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Über dieses Buch

Der Band bietet einen umfassenden Überblick über den Stand der sozialwissenschaftlichen Ernährungsforschung: von interdisziplinären Perspektiven, über Kontexte und theoretische Bezüge bis hin zu verschiedenen methodischen Ansätzen, die an exemplarischen Studien veranschaulicht werden. Damit ist der Band in seiner wissenschaftlichen Ausrichtung sowie seiner thematischen Fokussierung auf Ernährungskommunikation einzigartig und bezieht aktuelle gesellschaftliche Diskurse und Herausforderungen mit ein.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einführung

Frontmatter

Ein imaginiertes Gespräch in der Ernährungskommunikationszentrale

Zusammenfassung
In diesem grafischen Essay wird in komprimierter Form in Bild und Schrift ein künstlerischer Zugang gewählt, um den komplexen Begriff der Ernährungskommunikation zu erläutern. Bei einem imaginären Besuch in der Ernährungskommunikationszentrale wird ein Mitarbeiter begleitet, dessen Verständnis von Ernährungskommunikation sich bei der Betrachtung gesellschaftlicher Kommunikationsprozesse rund um Ernährung bis zum Ende des Gesprächs hin erweitert. Das Essay führt durch dieses imaginäre Gespräch des Protagonisten in die grundlegenden Annahmen der gesellschaftsorientierten Forschung zu Ernährungskommunikation ein und stellt abschließend zwei unterschiedliche Perspektiven zur Diskussion, an denen eine auf ernährungsbezogene Kommunikation fokussierte Forschung ausgerichtet werden kann.
Jasmin Godemann, Tina Bartelmeß, Yen Sulmowski

Einleitung

Zusammenfassung
In diesem Sammelband sind unterschiedliche disziplinäre Perspektiven mit verschiedenen methodischen und theoretischen Zugängen zu Ernährungskommunikation zusammengetragen. Damit sollen Brücken zwischen Disziplinen gebaut werden und die interdisziplinäre Verständigung über aktuelle und relevante Grundlagen zur angemessenen Erfassung des Themas Ernährungskommunikation und -handeln angestoßen werden. In diesem einführenden Kapitel wird anknüpfend an die Diskussion um eine wissenschaftliche Basis der Ernährungskommunikation, ein Überblick über den Aufbau des Sammelbandes gegeben und die verschiedenen disziplinären Perspektiven und Beiträge der AutorInnen kurz vorgestellt.
Jasmin Godemann, Tina Bartelmeß

Ernährungskommunikation in der Gesellschaft

Frontmatter

Das Forschungsfeld der gesellschaftlichen Ernährungskommunikation

Zusammenfassung
Kommunikation wurde in der Ernährungsforschung bisher mehr als Gestaltungsgröße denn als Forschungsgegenstand betrachtet. Der Beitrag führt in die Perspektive einer kommunikationsbasierten Ernährungsforschung ein und zeigt epistemologische und methodologische Grundannahmen auf, die eine gesellschaftliche Ernährungskommunikationsforschung untermauern. Es wird aufgezeigt, wie die Ernährungsforschung mit einer solchen Perspektive ergänzt werden kann und Potentiale für die Praxis der professionalisierten Ernährungskommunikation angeführt. Abschließend werden aktuelle Herausforderungen thematisiert, denen sich eine gesellschaftliche Ernährungskommunikationsforschung annehmen muss.
Jasmin Godemann, Tina Bartelmeß

Ernährung als soziales Phänomen

Zusammenfassung
Sich zu ernähren ist einerseits eine biologische Notwendigkeit, andererseits stark symbolisch aufgeladen, sozial determiniert und determinierend. Der folgende Beitrag verdeutlicht unter Berücksichtigung v. a. kulturtheoretischer, soziologischer und historischer Perspektiven, warum Ernährung als soziales Phänomen verstanden werden kann, das sowohl prägend und identitätsstiftend für den einzelnen Menschen als auch zentral für den Zusammenhalt von Gruppen untereinander und für Beziehungen zwischen Gruppen ist. Vorgestellt werden zudem religiöse, sprachliche sowie psychologische und geschlechtsspezifische Aspekte, die Nahrungserzeugung und -aufnahme sowie die individuelle Beurteilung von Speisen und Getränken stark beeinflussen können. Gleichfalls stehen ökonomische, politische, rechtliche und ästhetisch-künstlerische Aspekte im Fokus, anhand derer die historische wie kulturelle Veränderbarkeit von Nahrungsmitteln und deren Bewertung manifest werden.
Anne-Rose Meyer

