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Über dieses Buch

Der Band stellt Analysen zur Entwicklung politischen Wissens in der Grundschulzeit vor. Dabei werden die politischen Konzepte von 653 Kindern untersucht. Der theoretische Hintergrund der Studie sind die naiven Theorien der Politik und das Modell der Politikkompetenz. Die Schüler/-innen wurden zu den Fachkonzepten Macht, Öffentlichkeit und Wahlen befragt. Es zeigen sich Unterschiede in den Klassenstufen und im Zusammenhang mit den Einflussfaktoren Geschlecht und Migrationshintergrund.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Zusammenfassung
Sind Grundschüler/-innen zu klein für große Politik? Wenige Aspekte der politischen Bildung werden von gesellschaftlicher Seite heute noch so kritisch betrachtet wie das politische Lernen von Grundschüler/-innen. Kinder und Politik gelten für viele Erwachsene nach wie vor als inkompatibel. Politisches Lernen in der Grundschule wird häufig unter verschiedenen Gesichtspunkten abgelehnt. Die Politik und das Politische werden für Kinder als zu komplex erachtet, was zu einer Vermeidung von politischen Themen im Unterricht führt. Das politische Geschehen selbst wird oftmals weit außerhalb der kindlichen Lebenswelt verortet. Insofern werden Ereignisse im fernen Berlin oder Brüssel konsequenterweise als für Kinder nicht relevant eingestuft.
Anke Götzmann

2. Naive Theorien als kognitives Konzept bei Kindern

Zusammenfassung
Das Konzept der naiven Theorien ist ein psychologisches Konstrukt der jüngeren Vergangenheit. Im Gegensatz zur piagetschen Denktradition liegt hier die Annahme zugrunde, dass die kognitive Entwicklung nicht in Stadien, sondern bereichsspezifisch verläuft. Erste Studien, die diesen neueren Forschungsansatz bestätigen, entstanden zu Beginn der 1980er Jahre. „Ihnen [Anm d. Verf.: den naiven Theorien] zufolge ist kognitive Entwicklung als Veränderung bereichsspezifischen Wissens beschreibbar“ (Mähler, 1999, S. 53). Naive Theorien gelten in den Bereichen der Physik, der Psychologie und der Biologie als wissenschaftlich bestätigt. Ausführlichere Untersuchungen liegen auch für den soziologischen Bereich vor. Andere Domänen wie beispielsweise die Politik, wurden bisher jedoch nicht untersucht. Insofern stellt sich die Frage, ob die Annahme einer naiven Theorie für die Domäne Politik möglich ist.
Anke Götzmann

3. Politisches Wissen von Grundschüler/-innen – empirische Befunde

Zusammenfassung
Die Frage „Kleine Kinder und große Politik passen nicht zusammen?“ (Richter, 1996, S. 261), kann sowohl auf die Forschung als auch auf die politische Bildung in der Grundschule bezogen werden. Die in den 1960er Jahren vorherrschende Tendenz, bedingt durch den Formalstufenansatzes von Piaget, Politik für die Lebenswelt der Kinder als nicht bedeutsam anzusehen, führte dazu, die politische Bildung aus der Grundschule auszugrenzen. Ebenso findet sich eine geringe Anzahl an Studien, die sich mit dem politischen Wissen und politischen Einstellungen von jüngeren Kindern beschäftigen. Kinder und Politik galten als nicht kompatibel.
Anke Götzmann

4. Didaktische Ansätze zum politischen Lernen in der Grundschule

Zusammenfassung
Aufgrund der Ergebnisse in der empirischen Forschung zum politischen Wissen von Kindern, stellt sich die Frage, inwieweit die Erkenntnisse auch Einfluss auf die didaktischen Ansätze genommen haben oder inwiefern das politische Lernen in fachdidaktischen Ansätzen Berücksichtigung gefunden hat. Wie in anderen Domänen, hängt die Bedeutung stark vom aktuellen Zeitgeist des Faches ab. Das politische Lernen in der Grundschule fiel jedoch häufiger als andere Domänen einem Zeitgeist zum Opfer, der politisches Lernen für überflüssig hielt. Infolgedessen gibt es nur eine sehr überschaubare Anzahl an didaktischen Ansätzen, die dem politischen Lernen Aufmerksamkeit widmen. „Mit den politischhistorischen Zeiten wechselten lediglich die didaktischen Begründungen, warum kleine Kinder große Politik noch nicht verstehen können“ (Richter, 1996, S. 263).
Anke Götzmann

5. Bildungsstandards und Kompetenzmodelle

Zusammenfassung
Die Bildungslandschaft in Deutschland hat in den letzten zehn Jahren größere Änderungen erfahren, die Auswirkungen auf den Unterricht und dessen Gestaltung haben. Waren es früher oftmals politische Ereignisse, die das Bildungswesen beeinflussten, sind es heute die Ergebnisse von Ländervergleichsstudien. Im Folgenden soll diese Entwicklung kurz skizziert und die Ansätze der einzelnen Fächer, insbesondere zur politischen Bildung in der Grundschule vorgestellt werden. Gewonnen werden sollen Kriterien zur inhaltlichen Ausrichtung des Wissenstests.
Anke Götzmann

6. Untersuchungsdesign, Fragestellungen und Stichprobe

Zusammenfassung
Während in anderen Fachdidaktiken bereits detaillierte Ergebnisse zum Wissen von Schüler/-innen zu verschiedenen Inhaltsfeldern und Alterststufen vorliegen und somit Anknüpfungspunkte für weitere Untersuchungen vorhanden sind, gestaltet sich dies für die Politikdidaktik im Primarbereich schwieriger. Studien, die zur Generierung von Inhalten herangezogen werden können, stehen nur begrenzt zur Verfügung und sind selten rigoros statistisch abgesichert.
Anke Götzmann

7. Ergebnisse der Studie

Zusammenfassung
Die Studie geht im Sinne einer naiven Theorie davon aus, dass das Vorhandensein domänenspezifischen Wissens Hinweise auf politische Konzepte liefert. Es ist anzunehmen, dass korrekte Schülerantworten als Indiz für vorhandenes konzeptuelles Wissen gesehen werden und zugleich auf die Existenz einer naiven politischen Theorie hinweisen können. Diese Überlegungen prägen die Entscheidungen für ein statistisches Messmodell.
Anke Götzmann

8. Ausblick

Zusammenfassung
Sind Grundschüler/-innen zu klein für große Politik? Diese Frage kann mittels der Ergebnisse eindeutig verneint werden. Die empirischen Ergebnisse zeigen, dass Grundschüler/-innen über politisches Wissen verfügen. Schon Erstklässler/- innen sind in der Lage, Fragen über politische Sachverhalte zu beantworten. Das Wissen der Viertklässler/-innen ist erwartungsgemäß elaborierter als das der Erstklässler/-innen. Dies gilt auch für offene Fragen. Die älteren Schüler/- innen können bereits fundiertere Vorstellungen äußern, was ein Indiz für elaboriertere Konzepte ist. Das Wissen entwickelt sich innerhalb der Grundschulzeit weiter und ermöglicht den Schüler/-innen, ihr Wissen anzuwenden. Interventionsstudien könnten hierzu künftig einen genaueren Einblick geben und Kausalzusammenhänge klären.
Anke Götzmann

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