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Über dieses Buch

Das Herausgeberwerk vermittelt theoretisch fundiert die Entrepreneurship Education aus pädagogisch-didaktischer Sicht und bettet sie in den Kontext ökonomischer Bildung ein. Thematisiert werden Begriffsverständnisse und Definitionen einer Entrepreneurship Education, ihre disziplinäre und theoretische Einordnung ebenso wie ihre didaktische Fundierung und thematische Ausdifferenzierung.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Definitorische Fundierung

Frontmatter

Entwicklungslinien und Perspektiven der Entrepreneurship Education – eine Analyse von Definitionen

Zusammenfassung
Seit Ende der 90er-Jahre haben sich zahlreiche Wissenschaftlerinnen mit Fragen der Entrepreneurship Education befasst. Die resultierende umfassende und vielschichtige wissenschaftliche Diskussion bedarf zur disziplinären Weiterentwicklung einer Auseinandersetzung mit den Entwicklungslinien und eingenommenen Perspektiven. Entsprechend wurden aus der Literatur deutschsprachige Definitionen von Entrepreneurship Education extrahiert. Die Definitionen wurden anhand eines im Beitrag weiterentwickelten Kategorienschemas systematisiert. Darüber hinaus konnten aus der Anordnung der Definitionen im Zeitverlauf vier Phasen identifiziert werden. Dies ermöglicht es, die Entwicklung und Entstehung des Definitionsverständnisses nachzeichnen zu können. Es zeigt sich, dass in den Phasen deutlich unterschiedliche Schwerpunktsetzungen vorgenommen werden. Die Diskussion der Ergebnisse führt u. a. zu einer neuen Definition.
Brigitte Halbfas, Verena Liszt-Rohlf

Begriffliche und disziplinäre Genese der Entrepreneurship Education

Zusammenfassung
Entrepreneurship Education ist ein noch junges und zugleich diverses und interdisziplinäres Lehr- und Forschungsfeld. Während Entrepreneurship Education als Lehrfeld allmählich in breiten Teilen des (Erwachsenen-)Bildungssystems etabliert wird, ist die Entrepreneurship Education-Forschung stark anwendungsbezogen und zugleich noch immer entsprechend ihrem Ursprung aus der Gründungslehre monodisziplinär ausgerichtet. Insbesondere im Kontext schulischer Bildung wird aber von einem Entrepreneurship-Verständnis als polyvalent zu interpretierendes unternehmerisches Denken und Handeln gesprochen. Daraus ergibt sich ein stark interdisziplinäres Entrepreneurship Education-Verständnis, dessen theoretisch-konzeptionelle Basis noch immer nicht kohärent aufgearbeitet ist. Vorliegend wird die disziplinäre Genese der Entrepreneurship Education aus legitimatorischer, begriffsdefinitorischer und disziplinärer Perspektive beleuchtet. Abschließend erfolgt ein Ausblick auf den Beitrag des vorliegenden Bandes zur Theoriebildung einer Entrepreneurship Education im Rahmen ökonomischer Bildung.
Teita Bijedić

Theoretische Fundierung

Frontmatter

Entrepreneurship Education als Möglichkeits- und Ermöglichungsraum – eine erste theoretische Annäherung aus fachdidaktischer Perspektive

Zusammenfassung
Entrepreneurship Education (EE) darf als eine relativ junge Forschungsdisziplin bezeichnet werden. Diese wird wissenschaftsdisziplinär bislang stärker in den Wirtschaftswissenschaften diskutiert und entwickelt. Während hier eine EE maßgeblich als Lernziel die Vermittlung einer Opportunity Recognition (OR) verfolgt, also der Inhalt bzw. das Objekt im Vordergrund steht, strebt eine eher fachdidaktisch orientierte EE, welche sich erst seit ca. zwei Dekaden mit der Disziplin vornehmlich im Rahmen der Ökonomischen Bildung auseinandersetzt, die allgemeine Vermittlung des unternehmerischen Denkens und Handelns an. Hierbei findet eine Hinwendung zum Subjekt statt und seine Befähigung zum soeben vorgestellten Ziel steht im Mittelpunkt. Hiermit einher geht eine unterschiedliche theoretische Annäherung der jeweiligen fachwissenschaftlich und fachdidaktisch orientierten EE, die in diesem Beitrag vorgestellt werden soll. Ziel ist es, zu verdeutlichen, dass eine fachdidaktisch orientierte EE die bislang dominierende Auffassung einer fachwissenschaftlich orientierten EE fruchtbar ergänzen kann, da diese die EE potenziell stärker zu einem Möglichkeits- und Ermöglichungsraum werden lässt – eine Perspektive, die das als etwas monokausal zu bezeichnende Lernziel der „OR“ bereichert.
Ilona Ebbers

