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21.06.2022 | Entrepreneuership | Im Fokus | Online-Artikel

Auf Coco Chanels Spuren erfolgreich gründen

verfasst von: Andrea Amerland

3:30 Min. Lesedauer
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Was Unternehmer erfolgreich macht, gehört zu den Fragen, deren Antworten wie ein Fünfer im Lotto sind. Entrepreneurship hat dabei viele Facetten, wie eine Studie am Beispiel Coco Chanel zeigt. Manche Faktoren lassen sich allerdings generalisieren und übertragen.
 

Vom Kleinen Schwarzen und einem Parfum, dem schlicht die Nummer fünf seinen Namen gibt, haben die meisten Menschen schon einmal gehört. Beides - das universell tragbare schwarze Kleid, mit dem Frau immer gut angezogen ist, und der unverwechselbare Duft - sind Erfindungen von Gabrielle Bonheur Chasnel. Die französische Designerin firmierte unter ihrem Rufnamen 'Coco' zur einflussreichsten Modeschöpferin des 20. Jahrhunderts, die das Korsett abschaffte und die Rocklänge drastisch kürzte. Noch heute steht Mode aus dem Haus Chanel für elegante und exklusive Haute Couture. 

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Dass Coco Chanel eine emanzipatorische Gesinnung antrieb, machte ihre Mode für Frauen tragbar. Aber die Designerin ist auch als Unternehmerin ein Vorbild, von dem Firmengründer und Geschäftsführer lernen können. Das zeigt eine Untersuchung, die von Wissenschaftlern der Bayes Business School, der Stern School of Business und der Universität Bologna mitverfasst wurde.

Die unternehmerische Reise von Coco Chanel

Der Tenor der Analyse ist, dass es dem Waisenkind Coco Chanel trotz eines fehlenden sozialen, wirtschaftlichen und symbolischen Kapitals gelungen ist, als Unternehmerin in der Geschäftswelt großen Einfluss zu nehmen. Die Studie, die in der Zeitschrift "Enterprise & Society?" als Open-Access-Artikel unter dem Titel "From the Margins to the Core of Haute Couture: The Entrepreneurial Journey of Coco Chanel" erschienen ist, identifiziert dabei ein Muster für erfolgreiches Unternehmertum:

Außenseitertum ist ein Innovationskatalysator: Das zeigen verschiedene Studien und auch das Beispiel Coco Chanel, der eine formale Bildung sowie die Ausbildung in einem Modehaus fehlten, als sie sich in der von Männern dominierten Haute-Couture-Welt durchsetzte. Die soziale Position hilft Außenseitern, "fantasievolle Projekte zu verfolgen, die von den vorherrschenden sozialen Normen abweichen", erschwert es ihnen aber gleichzeitig, Unterstützung und Anerkennung dafür zu bekommen. 

Soziales Netzwerken ist ein Erfolgsfaktor: Strategische Kooperationen und Allianzen mit Vertretern der High Society oder Künstlern wie Pablo Picasso verhalfen Chanels Entwürfen zur Bekanntheit. Sie waren in Theatervorstellungen, Balletten und Filmen zu sehen und verschafften der Designerin die nötige PR. So verwandelte Chanel sozial-kulturelles in wirtschaftliches Kapital, heißt es im Studienfazit. Die Modeschöpferin besorgte sich also das symbolische Kapital, das sie benötigte, um ihren Status und ihre Sichtbarkeit zu stärken, alles in allem Faktoren, die für die Gründung und Führung ihres Unternehmens erforderlich waren.

Den Nerv des Zeitgeistes treffen: Coco Chanel verstand es nach der Erfahrung des Ersten Weltkriegs, Kleider zu entwerfen, die schlicht und funktional waren und somit den Bedürfnissen der modernen bürgerlichen, unabhängigen und berufstätigen Frau zu entsprechen. 

Simone Ferriani, Professorin für Unternehmertum und Innovation an der Bayes University und Mitverfasserin der historischen Analyse, leitet aus diesen Faktoren ab, dass branchenfremde Unternehmer sich nicht entmutigen lassen sollten, sich gegen etablierte Strukturen und Einstellungen zu behaupten, auch wenn ihnen Referenzen, Verbindungen und finanziellen Ressourcen zu fehlen scheinen. Es sei dennoch möglich, vom Außenseiter zum Insider zu werden.

Ansätze der Entrepreneurship-Forschung

Was erfolgreiche Unternehmer ausmacht, versuchen Wissenschaftler auf unterschiedlichen Wegen zu ermitteln. In der Entrepreneurship-Forschung konzentrieren sich die Ansätze vor allem auf Fragestellungen rund um Eigenschaften und Charakteristika von Gründerpersönlichkeit. "Der Begriff Entrepreneurship steht für bestimmte Eigenschaften und Handlungsweisen wie Kreativität, Innovation, unternehmerische Initiative und das Eingehen ökonomischer Wagnisse. Er bezeichnet diejenigen Formen von Unternehmertum, die eine zentrale Triebkraft für wirtschaftliche Entwicklung darstellen", definieren Michael Fritsch und Michael Wyrwich im Buchkapitel "Die Rolle von Entrepreneurship in Wirtschaft und Gesellschaft" den Begriff (Seite 2).

Dabei konzentriere sich die psychologische Forschung auf bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, die bei Entrepreneuren besonders stark ausgeprägt sind, heißt es im Kapitel über die unternehmerische Fähigkeiten von Gründern. Im Gegensatz zu Qualifikationen, die sich durch Lernprozesse verändern, bleibe die Struktur der Persönlichkeitsmerkmale ab einem bestimmten Lebensalter relativ stabil, so Fritsch und Wyrwich. Demnach sind folgende Persönlichkeitsmerkmale für eine erfolgreiche Unternehmensgründung förderlich:

  • Fähigkeit zum Tragen von Risiko,
  • Kreativität,
  • Selbstvertrauen,
  • pro-aktive Handlungsbereitschaft,
  • interne Kontrollüberzeugung,
  • Eigenverantwortlichkeit,
  • Leistungsmotivstärke,
  • Stresstoleranz.

Diese Persönlichkeitsmerkmale bilden sich aufgrund von Erziehung und Sozialisation, Berufswahl und -erfahrung, das soziale Umfeld und Vorbildern heraus, erklären die beiden Wirtschaftswissenschaftler. Die Erkenntnis, dass unternehmerische Fähigkeiten teilweise durch soziale Rahmenbedingungen geprägt sind, bedeutete, dass man sie beeinflussen kann.

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