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Über dieses Buch

Die Ingenieurwissenschaften tragen wesentlich zur Gestaltung unserer Zukunft bei. Umso mehr überrascht es, dass ethische Fragen in ingenieurwissenschaftliche Curricula kaum einfließen. Auch praktizierenden Ingenieurinnen und Ingenieuren bleibt die Thematik zumeist fremd. In dieser Edition wird der ethische Anspruch der Ingenieurwissenschaften historisch aufgearbeitet, neu definiert und an aktuellen Beispielen wie dem Dieselskandal, der Klimakrise, den Suchmaschinen und sozialen Netzwerken, der künstlichen Intelligenz und der Covid19-Pandemie verdeutlicht. Dabei sollen sowohl Studierende als auch Praktizierende der Ingenieurwissenschaften angesprochen werden

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Historischer Rückblick

Frontmatter

Kapitel 1. Menschheitsverbrechen und Berufsalltag. J. A. Topf & Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz

Zusammenfassung
Das historische Beispiel der Firma J.A. Topf & Söhne und einzelner Beteiligter im Unternehmen zeigt, wie eng berufliches Handeln mit dem nationalsozialistischen Menschheitsverbrechen des Holocaust verbunden sein konnte. Dass die Firma sechs Konzentrationslager mit Verbrennungsöfen ausstattete und für das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau die Be- und Entlüftungstechnik für die unterirdischen Gaskammern zur Verfügung stellte, war keine Zwangsläufigkeit, sondern beruhte auf den Entscheidungen einzelner Beteiligter.
Annegret Schüle

Kapitel 2. Raketenrüstung und KZ-Zwangsarbeit: Ingenieure und Wissenschaftler als Akteure im Betrieb des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora

Zusammenfassung
Dieser Beitrag beleuchtet die Rolle der Wissenschaftler, Techniker und Ingenieure beim Aufbau und Betrieb des Konzentrationslages Mittelbau-Dora bei Nordhausen, Thüringen. Dabei liegt der Fokus auf dem Einsatz von KZ-Häftlingen bei der Untertageverlagerung der Rüstungsproduktion sowie in der Montage der Raketenwaffen.
Regine Heubaum

Kapitel 3. Dürfen wir (immer, alles), was wir können? Für eine Diskursethik der Ingenieurwissenschaften

Zusammenfassung
Die Zukunft der Industriegesellschaften hängt nicht zuletzt auch von den technischen Entwicklungen in den Ingenieur- und Technikwissenschaften ab. Die ihnen daraus erwachsende soziale und ethische Verantwortung wird freilich fachintern nicht systematisch reflektiert. In ingenieur- bzw. technikwissenschaftlichen Curricula werden ethische Fragen kaum aufgeworfen, geschweige denn beantwortet. Wohin wird uns die Entwicklung des technisch Machbaren führen, wenn es den verantwortlich handelnden Ingenieurwissenschaftlern an ethischem Grundverständnis mangelt? Anlässlich der Erinnerung an ethisches Fehlverhalten verantwortlicher Ingenieure im Dritten Reich sucht der Beitrag (mit Blick auf einschlägige Berufscodices) den Bedarf einer Angewandten Ethik für Ingenieure, Techniker und Naturwissenschaftler durch eine begriffshistorische und -systematische Explikation des Ethikdiskurses in der Klassischen Rhetorik und Philosophiegeschichte zu untermauern, wobei er unter dem Eindruck der aktuellen Entwicklung in der digitalisierten Mediengesellschaft und des Zusammenhangs von Ethos (ἦθος) und Sprache für einen diskursethischen Ansatz plädiert und diesen für die genannten Anwendungsfelder fruchtbar zu machen sucht. Vor dem in kritischer Auseinandersetzung mit den Diskussionen in der Technikfolgenforschung exponierten Hintergrund erinnert der Beitrag zum Ausklang und zur Anregung eigener Lektüre an klassische Beispiele literarischer Problematisierung ethischer Dilemmata bei technischen Problemlösungen.
Ernest W. B. Hess-Lüttich

Begriffe und Meinungen

Frontmatter

Kapitel 4. Studierende definieren eine Ethik in den Ingenieurwissenschaften: Eine Umfrage

Zusammenfassung
In diesem Beitrag wird eine Umfrage zum Bild der Ingenieure und Ingenieurinnen aus der Perspektive der Studierenden der Ingenieurwissenschaften vorgestellt. Dazu wird auch auf die vielfältigen Herausforderungen und Verantwortlichkeiten des Ingenieurberufs eingegangen. Besonderes Augenmerk wird der Frage der Ethik in den Ingenieurwissenschaften geschenkt. Dabei werden in erster Linie Fragen zum ethischen Selbstverständnis des Ingenieurs und zur praktischen Anwendung ethischer Grundsätze in der Ingenieurpraxis diskutiert.
Uta Breuer, Dieter D. Genske, Marcel Kandler