Sozialpsychologische Fundierung der Entrepreneurship Education

Zusammenfassung
Im folgenden Beitrag wird Entrepreneurship aus sozialpsychologischer Perspektive heraus betrachtet. Die Sozialpsychologie liefert mit der Theorie des geplanten Verhaltens von Ajzen (1991) eine bewährte theoretische Basis zur Erklärung von Intentionen. Diese theoretische Basis wird im Abschn. 2 umrissen. Die Anwendung der Theorie des geplanten Verhaltens auf die Analyse der Determinanten von Gründungsintentionen hat in den letzten Jahren wichtige Ergebnisse geliefert. Im Abschn. 3 wird dies beispielhaft illustriert, indem die Erkenntnisse zu den subjektiven gründungsbezogenen Überzeugungen Studierender bei Lange (2012) überblicksartig zusammengefasst werden. Diese Zusammenfassung orientiert sich an drei Zielgruppen, die in Abhängigkeit von allgemeinen, zeitlich unspezifischen, und spezifischen, auf die nächsten 10 Jahre bezogenen Gründungsintentionen definiert werden. Da der breite Transfer dieser theoriebasierten, empirisch fundierten Ergebnisse in die Praxis der Entrepreneurship Education bisher noch aussteht, aber fruchtbare Resultate verspricht, wird im Abschn. 4 thematisiert, welche zielgruppenorientierten Entrepreneurship Education-Maßnahmen aus den Ergebnissen abgeleitet werden können. Es wird deutlich, dass vor allem Studierende ohne Gründungsintentionen eine gezielte Ansprache brauchen, um Fehlüberzeugungen abzubauen und das Spektrum ihrer beruflichen Möglichkeiten so zu erweitern. Auch wird die Nutzbarkeit dieses Ansatzes für die Weiterentwicklung der Forschung zur Entrepreneurship Education hervorgehoben. Abschließend findet sich im Abschn. 5 ein ausblickendes Fazit.
Astrid Lange

Entrepreneurship als Management von Komplexität – Versuch einer begrifflichen Klärung mit praktischen Implikationen

Zusammenfassung
Der Effectuation-Ansatz hat die Entrepreneurship Education in den letzten Jahren dramatisch verändert. Effectuation ist in, stellt aber klassisches wissenschaftliches Denken in Frage. Die zentrale Grundposition des Ansatzes beruht auf einer Dissertation aus dem Jahre 1921, die eine prinzipielle Lücke in der Zukunftsprognose unternehmerischen Handelns postuliert. Die Begründung dafür kann 1921 nicht gelingen. Wichtige wissenschaftliche Entdeckungen sind noch nicht gemacht. Die theoretische Begründung des Effectuation-Ansatzes ist daher wenig überzeugend und es erscheint mysteriös, dass eine Arbeit von 1921 bemüht wird, um etwas zu erklären, was seit Jahrzehnten anerkannter Stand der Forschung ist, aber 1921 noch völlig unbekannt war. Der vorliegende Beitrag bietet stattdessen einen Zugang über die Theorien Nichtlinearer Dynamischer Systeme an. Deterministisches Chaos ist kurzfristig prognostizierbar und langfristig nicht vom blinden Zufall zu unterscheiden. Eine Checkliste kann helfen möglicherweise chaotische Systeme zu identifizieren.
Guido Strunk

Didaktische Fundierung

Frontmatter

Schwellenkonzepte in der Entrepreneurship Education – ein Identifizierungsansatz anhand von Denkrichtungen und Praxisfeldern

Zusammenfassung
Entrepreneurship Education sieht sich mit der Kritik konfrontiert, oftmals zu losgelöst von didaktischen Überlegungen betrachtet zu werden. Neben dem Aufwerfen der grundsätzlichen Frage, welche konstituierenden Charakteristika Entrepreneurship aufweist, wird anhand des Schwellenkonzeptansatzes eine Bestimmung zentraler Facetten für entrepreneuriales Denken und Handeln vorgenommen. Auf diese Weise wird eine didaktisch geleitete Gestaltung von entsprechenden Lernarrangements aufgezeigt, die der Forderung nach der Auffassung von Entrepreneurship als eigene Disziplin gerecht wird.
Andreas Liening, Jan-Martin Geiger, Ronald Kriedel, Till Sender

