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2024 | Buch

Entwicklungstendenzen im Sportmanagement

Struktur- und Wertewandel, Nachhaltigkeit, Globalisierung und Digitalisierung

herausgegeben von: Anton Behrens, Sebastian Björn Bauers, Gregor Hovemann

Verlag: Springer Fachmedien Wiesbaden

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Über dieses Buch

Dieses Fachbuch beleuchtet den grundlegenden Wandel des Sportmarktes und untersucht dabei, inwiefern sich die anhaltenden Megatrends des Werte- und Strukturwandels sowie der Nachhaltigkeit, Internationalisierung und Digitalisierung auch im Sportmanagement wiederfinden.

In 18 Kapiteln beschreiben die Autor*innen aktuelle Entwicklungen und widmen sich dabei sowohl dem Breitensport als auch dem Profisport, der Gestaltung von Sportstätten ebenso wie der Organisation von Sport(groß)veranstaltungen. Selbst das Verhalten der Fans oder die Auswirkungen des Metaverse auf den professionellen Fußball werden betrachtet.

So liefert das Fachbuch einen umfassenden Überblick über aktuelle Entwicklungen und Trends im Sportmarkt und dient somit als Impuls für weitere Forschungen und als Anregung für Innovationen in der Praxis und Ausbildung.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Struktur- und Wertewandel im Sport

