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Über dieses Buch

Die Unternehmung ist in weiten Kreisen der öffentlichen Meinung in eine zwielichtige Lage geraten. Sie wird für viele der Schädi­ gungen des menschlichen Lebensfeldes, die in den letzten vier Jahrzehnten eingetreten sind, verantwortlich gemacht. Der früher ausschliesslich an sie angelegte Bewährungsmassstab ihrer wirt­ schaftlichen Leistungsfähigkeit genügt nicht mehr. Im Gegensatz zur Zeit vor dem zweiten weltkrieg wird in ihr nicht mehr ein ausschliesslich ökonomisches, sondern ein sozio-ökonomisches Gebilde gesehen, dem Pflichten der Gesellschaft gegenüber auf - legt sind. Eine Eingliederung in diese zu finden, die auf Grund der Wahrneh­ mung ihres Wertes für die menschliche Gemeinschaft zur erneuten Erlangung einer anerkannten Stellung in ihr führt, erscheint für sie stets wichtiger. In ihr ist ein Kreis von Massnahmen entstan­ den, welche von diesem Ziel bestimmt werden. Sie bemüht sich, das über sie in der Oeffentlichkeit bestehende Meinungsbild durch die Gestaltung ihrer öffentlichen Beziehungen zu pflegen. Vor allem hat sich in ihr eine stets stärker zusammenhängende normative Leitungsfunktion herausgebildet, welche ihr Handlungsgefüge über­ lagert und es einem Rahmen von ihr selbst gesetzter Anforderungen unterstellt. Diese schlagen sich in Leitbildern nieder, in denen sich die Unternehmung zu bestimmten Verpflichtungen dem Staat, der Gesellschaft und ihren Mitarbeitern gegenüber bekennt, in damit übereinstimmenden Politiken, welche ihre Geschäftstätigkeit regeln, in Führungsrichtlinien, in denen die Stellung der für sie arbeitenden Menschen in ihrem Aufgabenfeld umschrieben wird und ihnen bestimmte Rechte zuerkannt werden.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Wissenschaftstheoretische Grundlagen der Unternehmungsethik

Zusammenfassung
Seit der griechischen Antike und somit während zweieinhalb Jahrtausenden wurde in der Erarbeitung und Beurteilung von Lösungen für die erheblichen Lebensprobleme des Menschen eine Aufgabe der Wissenschaft gesehen. Im Jahre 1904 hat Max Weber in seinem berühmt gewordenen programmatischen Aufsatz aufgewiesen, dass Aussagen dieser Art Werturteile zugrunde liegen, die dem Glauben und den Gefühlen des Einzelnen entspringen und nicht empirisch bewiesen werden können. Er stellte daher die Forderungen auf, die Sozialwissenschaft habe sich auf die Darlegung ihrer Wirkungen zu beschränken und auf ihre Setzung zu verzichten. Dieses Postulat der Werturteilsfreiheit wurde in der Folge geradezu zu einem Paradigma sozialwissenschaftlicher Forschung. Es führte zu einer Verkürzung der wissenschaftlichen Sicht auf die instrumentelle Zweckmässigkeit. Den aus ihrem Bereich verbannten Fragen der Gestaltung sozialer Gefüge kommt in der Gegenwart eine besonders èrhebliche Bedeutung zu. Es stellt sich daher die Frage, ob und wie in den Sozialwissenschaften über Sollensaussagen und Werte Erkenntnisse gewonnen werden können. Im vorliegenden Aufsatz werden die hierfür gebildeten Ansätze einer Betrachtung unterzogen.
Charles Lattmann