Das Wissen vom „guten“ Essen – Ernährungskommunikation als historisches Paradigma

Zusammenfassung
In der postmodernen digitalen Globalgesellschaft konkurrieren heterogene Auffassungen vom vermeintlich „richtigen Essen“. Dies zeugt nicht nur von einer Pluralisierung individueller Geschmackspräferenzen und von breit gefächertem Ernährungswissen. Vielmehr ist diese Entwicklung auch Ausdruck einer fundamentalen Gesellschaftstransformation, in deren Verlauf Ernährungsstilen identitätsstiftende und performative Funktionen zugewachsen sind. Der Beitrag zeichnet mithilfe einer historischen Perspektive auf das Kulturthema Essen von den frühen Hochkulturen bis in die Moderne nach, dass unterschiedlichste Wissensformationen und Gesellschaftsordnungen prägend für die Beurteilung von Nahrungsmitteln und ihren Verzehr waren.
Gunther Hirschfelder, Patrick Pollmer

Sozial-ökologische Transformation und Ernährungskommunikation

Zusammenfassung
Ernährungs- und Nachhaltigkeitskommunikation sind immer noch in großem Ausmaß individualistisch gerahmt. Durch Informationsvermittlung bzw. spezifische Anreize soll das Individuum zu gesundem und nachhaltigem Ernährungshandeln motiviert werden (engl. „behaviour change“). Im Kontext der Herausforderungen einer sozial-ökologischen Transformation sind die Erfolge dieses individualistischen Zugangs allerdings beschränkt. Es braucht daher Narrative, die Ernährungshandeln als eingebettet in soziale Praktiken und sozio-technische Systeme konzeptualisieren und auf „systems change“ ausgerichtet sind. Systemwandel bezieht sich dabei auf das Ernährungssystem, das wiederum in andere gesellschaftliche Systeme eingebettet ist.
Karl-Michael Brunner

Inter- und Transdisziplinarität ausbuchstabiert: Reflexionen zum angemessenen Umgang mit der Vielfalt an Gegenständen und fachlichen Zugängen in komplexen Forschungsfeldern

Zusammenfassung
Die Gegenstände, die rund um Ernährungskommunikation erforscht werden (können), sind vielfältig, und dasselbe gilt für die inner- wie außerwissenschaftlichen Fachperspektiven, die sich mit ihnen befassen (können). Damit bewegt sich die Ernährungskommunikationsforschung im Spannungsfeld von Disziplinarität, Interdisziplinarität und Transdisziplinarität. Sie muss sich der Frage stellen, wie mit der Vielfalt an möglichen Gegenständen und fachlichen Zugängen umzugehen ist, und welche Rolle disziplinäre, interdisziplinäre und transdisziplinäre Vorgehensweisen spielen (sollen). Im Beitrag werden drei Dimensionen dieser Frage erörtert, wobei immer sowohl generelle Aspekte entfaltet als auch Folgerungen für die Ernährungskommunikationsforschung gezogen werden.
Rico Defila, Antonietta Di Giulio

Ausgewählte disziplinäre Perspektiven auf gesellschaftliche Ernährungskommunikation

Frontmatter

Essbar oder nicht-essbar – Eine soziologische Systemtheorie der Ernährungskommunikation

Zusammenfassung
Die Ernährungskultur der Gegenwartsgesellschaft ist eine Ernährungskultur der Ernährungskulturen. Diese basieren auf Kommunikationsoperationen und stehen in einem permanenten Kommunikationsverhältnis zueinander. Mit der soziologischen Systemtheorie, die von der Prämisse ausgeht, dass Kommunikation die basale Operation allen sozialen Handelns darstellt und spezifische soziale Funktionssysteme ausdifferenziert, lässt sich die Kommunikation über die Ernährung des Menschen analysieren. Entscheidend ist dabei, dass sich Ernährungskommunikation stets um die Entscheidung der Frage dreht, was ist essbar und was ist nicht-essbar.
Daniel Kofahl