Frontmatter
Kapitel 1. Sportvereine in Deutschland: Status quo nach der Covid-19-Pandemie
Zusammenfassung
Die deutschen Sportvereine wurden durch die Covid-19-Pandemie in verschiedener Weise stark gefordert. Dieser Beitrag bemüht sich, die aus der Pandemie resultierenden Herausforderungen auf Sportvereine zusammenzutragen und zu untersuchen. Hierfür wird zunächst der Forschungsstand zu Sportvereinen in Deutschland aus mehreren Perspektiven beleuchtet, um daran anschließend Hypothesen zu formulieren. Die Covid-19-Pandemie wird dabei als externer Schock interpretiert und die Auswirkungen dieses Schocks auf die Sportvereine geprüft. Die Ergebnisse bestehender Forschung zeigen, dass Vereine als Sozialisationsinstanzen wirken und den Aufbau von Sozialkapital unterstützen, die Kontaktbeschränkungen während der Pandemie aber dazu geführt haben, dass Sozialkapital in geringerem Maße gebildet werden konnte. Es ist festzustellen, dass Sportvereine durch ihre Sozialstruktur die negativen Effekte beschränken konnten, jedoch zeigen sich vor allem bei größeren Vereinen ökonomische Probleme durch die Beschäftigung Hauptamtlicher und die Unterhaltung eigener Sportanlagen. Dennoch konnten Vereine die negativen Auswirkungen durch Ersatzangebote teilweise mildern. Die eingeschränkten Sportmöglichkeiten wurden durch digitale Angebote, nicht-organisierten Sport und Trainingsvideos ersetzt oder ergänzt, sodass hier die Mitgliederbindung aufrechterhalten werden konnten. Insgesamt sind die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die deutschen Sportvereine weniger stark ausgeprägt als zu Beginn der Pandemie seitens vieler Sportverbände befürchtet, was auf die Anpassungsfähigkeit des Organisationstyps Sportverein zurückgeführt werden kann.
Lutz Thieme, Carina Post, Katrin Lindt
Kapitel 2. Der First-Mover-Advantage in Teamsportarten: Theorie und Empirie am Beispiel des Fußballs
Zusammenfassung
Der First-Mover-Advantage lässt sich empirisch in vielen Branchen nachweisen. Auch für den Sport ist es naheliegend, dass ein derartiger Effekt existiert, zumal in Nationen, in denen sich frühzeitig eine Sportart etabliert, vor allem die notwendige Infrastruktur geschaffen und Konsumkapital aufgebaut wird. In dieser Studie wird anhand des Fußballs ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt der Etablierung der Sportart in einem Staat und dem Erfolg – gemessen an der Ranglistenplatzierung – der Nationalmannschaft aufgezeigt. Dabei wird als Näherungsmaß für die zeitliche Etablierung einer Sportart die Gründung des nationalen Verbandes herangezogen. Da sich die Staatenwelt im betrachteten Zeitraum insbesondere durch die Dekolonisierung erheblich verändert hat, war es notwendig, den Sachverhalt, ob ein Staat eine koloniale Vergangenheit hatte und welcher Form diese war, zu berücksichtigen. Dabei zeigt sich, dass eine Differenzierung nach Kolonietyp (keine Kolonie vs. Siedlerkolonie vs. sonstige Kolonie) keine signifikanten Unterschiede der Effekte vom Gründungsjahr des jeweiligen nationalen Verbandes auf den Erfolg ergibt. Der langfristige Erfolg von sonstigen Kolonien ist jedoch signifikant geringer als der von Staaten, die keine Kolonien waren. Im Gegensatz dazu konnten für Siedlungskolonien keine signifikanten Unterschiede nachgewiesen werden. Aus unseren Ergebnissen ergeben sich insbesondere in Zeiten des Auftretens neuer Sportarten erhebliche Implikationen für die Sportpolitik: Tritt dieser Effekt ebenso bei anderen Sportarten ein, so kann es sinnvoll sein, frühzeitig neue Sportarten in einem Staat zu etablieren, insofern das Ziel der Sportpolitik darin besteht, international im Sport erfolgreich zu sein.
Frank Daumann, Florian Follert, Daniel Hamacher, Lasse Plöhn
Kapitel 3. Der Sports Governance Kodex: Möglichkeiten und Grenzen der Kodifizierung von Governance im Sport
Zusammenfassung
