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21.03.2018 | Ergonomie + HMI | Interview | Onlineartikel

"Der Innenraum und das HMI werden an Stellenwert gewinnen"

Autor:
Michael Reichenbach
4:30 Min. Lesedauer

Preh ist klassisch im HMI-Bereich unterwegs. Im Interview erläutert Jochen Ehrenberg die Trends im HMI und welche Herausforderungen die Akquisitionen von Technisat Automotive und Kongsberg ePower mit sich bringen.

ATZ _ SpringerProfessional: Lieber Herr Ehrenberg, beim autonomen Fahren muss der Fahrer nicht mehr selbst auf den Verkehr achten, das Auto übernimmt die Steuerung in Quer- und Längsrichtung. Wird das HMI (Human Machine Interface) Ihre Bediensysteme dann überflüssig machen?

Ehrenberg: Genau das Gegenteil wird der Fall sein – abgesehen vielleicht von Fahrzeugen, die vollautonom nach Level 5 fahren. Das Interieur der Zukunft muss mehr denn je den Spagat schaffen zwischen einem Fahrerarbeitsplatz, der intuitiv und mit möglichst geringer Ablenkung des Fahrers bedienbar ist, und einem Wohlfühlambiente für alle Insassen, natürlich jederzeit voll vernetzt. Der Fahrzeuginnenraum und das HMI mit all seinen Funktionalitäten werden an Stellenwert gewinnen. Mit zunehmender Elektrifizierung der Antriebe, mit zunehmender Vernetzung und einem zunehmenden Grad autonomen Fahrens wird das HMI das entscheidende Differenzierungsmerkmal zwischen den unterschiedlichen OEMs sein. Mit unserem Know-how aus den traditionellen Bedienelementen und den neuen Technologien rund um das Thema "Touch" können wir individuell auf die Wünsche unserer Kunden eingehen. Darüber hinaus ist es uns möglich, einzelne HMI-Bedienelemente auch mit zusätzlichen Funktionalitäten anzubieten. 

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An welche Funktionen denken Sie dabei konkret?

Im Bereich der Klimaregelung und der entsprechenden Sensorik haben wir bereits Jahrzehnte lange Erfahrung, auch Schrift- und Gestenerkennung haben wir inzwischen in mehreren Produkten in Serie. Und ganz wesentlich: Seit der Akquisition der Automobilsparte von Technisat können wir auch Connectivity-Lösungen zusammen mit Bedienelementen anbieten.

Durch die Akquisition der Automotive-Sparte von Technisat, die heutige Preh Car Connect, hatte sich Preh Mitte 2016 massiv im Bereich Navigation und Konnektivität verstärkt. Wo sehen Sie die Schnittpunkte mit Ihrem HMI-Bereich und die Herausforderungen im Markt?

Synergien ergeben sich ganz offensichtlich aus unserem breiten Kundenspektrum und unseren globalen Produktionsmöglichkeiten bei Preh. Damit können wir die Technologien der Preh Car Connect und deren Produkte einem deutlich breiteren Markt anbieten und natürlich auch globale Fahrzeug-Plattformen bedienen. Ein weiterer interessanter Aspekt ist das damit gewachsene Technikspektrum von Preh. Wir sind heute in der Lage, flexibel – also den Kundenwünschen entsprechend – Systeme anzubieten, die sowohl aus HMI-Bedienung und -Anzeige als auch aus Funktionsumfängen im Bereich Navigation, Connectivity oder Smartphone-Integration bestehen können.

Welches sind weitere Punkte, mit denen sich Preh von den Wettbewerbern differenzieren kann?

Preh war traditionell schon immer sehr interdisziplinär in der Entwicklung aufgestellt und hat eine hohe Wertschöpfungstiefe durchgängig in all seinen Werken weltweit. Der Technologiewandel per se ist nicht die Herausforderung für die Branche, sondern die immense Geschwindigkeit, in der sich alles vollzieht. Und genau hier können wir die Vorteile der Interdisziplinarität von Preh optimal einbringen. Angefangen von ersten Konzeptmustern in einer Vorentwicklung bis hin zur Industrialisierung in der Serienfertigung können wir so unseren OEMs ein attraktives Paket anbieten. Wenn Sie sich unsere innovativen HMI-Produkte anschauen, dann sehen Sie, dass solche Bedienelemente nur in einem interdisziplinären Team entwickelt werden können, wo bereits beim ersten Konzeptentwurf auch die Machbarkeit einer späteren Serienfertigung berücksichtigt wird.

Preh ist auch bekannt für seine Steuergeräte im Batteriemanagement, die zum Beispiel schon im i3 und i8 sowie in den Active-Hybrid-Modellen von BMW eingesetzt werden. Wie sehen Sie die weitere Entwicklung der Elektromobilität?

Wir sind inzwischen bereits mit mehreren Generationen an Batteriesteuergeräten erfolgreich in Serie. Mittlerweile haben wir im Produktbereich Elektromobilität mehrere Kunden und sind aktuell auch dabei, unser Produktspektrum noch weiter auszubauen. Hier investieren wir ganz klar in die Zukunft – und das nicht nur in den Aufbau der Mannschaft. Wir haben hier am Standort Bad Neustadt auch ein spezielles Hochvoltlabor aufgebaut, um den speziellen Ansprüchen dieser Produkte gerecht zu werden. Bekanntermaßen sind in den letzten Jahren die Produktionszahlen der E-Autos hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Dennoch stellt sich nicht die Frage, ob die Elektromobilität kommen wird, sondern nur, mit welcher Dynamik sie sich am Markt durchsetzen kann. Ganz sicher wird der Durchbruch aber zuerst in den Metropolen und Märkten wie China gelingen. Und hier glauben wir, dass wir mit unserem starken asiatischen Standbein durch Joyson in China die besten Möglichkeiten haben, unsere Produkte und Technologien in interessante Volumenmärkte überführen zu können.

In dem Zusammenhang: Sie haben Ende 2017 die schwedische Firma Kongsberg ePower, heute Preh Sweden, für Hochvolt-Bordladegeräte übernommen. Was waren die Gründe dafür?

Wir haben uns mit der Akquise gezielt mit dem Know-how im Bereich Hochvoltapplikation verstärkt. Aktuell arbeiten wir bereits an Serienentwicklungsprojekten, wo wir diese Expertise mit einfließen lassen können – neben unserem neuen Hochvoltlabor ein weiteres klares Signal, dass wir unser Produktspektrum in diesem Bereich ausbauen werden.

Welches Ziel verfolgt Preh damit langfristig?

Unser Ziel ist es, innovative Lösungen für ein möglichst breites Spektrum von E-Fahrzeugarchitekturen anbieten zu können. Das beginnt bei Komplettlösungen für das Batteriemanagement von 48-V-Lösungen über unterschiedlichste Steuergeräte für Hybrid- und E-Autos bis hin zu Hochvoltapplikationen in zukünftigen E-Fahrzeugen. 

Herr Ehrenberg, vielen Dank für das informative Gespräch.

Mehr vom Interview können Sie in der ATZ 4/2018 finden, die am 23. März 2018 erscheinen wird.

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