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13.12.2017 | Erdöl | Im Fokus | Onlineartikel

Öl wird durch Absprachen zwischen OPEC und Russland teurer

Autor:
Frank Urbansky
3:30 Min. Lesedauer

​​​​​​​Die OPEC will bis Ende 2018 die Fördermengen drosseln. Russland, obwohl nicht Mitglied des Kartells, trägt diese Politik mit. Die Preise für Rohöl und seine Produkte dürften kontinuierlich steigen.

Die Ölpreise sind volatil und von einem ständigen Auf und Ab gekennzeichnet. Dennoch ist das kein Merkmal für eine freie Preisbildung. "Eine weitere Verhaltensweise im Oligopol stellt die Verhandlungsstrategie dar, bei der offene oder versteckte Vereinbarungen über Preise, Lieferquoten, Qualität und andere Parameter getroffen werden. Das Spektrum reicht von den informatorischen Gesprächen über Frühstückskartelle bis zu fest organisierten Kartellen mit vertraglichen Vereinbarungen. […] Als Beispiel sei hier das Preiskartell für Rohöl der OPEC genannt", beschreibt einen dieser einschränkenden Mechanismen Springer Gabler-Autor Thomas Lenk auf Seite 126 seines Buchkapitels Preistheorie.

Empfehlung der Redaktion

2017 | OriginalPaper | Buchkapitel

Preistheorie

In diesem Kapitel werden Sie Grundbegriffe und Grundtatbestände der Preistheorie kennen lernen. Da die meisten Preise in der Marktwirtschaft sich auf den jeweiligen Gütermärkten (z. B. für Kaffee, Gold, Zahnpasta, etc.) bzw. Faktormärkten (für Arbeitskräfte, Kapital, Boden) bilden, muss zunächst geklärt werden, was unter einem Markt verstanden werden soll.


Die OPEC verantwortet rund ein Drittel des weltweiten Ölangebotes. Am 30. November 2017 beschloss die Ministerkonferenz des Kartells mit 14 Mitgliedern eine Produktionskürzung um insgesamt 1,8 Millionen Barrel täglich. Das entspricht in etwa zwei Prozent der gesamten Produktionsmenge.

Deutsche Abhängigkeit besonders groß

Besonders pikant: Das Agreement wird auch von zehn Nicht-OPEC-Mitgliedern mitgetragen, darunter Russland. Das Putin-Reich ist der weltgrößte Ölförderer und deckt allein rund zehn Prozent des gesamten Weltbedarfs ab. In Deutschland ist die Abhängigkeit von russischem Öl besonders groß. Hier liegt der Anteil bei 40 Prozent aller Öleinfuhren.

Der Hintergrund der Vereinbarung ist klar: Seit 2014 setzte ein Ölpreisverfall ein, an dem vor allem das größte OPEC-Mitglied, Saudi-Arabien, den entscheidenden Anteil trägt. Größter Abnehmer des saudischen Öls war bis dahin die USA. Doch die wurden durch Fracking immer unabhängiger und waren immer weniger auf Öl von der Arabischen Halbinsel angewiesen. Aus dem Boden des Königreichs werden jeden Tag knapp 10 Millionen Barrel gepumpt, was in etwa einem Drittel der gesamten OPEC-Fördermenge entspricht. Dieses Öl warfen die Saudis auf den Markt, um damit die US-Fracker, die zu deutlich höheren Kosten produzieren, in die Knie zu zwingen.

Fracker stellten sich neu auf

Anfänglich schien dies tatsächlich zu funktionieren. Doch die US- Fracking-Industrie nutzte die Krisensituation, um sich neu aufzustellen und deutlich effizienter zu produzieren. Zu Hilfe kam ihr zudem ein besonderer Vorteil des Frackings gegenüber der klassischen und durch Saudi-Arabien angewendeten Fördermethode: Ein großes, konventionelles Ölfeld muss dauernd unter Druck gehalten werden, damit es entölt werden kann. Beim Fracking ist das nicht nötig. Hier wird der Druck nur bei Förderbedarf erzeugt. Man kann also ein Frack-Bohrloch einfach verschließen, wenn der Preis am Markt nicht attraktiv genug ist. Steigt der Preis wieder, setzt man es unter Druck und beginnt die Förderung von neuem.

Aktuell scheint die Politik der OPEC und ihrer neuen Freunde aufzugehen. Der Ölpreis stieg seit der Entscheidung Ende November um gut ein Fünftel auf derzeit über 60 US-Dollar je Barrel und erreichte wieder das Niveau vom Frühjahr 2015. Dennoch muss eine weitere Verteuerung des Öls kein Automatismus sein und in eine neue Energiekrise führen. Und eine Steigerung auf 100 Dollar, wie sie vor dem Preiseinbruch Mitte 2014 verzeichnet wurde, oder gar auf 148 Dollar wie im Jahr 2008 vor dem großen Finanzcrash hält auch die OPEC selbst für wenig realistisch. Zudem können die US-Fracker auch mit einem Preis jenseits der 60 Dollar gut leben, weswegen deren Angebot nicht vom Markt verschwinden wird. Der Preisanstieg wird also begrenzt sein.

Diese Entwicklungen "veranschaulichen die hohe Volatilität der Öl- und Gaspreise und zeigen, dass diese nach der jüngsten Einigung der OPEC-Staaten über die Drosselung der Fördermenge gestiegen sind und vermutlich in naher Zukunft weiter steigen werden", beschreiben diese kurzfristige Entwicklung die Springer Gabler-Autoren Joséphine Süptitz und Christian Schlereth auf Seite 411 ihres Zeitschriftenbeitrages Fracking: Messung der gesellschaftlichen Akzeptanz und der Wirkung akzeptanzsteigernder Maßnahmen.

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Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2017 | OriginalPaper | Buchkapitel

Unternehmen auf Oligopolmärkten

Quelle:
Grundlagen der Mikroökonomik

10.10.2017 | Spektrum | Ausgabe 3/2018

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