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05.01.2017 | Erdöl | Im Fokus | Onlineartikel

Keine präzise Prognose für Peak Oil

Autor:
Frank Urbansky

Die Frage, wann das Erdöl alle oder das Fördermaximum erreicht ist, beantworten Wissenschaftler unterschiedlich. Ein weltwirtschaftlicher Peak Oil ist zu unpräzise, er gilt nur für einzelne Ölfelder.

Normalerweise hätte das Erdöl schon 1961 aufgebraucht sein müssen, so eine Schätzung aus dem Jahr 1940. Doch aktuell reichen die weltweiten Ölreserven noch bis in die 2070er Jahre. Ein damit zusammenhängender Peak Oil, also ein maximaler Förderzeitpunkt, ist ebenso nicht in Sicht. "Das Konzept eines Peak Oil wurde in den 1950er-Jahren von Hubbert, einem amerikanischen Ölgeologen, entwickelt. Sein Ausgangspunkt war die Fördermenge einzelner Ölquellen, die ab dem Fund schnell ansteigt, nach einiger Zeit auf hohem Niveau ein Maximum erreicht und dann relativ schnell abfallt", erläutern die Springer-Autoren Florian Neukirchen und Gunnar Ries die Entstehung der Theorie in ihrem Buchkapitel "Fossile Energien" auf Seite 301. 

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Allen Bemühungen um Klimaschutz zum Trotz werden Erdöl, Erdgas und Kohle noch für einige Zeit die wichtigsten Energieträger bleiben. In fossilen Energieträgern ist die Energie gespeichert, die Lebewesen vergangener Zeiten durch Fotosynthese aus dem Sonnenlicht gewonnen haben.

Doch die Autoren bezweifeln die Wirksamkeit der Theorie. "Ein globales Fördermaximum wird es sicher irgendwann geben, ansonsten wird die Kurve deutlich unregelmäßiger verlaufen, als von den frühen Peak-Oil-Theoretikern vorhergesagt. Der Peak von billigem Öl hingegen, bei dem man sozusagen nur einen Strohhalm ins Reservoir stecken muss, ist vermutlich tatsächlich schon längst überschritten", schreiben sie.

Steinzeit und Ölzeitalter

Wahrscheinlich ist der Peak Oil auch überhaupt keine wichtige Größe, um das Ende des Ölzeitalters zu bestimmen. "Die Steinzeit ging nicht zu Ende, weil es an Steinen mangelte", soll der frühere saudi-arabische Ölminister Ahmed al Jamani gesagt haben. Sprich: Stehen bessere Technologien zur Verfügung, kann die Menschheit auf Öl verzichten. Doch das scheint noch ein langer Weg zu sein.

Um dessen Länge einzuschätzen, muss man auf die Reserven an Öl schauen, die weltweit zur Verfügung stehen, und zu welchen Kosten diese förderbar sind. Daraus ergibt sich eher eine Prognose, ab wann Erneuerbare Energien günstiger wären als das immer aufwändiger zu fördernde und somit immer teurer werdende Öl aus der Erde zu holen. Die Branche selbst geht von "sicher bestätigten Reserven", so der Fachausdruck, in Höhe von 224 Milliarden Tonnen aus. Der Definition nach müssen diese durch Bohrungen bestätigt, mit heutiger Technik und schon heute wirtschaftlich förderbar sein. Bei einem Jährlichen Verbrauch von 3,7 Milliarden Tonnen ergibt sich eine Reichweite von 60 Jahren.

Zudem spielt der Preis eine entscheidende Rolle. Dazu ein Beispiel: Kanadische Ölsande, die nur mit einer übergroßen Belastung der Umwelt zu fördern sind, brauchen einen finanziellen Aufwand von etwa 80 US-Dollar je Barrel (Fass, 159 Liter). Die Preise auf dem Weltmarkt liegen seit 2014 deutlich unter diesem Wert. Damit fallen diese Reserven, immerhin die zweitgrößten der Welt, aus den Berechnungen heraus. Die oben genannte Ölreichweite von 60 Jahren kann nicht mehr erreicht werden. Steigt der Preis, geht das Spiel von neuem los, die Ölreichweite steigt wieder und der Peak Oil verschiebt sich. Es kann nur unterbrochen werden, wenn alternative Energieformen deutlich günstiger werden und dann das Öl – siehe oben – ablösen.

Maximum bei einzelnen Ölfeldern

Anders sieht es mit einzelnen Ölfeldern aus. Hier gibt es sehr wohl einen Peak Oil. Er bezeichnet den Zeitpunkt, an dem das Fördermaximum in einem Feld erreicht wurde. Von da ab gehen die Produktionsmengen zurück. Das Öl muss zudem aufwändiger aus der Erde geholt werden, dadurch die geringeren Mengen der Eigendruck in der Lagerstätte nachlässt. Somit verteuert es sich.

Die Diskussion über den weltwirtschaftlichen Peak Oil bleibt hingegen eine vergebliche. "Zuletzt ist in der Diskussion über peak oil ein anderes Element wichtiger geworden, bei dem das Ölfördermaximum gänzlich anders definiert wird und das zugleich einen Schwerpunkt der zukünftigen Forschung umschreibt. In der internationalen Klimapolitik gibt es einen Konsens über das Ziel, die Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts auf 2 °C im Vergleich zu dem Niveau vor dem Beginn der Industrialisierung zu begrenzen", bringt dies Springer-Autor Cord Jakobeit in seinem Buchkapitel "Rohstoffreichtum – Erdöl als Segen oder Fluch für die Entwicklung?" auf Seite 134 auf den Punkt.

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