Von der Angst vorm Scheitern und der Leidenschaft fürs Gründen

Zur Rolle von Emotionen in der Entrepreneurship Education
Zusammenfassung
Im Beitrag wird mittels eines narrativen Reviews die Rolle von Emotionen für entrepreneuriale Lehr-Lernarrangements – auf verschiedenen Ebenen der Curriculumgestaltung – erschlossen, dabei werden aktuelle Forschungs- und Konzeptionsdesiderate aufgezeigt. Die Bedeutung von Emotionen im Gründungsprozess resultiert aus dem unsicheren Arbeitsumfeld und der engen Verbindung von Entrepreneur/Entrepreneurin und Unternehmen. Neben Emotionen wie Passion, Euphorie, Freude und Enthusiasmus werden im Gründungsprozess auch Emotionen negativer Valenz, unter anderem die Sorge und Angst vor dem Scheitern erlebt, die es in der Entrepreneurship Education zu berücksichtigen gilt. Der Schwerpunkt im Beitrag liegt auf der Analyse von theoretischen Modellen und empirischen Studien aus der Emotionsforschung und der Entrepreneurship (Education). Dabei werden einige spezifische Emotionen (u. a. Studien zur fear of failure und passion) in den Vordergrund gestellt und didaktische Implikationen zur Gestaltung von entrepreneurialen Lehr-Lernräumen diskutiert.
Marina Haves, Anh Dinh

Kompetenzorientierung in der Entrepreneurship Education

Wie kann die unternehmerische Kompetenz operationalisiert werden?
Zusammenfassung
Unternehmerische Kompetenzen können von den Lernenden beispielsweise durch das selbstständige Erarbeiten von Lerninhalten oder den Einsatz von Schülerfirmen entwickelt werden. Dabei wird davon ausgegangen, dass die individuelle Entwicklung unternehmerischer Kompetenzen durch die kompetenzorientierte Gestaltung von Unterricht unterstützt und gefördert werden kann. Zunächst stellt sich aus theoretischer Perspektive die Frage, welche Kompetenzen im Rahmen einer Entrepreneurship Education zu entwickeln sind. Im Beitrag soll dazu ein neu entwickelter, theoretisch fundierter Kompetenzrahmen vorgestellt werden. Der Rahmen zeichnet sich dadurch aus, dass eine Vielzahl von Kompetenzbereichen des wirtschaftlichen Wissens und Handelns in drei Ebenen strukturiert wurden: die wirtschaftliche, die persönliche und die Team-Ebene. Die im Kompetenzrahmen generierten Konstrukte wurden für weitere empirische Forschung operationalisiert. Mit Hilfe einer quantitativen Befragung kann beispielsweise untersucht werden, ob eine Maßnahme der Entrepreneurship Education zur Entwicklung unternehmerischer Kompetenzen beiträgt.
Ute Grewe, Taiga Brahm

Kompetenzentwicklung in der ökonomischen Domäne als Beitrag zur Entrepreneurship Education

Zusammenfassung
Für das integrative Kompetenzmodell für die ökonomische Domäne wurden die zu erwerbenden Kompetenzen aus den Anforderungen in variablen Lebenssituationen abgeleitet, deren Gemeinsamkeit ihre ökonomische Prägung ist. In dieser Ausarbeitung wird argumentiert, dass die so identifizierten domänenspezifischen Kompetenzen auch für die Lösung typischer Probleme von Entrepreneuren und Gründern funktional und damit auf deren Situation transferierbar sind. Daraus wird der pädagogische Beitrag der ökonomischen Bildung zur Entrepreneurship Education abgeleitet, der kurz als die Förderung des unternehmerischen Denkens und Handelns bei Schülerinnen und Schülern gefasst werden kann. Gleichwohl ist zu konstatieren, dass die Entrepreneurship Education über die Fachkompetenzentwicklung hinaus generische Fähigkeiten und allgemeine Persönlichkeitseigenschaften fördern soll. Als Desiderat schulischer Praxis wird abschließend die curriculare Integration von Projekten der Entrepreneurship Education in den Wirtschaftsunterricht identifiziert.
Thomas Retzmann, Günther Seeber

Thematische Schwerpunkte

Frontmatter

Viral Entrepreneurship: Die Wirkung von Vorbildern auf die Gründungsintention und Implikationen für eine vorbildzentrierte Entrepreneurship Education

