Skip to main content
main-content

Über dieses Buch


Die Beiträge des Sammelbandes befassen sich aus theoretischen und empirischen Perspektiven mit der Frage, wie sich gesellschaftliche Entwicklungen im privaten, familialen und politischen Leben soziologisch erklären lassen. Dabei gilt es, sowohl die Potentiale als auch die Grenzen ursächlicher Erklärungen in der Soziologie sowie ihre praktische Anschlussfähigkeit zu reflektieren. Hierzu vereint der Sammelband Beiträge aus den Bereichen Familiensoziologie und demographischer Wandel, politische Soziologie, empirische Sozialforschung, soziologische und politische Theorie.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Geleitwort

Paul, wie der in der Festschrift Geehrte von uns genannt wird, ist seit 2014 Sprecher der Professoren der RWTH Aachen, eine der dünkelhaftesten akademischen Einrichtungen, die man sich überhaupt denken kann. Geboren und aufgewachsen ist Paul B. Hill (das middle initial hat er sich später zugelegt) in Differten, Kreis Saarlouis. Differten liegt, wie man weiß, an der Bist, einem linksseitigen Zufluss der Saar am Nordrand des Warndt und hat knapp 4000 Einwohner.
Hartmut Esser

Einleitung: Erklärende Soziologie und soziale Praxis

Vielerorts ist in neueren soziologischen Debatten von den Komplexitäten, Ambivalenzen und Unübersichtlichkeiten des sozialen Lebens die Rede (Bauman 1989, Habermas 1985, Luhmann 1984). Das Soziale scheint derart verwoben, verstrickt und schwierig zu entwirren, dass manche Beteiligte an jenen Diskussionen zwischenzeitlich zu der Auffassung gelangten, der „soziologischen Theorie“ gingen die Begrifflichkeiten aus, mit denen sich gegenwärtige Formen gesellschaftlichen Zusammen- und Auseinanderlebens erfassen, deuten, gar erklären lassen (Luhmann 1984: 7ff.).
Oliver Arránz Becker, Daniel Baron, Daniel Lois

Stress und Komplexität. Zwei Grenzen des Rational- Choice-Modells

Wenngleich sich Paul Hill im Rahmen der Lehre immer dafür ausgesprochen hat, dass die Studierenden möglichst viele Theorierichtungen kennenlernen sollen, ist er selbst in seiner Forschungsarbeit ein „strenger“ Vertreter der Rational- Choice-Theorie. Streng im Sinne der Anwendung dieser Theorie sowie in der Verteidigung ihrer wissenschaftstheoretischen Grundlagen. Als hochgradig algorithmisierbare Theorie rationaler Handlungswahl besitzt die Rational- Choice-Theorie zweifelsohne den forschungsheuristischen und modelltheoretischen Vorteil, auf Basis der Rationalitätsprämisse einige Problemdimensionen sozialen Handelns ableiten zu können und diese zugleich im eigenen theoretischen Rahmen in mögliche soziale Lösungen zu überführen, ohne auf Ad-hoc- Annahmen ausweichen zu müssen, die man theoretisch oftmals nicht kontrolliert.
Thomas Kron

Die Zeit der Soziologie. Wie lässt sich Zeit in Erklärungsmodellen adäquat berücksichtigen?

Die erklärende Soziologie macht es sich zur Aufgabe, gesellschaftliche Ereignisse und Prozesse, vermittelt über die Ebene individueller Situationswahrnehmungen und Handlungswahlen, ursächlich zu untersuchen (Esser 1993, Hill 2002). Dabei wird eine große Bandbreite an Themen und Entwicklungen zum Erklärungsgegenstand: Warum ändern sich zum Beispiel WählerInnenmilieus und Parteienpräferenzen? Warum verzögern sich Familiengründungen in Gesellschaften, in denen sich eine Flexibilisierung der Arbeitsmärkte ereignet hat? Was sind die gesellschaftlichen Ursachen für sich verändernde Generationenbeziehungsmuster? Warum verändern sich Formen des partnerschaftlichen Zusammenlebens?
Daniel Baron, Winfried Markmann, Mattia-Lisa Eickemeier

