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25.11.2013 | Erneuerbare Energien | Interview | Onlineartikel

Investitionschancen für die Erneuerbaren auf dem Lande

Autor:
Günter Knackfuß

Als Förderbank für die Agrarwirtschaft ist die Rentenbank auf dem Gebiet Erneuerbare Energien stark engagiert. Denn in den letzten Jahren waren es vor allem die deutschen Landwirte, die den Ausbau der Erneuerbaren vorangetrieben haben. Der Umbau der Energiebranche hin zu einer stärker dezentralen Ausrichtung ist daher auch für die Bank von großer Bedeutung, denn er bietet Landwirten und Bürgern in ländlichen Regionen auch in Zukunft Investitionschancen. Im Interview Imke Ettori, Bereichsvorstand Landwirtschaftliche Rentenbank, Frankfurt am Main.

Springer für Professionals: Ihre Bank hat für den Agrarsektor bereits Geschichte geschrieben. Wie kam es zur Gründung dieser Förderbank?

Imke Ettori: In der Phase des Wiederaufbaus nach dem 2. Weltkrieg hatte die Landwirtschaft einen großen Nachholbedarf an Investitionen. Für die Finanzierung wurde daher zunehmend auch Fremdkapital benötigt. Um die Kreditversorgung der deutschen Landwirtschaft zu sichern, wurde die Landwirtschaftliche Rentenbank 1949 per Gesetz als zentrales Refinanzierungsinstitut mit Förderauftrag für die Landwirtschaft gegründet. Das Grundkapital brachte die Landwirtschaft selbst auf. Die historischen Wurzeln der Landwirtschaftlichen Rentenbank reichen bis in die zwanziger Jahre zurück.

Eine entscheidende Wegmarke war das Programm "Energie vom Land". Welche Resultate wurden damit erreicht?

Zu den herausragenden Themen, mit denen wir alle uns aktuell beschäftigen, gehört sicher die sogenannte Energiewende. Als Förderbank für die Agrarwirtschaft ist die Rentenbank hier in der Finanzierung stark engagiert. Denn in den letzten Jahren waren es vor allem die deutschen Landwirte, die den Ausbau der Erneuerbaren Energien vorangetrieben haben. Dank der vorhandenen großen Dachflächen und der verfügbaren landwirtschaftlichen Flächen übernahmen sie schon früh eine Vorreiterrolle – sowohl bei Wind- und Photovoltaikanlagen als auch beim Bau von Biogasanlagen.

Basis unserer Förderung sind günstige Förderkredite, die wir über Hausbanken ausreichen. Die Investitionen von Landwirten in Erneuerbare Energien haben wir von Anfang an begleitet. Einen neuen Schub erfuhr die Förderung ab dem Jahr 2008. Wir starteten zu dieser Zeit mit „Energie vom Land“ ein spezielles Kreditprogramm für diese Investitionen. Bereits 2010 vergaben wir hier Darlehen in Höhe von 2,3 Mrd. € – etwas mehr als ein Drittel unseres gesamten Neugeschäfts bei Förderdarlehen. Im Jahr 2012 waren es immerhin noch 1,4 Mrd. € – was einem Fünftel unseres Neugeschäfts entsprach. Die Investitionen in Erneuerbare Energien schaffen zusätzliche Einkommensquellen für die Landwirtschaft. Darüber hinaus erhöht sich die Wertschöpfung im ländlichen Raum und es werden positive Umwelteffekte erzielt. Damit entsprechen diese Investitionen in idealer Weise unserem Förderauftrag. Auch in Zukunft bietet der Umbau der deutschen Energiebranche hin zu einer stärker dezentralen Ausrichtung Landwirten und Bürgern in ländlichen Regionen zahlreiche Investitionschancen.

Wie geht es mit der Investitionstätigkeit in Ihrem Förderprogramm für die Erneuerbaren Energien weiter?

Momentan beobachten wir eine Abkühlung der Investitionstätigkeit. Als Grund für den Rückgang sehen wir die starke Abhängigkeit der Investitionen von den Rahmenbedingungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Für uns ist es bei der Programmplanung deshalb wichtig, flexibel auf Entwicklungen in der Branche reagieren zu können. Wenn möglich, versuchen wir, neue Anforderungen in unseren schon bestehenden Programmen abzubilden. So hat sich auch unser Engagement in diesem Segment entsprechend der Nachfrage weiterentwickelt: Finanzierten wir zunächst hauptsächlich die Anlagen zur Erzeugung von Energie, werden in Zukunft auch verstärkt Investitionen in die Verteilung und Speicherung notwendig. Daher fördern wir – ebenfalls über das Programm "Energie vom Land" – schon heute den Ausbau von Strom-, Wärme- und Gasnetzen, wenn die daran angeschlossenen Anlagen grundsätzlich durch die Rentenbank förderfähig sind.
Die Kreditnachfrage der Landwirte bei den Erneuerbaren Energien ist – aufgrund der schwierigeren Rahmenbedingungen – im ersten Halbjahr 2013 von 853 Mio. € im Vorjahreszeitraum auf 673 Mio. € zurückgegangen. Vor allem die Nachfrage nach Darlehen für Photovoltaikanlagen ist im Vergleich zum ersten Halbjahr 2012 stark abgesackt – von 557 Mio. € auf 154 Mio. €. Die Zusagen für Biogasanlagen blieben dagegen mit 218 Mio. € auf einem stabilen, wenn auch niedrigen Niveau.