Zusammenfassung
Innerhalb der Entrepreneurship-Forschung herrscht trotz einer Phase der strittigen Auseinandersetzung mittlerweile weitgehender Konsens darüber, dass Unternehmerinnen nicht geboren, sondern ‚gemacht‘ werden (Grichnik 2011; Drucker 1985). Daraus folgt, dass unternehmerisches Denken und Handeln lern- und somit auch lehrbar ist. Dabei schreibt die aktuelle Entrepreneurship-Forschung unternehmerischen Vorbildern eine entscheidende Rolle zu. Studien belegen eine Kausalität zwischen der Existenz eines Vorbildes und der Gründungsintention. So stellte die Inmit-Studie (Josten und van Elkan 2010) im Rahmen ihrer Untersuchung zu Programmen der Entrepreneurship Education im schulischen Bereich fest, dass Teilnehmerinnen, die mindestens einen selbständigen Elternteil haben, eine positivere Einstellung gegenüber dem Unternehmertum aufweisen als Teilnehmerinnen, deren Eltern Angestellte sind oder waren (Josten und van Elkan 2010). Theorien des Berufswahlverhaltens konstatieren einen heterogenen Einflusscharakter der Eltern auf die Berufsorientierung ihrer Kinder (Maschetzke 2009). Hierbei wird auch von einem Doppelcharakter gesprochen, der aus direkter Wirkung (durch Erwartungshaltungen und Ratschläge) und indirekter Wirkung (durch eigene Berufstätigkeit als positives oder negatives Vorbild auf den Berufswahlprozess) besteht (Kleffner et al. 1996, S. 14). Diese Erkenntnisse unterstützen den Befund, dass die meisten Gründer unternehmerische Vorbilder besitzen (Bosma et al. 2012; Carter und Van Auken 2006).
Zu den konkreten Wirkungen unternehmerischer Vorbilder auf die Gründungsperson existieren bisher jedoch nur wenige Untersuchungen (Bosma et al. 2012). Gleiches gilt für die Frage, welche Rolle Vorbilder in der Entrepreneurship Education spielen könnten. Diese Forschungsdesiderate veranlassten die Autorinnen zu dem vorliegenden Aufsatz. Ausgehend von der sozial-kognitiven Lerntheorie nach Bandura (1963, 1977) wird die Wirkung von Vorbildern auf den Lernprozess beleuchtet und schließlich unter Bezugnahme auf die Theorie des geplanten Verhaltens nach Ajzen und Madden (1986) ein Wirkungszusammenhang zwischen Vorbildern, den persönlichen Überzeugungen zum Unternehmertum, der persönlichen Gründungsintention und schlussendlich dem Gründungsverhalten hergeleitet. Dies führt zu Implikationen für eine vorbildzentrierte Entrepreneurship Education in der Sensibilisierungsphase. Abschließend werden Ansatzpunkte für empirische Überprüfungsmöglichkeiten und die weiterführende Forschungsdiskussion aufgezeigt.
Anh Dinh, Diana Püplichhuysen

Social Entrepreneurship Education zur Förderung von Inklusion

Zusammenfassung
Inklusive Bildung gewinnt in den letzten Jahrzehnten zunehmend an Bedeutung. Die Umsetzung gelingt bisher jedoch nur bedingt und wird kontrovers betrachtet. Social Entrepreneurship Education kann einen Beitrag zur inklusiven Bildung leisten, da Bildungsprozesse nicht nur zur Befähigung unternehmerischen Denken und Handelns sondern auch zur Übernahme sozialer Verantwortung beitragen. Social Entrepreneurship ist dadurch gekennzeichnet, dass es soziale Ziele als primäres Unternehmensziel fokussiert und mit seinen Produkten bzw. Dienstleistungen gesellschaftlichen Wandel bezweckt. Darauf aufbauend umfasst Social Entrepreneurship Education alle Bildungsmaßnahmen, die gesellschaftliche Probleme auf Basis innovativer ökonomischer Problemlöseprozesse angeht. Sie setzt die Kompetenzentwicklung der Lernenden in den Mittelpunkt und ermöglicht prozessorientierte sowie sozialunternehmerische Herangehensweisen an gesellschaftliche Probleme. Durch die aktive Identifikation der Lernenden mit Missständen in der Bevölkerung entwickeln sie Empathie, Courage, Toleranz und Akzeptanz für alle Bevölkerungsschichten. Sie reflektieren die Konsequenzen der eigenen und fremden Handlungen und erlangen ein Bewusstsein für gesellschaftliche Probleme und Menschen mit Teilhabeerschwernissen. Dadurch kann eine inklusive Gesellschaft entwickelt werden, in der Menschen mit Teilhabeerschwernissen Anerkennung finden und zur Normalität werden.
Claudia Wiepcke
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