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11.09.2017 | Erneuerbare Energien | Interview | Onlineartikel

"Ausbau der Erneuerbaren erfolgt schneller als Netzausbau"

Autor:
Nico Andritschke
Interviewt wurde:
Dipl.-Ing Harald Jahnke

ist Geschäftsführer der Stadtwerke Prenzlau (Brandenburg). Durch die Aktivitäten dieses kommunalen Unternehmens konnte sich Prenzlau zu einer "Stadt der Erneuerbaren Energien" entwickeln.

Die regenerativen Energien gehören seit Jahren zum Leitbild von Prenzlau, das sich diesbezüglich zu einem Vorreiter in der Region entwickelte. Harald Jahnke beschreibt das Engagement der Stadtwerke. 

Springer Professional: Prenzlau sieht sich als "Stadt der Erneuerbaren Energien" oder auch "Energie-Kommune". Welches Konzept verbirgt sich dahinter und wie beurteilen Sie die Rahmenbedingungen?

Harald Jahnke: Es gibt viele günstige Gegebenheiten, die genutzt werden konnten. In einer dünn besiedelten, überdurchschnittlich windigen und stark agrarwirtschaftlich ausgerichteten Region, bot es sich an, die Erneuerbaren Energien stärker zu entwickeln. Die Bevölkerungsdichte im Nordwesten der Uckermark beträgt ca. 21 Einwohner pro Quadratkilometer. Deutschland hat eine durchschnittliche Einwohnerdichte von 230 Einwohnern pro Quadratkilometer. Auf Grund der dünnen Besiedelung waren genügend Flächen zur Aufstellung von Windkraftanlagen vorhanden. Vor Ort wurde Biomasse erzeugt, die energetisch genutzt werden konnte. Es gab aus früheren Zeiten Erfahrungen in der Nutzung von Geothermie. Die Stadt Prenzlau ist an einer gesunden wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt sowie der umliegenden Region interessiert. Was lag da näher, als die Ansiedelung neuer Firmen zu unterstützen. Inzwischen haben sich einige Firmen in und um Prenzlau angesiedelt, die ca. 1.000 neue Arbeitsplätze im Bereich der Erneuerbaren Energien entstehen ließen. Diese Firmen arbeiten in stabilen wirtschaftlichen Verhältnissen und bieten sichere Arbeitsplätze. Daraus resultierend gibt es in Prenzlau kaum Wohnungsleerstand. Der Haushalt der Stadt Prenzlau ist ausgeglichen.

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Strom aus Erneuerbaren Energien, Technik und Kosten

Der Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ist eine Kernaufgabe der Energiepolitik in Europa und weltweit. Die verschiedenen Technologien unterscheiden sich nicht nur aus technischer und kommerzieller Sicht, sondern auch hinsichtlich Entwicklungsstand und technologischer Reife.


Im Unterschied zu anderen Kommunen setzen Sie bei Strom und Wärme auf einen dezentralen Mix aus Wind, Sonne, Erdwärme, Biomasse. Ist das Ihr Erfolgsgeheimnis?

Die gegenwärtige maximale Ausspeisung im Stromnetz der Stadtwerke Prenzlau beträgt 19 Megawatt (Lieferung an den Kunden). Die Einspeiseleistung der Anlagen, die Strom aus Erneuerbaren Energien erzeugen wird von 80 Megawatt im Dezember 2016 auf 109 Megawatt im Jahr 2018 steigen. Zurzeit beträgt der Anteil an erzeugter Energie aus Windkraft 68 Megawatt, Photovoltaik 8,5 Megawatt und Biomasse 3,5 Megawatt. Durch die Geothermie können 0,5 Megawatt Wärme im Stadtgebiet genutzt werden. Im Jahr 2016 war die Einspeisung der Erneuerbaren Energien in das Stromnetz jeden Monat höher als die Ausspeisungen an die Kunden im Stromnetz. Die Ziele der Bundesregierung laut Energiekonzept von 2011 und dem Ausbaukorridor gemäß Koalitionsvertrag von 2013 gehen im Jahr 2025 von 40 bis 45 Prozent bzw. im Jahr 2035 von 55 bis 60 Prozent Anteil der Erneuerbaren Energien aus. Prenzlau lag bereits im Jahr 2016 bei 174 Prozent.

In den letzten Jahren hat Ihre Stadt viel in "Erneuerbare" investiert, zuletzt 2011 in ein Hybridkraftwerk. Wie kann man in Zeiten "knapper Kassen" die daraus resultierenden Herausforderungen "stemmen"?

Dieses Hybridkraftwerk ist das weltweit erste auf Basis von Wasserstoff, Biogas und Windenergie. Es wird durch die Enertrag AG betrieben. Projektpartner sind außerdem Vattenfall Europe, Total und DB Energie. Die Stadtwerke Prenzlau kaufen, die im Kraft-Wärme-Kopplungsprozess entstehende Wärme für das Fernwärmenetz der Stadtwerke Prenzlau.

Welche Zukunftsoptionen enthält die Energie-Strategie?

Der Ausbau der Erneuerbaren Energien erfolgt deutlich schneller als der Netzausbau. Ein sicherer Netzbetrieb ist nur dann gewährleistet, wenn die Erzeugung dem Verbrauch entspricht. Das Halten dieser Balance und das Verhindern von Netzengpässen werden durch die fluktuierende Einspeisung der Erneuerbaren Energien immer schwieriger. 
Unsere Optionen für die Zukunft heißen Einspeisemanagement und Sektorenkopplung. Eine mögliche Alternative zum langwierigen Ausbau der Stromautobahnen stellt die intelligente Verknüpfung von Erzeugung, Speicherung und Verbrauch in einem regionalen Rahmen dar. Durch die Einbeziehung von Technologien wie Power-to-Heat und Power-to-Gas können in urbanen Räumen regional auftretende Ungleichgewichte im Stromversorgungssystem aufgefangen werden. In diesem Zusammenhang wächst die Bedeutung von Fernwärmenetzen.

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