Gemäß ihrem gesetzlichen Auftrag begleitet die Rentenbank die politischen Zielsetzungen durch günstige Finanzierungsmöglichkeiten. Wir passen unsere Programme flexibel an und sorgen für eine schlanke und effiziente Abwicklung.

Eine spezielle Zielgruppe sind bei ihnen die „Biogas-Bauern“. Was können diese Energieerzeuger von der Bank erwarten?

Ein großer Teil unserer Förderkredite im Bereich Erneuerbare Energien floss in der Vergangenheit in den Bereich Biogas. Allein im Spitzenjahr 2011 vergaben wir 1,4 Mrd. € an Förderkrediten für Biogasanlagen. Von 2009 bis 2012 waren es insgesamt 3,2 Mrd. €, dies wurde nur knapp vom Bereich Photovoltaik mit 3,4 Mrd. € übertroffen.
Aktuell ist die Investitionstätigkeit auf Grund der Veränderungen des EEG und des gestiegenen Preisniveaus für landwirtschaftliche Produkte rückläufig. Derzeit setzen die Landwirte die Förderkredite vor allem für die Modernisierung bestehender Biogasanlagen ein. Sie versuchen ihre Anlagen effizienter zu nutzen und sind dabei sehr kreativ. Viele steigen beispielsweise in die Direktvermarktung von Strom ein, indem sie Biogas zwischenspeichern und zu Spitzenverbrauchszeiten verstromen. Ziel ist dabei die bedarfsgerechte Bereitstellung von Elektrizität. Biogas kann hier als regelbare (Erneuerbare) Energie dazu beitragen, die Stromversorgung in Deutschland zu stabilisieren. Dies ist im Energiemix der Zukunft eine ganz wesentliche Aufgabe und wird durch die aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen im EEG auch verstärkt honoriert. Wir unterstützen die Biogas-Bauern auf diesem Weg und passen unsere Förderprogramme laufend an die aktuellen förderpolitischen und technischen Entwicklungen an. Zusätzlich unterstützen wir noch Innovationen und Pilotprojekte in diesem Bereich.

Seit 2012 läuft das Förderangebot für "Bürger- und Bauernwindparks". Wie wurde dieses Projekt angenommen?

Die Nachfrage nach Windkraftfinanzierungen ist im ersten Halbjahr 2013 besonders stark angestiegen. Hierfür sagte die Rentenbank 293 Mio. € zu – im gleichen Zeitraum des Vorjahrs waren es nur 59 Mio. €. Wir finanzieren hier allerdings vorwiegend unsere landwirtschaftliche Kernzielgruppe, so dass aus unseren Zahlen keine unmittelbaren Rückschlüsse auf den Gesamtmarkt gezogen werden können. Aber sie spiegeln natürlich wider, dass sich die Windenergie in Deutschland insgesamt auf einem stabilen Wachstumspfad befindet.
Unser 2012 neu aufgelegtes Förderangebot für "Bürger- und Bauernwindparks" wurde in den letzten Monaten sehr gut angenommen. Bei diesem Programm finanzieren wir über unsere klassische landwirtschaftliche Zielgruppe hinaus auch Windparks, an denen die Bürger vor Ort beteiligt sind. Die finanzielle Beteiligung der Bürger steigert die Akzeptanz der Projekte und die Wertschöpfung verbleibt in der Region. Vorbild waren hier viele erfolgreiche Projekte insbesondere in Schleswig-Holstein. Von der langjährigen Erfahrung der Pioniere der Energiewende konnten wir einiges lernen. Ob das Konzept der Bürgerbeteiligung auch den Netzausbau voranbringt, bleibt abzuwarten.

Neben der Investitionsförderung versuchen sie als zweiten Förderansatz auch Innovationen in der Branche voranzubringen. Wie muss man das verstehen?

Innovationen und technischer Fortschritt sind für die Landwirtschaft von enormer Bedeutung, sowohl wenn es um Effizienzsteigerung als auch um verbesserte Umweltverträglichkeit geht. Das gilt beispielsweise für Stallbauten aber auch für Erneuerbare Energien. Wir sehen unseren Förderschwerpunkt weniger in der Grundlagenforschung sondern vielmehr an der Schnittstelle zur Praxis. Aus diesem Grund fördern wir etwa im Bereich Photovoltaik die Forschung nicht. Anders ist die Situation bei Biogas. Hier können durch intelligente Anlagenkonzepte und technische Kniffe auch von Landwirten in der Praxis erhebliche Fortschritte erzielt werden. Aus Mitteln des Zweckvermögens des Bundes können wir hier für besonders innovative Projekte zinsgünstige Darlehen oder auch Zuschüsse vergeben. Ziel ist es zum Beispiel, die Effizienz der Biogasanlagen zu verbessern oder die Substratbasis zu verbreitern.
Zudem unterstützen wir den Biogas-Innovationspreis der Deutschen Landwirtschaft. Er fördert vor allem Projekte, die den Wissenstransfer in die Praxis beschleunigen. Prämiert werden Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft, die pfiffige Ideen und Konzepte entwickeln und realisieren.

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