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Über dieses Buch

Arbeit und Produktion sind im 21. Jahrhundert immer stärker grenzüberschreitend vernetzt. Dies galt aber bisher nicht in gleichem Maße für die Regulierung der Arbeits-, Beschäftigungs- und Partizipationsbedingungen der erwerbstätigen Menschen. Nationale Mechanismen und Institutionen dominieren immer noch die Festlegung etwa von Bezahlung, Arbeitszeit, Arbeitsschutz und Beteiligung der Beschäftigten.

Das Buch behandelt die Regulierung von Erwerbsbedingungen in ihren verschiedenen Dimensionen in einer international vergleichenden Perspektive und vor dem Hintergrund zunehmender Globalisierung und Transnationalisierung von Wertschöpfungsketten. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich dabei eine Vielfalt von grenzüberschreitenden Formen der Regulierung z.B. von Mindeststandards für Arbeit und von Verhaltensregeln für internationale Konzerne. Es wird gezeigt, wie eine transnationale Netzwerktextur der Erwerbsregulierung entsteht, die internationale Organisationen, staatliche Akteure, Nicht-Regierungsorganisationen, globale Konzerne, Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretungen einbezieht. Der ‚globalisierte Kapitalismus‘ agiert zwar grenzüberschreitend, aber nicht ungebändigt.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Die gesellschaftliche Bedeutung der Erwerbsregulierung

Zusammenfassung
Fast alle Menschen verbringen den Großteil ihres wachen Lebens mit Erwerbsarbeit. Die Bedingungen, unter denen sie erwerbstätig sind (z. B. Lohnhöhe, Arbeitszeit, Urlaub), werden durch Gesetze, Tarifverträge, betriebliche Bestimmungen oder auch nur durch individuell-vertragliche Abmachungen festgelegt. Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts wurden diese Bedingungen von Erwerbsarbeit überwiegend in den Grenzen von Nationalstaaten reguliert.
Ludger Pries

Kapitel 2. Zur Gesellschaftlichen Einbettung von Erwerbsarbeit

Zusammenfassung
Das Thema der Erwerbsregulierung umfasst generell die formellen und informellen Regeln sowie die realen Praktiken und Mechanismen der bewussten und expliziten, interessen- und machtdurchtränkten, individuellen und kollektiven Festlegung, Kontrolle und Weiterentwicklung der materialen Normen und prozeduralen Regeln, unter denen Menschen beschäftigt werden (Beschäftigungsbedingungen), ihre Arbeit konkret verrichten (Arbeitsbedingungen) und am Arbeits- und Produktionsprozess beteiligt sind (Partizipationsbedingungen). Damit nimmt die Sozialwissenschaft der Erwerbsregulierung Theorie- und Forschungslinien aus verschiedenen Einzeldisziplinen und Themenfeldern auf. Die klassische Industrielle-Beziehungs-Forschung war vor allem auf die organisierten Interessenaushandlungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden im Rahmen staatlicher Rahmenordnungen fokussiert und konzentrierte sich auf die Untersuchung formalisierter und größtenteils industrieller Normalarbeit in hochindustrialisierten Ländern.
Ludger Pries

Kapitel 3. Begriffe und Theorien der Erwerbsregulierung

Zusammenfassung
Während die Perspektive der Erwerbsstrukturierung und ihrer sozialen Institutionen auf das generelle gesellschaftliche Kräftefeld ausgerichtet ist, in dem und durch das Arbeit und Beschäftigung wesentlich geprägt werden, liegt der Fokus der Erwerbsregulierung auf der bewussten und expliziten, interessen- und machtdurchtränkten, individuellen und kollektiven Aushandlung, Festlegung und Kontrolle materialer Normen und prozeduraler Regeln der Arbeits-, Beschäftigungs- und Partizipationsbedingungen. Ein Teil dieses Gegenstandsbereiches wird traditionell mit Begriffen wie Industrielle Beziehungen, Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen, Arbeitsbeziehungen oder industrielle Arbeitsbeziehungen bezeichnet. Insgesamt besteht dabei eine große Definitionsbreite bis hin zur Begriffsbeliebigkeit sowohl in allgemeinen Nachschlagewerken als auch in spezialisierten Einführungs- oder Überblickswerken vor.
Ludger Pries