Seit den 1980er Jahren lässt sich zunächst für den Unternehmenssektor eine zunehmende Kodifizierung von Governance beobachten. Auch im Sport existieren mittlerweile viele Governance-Regelwerke mit unterschiedlichen Ansätzen. Allerdings konnte sich bisher kein universaler Governance-Standard etablieren, der von einer breiten Basis von Sportorganisationen auf internationaler und nationaler Ebene in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterstützt wird. Dieser Beitrag analysiert und diskutiert die Möglichkeiten und Grenzen des im Jahr 2021 als universales sportartübergreifendes Regelwerk verabschiedeten Sports Governance Kodex für eine Überprüfung und Verbesserung der Governance in Sportorganisationen im deutschsprachigen Raum. Die Schwerpunktsetzung erfolgt auf einer Diskussion der notwendigen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für die Entwicklung, den Inhalt und die Struktur, die Anwendung und Befolgung sowie die Verbindlichkeit und Durchsetzbarkeit hinsichtlich einer effektiven Umsetzung des Kodexes in Sportorganisationen. Der Beitrag eröffnet neue Perspektiven für die Kodexforschung im Sport und bietet der Praxis Orientierung, inwiefern Governance-Kodizes effektive Instrumente zur Steuerung der Sportorganisation und der Handlungen ihrer internen und externen Stakeholder darstellen können.
Sandy Adam, Andreas Hecker
Kapitel 4. Digitalisierung und organisationaler Wandel von Sportvereinen und -verbänden
Zusammenfassung
Der Beitrag gibt zunächst einen Überblick über Digitalisierung als Megatrend der Gegenwartsgesellschaft und reflektiert dann mögliche digitalisierungsbezogene Veränderungen von Freiwilligenvereinigungen (FWV) des Sports. Basierend auf organisationssoziologischen Überlegungen von Luhmann (2000) identifiziert der Beitrag potenzielle Strukturveränderungen von Sportvereinen und -verbänden im Zusammenhang mit Digitalisierung. Detailliert wird gezeigt, wie sich organisationale Möglichkeiten, Entscheidungen zu treffen, infolge von Digitalisierung verändern – und welche intendierten wie nicht-intendierten Folgen für die Sportorganisationen damit verbunden sein können. Im Einzelnen geht der Beitrag dabei auf Entscheidungsprogramme, Stellen und Ämter sowie Kommunikationswege, Personal und Organisationskultur ein. Darüber hinaus werden digitale Schnittstellen zwischen Organisation und Umwelt beschrieben und in ihren Auswirkungen für die Vereins- und Verbandsentwicklung reflektiert. Abschließend werden in Verbindung mit Digitalisierung stehende Herausforderungen für das Management von Sportvereinen und -verbänden beschrieben und diskutiert.
Marcel Fahrner
Kapitel 5. Investor*innenbeteiligungen im deutschen Profifußball – Status quo und zukunftsorientierte Handlungsmöglichkeiten
Zusammenfassung
Seit über 20 Jahren haben Vereine im deutschen Profifußball die Möglichkeit, ihre Profifußballabteilung in eine externe Spielbetriebsgesellschaft auszugliedern. In diesem Zusammenhang wurde die 50+1-Regel eingeführt. Einerseits werden dadurch Kapitalbeteiligungen von Investor*innen ermöglicht, wodurch neue Finanzierungsquellen für die Klubs geschaffen wurden. Andererseits soll entsprechend der Regel der Einfluss von Investor*innen begrenzt werden, woraus sich eine besondere Herausforderung für den Lizenzgebenden, die Klubs und Investor*innenen ergibt. Seit der Möglichkeit der Ausgliederung und der Einführung der 50+1-Regel haben sich zentrale Veränderungen im deutschen Profifußball ergeben. So lassen sich zunehmend mehr ausgegliederte Spielbetriebsgesellschaften und Investor*innenbeteiligungen konstatieren. Damit einher geht eine intensive Diskussion – sowohl in der Wissenschaft als auch in der Öffentlichkeit bzw. den Medien. Der vorliegende Beitrag beleuchtet den wissenschaftlichen Status quo in der Diskussion. Um diesbezüglich einen aufschlussreichen Überblick zu verschaffen, werden folgende Themen fokussiert: die Regulation des Einflusses von Investor*innen, die Arten von Investor*innen, die Chancen und Risiken von Investor*innenenbeteiligungen sowie die Interessen von zentralen Stakeholdern. Darüber hinaus liefert der Beitrag Erkenntnisse, die für das Sportmanagement von besonderer Relevanz sind. So werden zukunftsorientierte Handlungsmöglichkeiten für den Lizenzgebenden und Klubs abgeleitet.
Sebastian Björn Bauers, Tobias Duffner

Ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit im Sport

Frontmatter
Kapitel 6. Die Entwicklung von Good Governance im Sport
Zusammenfassung
Ein Fokus auf Good Governance in Sportorganisationen wird zunehmend als Notwendigkeit wahrgenommen, nicht zuletzt als Reaktion auf zahlreiche große Skandale und Krisen in den führenden internationalen Sportorganisationen, zum Beispiel der FIFA und dem IOC. Obwohl viele andere Sportorganisationen nicht die gleiche Aufmerksamkeit in den internationalen Medien erhalten, stehen sie auf allen Ebenen, bis hin zu Breitensportvereinen, vor ähnlichen Problemen und Krisen, von denen viele auf schlechte Governance-Strukturen, -Prozesse und -Praktiken zurückzuführen sind. Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Entwicklung von Good Governance im Sport. Die Entwicklung von Prinzipien und Kodizes für Good Governance basiert auf verschiedenen theoretischen Grundlagen und verbindet vielfältige Perspektiven, darunter Corporate Governance, politische Governance sowie organisatorische und systemische Governance. Zudem gilt es Indikatoren zur Bewertung und Überwachung der Einhaltung von Goo Governance in Sportorganisationen herauszuarbeiten. Obwohl bisherige Bemühungen noch nicht zu einer standardisierten und einhelligen Auffassung von Good-Governance-Prinzipien für Sportorganisationen geführt haben, besteht Einigkeit darüber, dass Transparenz, Rechenschaftspflicht und Demokratie der Schlüssel für einen Wandel hin zu guter Governance sind. Da die gesellschaftliche Verantwortung zunehmend als Pflicht für Sportorganisationen angesehen wird, muss auch diese in Zukunft an die Good-Governance-Strukturen von Sportorganisationen auf allen Ebenen integriert und umgesetzt werden.
Julius Z. Strömberg, Chris Horbel, Anna-Maria Strittmatter
Kapitel 7. Herausforderungen für das Management von Sportorganisationen im Kontext von Safe Sport
Zusammenfassung
Sportorganisationen, d. h. Sportverbände und -vereine, sind mit zunehmenden Herausforderungen im Bereich von Safe Sport konfrontiert. Während Gewaltvorkommnisse im organisierten Sport und hier insbesondere sexualisierte Gewalt lange Zeit „übersehen“ oder „normalisiert“ wurden, erwarten die Gesellschaft, die Politik und nicht zuletzt die Sportler*innen selbst inzwischen von Sportorganisationen einen systematischen Schutz vor Gewalt und Machtmissbrauch im Sport. Der Beitrag beleuchtet den Stand der Forschung zur Umsetzung von Schutzmaßnahmen in Sportverbänden und -vereinen und gibt Einblicke in vier zentrale Handlungsebenen für das Management von Sportorganisationen im Kontext von Safe Sport (Risikoanalyse, Prävention, Intervention und Aufarbeitung).
Bettina Rulofs
Kapitel 8. Ökologische Nachhaltigkeit von Sportstätten
Zusammenfassung
Das grundlegende Ziel dieses Kapitels ist es in Form eines Literatur-Reviews einen Überblick zur Studienlandschaft der Thematik ökologische Nachhaltigkeit von Sportstätten zu gewähren. Entsprechend basiert der erste Teil auf einer umfassenden Analyse der Literatur seit 2000, in welcher die Autoren wissenschaftliche Veröffentlichungen (n = 58) zu verschiedenen Sportstätten betrachten. Dabei wird zwischen den Kategorien künstliche Sportlandschaft (wie Golfanlagen oder Wintersportgebieten) und Sportgebäude (wie Indoor- (Sporthallen) oder offene (Stadien) Sportanlagen) unterschieden. Darüber hinaus werden sowohl Veröffentlichungen zu Anlagen im Kontext des Breiten- als auch des Profisports betrachtet. In all diesen Bereichen zeigt der vorliegende Beitrag zudem das bidirektionale Verhältnis von Sport und Umwelt auf, indem neben dem Impact der Sportstätten auf die Umwelt auch die Einwirkungen der Umwelt auf die Sportstätten hervorgehoben werden. Der zweite Teil baut auf den Erkenntnissen des ersten auf, indem er die Gruppe der Wintersportanlagen, welche in der Literatur besonders häufig untersucht wurden, in Form zweier Case Studies noch spezifischer thematisiert. Die beiden Fallbeispiele – die weniger auf den Profi-, sondern eher auf den Breiten- und Freizeitsport beziehungsweise den Sporttourismus fokussiert sind – unterstreichen, welch enormer Handlungsdruck durch Veränderungen der Umwelt – wie etwa durch globale Erwärmung und Wassermangel – bereits besteht (und zukünftig noch weiter zunehmen wird). Dieses Kapitel verdeutlicht damit die steigende Relevanz, den aktuellen Forschungsstand sowie die praktische Bedeutung des Themas und versucht konkrete Herausforderungen und Handlungsempfehlungen für Sportmanager*innen aufzuzeigen.
Michael Fuchs, Alexander Hodeck
Kapitel 9. Steuerung Dualer Karrieren von Spitzensportler*innen in den Sportfördergruppen der Bundeswehr – Konzeption und empirische Befunde zu den aktuellen Förderstrukturen
Zusammenfassung
