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30.07.2019 | Ergonomie + HMI | Im Fokus | Onlineartikel

Lösungen für das Cockpit der Zukunft

Autor:
Stefan Schlott

Der Umbruch in der Automobilindustrie trifft alle Technologien gleichermaßen. Für den Innenraum und das Cockpit der Zukunft zeichnen sich erste Lösungsansätze ab.

Der automobile Innenraum wird immer häufiger als Lebensraum verstanden. Zu den bedeutendsten Erfolgsfaktoren beim Interieur-Design zählt deshalb, eine Wohlfühl-Atmosphäre zu schaffen und die sinnliche Wahrnehmung zu adressieren. Gleichzeitig gilt es, die Informationsflut zu bändigen und den Fahrer situationsgerecht zu unterstützen. Die damit verbundenen ingenieurtechnischen Fragestellungen beschäftigen längst nicht mehr nur Ergonomen und Innenraumgestalter. Schnittstellen gibt es auch zur Fahrzeugelektronik, zum Karosseriebau und nicht zuletzt zur Werkstofftechnik.

Für Sebastian Stegmüller, Wissenschaftler am Fraunhofer IAO, haben Szenarien, wonach der Fahrzeuginnenraum je nach Situation zum Wohnzimmer oder auch zum Büro wird, durchaus das Potenzial, in einigen Jahren Realität zu werden. Bei ihren Forschungen kooperieren Stegmüller und seine Kollegen mit der Unternehmensberatung McKinsey & Company. Mit dem MXT Lab, kurz für Mobility, Experience and Technology Lab, etablieren die beiden Partner ein Netzwerk, um an Innovationen für das autonome Fahrerlebnis zu arbeiten.

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Die moderne Forschungsumgebung für Prototyping und Kreativworkshops bietet nach Angaben der Entwicklungspartner schon heute einen Ausblick auf die Features des Fahrens von morgen. Ein umgebautes Fahrzeug interagiert mit Fußgängern, ein elektrischer Dreirad-Roller gibt einen Ausblick auf eine nachhaltige urbane Mobilität und ein futuristisches Fahrzeugcockpit mit modularem Armaturenbrett demonstriert das Innenraum-Erlebnis der Zukunft sowie die Interaktion mit künftiger Bordelektronik und Services. "Durch die digitale Transformation müssen sich die Unternehmen neu orientieren und aufstellen, sie bietet aber auch die Chance für neue Mobility-Services und Fahrerlebnisse", so Stegmüller.

Veränderte Interaktionen zwischen Mensch und Maschine

Automatisierte Fahrzeuge, die zugleich vernetzte Fahrzeuge sein werden, verfügen nicht nur über eine neue Form der Funktionalität. Sie verändern auch die Interaktion von Mensch und Maschine. Darauf weist Heinz Abel in seinem Beitrag "Lösungen für das Cockpit der Zukunft" für die ATZ 5/2019 hin. In dem Moment, wo der Fahrer die Verantwortung für die Fahraufgabe an die Maschine abgeben kann, entstehe ein neues Informationsbedürfnis:

In künftigen Fahrzeugen wird es immer wichtiger werden, situationsbezogen und verkehrsbezogen die richtigen Informationen auf dem richtigen Kanal anzubieten, weil die Funktionalität immer weiter wächst, die Wahrnehmungsfähigkeit des Fahrers aber begrenzt bleibt." 

Im Prinzip müsse deshalb ein modernes Cockpit in der Lage sein, sich auf seinen Fahrer sowie die wechselnden Anforderungen seiner Passagiere einzustellen. Die in den Entwicklungslabors erarbeiteten Ansätze für ein anpassungsfähiges Cockpit sind daher konsequent multimodal, nutzen aber die Stärken von Displays, um wechselnde Informationsbedürfnisse des Fahrers und der Passagiere zu erfüllen.

Inflation zusätzlicher Informations- und Bedieneinrichtungen

Abfällige Bemerkungen über Mäusekinos im Zusammenhang mit der Zunahme an Bildschirmen im Fahrzeuginnenraum zeigen, dass auch diese Strategie in Gefahr ist, überreizt zu werden. Denn die Elektrifizierung und Elektronifizierung des Autos haben in den vergangenen Jahren zu einer regelrechten Inflation zusätzlicher Informations- und Bedieneinrichtungen im Fahrzeuginnenraum geführt. Autofahrer klagen über die Fülle und Ergonomen stellen bei Probandentests nicht selten eine gewisse Überlastung fest. Um alle Funktionen so unterzubringen, dass weder der Fahrer noch die Designer überfordert sind, wachsen derzeit Anzeige- und Schalteinrichtungen mit Verkleidungsteilen zusammen. 

In meinem Beitrag "Intelligente Oberflächen als diskrete Bedienelemente" für die ATZ 7-8/2019 habe ich die jüngsten Entwicklungen zusammengefasst. Zu den neueren Trends zählt demnach, die Schalter möglichst unauffällig unterzubringen –  oder besser noch: die Schalter so zu gestalten, dass sie nur dann Gestalt annehmen, wenn sie benötigt werden und ansonsten unsichtbar bleiben. Als "Trend zu Shy Tech" bezeichnet Andreas Brüninghaus vom Geschäftsbereich Instrumentation & Driver HMI bei Continental diese Situation in einem Kurzinterview. Wobei die Technik weniger schüchtern, denn diskret wirkt. Gegen die visuelle Überladung der Oberflächen im Innenraum ebenso wie gegen eine Überforderung des Fahrers.

Diskrete Bedienelemente als Ausweg

Diskret wirkende Bedienelemente sind eine der Baustellen für den Innenraum künftiger Fahrzeuge, innovative Anzeige- und Informationseinrichtungen eine weitere. Mit dem Einsatz von OLED-Werkstoffen als A-Säulenverkleidung will Continental beispielsweise tote Winkel im vorderen Sichtfeld ausmerzen und sorgt damit für zusätzliche Sicherheit. In eine ähnliche Richtung geht auch eine Entwicklung bei Audi: Im e-tron-Prototypen wurden erstmals virtuelle Außenspiegel verbaut. Ihre flacher Träger integrieren eine kleine Kamera, deren Bild digital aufbereitet auf kontraststarken 7-Zoll-OLED-Displays im Interieur erscheint.

Auch wenn niemand darüber spricht, haben die unter den Oberflächen versteckten Schalter einen wichtigen Zusatznutzen: Sollten sich die aktuellen Bestrebungen um Carsharing-Modelle durchsetzen, sind diskrete Bedienelemente ein wichtiger Beitrag zum Missbrauchs- und Beschädigungsschutz. Und was bislang unter dem Gesichtspunkt einer besseren Sicht oder einer ablenkungsfreien, zielgerichteten Bedienung entwickelt wurde, lässt sich auch für eine Erweiterung des Informationsangebots für den Fahrer nutzen.

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