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Über dieses Buch

Die Untersuchung von Miriam Räker fokussiert exemplarisch die Entstehung und Weiterentwicklung der hausarztzentrierten Versorgung (HzV). Dazu werden Interessen und (Problem-)Wahrnehmungen zentraler gesundheitspolitischer Akteure zeitperiodisch rekonstruiert. Dies ermöglicht ein vertiefendes Verständnis über fördernde und hemmende Bedingungen gesundheitspolitischer Modernisierungsprozesse. Es werden Erklärungsansätze zur erfolglosen Etablierung der hausärztlichen Versorgung in der deutschen Versorgungslandschaft geboten. Der Multiple-Streams-Ansatz berücksichtigt die Heterogenität von Interessen und die Bedeutung gesundheitspolitischer Kräfteverhältnisse im Gesundheitssystem.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Teil I Hintergrund

Frontmatter

Chapter 1. Einleitung

Zusammenfassung
Die hausarztzentrierte Versorgung (HzV) ist durch ihre Einführung als § 73b in das Sozialgesetzbuch (SGB) V seit nunmehr zehn Jahren ein mehr oder weniger fester Bestandteil der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Versicherte und Leistungserbringer nehmen freiwillig an dieser Versorgungsform teil, die mit bestimmten Pflichten und Rechten einhergeht. Die gesetzlichen Krankenkassen indes sind verpflichtet, ihren Versicherten ein solches Versorgungsangebot zu unterbreiten (§ 73b, 1-9 SGB V).
Miriam Räker

Teil II Forschungsgegenstand

Frontmatter

Chapter 2. Bestimmung des Politikfeldes Gesundheitspolitik

Zusammenfassung
Die Orientierung der vorliegenden Untersuchung an einem policyanalytischen Forschungsansatz benötigt die Eingrenzung und Bestimmung des Gegenstandsbereichs, hier des konkreten Politikfeldes. Nach Böcher und Töller (2012) stellt sich „[…] ein Politikfeld als eine spezifische auf Dauer angelegte Konstellation sich aufeinander beziehender Probleme, Akteure, Institutionen und Maßnahmen […]“ (S. 4) dar. In einem Politikfeld werden, so konkretisiert Noweski (2010), kollektiv verbindliche Entscheidungen vorbereitet und ausgehandelt, die wiederum individuelle und kollektive Handlungen unabhängig vom Regierungssystem beeinflussen.
Miriam Räker

Chapter 3. Die hausarztzentrierte Versorgung

Zusammenfassung
National sowie international, in der Praxis wie in der Wissenschaft werden die Begriffe „Primärversorgung“, „primärärztliche Versorgung“, „hausärztliche Versorgung“ und „HzV“ unscharf voneinander getrennt oder sogar synonym verwendet. Fehlende einheitliche Definitionen verhindern eine Abgrenzung. Doch trotz fehlender Begriffsspezifizierung sind unterschiedliche Konzepte der Versorgung, welche auf diesen Begrifflichkeiten basieren, in Deutschland sozialrechtlich statuiert.
Miriam Räker

Teil III Theorie und Methodik

Frontmatter

Chapter 4. Der Multiple-Streams-Ansatz – Entstehung politischer Entscheidungen

Zusammenfassung
Die Einführung des § 73b SGB V ist das Ergebnis einer Vielzahl gesundheitspolitischer Entscheidungsprozesse auf unterschiedlichen Ebenen. Dies gilt ebenso für die Positionierungen der Akteure gegenüber der HzV. Dabei ist nach Lübbe (1971: 12) eine gefällte Entscheidung als kontingent zu begreifen, da sie grundsätzlich stets durch eine andere Entscheidung abgelöst werden kann. Diese Kontingenz lässt sich auf alle gesellschaftlichen und organisatorischen Prozesse und damit auch auf politische Entscheidungen übertragen (Rüb 2009: 352). Politische Entscheidungsprozesse gelten daher als nicht-linear, nicht-vorhersehbar und nicht-kontrollierbar, sondern eben als kontingent.
Miriam Räker

Chapter 5. Methodische Positionierung

Zusammenfassung
In der Policy-Forschung verbreitet sich zunehmend die Annahme, dass der Prozess des Policy-Makings nicht als ein einfacher objektiver Mechanismus zu verstehen ist, der durch die reine Betrachtung von Variablen (Institutionen, Handlungsressourcen, Interessen oder Entscheidungen) z. B. im Policy-Zyklus abgebildet werden kann (Blatter et al. 2007: 20). Vielmehr bedarf es interpretativer Rekonstruktionen und diskursiver Praktiken, um politische Gestaltungsprozesse mit ihrer enormen Komplexität erfassen zu können (ebd.).
Miriam Räker

Teil IV Empirie

Frontmatter

Chapter 6. Analyse Zeitfenster 1 (1998-2002)

Zusammenfassung
Im Problemstrom der SPD kursieren die durch die konservativ-liberale Regierung eingeführten Privatisierungsmerkmale und weitere Elemente in das (Finanzierungs-) System der GKV, die als „verfehlte Politik“ verstanden werden, da sie den Herausforderungen des medizinischen Fortschritts und der demographischen Entwicklungen teilweise unzureichend begegnen (u. a. BT 13/3607: 1f.; Schaich-Walch 1999a: 4172f.; Schmidbauer 1999: 4188f.).
Miriam Räker

Chapter 7. Analyse Zeitfenster 2 (2002-2005)