Visuelle Ernährungskommunikation

Zusammenfassung
Der Beitrag reflektiert auf die Sozialität der Ernährung in Bezug auf visuelle Dimensionen der Kommunikation. Dazu wird eingangs gezeigt, dass und inwiefern die Kommunikation von Ernährung aufs Engste an visuelle Gestaltungen gebunden ist, die ihrerseits komplexe Ausdrucksmedien des Sozialen darstellen. Soziale Komplexität als grundlegendes Bezugsproblem theoretischer, methodologischer und methodischer Konzepte annehmend, präsentieren die nachfolgenden Überlegungen ein sozialökologisches Analysemodell, dessen forschungspraktische Anwendung abschließend an einem Fallbeispiel exemplarisch vorgeführt wird.
York Kautt

Qualitätskonventionen und Ernährungskommunikation

Konzepte und Perspektiven der Ökonomie der Konventionen
Zusammenfassung
In diesem Beitrag wird die Ökonomie der Konventionen auf Grundlagen, aber auch auf Spannungen und Kritiken in der Ernährungskommunikation angewendet. Ein Ausgangspunkt ist die Analyse von Produktqualitäten und Logiken der Produktion insbesondere im Bereich von Nahrungsmitteln. Aus Sicht der Ökonomie der Konventionen sind ‚Eigenschaften‘ von Nahrungsmitteln das Resultat von Koordinationsprozessen, in denen mit Bezug auf Qualitätskonventionen die Wertigkeiten, Qualitäten und Eigenschaften erst generiert und mobilisiert werden. Es wird davon ausgegangen, dass es eine Pluralität von Qualitätskonventionen gibt, daher sind die Widersprüche, Kritiken und Spannungen zwischen den Qualitätskonventionen als Koordinations- und Bewertungslogiken ein wichtiger Untersuchungsgegenstand.
Rainer Diaz-Bone, Valeska Cappel

Strategische Ernährungskommunikation aus der Perspektive des kommunikativen Institutionalismus

Zusammenfassung
Strategische Kommunikation wird in der Unternehmenskommunikation und PR-Forschung häufig als zielorientiertes Kommunikationsmanagement verstanden. Im Gegensatz dazu legt eine institutionelle Perspektive der Ernährungskommunikation den Fokus auf gesellschaftlich-definierte Erwartungsstrukturen, die das Handeln kommunikativer Akteure definieren, um als legitimiert zu gelten. Der Beitrag liefert ein Gerüst, das die Dynamiken und Zusammenhänge der institutionellen Perspektive auf Mikro-, Meso- und Makroebene aufspannt und damit die Möglichkeit bietet, in diesem Rahmen eigene Forschungsfragen zu operationalisieren.
Swaran Sandhu

How to Do Good Food? Nachhaltige Ernährung zwischen Kommunikation und Konsum aus Perspektive der geographischen Ernährungsforschung

Zusammenfassung
In diesem Kapitel beleuchten wir die Kluft zwischen der Kommunikation über „gutes Essen“ im Sinne von nachhaltigen Lebensmitteln einerseits und der tatsächlichen Praxis des Essens andererseits. Unter Bezugnahme auf die Debatten der Geographien der Ernährung werfen wir die Frage auf, wie sich das Reden über „gutes Essen“ mit dem Kauf und dem Essen von Lebensmitteln sowohl überschneidet als auch davon unterscheidet. Der Beitrag fasst Überlegungen zur Nachhaltigkeit, zur Verkörperung, zur Lokalisierung der Praxis des Lebensmittelkonsums sowie die Ergebnisse zweier Forschungsprojekte zusammen, die in unterschiedlichen Kontexten durchgeführt wurden. Ausblickend schlagen wir eine Forschungsrichtung zum Konsum von Essen als „doing food consumption“ vor, die auf verkörpertem und implizitem Wissen, viszeralen Wahrnehmungen und Aktivitäten und somit verbundenen Arten von nicht-rationalen Ernährungspraktiken basiert.
Ulrich Ermann, Anke Strüver

„Superfood ist nicht genug“

Sport und Ernährung im Gesundheitsdiskurs
Zusammenfassung
Ernährungsdiskurse sind stets moralisch aufgeladen. In Maßnahmen der bundesdeutschen Gesundheitsförderung dominieren spätestens seit der Verabschiedung des Nationalen Aktionsplans IN FORM im Juni 2008 zunehmend individualisierte Regulationen des Gesundheits- und Präventionsverhaltens. Soziale Prävention rückt damit in den Hintergrund. Im Rahmen einer Diskursanalyse wird in dem Beitrag aus sportsoziologischer Perspektive gezeigt, wie über Ernährungsdiskurse bestimmte Körper- und Gesundheitskonzepte, Normierungen und damit einhergehende Praktiken hervorgebracht werden, denen es vermeintlich nachzueifern gilt.
Pia Kühnemann, Sandra Günter