2. Plädoyer für eine Management-Ethik

Zusammenfassung
In der Praxis des Managements wird Ethik zunehmend erheblicher. Wird die Führung zweckorientierter sozialer Organisationen als Ausgangspunkt einer (anwendungsorientierten) Betriebswirtschaftslehre aufgefasst, so hat sich diese auch mit Ethik auseinanderzusetzen. Trotz weiterreichender Ähnlichkeit zwischen “Ethik” und “Management” ergeben sich für die unter anwendungsorientierter Sicht zu fordernde Integration von Management und Ethik aber einige Schwierigkeiten.
Management-ethische Reflexion bedingt fundiertes Fakten- und Methodenwissen sowohl aus den Bereichen der Ethik wie der Betriebswirtschaftslehre. Aus der speziellen “Natur” von Management-Problemen in arbeitsteiligen Organisationen wird für eine eigenständige Management-Ethik plädiert, worin eine bedenkenlose Uebertragung allgemein-ethischer und/oder sozial- und wirtschafts-ethischer Prinzipien nicht möglich ist. Aus Management-Sicht ergibt sich andererseits das Erfordernis der praktischen Umsetzbarkeit. Hierin zeigen sich Unterschiede zwischen verschiedenen Ansätzen zu einer Management-Ethik.
Bruno Staffelbach

3. Ethik und Unternehmungsführung aus der Sicht der katholischen Soziallehre

Zusammenfassung
Die katholische Soziallehre ist die Lehre der katholischen Kirche vom Menschen als einem Gemeinschaftwesen und den damit gegebenen verschiedenen Gemeinschaften und gesellschaftlichen Einrichtungen. Grundlegend sind die Prinzipien der personal verstandenen Gemeinwohlgerechtigkeit, der Solidarität und Subsidiarität.
Aus dieser Lehre folgt eine Ethik, zu der eine nach diesen drei Prinzipien gestaltete Sozialethik gehört. Innerhalb der Sozialethik beansprucht eine - ebenfalls nach diesen Prinzipien gestaltete - Wirtschaftsethik einen immer breiteren Raum.
Zu den wichtigsten und dringlichsten Aufgaben einer solchen Wirtschaftsethik gehört die Ethik der Unternehmungsführung, die auch eine Ethik der Unternehmungsleitung und der unternehmerischen Menschenführung umfasst.
In all diesen Bereichen ist das christliche Menschenbild entscheidend, das die katholische Soziallehre mit der evangelischen Sozialethik teilt. Daher stimmen die katholische Soziallehre und die evangelische Sozialethik in ihren Aussagen weitgehend überein, selbst wenn sie dazu von einem unterschiedlichen Standort auf verschiedenen Wegen gelangen.
Albert Ziegler

4. Unternehmungspolitik und Ethik

Zusammenfassung
Im Zusammenhang mit der Tätigkeit wirtschaftlicher Unternehmen entstehen ethisch relevante Probleme, so z.B. hinsichtlich des Zugangs zu Gütern und Dienstleistungen, der Arbeitsbedingungen oder der Belastung der Natur. Die Beurteilung solcher ethischer Problemstellungen erfordert philosophisch oder theologisch begründete Kriterien: Solidarität, Dienst, Arbeitlichkeit und Geschöpflichkeiten werden als solche vorgestellt und dann in Handlungsgrundsätze transformiert. Die Frage aber ist, inwieweit Unternehmen, auch wenn Gutwilligkeit vorausgesetzt wird, eine Chance haben, angesichts der Konkurrenzbedingungen ethische Postulate zu verwirklichen. Unproblematisch ist dies dann, wenn ordnungspolitische oder wirtschaftliche Rahmenbedingungen ethische Postulate durchsetzen. Entfallen solche, dann hilft auch eine um ethische Dimensionen erweiterte ökonomische Theorie nicht weiter. Folgende Strategien sind, wenn auch unvollständig, als ethische Lösungsansätze denkbar:
1.
Die Strategie des aufgeklärten und verantwortlichen Eigeninteresses
 