Kapitel 5. Ethik-Codices in den Ingenieurwissenschaften: Beispiele und Systematisierung

Zusammenfassung
Im folgenden Beitrag wird zunächst die Frage aufgeworfen, ob sich ein Ingenieur/eine Ingenieurin zu ethischen Fragestellungen äußern sollte. Darauf aufbauend wird erläutert, wie Ethik-Codices in den Ingenieurwissenschaften historisch entstanden sind und von welchen Leitsätzen sie zunächst inspiriert wurden. Anschließend wird der Ethik-Codex des Vereins Deutscher Ingenieure analysiert. Abschließend wird auf Ethikkommissionen und die Zukunft der Ethik-Codices eingegangen.
Dieter D. Genske

Fallbeispiele und Belege

Frontmatter

Kapitel 6. Bioethik: Gaspedal oder Bremse einer nachhaltigen Entwicklung?

Zusammenfassung
Der Beitrag thematisiert das aktuelle Gebiet der Bioethik und fokussiert dabei auf die Technik des Gen Editings.
Uta Breuer

Kapitel 7. Ethische Fragen der Informatikausbildung

Zusammenfassung
Die Autoren analysieren die Spezifik der Arbeit von Informatikern und verweisen auf die besondere Verantwortung für die Produkte ihrer Tätigkeit – vom Computerprogramm bis zur Entscheidung, welcher Automat wann zum Einsatz kommt und wo Menschen nicht durch Roboter ersetzt werden sollten. Ausgehend von langjährigen Erfahrungen u. a. an den Fachhochschulen Erfurt und Nordhausen leiten sie Vorschläge ab, wie die studentische Ausbildung dazu beitragen kann, dieser Verantwortung besser gerecht zu werden. Darüber hinaus wird betont, dass der dafür erforderliche Rahmen in Form von Regeln und Standards usw. von der Gesellschaft insgesamt geschaffen werden muss, einschließlich der Politik.
Jürgen Löffelholz, Frank-Michael Dittes

Chapter 8. Nichts zu verbergen? Suchmaschinen und Soziale Netzwerke unter ethischen Gesichtspunkten

Zusammenfassung
Die folgende Untersuchung konzentriert sich zunächst auf den Aspekt der Privatheit, der große Auswirkungen sowohl auf die individuelle Entwicklung als auch auf das soziale Zusammenleben und die politischen Strukturen hat. Im Anschluss werden Geschäftsmodelle und Praktiken von Suchmaschinen und Sozialen Netzwerken am Beispiel von Google und Facebook dargestellt. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Frage, in welchem Maße die Praktiken dieser Unternehmen mit dem Recht auf Privatheit kollidieren. Auf der Grundlage der dabei gewonnenen Einsichten werden schließlich Überlegungen angestellt, welche Maßnahmen sich zur Entschärfung bestehender Gefahren anbieten.
Hermann Rösch

Chapter 9. Die Ethik der Datenströme: Technische Entwicklung und resultierende soziale, pädagogische und gesellschaftliche Fragestellungen

Zusammenfasung
In diesem Beitrag werden ethische Fragestellungen auf der Grundlage der technischen Entwicklungen insbesondere im Bereich der Robotik und der künstlichen Intelligenz hergeleitet. Nach einem kurzen Überblick über aktuelle Medienmeldungen zur Anwendung künstlicher Intelligenz und der Systematisierung ihrer Formen bis hin zu technischen Systemen, die Körperfunktionen übernehmen (Cyborgs), wird das Verhältnis zwischen Menschen und Maschine näher beleuchtet. Die Wahrnehmung der Maschine als menschliches Hilfsmittel wird der ethischen Dimension einer dem Menschen gleichwertigen, selbstlernenden Maschine gegenübergestellt, um dann die Frage zu stellen, ob eine solche, selbstlernende Maschine eine Moral haben könnte. Darauf aufbauend werden Mechanismen der Kontrolle über diese Maschinen diskutiert und auch die Frage, inwieweit ihre Nutzung negative Auswirkung auf die Entwicklung und Leistungsfähigkeit der Menschen haben könnte. Abschließend werden die gesellschaftlichen Auswirkungen der Digitalisierung der Wirtschaftswelt ausgelotet und kritisch reflektiert.
Claudia Spindler

