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11.05.2022 | Entrepreneuership | Im Fokus | Online-Artikel

Nachfolger fallen nicht vom Himmel

verfasst von: Annette Speck

4:30 Min. Lesedauer
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Etwa 190.000 Unternehmen suchen bis zum Jahr 2026 nach einem Nachfolger, schätzt das IfM Bonn. Warum einige Regionen und Wirtschaftszweige besonders betroffen sind und wie der Eigentümerwechsel gelingt.

In einer Zeit, in der Selbstverwirklichung und Work-Life-Balance, Mobilität und stetige Veränderung einen hohen Stellenwert für die Menschen besitzen, ist es für Unternehmenseigner nicht unbedingt leicht, einen Nachfolger zu finden. Zwar werden laut dem Bonner Institut für Mittelstandsforschung (IfM) für eine deutliche Mehrheit der Unternehmen familieninterne Nachfolger gefunden, doch für Firmengründer ist es meist schmerzlich, wenn die eigenen Kinder den elterlichen Betrieb nicht übernehmen wollen. Schwierig kann es aber auch werden, wenn mehrere Familienmitglieder für die künftige Geschäftsführung in Frage kommen, wie etwa beim Textilkonzern Trigema, stellt indessen Business Insider fest.

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In jedem Fall sollten Unternehmenseigentümer ihren Ausstieg langfristig planen, um die Optionen Stilllegung, interne Firmenübergabe und Verkauf umfassend zu prüfen und gegebenenfalls genug Zeit für die Nachfolgersuche zu haben. "Auch vor dem avisierten Ende seiner Berufstätigkeit kann es für den Unternehmer zweckmäßig sein, frühzeitig einen Nachfolger aufzubauen und ihn an die unternehmerische Verantwortung heranzuführen. Ab einer bestimmten Größe des Unternehmens und möglicher familieninterner Nachfolge sprechen daneben oft auch steuerliche Gründe dafür, den oder die Nachfolger auch vor der eigentlichen Übergabe der Unternehmensleitung zum Teil am Unternehmen zu beteiligen", merkt etwa Springer-Autor Thomas Brass zur "Organisation des Nachfolgeprozesses" an (Seite 278).

Die Babyboomer treten ab

Laut einer Untersuchung des IfM zum Thema "Unternehmensnachfolge" werden bis 2026 jährlich aus rund 38.000 Firmen die Eigentümer wegen Alter, Krankheit oder Tod aus der Geschäftsführung ausscheiden. Der Analyse zufolge sind dabei fast die Hälfte der für die nächsten fünf Jahre prognostizierten Übergaben im Bereich der unternehmensnahen Dienstleistungen zu erwarten (85.900). Diesem Wirtschaftszweig sprechen die Forscher eine hohe Bedeutung für das Nachfolgegeschehen im Allgemeinen zu, vor allem in mittleren und größeren Umsatzgrößenklassen.  

Ferner findet mehr als ein Viertel der Firmenübergaben der kommenden Jahre im produzierenden Gewerbe (50.100) statt. Deutlich weniger Eigentümerwechsel erwartet das IfM bei Unternehmen, die personenbezogene Dienstleistungen anbieten, wie beispielsweise Gastgewerbe, Gesundheits-/Sozialwesen, Erholung oder Erziehung/Unterricht.

Die meisten Übergaben in Bremen

Laut der IfM-Analyse, die mangels amtlicher Statistik zum Nachfolgegeschehen auf einem von dem Institut speziell entwickelten Schätzverfahren basiert, stehen in den Jahren 2022 bis 2026 die meisten Übergaben in Bremen und Niedersachsen an, nämlich 59 beziehungsweise 56 Übergaben je 1.000 Unternehmen. Für Bremen wird als Grund die vergleichsweise hohe Zahl an Firmen genannt, die unternehmensnahe Dienstleistungen anbieten. In Niedersachsen hingegen finden sich demnach viele Firmen der mittleren Umsatzsatzgrößenklasse, in der ebenfalls viele Übergaben stattfinden.

