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20.11.2017 | Entrepreneuership | Im Fokus | Onlineartikel

Ohne radikale Innovationen kein Gründungserfolg

Autor:
Andrea Amerland

Deutsche Start-ups haben es schwer: Entweder klappt die Finanzierung nicht oder die persönliche Angst vorm Scheitern verhindert die Gründung. Jetzt zeigen neue Studien, was Entrepreneurship hierzulande noch erschwert.

Um das Unternehmertum in Deutschland ist es schlecht bestellt. Oder anders gesagt: Beim Gründungswillen schwächelt die Nation, wenn man einmal vom Start-up-Mekka Berlin absieht, wo eine Neugründung nach der anderen aus dem Boden schießt. So sind in der ersten Jahreshälfte weniger neue Betriebe an den Start gegangen. Die Gewerbeanmeldungen sanken im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,6 Prozent auf 356.000. Insbesondere bei Kleinunternehmen gab es mit 3,2 Prozent einen deutlichen Rückgang auf 92.000, teilte das Statistische Bundesamt mit. Lediglich bei Betrieben, "deren Rechtsform und Beschäftigtenzahl auf eine größere wirtschaftliche Bedeutung schließen lassen", verzeichnet die Behörde ein Plus in Höhe von 0,8 Prozent.

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Scheitern bei Unternehmensgründungen

Warum machen so viele Startups pleite? Und warum gehört das Scheitern zum Gründen dazu?

Im Beitrag wird zunächst ein Blick auf die Gründungslandschaft in Deutschland geworfen. Dabei wird aufgrund unterschiedlicher aktueller Studien darauf eingegangen, dass Gründungszahlen rückläufig sind und die Zahl der Gründungen niedriger ist als die Zahl der Schließungen.

Überdurchschnittlich gründungsaktiv zeigen sich Migranten. 2016 war jeder fünfte Gründer in Deutschland Ausländer oder eingebürgert, zeigt die Kurzanalyse von KfW Research "Gründungen durch Migranten: Gründungsfreude trifft Ambition". Zudem investieren sie mehr Zeit in ihre Gründungsprojekte, gründen häufiger im Team, schaffen mehr Arbeitsplätze und streben das größte Wachstum an (22 Prozent Migranten, 15 Prozent aller Gründer).

Hürden für die Unternehmensgründung

Doch was sind die größten Hindernisse und die wichtigsten Erfolgsfaktoren für Existenzgründungen in Deutschland? Dieser Frage sind Forscher vom Alexander-von-Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG) in der Studie "Entrepreneuership in Deutschland" (PDF) nachgegangen, für die 120 Start-ups über mehrere Jahre hinweg befragt wurden.

Entrepreneurship wird demnach behindert, weil Risikokapital für disruptive Innovationen oder Mitgründer fehlen, letzteres insbesondere in der IT. Zudem mangelt es der Studie zufolge an der nötigen Gründermentalität und Risikobereitschaft, um einen sicheren Arbeitsplatz aufzugeben. Auch im Bildungsbereich wurde bislang versäumt, die Existenzgründung als praxisbezogene Ausbildung zu vermitteln. Als besonders erfolgshemmend stufen die HIIG-Forscher ein, dass sich deutsche Unternehmen zumeist auf inkrementelle Innovationen, also die Verbesserung von bestehenden Produkten, Services, Prozessen und Geschäftsmodellen fokussieren und dadurch kaum radikale und disruptive Innovationen entstehen, die völlig neuartig sind.

Bremst also die German Angst die Gründer aus, wie es der Global Entrepreneurship Monitor 2016 beschrieb? Die Angst vorm Scheitern ist nur einer der Faktoren, warum die Gründungsbereitschaft in Deutschland weniger ausgeprägt ist als in anderen Ländern, schreiben Claas Triebel und Claudius Schikora. Die Springer-Autoren haben die Gründe ermittelt, an denen Start-ups in der Regel scheitern:

Intern

Extern
Kooperation Individuelle Gründe/Gründe im Team Fehlender Investor/fehlendes Kapital
Markt

Entwicklung am Markt vorbei

Falscher Zeitpunkt für das Produkt
Marketing/Vertrieb Schlechtes Marketing Vom Wettbewerb überholt

Quelle: "Scheitern bei Unternehmensgründungen" (2016), Seite 240.

Scheitern als Chance für zweiten Gründungsanlauf

"Man sollte nach Möglichkeit auf so viel Know‐how von vertrauenswürdigen Personen zurückgreifen wie möglich, um das Risiko von vornherein zu minimieren. Denn damit kann man sich selbst auch die Angst vor dem Scheitern ein Stück weit nehmen, die einen vielleicht zurückhält", empfiehlt Benjamin Thurnherr, Gründer der Thurnherr and Geering Immobilien GmbH am Bodensee.

Und selbst wenn der erste Gründungsversuch nicht klappt, ist das kein Beinbruch. "Mir konnte nichts Besseres passieren, als mit Tollabox zu scheitern, denn sonst hätten wir ein sehr schwieriges Geschäftsmodell immer weitertreiben müssen und ich wäre blockiert gewesen“, sagt Tobias Zumbült in der Zeitschrift return | Ausgabe 1/2017. Mit den Erfahrungen und Learnings des ersten Gründungsprojektes ergeben sich neue Perspektiven für weitere Start-ups. Jetzt ist Zumbült erfolgreicher Co-Founder der Advalyze GmbH, die Unternehmen bei der Digitalisierung ihrer Geschäftsmodelle begleitet.

Fazit: Für radikale Innovationen fehlt in Deutschland den Studienergebnissen zufolge häufig die Risikobereitschaft. Gründungsideen, die Neuland betreten, finden zumeist keine Investoren. Andere Länder, die mehr Risiken eingehen, um innovative Technologien und Geschäftsmodelle hervorzubringen, könnten Deutschland daher mittel- bis langfristig im Innovationswettbewerb abhängen.

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