Die Sportfördergruppen (SFG) der Bundeswehr stellen die zentrale Förderungsinstanz im Hinblick auf Duale Karrieren von Spitzensportler*innen dar. Insgesamt erfolgt die Spitzensportförderung der Bundeswehr in 15 SFG an unterschiedlichen Standorten mit einem Personaleinsatz von 933 Dienstposten. Gleichwohl wird die Spitzensportförderung der Bundeswehr von verschiedenen Seiten in Bezug auf (vermeintlich) unzureichende berufsbezogene Aus- und Weiterbildungsbildungsmöglichkeiten kritisiert. Allerdings basiert die geäußerte Kritik nicht auf belastbaren empirischen Befunden einerseits und einer fundierten reflexiven Auseinandersetzung mit dem Sportförderkonzept der Bundeswehr und dessen Veränderungen im Zeitverlauf andererseits. Der vorliegende Beitrag setzt sich mit den aktuellen Förderstrukturen Dualer Karrieren innerhalb der SFG der Bundeswehr auseinander und liefert erste empirische Befunde zu deren Effektivität. Übergreifend deuten die Befunde auf eine hohe Wirksamkeit der Förderstrukturen in den SFG der Bundeswehr hin. Dies spiegelt sich auch in der hohen bis sehr hohen Zufriedenheit der Sportsoldat*innen mit den Unterstützungsleitungen der Bundeswehr wider. Gleichwohl lassen sich Optimierungspotenziale bei der bedarfsgerechten Ausgestaltung der Förderstrukturen aufzeigen. Dies betrifft (1) die Verbesserung der Kommunikation und Information über Unterstützungsleistungen des Berufsförderungsdienstes der Bundeswehr. Ebenfalls lassen sich (2) Ansatzpunkte für weitere Verbesserungen hinsichtlich nicht-akademischer beruflicher Qualifizierungen erkennen. Optimierungsbedarf lässt sich außerdem (3) im Hinblick auf die Steigerung der Attraktivität der Bundewehr als Arbeitgeber im Zuge der Anschlussverwendung konstatieren.
Peter Ehnold, Franziska Vollmann, Andreas Hahn, Torsten Schlesinger
Kapitel 10. Nachhaltige Einbindung von Frauen in Führungspositionen im organisierten Sport
Zusammenfassung
Die Herstellung von Geschlechtergleichheit in Führungspositionen gehört zu den 17 Zielen zur nachhaltigen Entwicklung aller Staaten, formuliert durch die Vereinten Nationen. Diese Ziele sollen bis 2030 erreicht sein. Allerdings zeigen Zahlen der Vergangenheit und Gegenwart, dass die Anteile an weiblichen Vorstandsmitgliedern in Sportorganisationen nur langsam steigen und die meisten Sportorganisationen noch weit von einer geschlechtergleichen Zusammensetzung der Vorstände entfernt sind. In diesem Kapitel wird zunächst ein Überblick über die aktuelle Repräsentanz von Frauen in Vorständen von internationalen und nationalen Sportorganisationen gegeben. Anschließend werden Voraussetzungen zur nachhaltigen Einbindung von Frauen beschrieben. Dabei werden die Theorien der sozialen Rolle und der kritischen Masse erklärt. Danach werden, unter Zuhilfenahme von Theorien zum Verhalten von Gruppen, soziale und ökonomische Wirkungen der Einbindung von Frauen in Vorständen erläutert und die daraus resultierenden Vorteile für die Organisationen dargelegt. Sportorganisationen können von diesen Vorteilen profitieren und ihre Prozesse nachhaltiger gestalten, wenn Vorstände nachhaltig zusammengesetzt werden und beide Geschlechter vertreten sind. Abschließend werden aus einer Mehrebenenperspektive Maßnahmen entwickelt, die zur nachhaltigen Einbindung beitragen können und deshalb für Sportmanager*innen relevant sind.
Lara Lesch, Pamela Wicker
Kapitel 11. Zielkonflikte und Potentiale nachhaltiger Sport(groß)veranstaltungen durch Co-Hosting
Zusammenfassung
Seit mehreren Jahrzehnten stehen Sportgroßveranstaltungen aufgrund mangelnder Nachhaltigkeit in sozialer, ökologischer und/oder ökonomischer Hinsicht in der Kritik. Ziel dieses Beitrags ist es, die Zielkonflikte der Nachhaltigkeitsdimensionen für Sportgroßveranstaltungen aufzuzeigen und mit der gemeinsamen Ausrichtung durch mehrere Städte oder Länder – dem Co-Hosting – einen Ansatz für eine nachhaltigere Umsetzung von Sportgroßveranstaltungen vorzustellen sowie das Potenzial und zentrale Herausforderungen für die Umsetzung von co-hosted Sportevents aufzuzeigen. Das Kapitel gibt einen Überblick zu den theoretischen Grundlagen und zum Stand der Forschung zur Nachhaltigkeit von Sportgroßveranstaltungen. Anschließend erfolgt eine Einführung zum Co-Hosting von Sportevents, gefolgt von einer Diskussion zu den zentralen Herausforderungen für nachhaltige Sportgroßveranstaltungen durch Co-Hosting. Im Ergebnis der Analyse trägt dieses Buchkapitel dazu bei, dass die Erkenntnisse zum Co-Hosting unter Nachhaltigkeitsaspekten erweitert, Zielkonflikte in Bezug auf die Nachhaltigkeitsdimensionen für Sportgroßveranstaltungen dargestellt und ein konzeptioneller Rahmen für eine integrative Analyse von Sportgroßveranstaltungen vorgestellt werden. Ferner werden Handlungsempfehlungen für die Praxis und weitere Forschung aufgezeigt sowie ein Ausblick gegeben.
Stefan Walzel, Maximilian Herzog

