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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung: Inhalt und Anliegen der Studie

Bürgerinnen und Bürger haben heute viele Möglichkeiten, sich in die Zivilgesellschaft einzubringen und sich in Vereinen und Gruppen, Verbänden und Organisationen sowieInstitutionen und Einrichtungen freiwillig zu engagieren. Die Zivilgesellschaft ist eine öffentlicheInfrastruktur, die allen Interessierten, die guten Willens sind, offen steht. Viele Bürgerinnen und Bürger nutzen diese Möglichkeiten, einige erweitern die vorhandene Infrastruktur, indem sie selbst Vereine oder Gruppen gründen. Interesse am Mitmenschen und am Gemeinwohl gehen dabei oft Hand in Hand mit Bedürfnissen, die eigene Lebensqualität und die persönlichen Kompetenzen zu verbessern. In Ostdeutschland hat sich die Zivilgesellschaft nach der Wende kräftig und flächendeckend entwickelt. Trotz erhöhter wirtschaftlicher, sozialer und demografischer Probleme ist das

gesellschaftliche Klima

in Ostdeutschland gegenüber dem zivilgesellschaftlichen Engagement deutlich aufgeschlossener geworden. Es ist daher an der Zeit, eine übergreifende Bestandsaufnahme der Zivilgesellschaft in Ostdeutschland vorzunehmen: Gibt es Besonderheiten im Vergleich zu Westdeutschland? Wo liegen die weiteren Perspektiven? Wie kann zivilgesellschaftliches Engagement von Bürgerinnen und Bürgern durch verbesserte Rahmenbedingungen unterstützt werden?

Thomas Gensicke, Thomas Olk, Daphne Reim, Jenny Schmithals, Hans-Liudger Dienel

A. Freiwilligensurvey: Erfolge der Zivilgesellschaft in Ostdeutschland

Die ostdeutsche Zivilgesellschaft hat sich zwischen 1999 und 2004 dynamisch entwickeltund diese Dynamik war höher als in Westdeutschland. Zwar ist in Ostdeutschland das Netzder Zivilgesellschaft noch nicht so eng geknüpft wie in Westdeutschland, aber das erhöhteEntwicklungstempo ist erfreulich. Dabei war die Entwicklung besonders davon gekennzeichnet, dass sich in Ostdeutschland unabdingbare Voraussetzungen einer funktionierendenZivilgesellschaft deutlich verbessert haben, zum einen das Netzwerk der öffentlichenAktivitäten der Bürgerinnen und Bürger und zum anderen eine

engagementfreundliche Grundhaltung

der Bevölkerung. Die Umsetzung solcher günstiger Voraussetzungen in einelängerfristig tragende Infrastruktur der Zivilgesellschaft, vor allem in regelmäßiges undbelastbares freiwilliges Engagement, setzte ebenfalls einen klaren positiven Trend.

Thomas Gensicke

B. Freiwilligensurvey: Herausforderungen der Zivilgesellschaft in Ostdeutschland

Im Folgenden wollen wir ein Porträt der besonderen Bedingungen Ostdeutschlands zeichnen, die das Umfeld der ostdeutschen Zivilgesellschaft prägen. Im Vergleich von West- undOstdeutschland werden zunächst die grundlegenden Umfeldbedingungen „wirtschaftlicheLage der Privathaushalte“, „Qualität der Wohn- und Lebensbedingungen“ sowie „Stärkedes sozialen Zusammenhalts“ analysiert. Führen diese Dimensionen der Lebenslage, diesich zwischen West- und Ostdeutschland unterscheiden, auch zu Unterschieden in der Zivilgesellschaft?Der zu erklärende Zielindikator ist dabei, in welchem Umfang die Bevölkerungin West- und Ostdeutschland freiwillig bzw. ehrenamtlich engagiert ist. Wir konzentrierenuns also in Teil B auf die ostdeutsche Zivilgesellschaft in ihrer anspruchvollstenCharakteristik als

freiwilliges Engagement

der Bürgerinnen und Bürger im Rahmen der „organisierten Infrastruktur der Zivilgesellschaft“.