Am anderen Ende der Skala rangiert Berlin mit 44 Übergaben je 1.000 Unternehmen. Zwar gebe es auch hier überproportional viele Betriebe mit unternehmensnahen Dienstleistungen, doch gehörten sie mehrheitlich zur kleinsten Umsatzgrößenklasse, so die IfM-Studie. Eine Übernahme lohne sich da oftmals nicht. Der bundesweite Schnitt liegt bei 52 Übergaben je 1.000 Unternehmen.

Pandemie tangiert externe Nachfolge

Zur Frage, inwieweit die Corona-Pandemie sich auf anstehende Firmenübergaben auswirke, stellt IfM-Studienleiterin Nadine Schlömer-Laufen fest, dass dies in erster Linie familienexterne Nachfolgeregelungen tangiere. So müssten verkaufswillige Firmeneigentümer womöglich niedrigere Kaufpreise akzeptieren oder aber ihre Nachfolgepläne aufschieben bis sich die Wirtschaftslage wieder normalisiert habe.

Insgesamt gehen die Forschenden des IfM davon aus, dass es trotz demografischem Wandel und Fachkräftemangel für wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen kein Problem sein werde, Nachfolgelösungen zu finden.

Leitungs- oder Eigentumsnachfolge?

Für Familienunternehmen stellt sich dabei die grundlegende Frage, ob sie eine Leitungs- oder eine Eigentumsnachfolge anstreben. Ersteres kann zum Beispiel ein erster Schritt zur Prüfung einer späteren Eigentumsübernahme sein. Das Fremdmanagement kann aber auch als Interimsmanagement angelegt sein, bis andere, unbedingt zu berücksichtigende Nachfolgekandidaten – wie etwa jüngere Familienmitglieder – für eine Übernahme bereit sind.

Nicht selten spielt bei der Übergabe von Familienunternehmen auch der Wunsch eine Rolle, dass die spezifische Unternehmensvision fortgeführt wird. “Je nachdem wie wichtig dem Übergeber/Verkäufer beziehungsweise der Übergeberin/Verkäuferin eine Fortführung in seinem Sinne ist, sollte ein strukturierter Auswahlprozess erfolgen“, rät Sabrina Schell in dem Buchkapitel "Die Auswahl von geeigneten Nachfolger*innen". Darüber hinaus biete sich als Sonderform aber auch die bei Familienunternehmen immer beliebtere Stiftungslösung an. Sie ermögliche den Erhalt des Unternehmens inklusive seiner Werte durch die Festlegung eines Stiftungszwecks.

Informationsangebote nutzen

Grundsätzlich empfiehlt es sich, das Thema Nachfolge beizeiten anzupacken. Zahlreiche Stellen bieten hierzu Informationen und Unterstützung an. Sascha Genders nennt in dem Buchkapitel "Unternehmensnachfolge: Wirklich ein Thema?" folgende Anlaufstellen (Seite 12):

Informationen und Unterstützung zum Thema Nachfolgeplanung durch …

Existenzgründungsplattform des Bundeswirtschaftsministeriums

Unter dem Stichwort 'Unternehmensnachfolge' gibt es vielfältige Informationen, Planungsinstrumente und Lehrinhalte.

Nachfolgebörse "Nexxt Change"

Vernetzung von Angebot und Nachfrage und bringt Übergabewillige und potenzielle Übernehmer zusammen.

Bundesländerinitiativen

… in Bayern zum Beispiel mit der Initiative "Offensive Unternehmensnachfolge Bayern"

Institutionen wie die Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern, Organisationen, Verbände

unter anderem:

  • Handelsverband,
  • Verband der Familienunternehmen
  •  "Institut für Entrepreneurship, Mittelstand und Familienunternehmen" der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin mit der Plattform "Nachfolge in Deutschland"

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