Internationalisierung/Globalisierung

Frontmatter
Kapitel 12. Die Relevanz des Stadionpublikums im globalisierten Teamsport
Zusammenfassung
Schenkt man den Aussagen von Entscheidungsträger*innen im Teamsport in der medialen Öffentlichkeit Glauben, dann spielt das Stadionpublikum für Athlet*innen und Vereine wie Verbände auch heute noch, d. h., in Zeiten eines zunehmend globalisierten Teamsports, eine gewichtige Rolle. In der Sportmanagement- und Sportökonomieforschung hingegen, fällt das Urteil zur Relevanz des Stadionpublikums – z. B. in Hinblick auf den vielzitierten Heimvorteil – oftmals deutlich verhaltener aus. Neben den empirischen Befunden zur (schwindenden) Bedeutung des Stadionpublikums für (a) den Spielausgang, wird im vorliegenden Beitrag auch die empirische Forschung zur Relevanz des Publikums für (b) andere Zuschauer*innen vor Ort, (c) die Konsumerfahrung der Medienzuschauer*innen, sowie dessen (d) ökonomische und (e) ökologische Relevanz für die Region im Umfeld des Austragungsortes zusammengefasst und praktische Implikationen abgleitet.
Dominik Schreyer, Anton Behrens
Kapitel 13. Widerstände von Fans gegenüber der Kommerzialisierung im deutschen Profifußball – eine Analyse empirischer Erhebungen der Jahre 2019 bis 2022
Zusammenfassung
Dieser Beitrag fokussiert die Thematik der Kommerzialisierung aus der Perspektive von Fans und im Kontext des professionellen deutschen Fußballsports. Dabei wird das Meinungsspektrum der Fans zum Kommerzialisierungsprozess insgesamt, als auch zu seinen Ausprägungen im Bereich der Fan-Produkte (Preise für Stadiontickets, Merchandisingprodukte und Pay-TV-Übertragungen) und Spieler (Höhe von Gehältern und Ablösesummen) abgebildet und eingeordnet. Zudem wird darauf eingegangen, ob und inwiefern Entwicklungen im Rahmen des Kommerzialisierungsprozesses seitens der Fans verschiedene Verhaltensweisen im Sinne eines Widerstandes zur Folge haben. Den theoretischen Bezugspunkt des Beitrages bildet das Exit-Voice-Loyalty-Framework (Hirschman, 1970). Methodisch werden vier empirische Erhebungen unter Fußballfans in Deutschland einbezogen, welche im Zeitraum 2019 bis 2022 unter Nutzung der Applikation FanQ entstanden. Der Beitrag zeigt, dass sowohl die Kommerzialisierung als solche sowie im Besonderen auch die Preise für Pay-TV-Übertragungen sowie Höhen von Spielergehältern und Ablösesummen seitens der Fans nachdrücklich negativ bewertet werden. Unsere Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass die Fans auf Entwicklungen einer fortschreitenden (Über-)Kommerzialisierung künftig mit intensivierten sowie vielfältigeren Verhaltensformen im Sinne eines Widerstandes reagieren könnten.
Martin Kaden, Axel Faix, Sebastian Björn Bauers
Kapitel 14. Zwei Herzen in einer Brust: Das Phänomen des geteilten Fantums
Zusammenfassung
Im vorliegenden Kapitel wird das Phänomen des geteilten Fantums am Beispiel deutscher Fußballfans und in der Erscheinungsform untersucht, dass verschiedene Klubs derselben Sportart und desselben Landes simultan unterstützt werden. Ausgehend von einer Begriffserklärung sowie der Aufbereitung des theoretischen Hintergrundes und der Charakterisierung des vergleichsweise jungen Forschungsfeldes, wird sich im Fokus dieses Kapitels der Motivlage von Fußballfans zugewandt, mehr als ein Fanobjekt zu unterstützen. Anschließend wird im Rahmen einer quantitativen Erhebung (n = 133) eine explorative Faktorenanalyse zur Untersuchung der zugrunde liegenden Motive für das geteilte Fantum vorgenommen. Der Beitrag trägt zu einem reflektierten, modernen Verständnis der Fanforschung im globalisierten Fußballsport bei und legt nahe, dass das Phänomen geteilten Fantums unter deutschen Fußballfans weitverbreitet ist. Dabei scheint in der Unterstützung mehrerer deutscher Fußballklubs kein Widerspruch zu bestehen. Viel eher deuten die Ergebnisse der Untersuchung darauf hin, dass Fußballfans aufgrund der immensen Begeisterung für den Sport jene Facetten des Konsums, die der Stammklub nicht vollumfänglich zu befriedigen weiß, anderweitig zu komplementieren versuchen. Im Besonderen lässt sich dies durch die beiden ermittelten und herausgestellten Motive Persönliche Nähe sowie Ansehen und Prestige erklären.
Martin Kaden, Anton Behrens