Ernährungskommunikation aus Perspektive der Vergleichenden Religionswissenschaft

Zusammenfassung
Kommunikation über Ernährung ist in der Religionswissenschaft seit Jahrzehnten ein relevantes Forschungsthema. Religiöse Traditionen thematisieren Nahrung und Ernährung in vielfältiger und oftmals zentraler Weise. In jüngster Zeit werden auch in religiösen Gemeinschaften Themen wie Nachhaltigkeit und eine ökologisch verantwortungsvolle Lebensweise diskutiert. Das Kapitel befasst sich damit, wie Ernährungskommunikation in der Religionswissenschaft theoretisch konzipiert und methodisch untersucht wird, um einen Beitrag zur interdisziplinären Auseinandersetzung mit dem Thema zu leisten.
Martin Radermacher

Standards als Ergebnis, Ursache oder Instrument von Ernährungskommunikation?

Politikwissenschaftliche Reflexion eines vielschichtigen Wechselverhältnisses
Zusammenfassung
Der Beitrag erörtert aus politikwissenschaftlicher Perspektive den Zusammenhang von Standards und Ernährungskommunikation. Standards werden definiert und als Ergebnis, Ursache und Instrument von Ernährungskommunikation konzeptualisiert. Während Standardsetzungsprozesse zur diskursiven Verständigung über Regulierungsbedarfe und Ernährung beitragen, werden Standarddurchsetzungsprozesse durch Informationsasymmetrien und regulative Heterogenität unterminiert. Die digitalisierte Kommunikation und neue Formen der Nahrungsmittelproduktion schaffen Potenziale für die Transparenzsteigerung durch neue Standardsetzung, stellen die Zukunftstauglichkeit etablierter Standards aber zugleich infrage.
Sandra Schwindenhammer

Methodische Zugänge zum Forschungsfeld der gesellschaftlichen Ernährungskommunikation

Frontmatter

Ernährung als Alltagsdilemma – Konversationsanalytische Einblicke in eine Selbsthilfegruppe von Personen mit Übergewicht

Zusammenfassung
Die Konversationsanalyse ist eine Methode, die durch die detaillierte Analyse von Gesprächen die lokale Herstellung sozialer Gegebenheiten nachzeichnet. Am Beispiel von Gesprächen in einer Selbsthilfegruppe für Personen mit Adipositas wird gezeigt, dass erworbenes Wissen über Ernährung nicht lediglich wiedergegeben wird. Die Darstellung von Wissensbeständen auf verschiedene Weisen dient gleichzeitig einer Einordnung und Bewertung dieses Wissens. Die Mitglieder der Gruppe begegnen auf diese Weise den vielfältigen Widersprüchen, die gesellschaftliche Erwartungen an ‚richtige‘ Ernährung ausprägen.
Sarah Hitzler

Ernährungskommunikation aus Sicht der linguistischen Diskursanalyse

Zusammenfassung
Die linguistische Diskursanalyse will „das gesellschaftliche Gespräch“ zu einem bestimmten Thema rekonstruieren. Mit welchen sprachlichen Mitteln wird der Gegenstand „Ernährung und Nachhaltigkeit“ konstituiert? Wie wird kollektives Wissen darüber generiert und diskursiv um das richtige gesellschaftliche Handeln gerungen?
Um die Positionen der am Diskurs beteiligten Akteure zu erfassen, werden Korpora von Texten mit linguistischen und semiotischen Kategorien untersucht. Damit wird rekonstruiert – und dekonstruiert –, welches Bild von Wirklichkeit in den Texten geschaffen und propagiert wird.
Die linguistische Diskursanalyse versteht sich als kritische Wissenschaft, die hinterfragt, welche gesellschaftlichen Ideologien sich in den Texten erkennen lassen.
Sylvia Bendel Larcher

Diskurs- und korpuslinguistische Zugänge zur „Nachhaltigkeit“ in verschiedenen Gattungen der Ernährungskommunikation

