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24.04.2018 | Entrepreneuership | Im Fokus | Onlineartikel

Nachfolger verzweifelt gesucht

Autor:
Annette Speck

So viele Unternehmen wie noch nie sind auf Nachfolgersuche. Gleichzeitig geht die Schere zwischen Übergabewilligen und Übernahmeinteressenten immer weiter auseinander. Woran es liegt und was Unternehmer tun können.

Keine Frage, auch die Demografie ist schuld: Während immer mehr Unternehmer das Ruhestandsalter erreichen, sinkt allein aufgrund der geburtenschwächeren Jahrgänge die Zahl potenzieller Nachfolgeinteressenten im Alter zwischen 25 und 45 Jahren stetig. Die Tatsache, dass zudem heute viele Unternehmerkinder nicht automatisch in die elterlichen Fußstapfen treten wollen, wie Rudolf Wimmer et al. in dem Buchkapitel "Die Unternehmerfamilie - ein Mythos?" darlegen, verschärft die Situation noch. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ist alarmiert und sieht den Fortbestand vieler mittelständischer Betriebe gefährdet.

Laut dem DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2017 haben 44 Prozent der 6.654 Alt-Eigentümer, die sich bei den Industrie- und Handelskammern im Jahr 2016 zum Thema Betriebsübergabe beraten ließen, keinen passenden Nachfolger gefunden. Zum sechsten Mal hintereinander ist damit die Zahl der suchenden Senior-Unternehmer auf einen neuen Höchstwert gestiegen. Allerdings gaben auch 2.077 Übernahmeinteressierte an, kein passendes Unternehmen gefunden zu haben.

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Unsicherheitsfaktor Erbschaftssteuer

Einen Unsicherheitsfaktor bei Betriebsübergaben stellen darüber hinaus die offenen Fragen bei der Erbschaftssteuer dar. DIHK-Präsident Eric Schweitzer forderte daher in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" eine mittelstandsfreundliche Umsetzung und Anwendung der Erbschaftssteuer.

Doch die Nachfolgersuche wird noch durch weitere Probleme erschwert, wie der auf Erfahrungsberichten der IHK-Berater und einer statistischen Auswertung basierende DIHK-Report zeigt:

Anteil der Senior-Unternehmer die ...

2017 in %

(2016)
Anteil der potenziellen Übernehmer, die ...

2017 in %

(2016)
... nicht rechtzeitig vorbereitet sind
42 (43)
... Finanzierungs-schwierigkeiten haben
40 (43)
... emotional nicht "loslassen" können
36 (37)
... Anforderungen unterschätzen
40 (40)
... keinen passenden Nachfolger finden
44 (45)... kein passendes Unternehmen finden
50 (47)
... einen überhöhten Kaufpreis fordern
41 (44)
... unzureichende Qualifikationen haben
25 (23)
... hohe Erbschaftssteuer befürchten
21 (21)
... hohe Erbschaftssteuer befürchten
23 (17)
... wegen Altersvorsorge warten
28 (33)


Um eine erfolgreiche Betriebsübergabe zu gewährleisten, empfehlen die IHK's, die Planung frühzeitig in Angriff zu nehmen. Dazu gehöre es, das Unternehmen im Vorfeld fit für die nächste Generation zu machen, einen "Notfallkoffer" aller wichtigen Dokumente zusammenzustellen und spätestens drei Jahre vor dem anvisierten Übergabetermin mit der Nachfolgersuche zu beginnen. Doch wo und wie lassen sich geeignete Kandidaten finden?

Nachfolgersuche per Hochschul-Kooperation

Einen möglichen Weg zeigen Andy Junker und Jürgen Griebsch auf. In ihrer "Zusammenfassung der wesentlichen Optimierungspotenziale bei der Unternehmensnachfolge" schlagen sie eine engere Verknüpfung von Unternehmern und Hochschulen vor. Absolventen hätten mittelständische Firmen vielfach gar nicht als Arbeitgeber auf dem Schirm, da diese häufig wenig Öffentlichkeitsarbeit betrieben. "Durch eine frühzeitige Einbindung in – für das Studium und das Unternehmen verwertbare – Projekte kann ein beiderseitiges Kennenlernen von Studierendem (potentieller Nachfolger) und Unternehmen erreicht werden, um den Nachfolgeprozess erstens frühzeitig einzuleiten und um ihn zweitens ökonomisiert bewältigen zu können", schreiben die Autoren auf Seite 243.

Dabei verweisen sie insbesondere auf die Hochschulen der Hochschulallianz für den Mittelstand. Diese derzeit zwölf Hochschulen für angewandte Wissenschaften eint der Grundsatz, junge Menschen arbeitsmarktbezogen auszubilden und zugleich den Wissenstransfer in die regionale Wirtschaft zu stärken. Neben gemeinsamen (Forschungs-)Projekten bieten beispielsweise auch Praktika oder ein duales Studium Kontaktmöglichkeiten zwischen Unternehmen und künftigen Führungskräften.

Mediator entschärft Familienkonflikte

Eine bis dato wenig genutzte Option für den nicht selten problematischen Übergabeprozess in Familienunternehmen stellen Stefan Märk und Mario Situm vor: die Hinzuziehung eines externen Mediators. In dem Buchkapitel "Damals übernehmen müssen und jetzt übergeben dürfen" beschreiben sie am Beispiel der österreichischen Hennlich GmbH eine mediatorisch begleitete, gelungene Betriebsübergabe. "Mithilfe dieses Experten setzten sich sämtliche Familienmitglieder mit der Thematik auseinander und bereiteten sich dementsprechend vor", heißt es auf Seite 113. Dabei arbeitete der Mediator zunächst mit sämtlichen Involvierten getrennt und erstellte als Ausgangspunkt ein Ideen- und Wunschpapier der Familienmitglieder.

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