Digitalisierung

Frontmatter
Kapitel 15. Digitale Transformation und Wert-Kokreation im professionellen Teamsport
Zusammenfassung
Der Beitrag zeigt auf, wie die digitale Transformation das Feld des kommerzialisierten und professionalisierten Teamsports verändert. Die Autoren beziehen dabei den Einfluss der digitalen Transformation insbesondere auf wertkreierende Aktivitäten und die Interaktionen zwischen verschiedenen Akteuren (z. B. Sportklubverantwortliche, Fans, Sponsoren, Medien) im professionellen Teamsport. Rund um die zentrale Prämisse der Wert-Kokreation stehen dabei Engagement Plattformen als Touchpoints solcher Interaktionsbeziehungen im Zentrum der Betrachtungsweise, insbesondere wenn es darum geht zu untersuchen, inwiefern Interaktionen im Rahmen von Netzwerken funktionieren. Die Forschung zu netzwerkbezogenen Interaktionen im Sportmanagement gibt oft Hinweise auf die Rolle des sozialen Kontexts, welcher das Verhalten verschiedener Akteure durch dem Verhalten zugrunde liegenden Normen und Regeln innerhalb einer Markencommunity beeinflusst. Dabei existiert insbesondere erst relativ wenig Forschung mit Blick auf digitale Engagement Plattformen von Sportklubs. Aufgrund des gesellschaftlichen Phänomens der digitalen Transformation werden sich zukünftige Forschungsaktivitäten im Sportmanagement insbesondere auch vermehrt mit digitalen, sportmarkenzentrierten Plattformen unter Berücksichtigung einer netzwerkorientierten Perspektive auseinandersetzen müssen. Der vorliegende Beitrag zeigt vor diesem Hintergrund anhand eines Fallbeispiels aus dem professionellen Teamsport konkrete Entwicklungstendenzen hinsichtlich der digitalen Transformation für das Sportmanagement in Wissenschaft und Praxis auf.
Pascal Stegmann, Tim Ströbel
Kapitel 16. Wie der professionelle Fußball dem Megatrend Metaverse begegnen sollte – eine erste Einordung mittels einer Delphi-Studie
Zusammenfassung
Das Metaverse, das zeigen Beispiele aus verschiedenen Branchen, hat das Potenzial die Wertschöpfung und Geschäftsmodelle auch im professionellen Fußball tiefgreifend zu verändern. Schon heute sind einige Bereiche der Profifußball-Brache stark mit digitalen Anwendungen verknüpft. Zwar sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt im professionellen Fußball noch keine nennenswerten konkreten Anwendungen des Metaverse’ hinsichtlich Produkte oder Geschäftsmodelle zu verzeichnen, dies scheint jedoch lediglich eine Frage der Zeit zu sein. Wie groß die Auswirkungen durch das Metaverse genau sein werden und wie sich Organisationen im professionellen Fußball vorbereiten sollten, um diesem Trend nicht nur zu begegnen, sondern um ihn proaktiv zu nutzen, bleibt bisher unklar. Hier setzt dieser Beitrag an: Um praktische Implikationen für professionelle Fußball-Clubs, -Ligen und -Verbände ableiten zu können, werden die Auswirkungen auf den Profifußball durch das Metaverse mittels einer Delphi-Studie und der Einbindung einer Vielzahl von interdisziplinären Expertinnen und Experten untersucht. Unter Anwendung der Disruptive Innovation Theory als theoretische Grundlage werden dabei verschiedene Dimensionen betrachtet. Im Rahmen des Beitrags werden somit mögliche zukünftige Implikationen des Metaverse’ für die professionelle Fußballindustrie nicht nur identifiziert, sondern auch praktische Handlungsweisen für Clubs, Vereine und Verbände abgeleitet.
