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19.06.2018 | Erdgas | Im Fokus | Onlineartikel

Flüssiggas ersetzt bei Katastrophen Erdgas-Netz

Autor:
Frank Urbansky

Flüssiggas wird wie Erdgas im Wärmemarkt eingesetzt. Es ist nicht leitungsgebunden und flexibler einsetzbar. In Katastrophenfällen mit Zerstörung der Erdgas-Infrastruktur hat sich dies bewährt.

Wenn bei Katastrophen die Erdgas-Infrastruktur zerstört wird, ist diese meist nicht leicht oder schnell zu reparieren. Die Flutkatastrophe, die schließlich am 11. März 2011 zur Reaktorkatastrophe von Fukushima wurde, bewirkte genau das. Minutiös wird sie im Buchkapitel Schadensereignisse, extreme Tests und Unfälle in Reaktoranlagen, ihre öffentliche Wahrnehmung und ihre Folgen von Springer Vieweg-Autor Paul Laufs im Buchkapitel Schadensereignisse, extreme Tests und Unfälle in Reaktoranlagen, ihre öffentliche Wahrnehmung und ihre Folgen ab Seite 164 beschrieben. 

Empfehlung der Redaktion

2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Schadensereignisse, extreme Tests und Unfälle in Reaktoranlagen, ihre öffentliche Wahrnehmung und ihre Folgen

Kap. 4 befasst sich mit vorgefallenen kerntechnischen Unfällen, den danach folgenden Risikodiskussionen und den rechtlichen und regulativen Konsequenzen, die sie auslösten. Neben den frühen Vorkommnissen in den USA, Kanada und Großbritannien mit mit ihren begrenzten Auswirkungen werden die schweren Unfälle Three Mile Island, Tschernobyl und Fukushima-Daiichi eingehend beschrieben. 


In der Folge wurde die Erdgasinfrastruktur in der Region komplett zerstört. Gerade öffentliche Einrichtungen wie Krankenhäuser standen plötzlich ohne lebenswichtige Wärmeenergieversorgung da. Doch es konnte geholfen werden. Denn Erdgas lässt sich, wenn auch nicht direkt, für solche Anwendungen mit Flüssiggas ersetzen. Dieses ist nicht leitungsgebunden und kann vor Ort in Tanks gelagert werden.

Druckluft und LPG zu SNG

Die japanische Firma Ito hat ein PA genanntes System entwickelt, das Flüssiggas, in diesem Fall reines Propan, mittels Luftdruck auf die Qualität von synthetischem Erdgas (SNG – für Synthetic Natural Gas oder Substitute Natural Gas) umwandelt. Normalerweise wird SNG via verschiedener Synthesemöglichkeiten aus Biomasse oder Kohle hergestellt. Doch auch die Verbindung von Flüssiggas mit Druckluft hat SNG-Qualität.

Der große Vorteil: Das System innerhalb des Gebäudes, das zuvor mit Erdgas versorgt wurde, muss überhaupt nicht umgestellt oder angepasst werden. Das SNG wird genau wie das Erdgas durch die Hauptleitung in das Gebäude geleitet und dort ohne Unterschiede und bei exakt gleichem Brennwert verbraucht.

Im Gebiet Fukushima wurden derartige Lösungen immer dort eingesetzt, wo schnell das "normale" Leben weitergehen musste, also in Krankenhäusern, Notküchen und andere Bereichen des öffentlichen Lebens. Möglich war dies durch einige Besonderheiten des Systems: Es benötigt keine externe Stromquelle, ist leicht zu transportieren, etwa in einem Kastenwagen, und ist für verschiedene Gebäudegrößen verfügbar. Zudem ist es – und das ist im Katastrophenfall extrem wichtig – sehr sicher, da es sich bei Problemen selbst abschaltet. Und: Der Stand des Flüssiggases in den Tanks wird ständig überwacht. Wenn sie sich leeren, kann rechtzeitig für Nachschub gesorgt werden.

Auch bei Wartungen geeignet

Neben Katastrophenfällen kommt das System auch bei Wartungsarbeiten zum Einsatz, etwa, wenn in größeren Gebäuden eine Heizungsanlage ausgetauscht wird, die Bewohner jedoch weiterhin mit Wärme versorgt werden müssen. Damit ist es eine Alternative zu den in Europa üblichen Heizmobilen auf Heizöl- oder Erdgasbasis. Eine Zulassung für Europa besteht.

Will man für Katastrophen wie in Fukushima in Zukunft besser gewappnet sein, ist dieses System sicherlich eine Teillösung. An dem grundsätzlichen Problem der Besiedelung von hochwassergefährdeten Küstenstreifen kann es jedoch nichts ändern. Denn das besteht weltweit. "Die offene Frage ist hier, ob vorweggedachte alternative Siedlungsstrukturen im Sinne eines "Plan B" ein sinnvoller Ansatz sein können, eine Hochwasserkatastrophe als Chance für strukturelle Änderungen im Sinne einer adaptiven Planung zu nutzen, die Resilienz erhöht", beschreibt in dem Zeitschriftenbeitrag Siedlungsrückzug als planerische Strategie zur Reduzierung von Hochwasserrisiken ein Springer-Autorenkollektiv um Stefan Greiving eine Lösung. Doch diese wird wohl Utopie bleiben und der Druck auf die Küsten dieser Welt weiter zunehmen. Und damit solche Notlösungen wie das PA System nötig machen. 

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