Thomas Gensicke

C. Qualitative Studie

Wie in den vorangehenden Abschnitten ausgeführt, hat sich der Forschungsstand zum freiwilligenbzw. bürgerschaftlichen Engagement im Verlauf der letzten Jahrzehnte erheblichverbessert. Parallel zur gesellschaftspolitischen Aufwertung des bürgerschaftlichen Engagementsdurch den Freiwilligensurvey (Welle 1999 und 2004), die Enquête-Kommission „Zukunft des bürgerschaftlichen Engagements“ des Deutschen Bundestages, das InternationaleJahr der Freiwilligen (IJF) im Jahr 2001 sowie der Gründung des BundesnetzwerksBürgerschaftliches Engagement (BBE) und des Unterausschusses Bürgerschaftliches Engagementdes Deutschen Bundestages im Jahr 2002 sind eine Vielzahl empirischer Untersuchungenzum freiwilligen bzw. bürgerschaftlichen Engagement durchgeführt und publiziertworden (vgl. für einen ersten Überblick Beher u. a. 1998 sowie Gensicke/Picot/Geiss2006).

Thomas Olk, Daphne Reim, Jenny Schmithals

D. Handlungsempfehlungen für die Förderung bürgerschaftlichen Engagements in Ostdeutschland

Sowohl die quantitative Analyse von Daten aus dem Freiwilligensurvey als auch die vorgestelltenqualitativen Studien weisen eindeutig darauf hin, dass das bürgerschaftliche Engagementeine wichtige Ressource für die Bewältigung von Herausforderungen gerade inOstdeutschland sein kann. Die demographisch bedingte Alterung der ostdeutschen Bevölkerung, die Entleerung bestimmter agrarisch strukturierter Räume, die hiermit zusammenhängendeVerschärfung des Problems der Aufrechterhaltung einer öffentlichen Infrastruktursowie die Dringlichkeit der Bekämpfung rechtsextremistischer Strömungen und Entwicklungensind einige der Herausforderungen, im Hinblick auf deren Bewältigung dasfreiwillige zivilgesellschaftliche Engagement sowohl von Bürgerinnen und Bürgern alsauch von Vereinen und Verbänden, Non-Profit-Organisationen und Unternehmen in Zukunftverstärkt strategisch genutzt werden sollte. Es kann also festgestellt werden, dassgerade in Ostdeutschland eine zunehmende Nachfrage nach dem bürgerschaftlichen Engagementerheblichen ungenutzten Engagementpotentialen gegenübersteht.

Thomas Olk, Daphne Reim, Jenny Schmithals, Thomas Gensicke

E. Fallstudien Entwicklung zivilgesellschaftlicher Infrastruktur am Beispiel von zwei ostdeutschen Modellkommunen

Zivilgesellschaftliche Infrastruktur trägt wesentlich zum Funktionieren und zum Erfolg vonKommunen bei, so die Ausgangsthese des vom Bundesministerium für Verkehr, Bau undStadtentwicklung, Abteilung Aufbau Ost, geförderten Projektes „Kooperationsnetzwerkeund bürgerschaftliches Engagement als Erfolgsfaktoren für ostdeutsche Kommunen“ (kurz:Partizipative Kommune, siehe auch Kapitel C 3.7). Im Rahmen dieses Projektes haben wiranhand von zwei ostdeutschen Modellkommunen untersucht, welche Erfahrungen mit bürgerschaftlichemund wirtschaftsseitigem Engagement in der Kommune vorliegen, welche Veränderungen es im Laufe der letzten Jahrzehnte gegeben hat – über die Wende im Jahr1989 und seither – und wie die Rahmenbedingungen für freiwilliges Engagement sowiedessen Bedeutung für eine zukunftsorientierte Entwicklung der Kommune bewertet werden. Im Zentrum des Projekts standen neue Kooperationen zwischen Verwaltung/Politik, Wirtschaft und Drittem Sektor sowie den Erfolgs- und Hemmfaktoren der Zusammenarbeitzwischen diesen drei Bereichen. Gerade in kleineren und mittleren Gemeinden schien unsdas Potenzial für eine neue zivilgesellschaftliche Infrastruktur gegeben, die gemeinsam vonder kommunalen Verwaltung, Partnern aus der Wirtschaft und bürgerschaftlich Engagiertenrealisiert und verantwortet wird. Die empirischen Forschungen haben diese Ausgangstheseklar bestätigt und darüber hinaus deutlich gemacht, dass da, wo solche „trisektoralen Kooperationen “entstehen – von Bürgerbussen bis zu neuen Kultur- und Freizeiteinrichtungen – die Lebensqualität, Attraktivität und Identität der Kommune sichtbar steigt, und zwar gleichermaßenfür jüngere Menschen und Familien wie für Senior/innen. Trisektorale Kooperationensind aber nach wie vor eher die Ausnahme als die Regel. Das Projekt hat daher Erfolgsfaktorenund –prozesse in den Modellkommunen untersucht und zu einem Leitfadenfür kleinere und mittlere Kommunen verdichtet (siehe Anhang).

Hans-Liudger Dienel, Daphne Reim, Jenny Schmithals, Thomas Olk

Backmatter

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