Kapitel 10. Der Dieselskandal

Zusammenfassung
Im folgenden Artikel soll die Frage diskutiert werden, ob ethische Regeln eine geeignete Handlungsempfehlung im Dieselskandal gewesen wären. Dazu wird erst ein kurzer Überblick über Schadstoffe und die Schadstoffentstehung gegeben und dann werden die Möglichkeiten zur Abgasreinigung erläutert. Anschließend wird die regulatorische Seite der Emissionsmessung bei der Typzulassung von Kraftfahrzeugen beleuchtet und ein Fazit gezogen.
Thomas Link

Kapitel 11. Grenzenlos mobil? Eine ethische Betrachtung unseres Verkehrs- und Mobilitätssystems

Zusammenfassung
Der Beitrag beleuchtet anhand der drei ethischen Leitlinien Gewährleistung von individueller Freiheit (1), Gerechtigkeit (2) sowie Umweltverträglichkeit und Ressourceneffizienz (3) unser Mobilitäts- und Verkehrssystem. Nach einer Einführung in die Problematik und der Definition zentraler Begrifflichkeiten zeigt der Beitrag die Herausforderungen auf mit denen eine mobile Gesellschaft konfrontiert ist. Der Beitrag dokumentiert dabei die Dilemmata zwischen individueller Bedürfnisbefriedigung und gesellschaftlichen Kosten. Abschließend wird kritisch diskutiert inwieweit individuelles ethisches Handeln zur Lösung verkehrs- wie gesellschaftspolitscher Probleme beitragen kann oder ob es vielmehr nationale oder gar supranationale Lösungen braucht.
Matthias Gather, Claudia Hille

Kapitel 12. Gibt es eine ethische Stadtplanung?

Zusammenfassung
Der Beitrag beleuchtet ethische Fragen in der Bautechnik und Architektur. Nach einem historischen Rückblick werden die aktuellen Ansprüche an Wohngebäude vorgestellt, insbesondere der zunehmende Raumbedarf. Vor diesem Hintergrund werden Zielstellungen und Entscheidungen zu Neu- und Umbaumaßnahmen diskutiert und problematisiert, insbesondere mit Blick auf die Dimensionen der Nachhaltigkeit und das Problem der Gentrifizierung. Darauf aufbauend werden sieben Kriterien des nachhaltigen Bauens postuliert. Nach einem Blick auf das autochthone Bauen und möglichen Lowtech-Strategien schließ der Beitrag mit der Forderung, ethische Ansprüche bereits in der Planung von Neu- und Umbaumaßnahmen zu berücksichtigen.
Christoph Breuer

Kapitel 13. Tag Null am Kap der Guten Hoffnung. Eine Wasserkrise als technische Herausforderung und sozialethische Aufgabe

Zusammenfassung
Der folgende Beitrag widmet sich der berüchtigten Wasserversorgungskrise in Kapstadt 2018. Nach einem kursorischen Rückblick auf die historische Entwicklung der Wasserversorgung seit der ersten holländischen Siedlung am Kap der Guten Hoffnung wird zunächst das Ausmaß der Katastrophe beschrieben, dann deren Kommentierung in den Medien analysiert und die Rolle der an der Krisenplanung beteiligten Fachdisziplinen diskutiert. Schließlich wird die Zukunftsplanung vorgestellt und danach gefragt, inwieweit die vorgeschlagenen Lösungen ethisch vertretbar sind. Daraus werden abschließend drei Thesen zum ethischen Verhalten von Ingenieuren in Krisensituationen abgeleitet.
Dieter D. Genske, Ernest W. B. Hess-Lüttich

Chapter 14. Ethik in der Abfallwirtschaft

Zusammenfassung
In diesem Beitrag wird die Abfallwirtschaft aus ethischer Perspektive betrachtet. Nach einer grundsätzlichen Reflexion zu Umwelt- und Wirtschaftsethik, sowie einer Kurzbeschreibung der Grundlagen der Abfall und Kreislaufwirtschaft werden die ökonomischen Dimensionen der Abfallwirtschaft ausgelotet. In diesem Rahmen wird die Abfallwirtschaftshierarchie von der Abfallvermeidung über die Wiederverwendung, das Recycling, die energetische Verwertung, die Verfüllung bis hin zur endgültigen Entsorgung beschrieben. Ausgehend von Beispielen des Fehlverhaltens beim Umgang mit der Ressource „Abfall“ wird die Rolle der Ethik in der Abfallwirtschaft diskutiert. Schließlich werden Wege aufgezeigt, wie eine „Wertstoffwende“ ethisch begründet eingeleitet und umgesetzt werden kann.
Jürgen Poerschke