Zusammenfassung
Der vorliegende Beitrag zeigt korpuslinguistische Perspektiven auf, um ernährungsbezogene Aspekte der Nachhaltigkeit in Diskursen und Gesprächen quantitativ und qualitativ zu beschreiben. „Nachhaltigkeit“ kommt dabei die Rolle einer diskurssemantischen Grundfigur zu, die u. a. die Lebensstilkategorie der „Ganzheitlichkeit“ und das Morphem bio in den Ernährungsdiskurs einführt. Es werden größere deutschsprachige Korpora sowie Materialien aus der Werbe- und Internetforenkommunikation herangezogen, um exemplarisch den Zusammenhang zwischen Ernährung und Nachhaltigkeit anhand von Partnerwörtern (Kookkurrenz) und Argumentationen (Topoi) zu beschreiben. Festgestellt werden dabei Unterschiede in der Ausprägung dessen, was unter ernährungsbezogener „Nachhaltigkeit“ in verschiedenen Gattungen zu verstehen ist. Das Bedeutungsspektrum variiert mit den kommunikativen Praktiken der massenmedial vermittelten, kommerziellen und privaten Kommunikation: Die in der massenmedialen Kommunikation geprägten Bedeutungsaspekte „Vereinbarkeit“, „Ganzheitlichkeit“ und „Balance“ gehen im Werbekontext in imagebildende Ausdruckseinheiten wie bio und öko ein, während Alltags- und Tischgespräche sowie Formate der informellen Schriftlichkeit im Internet die Glaubwürdigkeit der mit „Nachhaltigkeit“ assoziierten Schlüsselwörter infrage stellen.
Nicole M. Wilk

Ausgewählte Kontexte gesellschaftlicher Ernährungskommunikation

Frontmatter

Möglichkeiten der Analyse von Social-Media-Daten für die Ernährungskommunikation

Zusammenfassung
Ernährungskommunikation auf Social-Media-Plattformen ist ein für die Ernährungsforschung relativ neuer Forschungsbereich. Der Beitrag liefert einen Überblick der für Ernährungskommunikation typischen Social-Media-Plattformen und ihrer Charakteristika. Es werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie und wo die Forschung bei der Analyse von Social-Media-Ernährungskommunikation ansetzen kann und verschiedene Daten vorgestellt. Anschließend wird die Relevanz beleuchtet, sich diesem Forschungsbereich zu nähern, sowie Potentiale und Herausforderungen für die Forschung und Praxis der Ernährungskommunikation dargestellt.
Tina Bartelmeß

Diet Tracking als Ernährungskommunikation

Der Aufforderungscharakter einer Diät-App und der Eigensinn ihrer Nutzer
Zusammenfassung
Diet Tracking lässt sich als Ernährungskommunikation verstehen, insofern in Diät-Apps Normen, Grenzwerte und Körperideale eingeschrieben sind. Während der Diskurs um Self-Tracking häufig von einer recht unmittelbaren Wirkung der Technik ausgeht, schlägt der Beitrag auf Basis der Unterscheidung von „technologies-as-artifacts“ und „technologies-as-practice“ einen Ansatz vor, der sowohl technischen Affordanzen als auch dem Eigensinn der Nutzer Rechnung trägt. Dieser wird anhand der App MyFitnessPal sowie Interviewmaterial mit NutzerInnen dieser App illustriert. Auf Basis der eingeführten Differenz zeigt sich hier, dass die Apps zwar auf Schlankheit fokussieren und eine disziplinierte Eingabe erfordern, sich in der Praxis aber vielfältige Nutzungsmuster finden, die die eingeschriebenen Ideale teils übernehmen, teils unterlaufen.
Gerrit Fröhlich, Nicole Zillien

Ernährung als Medienthema

Einordnung und Herausforderungen des Foodjournalismus
Zusammenfassung
In allen Mediengattungen sind journalistische Beiträge über das Themenfeld Ernährung zu finden, ob in populären nationalen und regionalen, analogen oder digitalen Massen- oder Fachmedien sowie im Internet. Journalismus über Ernährung erfüllt in den unterschiedlichen Angeboten neben der Unterhaltungs- und Informations- auch die Ratgeber- und Servicefunktion. Der Wandel der Medien und gesellschaftliche Veränderungen beeinflussen den Foodjournalismus. Trotz der gesellschaftlichen Relevanz des Themas Ernährung hat die Journalismusforschung den Foodjournalismus bisher kaum bearbeitet.
Beatrice Dernbach