Zur Erklärungsarmut von Big Social Data. Von den Schwierigkeiten, auf Basis von Big Social Data eine Erklärende Soziologie betreiben zu wollen

Der Prozess der Digitalisierung ist nicht nur im Begriff, fast alle Bereiche des sozialen Lebens zu transformieren, er hat auch weitreichende Konsequenzen für das künftige Selbstverständnis der Sozial- und Geisteswissenschaften, nicht zuletzt was deren empirisch-methodisches Vorgehen betrifft. „Big Social Data“ (Manovich), Social Data Mining, Digital Humanities, Digital Sociology und Computational Social Sciences wurden ermöglicht durch die Entwicklung immer leistungsfähiger Computer und Softwareprogramme, durch Computernetzwerke und Cloud Computing sowie durch die strategische Nutzung von großen Datenbanken. Es ist die Kombination dieser Technologien, die einen Unterschied macht.
Roger Häußling

„Big Data“ aus wissenschaftssoziologischer Sicht: Warum es kaum sozialwissenschaftliche Studien ohne Befragungen gibt

Der Anteil an Veröffentlichungen, die auf Daten beruhen, die durch standardisierte Befragungen erhoben wurden, steigt in den Sozialwissenschaften – mit Ausnahme der Ökonomie – monoton weiter (Schnell 2012). Dafür gibt es mehrere Gründe.
Rainer Schnell

Variable Rationalität im demographischen Handeln. Religiosität, Kosten und Nutzen von Kindern und die Entscheidung zur Familiengründung

Seit der Entstehung der Soziologie hat es zahlreiche mikro- und makrosoziologische Erklärungsversuche des demographischen Handelns gegeben (Kopp/Richter 2015). Jedoch hat sich mit den theoretischen Beiträgen von James Coleman (1990) und Hartmut Esser (1993b) zunehmend die Erkenntnis durchgesetzt, dass reine Makroerklärungen ohne handlungstheoretische Fundierung problematisch sind, da sie letztlich kein Verstehen ermöglichen und damit auch empirische Ausnahmen nicht erfassen können (Kroneberg 2011: 20). Aus der Perspektive des methodologischen Individualismus kann eine vollständige Erklärung nur über die Berücksichtigung individueller Wahrnehmungen und Handlungen gelingen (Braun 2008).
Oliver Arránz Becker, Daniel Lois

Der Partnermarkt der Wendekinder. Über die langfristigen Auswirkungen des Geburteneinbruchs in Ostdeutschland nach der Wende

Schon lange ist bekannt, dass historische Schwankungen der Geburtenzahlen bedeutsame Auswirkungen auf die betroffenen Geburtskohorten haben können. Allerdings wurden diese meist eher in Hinblick auf den Arbeitsmarkt und die betreffenden ökonomischen Konsequenzen thematisiert (Cantrell/Clark 1982; Keyfitz 1983; Easterlin 1961). Allenfalls werden ökonomisch vermittelte Folgen für Heirat und Fertilität diskutiert (Easterlin 1980).
Johannes Stauder, Dagmar Jäger

Die Entstehung von Partnerschaften im mittleren und höheren Lebensalter. Chancen und Hemmnisse

Wohlbekannt ist die beträchtliche Zunahme der durchschnittlichen Lebenserwartung bei Geburt in den letzten 150 Jahren, auf mittlerweile rund 78 Jahre für Männer und 83 Jahre für Frauen (Statistisches Bundesamt 2016). Vor diesem Hintergrund und angesichts gestiegener Scheidungszahlen stellt sich die Frage, ob sich auch die Entstehung von Partnerschaften zunehmend bis in ein höheres Lebensalter erstreckt oder nach wie vor auf jüngere Lebensabschnitte beschränkt bleibt. Von der Antwort auf diese Frage hängt auch ab, inwieweit die gewonnene Lebenszeit mit einer Verlängerung der Lebenszeit in Partnerschaft oder Partnerlosigkeit einhergeht.
Ingmar Rapp, Thomas Klein, Jan Eckhard