Kapitel 4. Erwerbsregulierung in vergleichender Perspektive

Zusammenfassung
Nach der generellen Abgrenzung und Bestimmung des Forschungsfeldes der Erwerbsregulierung im vorhergehenden Kapitel, konzentrieren sich die folgenden Ausführungen nun auf die Erörterung abhängiger Erwerbsarbeit in einer international vergleichenden Perspektive. Im Kap. 2 wurden die allgemeinen sozialen Institutionen vorgestellt, die abhängige und selbstständige Erwerbsarbeit insgesamt strukturieren. Diese Institutionen wirken auf einzelne Akteure, auf Akteursgruppen sowie auf kollektive und korporative Akteure insgesamt wie ein Kräftefeld unterschiedlicher Handlungsressourcen, dominanter Handlungsnormen, hauptsächlicher Kommunikationsmedien und spezifischer Handlungssituationen bzw. -settings.
Ludger Pries

Kapitel 5. Regime der Erwerbsregulierung in ausgewählten Ländern

Zusammenfassung
Es gibt Regionen und Kontinente, deren Regime der Erwerbsregulierung wissenschaftlich vergleichsweise gut dokumentiert sind. Hierzu zählt in erster Linie die Europäische Union, die in den letzten zwei Jahrzehnten ein beispielloses System transparenter und der interessierten Öffentlichkeit leicht zugänglichen Information über die Arbeits-, Beschäftigungs- und Partizipationsbedingungen in den Mitgliedsländern aufgebaut hat. Vor allem das von der Europäischen Stiftung für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen betreute European Industrial Relations Observatory, das vom Europäischen Gewerkschaftsbund betriebene Forschungsinstitut ETUI sowie die von der Europäischen Union, besonders der General-Direktion Employment, Social Affairs and Equal Opportunities veröffentlichten Dokumente, können hierzu gezählt werden.
Ludger Pries

Kapitel 6. Divergenz, Konvergenz und/oder Internationalisierung

Zusammenfassung
Die im vorangegangenen Kapitel dargestellten Regimes von Erwerbsregulierung in der VR China und in Indien haben deutlich gemacht, dass für solche international vergleichenden Betrachtungen tatsächlich ein ausdifferenziertes Beobachtungsinstrument notwendig ist, wie es hier in den Kap. 3 und 4 vorgestellt wurde. Trotz der langen britischen Kolonialzeit hat das indische Regime der Erwerbsregulierung nur wenig mit dem angelsächsischen Modell von ‚industriellen Beziehungen‘ zu tun, wie sie einen Teil der klassischen Forschung zur Erwerbsregulierung bestimmt haben. Beide Länderskizzen konnten auch die Notwendigkeit verdeutlichen, zwischen den formalisierten Strukturen und Normen einerseits und den tatsächlichen Prozessen der Aushandlung, Festlegung und Kontrolle von Arbeits-, Beschäftigungs- und Partizipationsbedingungen andererseits zu unterscheiden und nicht die formalen Normenstruktur mit der sozialen Wirklichkeit zu verwechseln.
Ludger Pries

Kapitel 7. Globale und internationale Erwerbsregulierung

Zusammenfassung
In den vorangegangenen Kapiteln wurde gezeigt, dass Erwerbsarbeit in ihren spezifischen Formen nach Ländern jeweils sehr unterschiedlich gestaltet ist und reguliert wird. Die besondere Ausgestaltung der Arbeits-, Beschäftigungs- und Partizipationsbedingungen wird also offensichtlich weder von der Wirtschaft, noch von der Technologie oder der Unternehmensorganisation einseitig festgelegt. Diese Ausformung der Erwerbsarbeit kann nicht durch ökonomischen, technischen oder organisatorischen Determinismus erklärt werden.
Ludger Pries

