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07.10.2016 | Entrepreneuership | Im Fokus | Onlineartikel

Die Tellerwäscher-Mär

Autor:
Andrea Amerland

Steve Jobs ist es gelungen und Bill Gates auch: Sie haben nach Abbruch ihres Studiums den amerikanischen Traum wahr werden lassen. Avancieren "college dropouts" also eher vom Tellerwäscher zum Millionär? Ein Studie gibt Aufschluss.

Die Liste erfolgreicher Studienabbrecher ist lang. Nicht nur Apple-Gründer Steve Jobs oder Windows-Veteran Bill Gates sind darauf zu finden. Auch Mark Zuckerberg sagte im Jahr 2006 Harvard frühzeitig ade, um sein Erfolgsprojekt Facebook weiter voranzutreiben. Selbst PC-Hersteller Michael Dell oder der amerikanische Filmproduzent Walt Disney hielten es nicht bis zum Examen an der Universität aus.

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Beispiele wie diese geben der Mär Nahrung, dass Studienabbrecher die besseren, weil visionäreren und erfolgreicheren Unternehmer sind. Aber gibt es wissenschaftliche Belege dafür, dass Hochschulabsolventen mit betriebswirtschaftlichen Hintergund ein Unternehmen schlechter führen als Hochschulabbrecher? Dieser Frage ist der Kasseler Wirtschaftswissenschaftler Guido Bünstorf mit Kollegen aus Dänemark und Norwegen anhand von dänischen Arbeitsmarktdaten nachgegangen, die Rückschlüsse auf andere Industrienationen zulassen sollen. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass Hochschulabbrecher nicht die erfolgreicheren Unternehmer sind – auch wenn manche Karrieren das suggerieren. Laut Studie, die im Fachjournal "Small Business Economics" erschienen ist, verdienen "college dropouts" (Studienabbrecher) rund 17 Prozent weniger als Absolventen, Selbstständige sogar nur halb so viel wie abhängig Beschäftigte. 

Entrepreneuership hat viele Facetten

Grundsätzlich machen sich der Analyse zufolge mehr Studienabbrecher als Absolventen selbstständig. Die Wissenschaftler begründen dies unter anderem mit dem Wunsch nach Selbstbestimmung, mehr Risikobereitschaft, aber auch mit mangelnder Beständigkeit. "Insgesamt liefert diese Untersuchung keine Anhaltspunkte für die etwa im Silicon Valley weit verbreitete These, dass Erfolgsgeschichten wie die von Steve Jobs oder Mark Zuckerberg typisch für Studienabbrecher sind", so Bünstorf.

Entrepreneuership hat viele Facetten, ebenso E-Entrepreneurship. Die Frage, ob bestimmte charakterliche Merkmale, einen Unternehmer beziehungsweise einen Gründer vom Rest der Bevölkerung unterscheiden, beantwortet Springer-Autor Tobias Kollmann zunächst mit Kriterien, die helfen, den Typus des Unternehmensgründers zu beschreiben.

  • die Persönlichkeit,
  • die Motivation,
  • und die Kompetenzen des Unternehmensgründers. 

Gründercharakteristika beeinflusssen den Erfolg nur teilweise

Interessanterweise erkläre die Summe aller Persönlichkeitsmerkmale gerade einmal 20 Prozent des Gründungserfolgs. Zu diesen Gründercharakteristika zählen ("Ideenfindung", Seite 143): „

  • die Leistungsmotivstärke – der Wille, Leistung zu erbringen und sich mit beruflichen Aufgaben auseinanderzusetzen, die sowohl herausfordernd als auch realisierbar sind,
  • die internale Kontrollüberzeugung (Selbstwirksamkeit beziehungsweise Machbarkeitsüberzeugung) – der Glaube, für sein eigenes Schicksal und die Ergebnisse seines Handelns selbst verantwortlich zu sein und dies aktiv beeinflussen zu können,
  • das Unabhängigkeitsstreben – der Drang, sich von Autoritäten unabhängig zu machen sowie sich selbst zu verwirklichen,
  • die Problemorientierung – die klare Fokussierung auf die primären Einflussfaktoren eines Projektes, um sowohl analytisch als auch intuitiv mit Nicht-Routine-Aufgaben umgehen zu können,
  • die Risikoneigung – die Tendenz, sich Umweltsituationen mit ungewissem Ausgang freiwillig auszusetzen, wenn die geringere Eintrittswahrscheinlichkeit einer Alternative den größeren Gewinn verspricht,
  • Ungewissheitstoleranz – die Fähigkeit, Situationen mit ungewissem Ausgang angemessen zu bewältigen,
  • Belastbarkeit – insbesondere die physische Widerstandsfähigkeit und auch unter Druck weiter leistungsfähig zu sein,
  • emotionale Stabilität – die psychische Widerstandsfähigkeit sowie die Anlage, Frustrationen schneller zu verarbeiten,
  • Durchsetzungsbereitschaft (Dominanzbedürfnis) – der Wille andere zu führen sowie
  • soziale Anpassungsfähigkeit – nicht nur als Führungspersönlichkeit, sondern gerade auch Kunden und Lieferanten gegenüber.  

Gründer in der digitalen Wirtschaft benötigen zudem Kompetenzen in der Informatik, der Wirtschaftsinformatik sowie der Betriebswirtschaft. Sie müssen also die technologische Seite der digitalen Wirtschaft, Fragestellung der Geschäftsmodellentwicklung, aber auch kaufmännisches Wissen mitbringen. In dieser Hinsicht ist ein Studienabschluss sicher nicht von Nachteil. Aber auch der ist ohne eine vernünftige Produkt- oder Geschäftsidee und viel Motivation nur die halbe Miete.

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Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2016 | OriginalPaper | Buchkapitel

Ideenfindung

Quelle:
E-Entrepreneurship

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