Kapitel 15. Eine Million Jahre Endlager: Zur Ethik technischer Ewigkeiten

Zusammenfassung
Der Beitrag umreist zunächst die Dimensionen der Zeitspanne von einer Million Jahren, dem Zeitraum der sicheren Endlagerung von radioaktiven Abfällen. Hierzu wird ein anthropologischer Rückblick gegeben und die Entwicklungsgeschichte des homo sapiens, des „denkenden Menschen“ im Vergleich zur Endlagerzeit gesetzt. Nach einem kurzen Überblick zur Technologie der Kernenergie wird auf die Entstehung und Lagerung von Kernabfällen eingegangen. Verschiedene Endlagerkonzepte werden vorgestellt, ihre Anforderungen definiert und kritisch reflektiert. Schließlich wird auf das Spannungsfeld zwischen Risiko und Ethik eingegangen, das abschließend vor dem Hintergrund der Endlagerung bewertet wird.
Dieter D. Genske

Kapitel 16. Domänen der Klimaethik, ein neuer Blick – Domains of Climate Ethics Revisited

Zusammenfassung
Die Klimaethik ist zu einem wichtigen Gebiet innerhalb der angewandten Ethik geworden. Sie ist nicht nur ein Unterthema der Umweltethik, sondern hat ihr eigenes moralisches und ethisches Profil. Mittlerweile behandelt die Klimaethik nicht mehr nur die CO2-Mitigation und Belange künftiger Generationen, sondern hat sich auf die Themen Anpassungsfinanzierung, Climate Engineering, Lastenaufteilung und Verteilungsgerechtigkeit ausgeweitet. Diese Artikel fast die jüngsten Entwicklungen auf dem Gebiet der Klimaethik zusammen und unterbreitet kohärente Maßstäbe zur Orientierung innerhalb der verschiedenen Domänen der Klimaethik.
Konrad Ott

Chapter 17. Ethik in Zeiten globaler Krisen: Die CORONA-Pandemie

Zusammefassung
Der folgende Beitrag widmet sich aus diskursethischem Interesse der Berichterstattung über die aktuelle Corona-Pandemie und bettet sie in den größeren Zusammenhang der Krisenkommunikation ein. Im Anschluss an die derzeit bekannten biologisch-epidemiologischen Fakten wird erinnert an die wissenschaftliche, politische und moralische Verantwortung der Akteure in dieser globalen Ausnahmesituation, an ökonomische und ökologische Ursachen und Folgen und die Konsequenzen, die daraus für das Krisenmanagement im Falle multipler Katastrophen zu ziehen wären.
Ernest W. B. Hess-Lüttich, Uta Breuer, Dieter D. Genske

Kapitel 18. Fazit

Zusammenfassung
Sind Ingenieure nur ihrem Fach verpflichtet und sehen sie nicht die Auswirkung ihres Tuns? Die Beiträge im ersten Teil dieser Edition veranschaulichen, wie diese Einstellung historisch in die Katastrophe führte. Ingenieure streben in erster Linie nach Wissen, die ethischen Dimensionen ihres Handelns sind ihnen oft gar nicht so sehr bewusst. Im zweiten Abschnitt wird die Diskussion zu Meinungen und Kodifizierungen in der Angewandten Ethik vertieft. Die Beiträge im dritten Teil belegen, dass nach wie vor viele Ingenieurinnen und Ingenieure aus den historischen Katastrophen kaum Lehren für sich selbst gezogen zu haben scheinen. Ingenieurinnen und Ingenieure haben vielfältige Aufgaben und Pflichten – aber auch die Freiheit und die Verantwortung, die sie nutzen können und sollten, um auf ethisches Fehlverhalten hinzuweisen.
Uta Breuer, Dieter D. Genske

Kapitel 19. Epilog: Zur Ethik der Wissenschaftsfreiheit

Zusammenfassung
Hochschulen sind ein bemerkenswertes Relikt. Trotz zunehmenden ökonomischen Drucks, trotz zahlreicher mit öffentlichen Mitteln gepäppelter privater Hochschulen, konnte sich die deutsche Hochschullandschaft bisher einer Privatisierung und damit einer unmittelbaren Verwertungslogik entziehen. Dies ist angesichts der Rigidität, mit der andere Bereiche der öffentlichen Daseinsvorsorge ─ Trinkwasser- und Elektrizitätsversorgung, Post- und Telekommunikationsdienstleistungen, Mietwohnungen und Verkehrsinfrastruktur ─ in 1990er Jahren privatisiert wurden, keineswegs selbstverständlich. Die Hochschulen in Deutschland hat bisher ein kulturell tief verwurzeltes Freiheitsparadigma geschützt, das bis in das Mittelalter zurückreicht.
Viktor Wesselak

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