Kapitel 8. Erwerbsregulierung in der Europäischen Union

Zusammenfassung
Das im Hinblick auf grenzüberschreitende Kooperation – und auch auf grenzüberschreitende Erwerbsregulierung – anspruchsvollste und weitreichendste Projekt ist ohne Zweifel die Europäische Union (vgl. http://​europa.​eu). Seit den 1970er Jahren hat sich das Verständnis der Europäischen Union trotz aller politisch-konjunkturellen Schwankungen im Einzelnen immer stärker von einer reinen Wirtschafts- und Währungsunion hin zu einem integrierten wirtschaftlichen, politischen, sozialen und kulturellen Gesamtkonzept gewandelt. Hierzu gehörte schon recht früh die Idee der Freizügigkeit nicht nur von Waren und Kapital, sondern auch von Menschen innerhalb der Grenzen der EU.
Ludger Pries

Kapitel 9. Konzernbezogene Erklärungen, Vertretungen und Abkommen

Zusammenfassung
In den zwei vorhergehenden Kap. 7 und 8 wurden Regulierungstypen vorgestellt, die auf der globalen, auf der internationalen und auf der supranationalen Ebene vor allem auf der Basis und mithilfe völkerrechtlich bindender Verträge und Bestimmungen operieren. Dabei zeigte sich, dass die von der ILO entwickelten Kernarbeitsnormen einen quasi weltweit gültigen, menschenrechtsähnlichen Mindeststandard für Arbeits-, Beschäftigungs- und Partizipationsbedingungen definieren. Auch wenn formalrechtlich noch nicht von allen Nationalstaaten der Welt ratifiziert, ist die Legitimitätsgeltung dieser Mindeststandards doch global.
Ludger Pries

Kapitel 10. Zertifizierungen, Monitoring und Kampagnen

Zusammenfassung
In den bisherigen Kapiteln wurden verschiedenste Formen der Erwerbsregulierung behandelt, die über die Grenzen nationalstaatlicher Bestimmungen und Mechanismen hinausweisen. Dabei spielten die Konventionen der ILO und speziell die Kernarbeitsnormen als normativer und globaler Referenzpunkt eine besondere Rolle. Sie haben inzwischen Eingang in vielfältige internationale Verträge, in freiwillige Absichtserklärung von Unternehmen und auch in die zuvor behandelten IFAs gefunden.
Ludger Pries

Kapitel 11. Entstehende supra- und transnationale Governance

Zusammenfassung
In den vorangegangenen Abschnitten wurden verschiedene Typen der grenzüberschreitenden Erwerbsregulierung vorgestellt. Dabei zeigte sich, dass Fragen der Arbeits-, Beschäftigungs- und Partizipationsbedingungen auf der Ebene der UN und der internationalen Organisationen gerade seit dem neuen Jahrhundert zunehmend Eingang gefunden haben. In der Europäischen Union besteht eine besonders engmaschige Textur von inter- und supranationalen formellen Normen und Einrichtungen sowie transnationalen Netzwerkbeziehungen und Organisationen wie z. B. den Euro-Betriebsräten.
Ludger Pries

Kapitel 12. Perspektiven internationaler Erwerbsregulierung

Zusammenfassung
Die vergangenen Jahrzehnte waren nicht nur von ökonomischer Globalisierung bestimmt, es lässt sich auch eine beachtliche soziale und politische Globalisierung nachzeichnen. Für den Bereich der Aushandlung, Festlegung und Kontrolle von Arbeits-, Beschäftigungs- und Partizipationsbedingungen wurde in den vorangegangenen Kapiteln eine Vielzahl von grenzüberschreitenden Mechanismen der Erwerbsregulierung aufgezeigt. Diese Typen internationaler Erwerbsregulierung werden in der wissenschaftlichen Debatte und auch von den entsprechenden kollektiven und korporativen Akteuren, wie z. B. staatlichen Organen und Fachgremien, Gewerkschaften, Unternehmen und NGOs, häufig als einzelne betrachtet und bearbeitet.
Ludger Pries

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