Zusammenfassung
Für alle vier parteipolitischen Akteure kursieren im Problemstrom allgemeine Herausforderungen: a) demographische Entwicklungen, b) der medizinischtechnische Fortschritt, c) zunehmende Multimorbidität sowie d) gewandelte Ansprüche der Bürger an die Gesundheitsversorgung und e) veränderte Bedingungen durch die Globalisierung. Diese gesellschaftlichen und strukturellen Herausforderungen werden im Zeitfenster durch eine kritische wirtschaftliche Lage verschärft und gefährden zusammengefasst aus Sicht der Parteien das System und vor allem dessen Finanzgrundlage.
Miriam Räker

Chapter 8. Analyse Zeitfenster 3 (2005-2007)

Zusammenfassung
Lediglich im Gesetzestext zum WSG und den dazugehörigen Entwürfen wird die hausärztliche Versorgung von der Großen Koalition thematisiert, dabei aber nicht problematisch dargestellt (BT 16/3950: 16ff.). Die Problemwahrnehmungen der zwei Parteien fokussieren andere Bereiche. Einen dominanten Stellenwert in beiden Problemströmen erhält die Finanzierungsebene der GKV (SPD 2005: 54; CDU/CSU 2005: 26; CDU/CSU und SPD 2005: 103). Einnahmeprobleme und die allgemeinen Herausforderungen (demographischer Wandel und der medizinisch-technische Fortschritt) werden als herausragende (zukünftige) Problemfaktoren wahrgenommen (CDU/CSU und SPD 2005: 100).
Miriam Räker

Teil V – Ergebnisse

Frontmatter

Chapter 9. Ergebnisanalyse – Bildung von Zeitdiagnosen und Synopsen

Zusammenfassung
Die erfassten Stromausprägungen der acht Akteure werden im Folgenden mit Blick auf das Erkenntnisinteresse analytisch in Beziehung zueinander gesetzt. In den dafür formulierten 27 Zeitdiagnosen (je Akteur und Zeitfenster sowie drei übergreifende) erfolgt eine analytische, teils zusammenfassende Darstellung der gegebenen Stromausprägungen während der Öffnung der drei definierten Policy Windows. Diese Zeitdiagnosen liefern Informationen über vorherrschende (Akteurs-) Konstellationen, Hintergründe und Zusammenhänge.
Miriam Räker

Chapter 10. Diskussion der Ergebnisse im Spiegel ordnungspolitischer Entwicklungen

Zusammenfassung
Die analytische Gegenüberstellung der Stromausprägungen konnte zeigen, dass sich sowohl die allgemeinen Policy-Präferenzen und gesundheitspolitischen Zielvorstellungen der Parteien als auch explizit die Positionierungen gegenüber der HzV im Zeitverlauf wandeln. Die verschiedenen Rahmen- und Ausgangsbedingungen sowie Machtverhältnisse und Akteurskonstellationen in den einzelnen Legislaturperioden beeinflussen die gesundheitspolitischen Bemühungen aller kollektiven Akteure, nicht nur der Parteien, nachhaltig und auf höchst individuelle Weise (siehe Zeitdiagnosen, Kapitel 9.1 bis 9.4).
Miriam Räker

Chapter 11. Diskussion der Ergebnisse unter Rückbezug auf politikwissenschaftliche Theoreme

Zusammenfassung
Die unter Rückgriff auf den MS-Ansatz zu benennenden Auffälligkeiten (Kapitel 10.4) erlauben zusammen mit der Tatsache, dass sich die HzV nur inkrementell (weiter-) entwickelte, den Bezug auf politikwissenschaftliche Theoreme zur weiteren analytischen Betrachtung des Untersuchungsgegenstandes. Erklärungsansätze für diese Trägheit und Inkrementalität bieten u. a. das Konzept der Vetospieler, der Pfadabhängigkeit sowie der Ausreifung von Politikfeldern.
Miriam Räker

Chapter 12. Diskussion der Ergebnisse aus Public-Health-Perspektive

Zusammenfassung
Die vorliegende Untersuchung konnte u. a. die Hintergründe der Entwicklung der HzV beleuchten und dadurch akteursspezifische Motive, Interessen und Problemwahrnehmungen benennen. Das Handeln der Akteure auf der verbandlichen Ebene ist zunehmend von Partikularinteressen geprägt, dem vormaligen korporatistischen Rahmen ist eine Interessenspluralität gewichen. Dies muss bei der gesundheitswissenschaftlichen Bewertung u. a. (neuer) Steuerungsinstrumente und Versorgungsmodelle wie der HzV Berücksichtigung finden.
Miriam Räker

Chapter 13. Diskussion der Ergebnisse im Kontext des Forschungsansatzes

Zusammenfassung
Die Motive für das gewählte Forschungsdesign u. a. mit Blick auf den Datenkorpus und die Analysesystematik sowie deren methodische Grenzen wurden bereits in Kapitel 5 dargelegt. Im Folgenden sollen daher die erlangten Erkenntnisse vor dem Hintergrund des Forschungsdesigns und dessen Umsetzung kritisch reflektiert werden.
Miriam Räker

Chapter 14. Schlussbetrachtung

Zusammenfassung
Ziel der vorliegenden Untersuchung war es, die akteursspezifischen Interessen, (Problem-) Wahrnehmungen sowie Bewertungen über die HzV nach § 73b SGB V seit ihrer Entstehung und Weiterentwicklung aus wissenschaftlicher Perspektive zu rekonstruieren und zu erklären. Eine Bewertung der HzV in ihrer Funktion als Versorgungskonzept oder eine Einschätzung bzw. Beurteilung über ihren Implementationsgrad sollte nicht erfolgen.
Miriam Räker

Backmatter

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