„Zwei Freunde und doch so verschieden“. Vorstellungen von Partnerschaft, Ehe und Familie in einer Beziehung: Ein Vergleich der Perspektive von Frauen und Männern

Gerade in der populärwissenschaftlichen Literatur zu Beziehungen und Partnerschaften finden sich immer wieder Hinweise darauf, dass die Geschlechterdimension einen entscheidenden Einfluss auf die Wahrnehmung der Welt, aber auch die Fähigkeiten und allgemeinen Sichtweisen und Einstellungen von Männern und Frauen besitzt. Ein seit nun mehr als zwei Jahrzehnten sehr erfolgreich verkauftes Buch – zumindest wenn man den sicherlich kritisierbaren Indikatoren der entsprechenden Online-Händler vertrauen mag – trägt den Titel „Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus“ (Evatt 1994) und behandelt die vermeintlichen oder realen 1.001 kleinen Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Wie der Titel der US-amerikanischen Originalausgabe – „opposite sides of the bed“ – deutlich macht, stehen dabei nicht so sehr allgemeine Unterschiede zwischen den Männern und den Frauen im Mittelpunkt, sondern zwischen den Partnern in einer Beziehung.
Alois Hahn, Johannes Kopp, Nico Richter

Ehe, Familie und die demographische Frage. China zwischen Tradition und Moderne

Die Volksrepublik China hat sich in den letzten drei Jahrzehnten zu einer politischen und ökonomischen Weltmacht entwickelt. Die Einführung marktwirtschaftlicher Mechanismen an Stelle starrer Planwirtschaft ermöglichte es dem Land, in kurzer Zeit erst zur Werkbank der Welt und dann zu einem High-Tech Zentrum aufzusteigen. Marktwirtschaftliche Strukturen, Einbindung in den Welthandel, internationaler Austausch und Einzug westlicher Werte verändern die chinesische Gesellschaft zunehmend.
Manfred Romich, Sabrina Holzportz

Schadet die frühe Differenzierung der Bildungswege nach Fähigkeiten und Leistungen den Bildungschancen der Migrantenkinder?

Es kann keinen Zweifel geben, dass die Kinder aus Migrantenfamilien im Bildungsbereich vor besonderen Hürden stehen. Es ist ein im internationalen Vergleich und auch über die Zeit und die gesellschaftlichen Veränderungen hinweg äußerst stabiler Befund (vgl. die jeweiligen Beiträge bei Diehl et al. 2016). Über die Ursachen gibt es seit jeher kontroverse Auffassungen. Geläufig ist dabei die Vorstellung, dass die Migrantenkinder gleich einer mehrfachen Benachteiligung unterlägen: Die Probleme und Startnachteile aus der meist ungünstigeren allgemeinen sozialen Positionierung der Familien und aus den ohnehin nicht geringen Schwierigkeiten der Migrationssituation würden noch einmal gravierend durch spezifische Benachteiligungen verstärkt: etwa über spezielle, auf die ethnische Zugehörigkeit der Kinder bezogene Erwartungen und Bewertungen durch das Lehrpersonal, geringeres Zutrauen und, wohl meist: unbeabsichtigte, „Diskriminierungen“ also.
Hartmut Esser

Backmatter

Weitere Informationen

BranchenIndex Online

Die B2B-Firmensuche für Industrie und Wirtschaft: Kostenfrei in Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren.

Whitepaper

- ANZEIGE -

Best Practices für Web-Exzellenz im Online-Handel

Erfolgsbeispiele für erfolgreiche Online-Unternehmen gibt es viele. Best Practices für Web-Exzellenz ergeben sich aus der bestmöglichen Umsetzung der Erfolgsfaktoren, die sie auf der anderen Seite aber auch maßgeblich mit bestimmt haben. Lesen Sie hier, was Sie von den Unternehmen lernen können, die zu Recht als "exzellent" bezeichnet werden können.
Jetzt gratis downloaden!

Bildnachweise