Fabian Ulrich, Kassandra Geyer
Kapitel 17. Der Einsatz von Blockchain im Sport: Eine Übersicht stakeholderorientierter Anwendungsfälle
Zusammenfassung
Blockchain-Innovationen wie digitale Fan Token und Non-fungible Token (NFTs) haben in der Sportbranche einerseits große Aufmerksamkeit erfahren, andererseits hat die Branche auch Mühe mit dem Tempo der Digitalisierung Schritt zu halten. Um das Potenzial von Blockchain zu realisieren, müssen Wissenschaft und Praxis ein besseres Verständnis dieser digitalen Datenbanktechnologie erlangen. Ziel dieser Studie besteht darin, das theoretische Verständnis von Blockchain im Sportsektor zu verbessern. Hierzu identifizieren, konsolidieren und klassifizieren wir Blockchain-Anwendungsfälle im Sport mithilfe einer systematischen Analyse der bisher veröffentlichten wissenschaftlichen Literatur. Darüber hinaus identifizieren wir verschiedene Möglichkeiten für Stakeholder im Sportsektor, wie sie von der Blockchain-Technologie profitieren können. Zudem identifizieren wir auf Grundlage unserer Untersuchung zukünftige Forschungsmöglichkeiten, die für Wissenschaft und Praxis von besonderer Wichtigkeit erscheinen.
Benjamin Schellinger, Lennart Ante, Sebastian Björn Bauers
Kapitel 18. Die Mediatisierung von Sportstätten und deren Wirkung auf das (Fernseh-)Publikum
Zusammenfassung
Stadien sind heutzutage mehr als nur Sport- und Wettkampfstätten, in denen es um sportliche Rekorde, packende Duelle und große Emotionen bei Sportler*innen und Zuschauer*innen geht. Moderne Stadien zeichnen sich durch den Einsatz neuer Technologien aus. Sie sind so konzipiert, dass sie sowohl als Fernsehstudios als auch als Sportstätten dienen. Die zunehmende Mediatisierung der Stadien und des Sports soll den Wettkampf für das Live-Publikum und für Fernsehzuschauer*innen spannender, dramatischer und emotionaler, aber auch leichter nachvollziehbar machen. Vor dem Hintergrund der Mediatisierungstheorie werden Mediatisierungsprozesse und ihre Auswirkungen im Sport beschrieben. Am Beispiel des Video Assistant Referee (VAR) wird gezeigt, dass solche technologischen Entscheidungshilfen den Wettkampf einerseits gerechter und objektiver machen, andererseits aber auch weitreichende, eher negative Folgen für das Rezeptions- und Unterhaltungserleben beim Publikum im Stadion und zuhause haben können. So stören Eingriffe des VAR häufig den Spielfluss, unterbrechen die Spannung und unterbinden große Emotionen direkt nach einem Tor, wenn dies zunächst überprüft wird. Die zunehmende Mediatisierung im Sport und in Sportstätten zeigt, welche Reichweite der Einsatz und die Nutzung unterschiedlicher Kommunikationsformen und -kanäle im Sport auch über das Stadiongeschehen hinaus haben kann. Daraus resultierende Implikationen für das Sportmanagement werden abschließend diskutiert.
Christiana Schallhorn
Backmatter
Metadaten
Titel
Entwicklungstendenzen im Sportmanagement
herausgegeben von
Anton Behrens
Sebastian Björn Bauers
Gregor Hovemann
Copyright-Jahr
2024
Electronic ISBN
978-3-658-42798-6
Print ISBN
978-3-658-42797-9
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-42798-6