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28.03.2023 | ETF | Kolumne | Online-Artikel

Privatanleger erleiden mit ETFs oft Schiffbruch

verfasst von: Michael Fuchs

3 Min. Lesedauer

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Börsengehandelte Fonds, kurz ETFs, gelten als optimale Möglichkeit, einfach und preiswert an den Finanzmärkten zu investieren. Doch Studien zeigen, dass die Anlageerfolge von Privatanlegern überschaubar sind. Haben die Indexfonds ihren guten Ruf nicht verdient?

Börsengehandelte Fonds haben in den vergangenen Jahren einen regelrechten Boom erlebt. Als günstige Alternative zu aktiven Fonds erfreuen sie sich großer Beliebtheit. Fachpublikationen werden nicht müde, die Anlage zur propagieren - möglichst einfach mit wenigen Fonds. Soweit die Theorie. Doch wie schlagen sich ETF-Anlagen in der Praxis? "Dort konnten wir beobachten, dass Privatanleger häufig naive, ineffiziente ETF-Depots zusammenstellen, die ein schlechtes Rendite-Risiko-Verhältnis aufweisen", betont Andree Breuer, Chef der Honrarberatung Honoris Finance. 

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In diesem Kapitel werden verhaltensökonomische Prinzipien auf das Anlegerverhalten und speziell den Aktienmarkt angewendet, was wiederum in zahlreichen Tipps mündet – viele der Erkenntnisse von André Kostolany gelten auch heute noch. Schlechte Beratungsleistungen in Banken werden dabei ebenso thematisiert wie die Schwierigkeit, Börsenentwicklungen vorherzusagen, die vielfach vom Marktgeschehen losgelöst sind: Am Aktienmarkt muss man ein gewisses Maß an Irrationalität voraussetzen. Anleger unterliegen gewöhnlich einer Risikoaversion, was neben der Verlustaversion und Desaster-Myopie (die Erinnerung an einige Aktienmarktkrisen der Vergangenheit) immer schon dazu führt, dass die Chancen von Unternehmensanteilen nicht ausreichend genutzt werden.

Fehlendes Know-how schmälert die Rendite

Der Finanzexperte verweist auf Untersuchungen von über 7.700 Depots im Rahmen von Studien. Danach habe der ETF-Anteil der Privatanleger-Portfolios zwischen 2005 und 2010 eine negative Rendite von 0,55 Prozent jährlich eingefahren - und damit noch schlechter abgeschnitten als die enthaltenen aktiven Fonds. "Selbst der MSCI World Index hat in diesem Zeitraum einen Verlust von minus 0,08 Prozent per anno erzielt", so Breuer. Mit einer besseren ETF-Auswahl oder einem effizienten vermögensverwaltenden Portfolio wäre dagegen eine deutlich positive Rendite möglich gewesen. 

Der Experte sieht die tieferen Gründe für die falschen Anlageentscheidungen an fehlendem Fachwissen und Mängeln bei der Risikostreuung. Hinzu kommen die bekannten Faktoren Angst und Gier, die immer wieder zu groben Fehlern führten. Der Finanzberater fügt hinzu, dass dadurch Renditen von ein bis drei Prozent jährlich verloren gehen.

Doch sprechen diese Argumente gegen selbstverwaltete, einfach strukturierte Portfolios? Fragen wirft zunächst der Untersuchungszeitraum auf: Die Zeitspanne von 2000 bis 2010 war für den MSCI World Index, den zahlreiche ETFs wegen seiner Eigenschaft als Weltaktienindex abbilden, schwierig. Am Ende des Jahrzehnts hatte der Index nichts gewonnen. Noch schlechter sieht die Bilanz für den Zeitraum von 2005 bis 2010 aus, in den die Finanzkrise fällt. 

MSCI World Index startete ab 2010 durch

Erst von 2010 bis 2020 startete der Index durch und schaffte bis zum Corona-Einbruch vor drei Jahren mehr als eine Verdoppelung. Aktuell liegen börsengehandelte Fonds, die den MSCI World abbilden, trotz Ukraine-Krieg und massiv gestiegener Zinsen über Vor-Corona-Niveau. Anleger, die vor über zehn Jahren einfach in einen ETF auf den Weltaktienindex investiert haben, dürfen sich also über deutlich Zuwächse freuen. 

Damit soll nicht geleugnet werden, dass ausgefeiltere, effiziente Portfolio-Konstruktionen noch bessere Ergebnisse gebracht hätten. Tatsache ist aber auch, dass ETFs auf den MSCI World in den vergangenen zehn Jahren zahlreiche aktiv gemanagte Fonds mit weltweitem Anlagehorizont abgehängt haben. Ebenso wie Robo Advisor, die auf simple Modelle mit dem zwei bis drei ETFs und Konzentration auf den MSCI World setzen, viele ihrer wesentlich komplexer aufgebauten Konkurrenz auf Sicht der letzten fünf Jahre - viel länger gibt es die meisten Angebote noch nicht - hinter sich lassen. Dies alles unter der Vorsetzung, dass Anleger nicht ihren Emotionen nachgegeben und an den einmal gekauften Positionen festgehalten haben. 

Nichts tun, ist die schlechteste Lösung

Ob es sich lohnt, für die Investition in ETFs einen professionellen Coach zu engagieren, muss daher jeder Anleger selbst entscheiden. Den möglicherweise höheren Renditen steht ein größerer Aufwand gegenüber. Letztlich verhält es sich mit der Geldanlage wie mit der Leibesertüchtigung: Ob man sich mit Radfahren und Laufen fit hält oder auf einen Trainer vertraut, ist eine Frage des Geschmacks und des Geldbeutels. Nur gar nichts zu tun, ist immer die schlechteste Lösung - egal, ob man das Ersparte auf dem Konto liegen lässt oder das Sofa körperlicher Betätigung vorzieht. 

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