Ernährung als Gegenstand politischer Kommunikation

Zusammenfassung
Ernährung wird zunehmend zum Gegenstand politischer Kommunikation. Im Mittelpunkt steht dabei die Problematisierung ungesunder Ernährung. Anhand der Argumente zweier Lobbyorganisationen mit gegensätzlichen Positionen – foodwatch in Deutschland und das Institute for Economic Affairs (IEA) in Großbritannien – sollen prominente Argumentationen der (verbraucher-)politischen Ernährungsdebatte skizziert und vor dem Hintergrund der politischen Auseinandersetzung in den betroffenen Ländern und darüber hinaus miteinander verglichen werden. Besonders berücksichtigt und kritisch hinterfragt wird die Rolle einer evidenzbasierten Public Health bei der Gestaltung gesundheits- und ernährungspolitischer Maßnahmen.
Friedrich Schorb

Food Governance durch Qualitätszertifizierungen

Zusammenfassung
In diesem Beitrag wird das Potential von Qualitätszertifizierungen zur Förderung eines nachhaltigen oder ethisch verantwortlichen Lebensmitteleinkaufs, sowohl in Bezug auf VerbraucherInnen als auch Akteure des öffentlichen Beschaffungswesens, untersucht. Es wird gezeigt, dass Governance-basierte Qualitätszertifizierungen wie Label effiziente Kommunikationsinstrumente für nachhaltigkeitsorientierte Ernährung sein können, indem sie Ernährungskompetenz und nachhaltigeres Einkaufsverhalten bei potentiell widersprüchlichen Interessen fördern, insbesondere, wenn die Zertifizierung den Mehrwert des Produktes transparent aufzeigt und die definierten Nachhaltigkeitskriterien gesetzlich verpflichtend sind.
Rachel Reckinger, Diane Kapgen, Maria Helena Korjonen

Ernährungsbotschaften in den Medien: Persuasive Strategien und deren Wirkungen auf Kinder

Zusammenfassung
Kinder werden mit einer Vielzahl von Ernährungsbotschaften in den Medien konfrontiert, sowohl anhand von klassischen Werbungen als auch in redaktionellen Kontexten. Da für Kinder das Fernsehen im Alltag das präsenteste Medium darstellt, ist das Wissen über die Wirkung von TV-Ernährungsbotschaften auf ihr Ernährungsverhalten besonders wichtig. Kommunikationswissenschaftliche Studien weisen darauf hin, dass die reine Darstellung von ungesunden Produkten das Essverhalten von Kindern beeinflusst. Jedoch zeigt sich dieser Effekt nicht gleichermaßen für gesunde Produkte. Um das Essverhalten von Kindern gesundheitsförderlich zu beeinflussen, bekommen daher persuasive Strategien bezogen auf gesunde Produkte eine ganz besondere Relevanz. Dieser Beitrag geht darauf ein, welche Strategien im Medium Fernsehen ihre Anwendung finden und wie effektiv diese sind, um die Ernährung von Kindern gesundheitsförderlich zu beeinflussen. Außerdem zeigt dieser Beitrag auf Basis der Medienwirkungsforschung neue Möglichkeiten auf, wie Ernährungsbotschaften gestaltet werden könnten, um eine gesunde Ernährung zu fördern.
Alice Binder, Jörg Matthes

Master of Science in Ernährungskommunikation

Professionalisierung im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Foodblogs
Zusammenfassung
Infolge der stetigen Veränderungen im Gesundheits- und Bildungswesen sowie der medialen Kommunikationswege müssen für die Erarbeitung des Kompetenzprofils Master of Science in Ernährungskommunikation im Sinne der Bildungsforschung sowohl bildungspolitische als auch bildungstheoretische Überlegungen und empirische Befunde berücksichtigt werden. Dementsprechend kann ein Master of Science in Ernährungskommunikation der nächste Schritt einer Akademisierung auf Masterniveau im Bereich der Ernährungskommunikation sein. Gerade in Wissenschaft, Forschung und Berufspraxis eröffnen sich zukünftig verschiedene Perspektiven hin zur Professionalisierung.
Anna Elisabeth Purtscher

Fazit und Ausblick

Zusammenfassung
In diesem abschließenden Beitrag werden die Beiträge in diesem Sammelband zum Anlass genommen, die bisherige Stellung und Ausrichtung gesellschaftlicher Kommunikation in der Ernährungsforschung zu reflektieren. Es wird zusammenfassend aufgezeigt, wie die in diesem Band zusammengeführten Beiträge bisherige Perspektiven bereichern und erweitern können und ein Ausblick für zukünftige Ernährungskommunikationsforschung gegeben.
Jasmin Godemann, Tina Bartelmeß
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