünscht, man hat aber kaum Vorstellungen darüber, wie man von hier nach da kommt. Im Sinne der Realisierbarkeit eines Grundeinkommens geht es darum, die Realität schärfer ins Auge zu fassen.
Georg Vobruba

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