2.
Die Strategie der konsensorientierten Unternehmenspolitik
 
3.
Die Strategie der Macht-oder Monopolstellung durch Grösse oder. Fähigkeit zur langfristigen Investitionspolitik
 
4.
Die Strategie der Kompensation ethikabhängiger ökonomischer Nachteile durch Motivation und Innovation.
 
Hans Ruh

5. Unternehmensethik — diesseits oder jenseits der betriebswirtschaftlichen Vernunft

Zusammenfassung
Zwischen der betriebswirtschaftlichen „Sachlogik“ und lebenspraktischen Wertvorstellungen scheinen heute angesichts problematischer externer Effekte (ökonomische und soziale Kosten) unternehmerischen Handelns immer schärfere Konflikte aufzutreten. Manager geraten dadurch in ein belastendes moralisches Dilemma zwischen unternehmungsinternen und -externen Ansprüchen.
Es hilft den Führungskräften in dieser Situation nichtweiter, wenn sich die Unternehmensethik nur als ausserökonomisches moralisches Korrektiv betriebswirtschaftlicher Rationalität versteht. Sie sollte vielmehr auf die ursächliche Überwindung des moralischen Dilemmas zielen: Es kommt darauf an, mehr ethischpraktische Vernunft in unser Verständnis von betriebswirtschaftlich rationaler Unternehmensführung hineinzubringen. Die gedanklichen Konsequenzen einer so ansetzenden Unternehmensethik erstrecken sich auf ein Leitbild der gesellschaftlichen Institution ‚Unternehmung‘ ebenso wie auf das professionelle Rollenverständnis des Managements.
Peter Ulrich

6. Unternehmungsführung und Ethik

Zusammenfassung
„The business of business is business“. So ist in zahlreichen amerikanischen Verlautbarungen auch heute noch zu lesen. Anders ausgedrückt: Im Erzielen von Gewinnen besteht die einzige Aufgabe der Geschäftstätigkeit. Mit dieser Maxime ist es freilich nicht zu verwechseln, wenn in der ökonomischen Wissenschaft gelegentlich unterstellt wird, die Unternehmungen seien bestrebt, ihre Reinerträge zu maximieren. Denn dabei handelt es sich nicht um eine Tatsachenbehauptung, sondern um eine heuristische Hypothese, um eine blosse Annahme also, die es erlauben soll, exakte Resultate abzuleiten.
Wie immer dem auch sei: In der Wirklichkeit der Gegenwart kommt eine real existierende Unternehmung schlechterdings nicht mehr darum herum, ihre Verantwortung gegenüber der Gesellschaft anzuerkennen, bezieht sie doch ihre Inputs aus dem gesellschaftlichen System und gibt sie doch auch ihre Outputs an dieses ab. Ebensowenig lässt sich die Mitverantwortung für den Zustand der Politik insbesondere in ihrer näheren Umgebung leugnen, hängt doch davon auch ihr eigenes Wohlergehen in nicht geringem Umfange ab. Dass die Firma eine Verantwortung gegenüber ihren Eigentümern trägt, wenn sie überleben, wachsen und sich neues Eigenkapital beschaffen will, ist von elementarer Selbstverständlichkeit. Hinzugetreten ist indessen in neuerer Zeit noch die Verantwortung gegenüber der Umwelt in ihrer ökologischen Bedeutung — denken wir nur an die Schadstoffe. So zeigt sich denn, dass die Unternehmung nur ein Subsystem innerhalb eines grösseren Ganzen darstellt.
Emil Küng

7. Die goldene Regel für Manager?

Zusammenfassung
Wie eine kürzlich erschienene empirische Untersuchung festhält, fühlen sich die Manager im Grunde genommen in ihrem Gewissen allein. Gibt es für sie eine Entscheidungsregel, eine oder die Goldene Regel, die ihnen eine ethische Orientierung gibt? Mit der Goldenen Regel ist die in vielen Kulturen und Fassungen verbreitete sittliche Grundformel der Menschheit gemeint: Behandle die andern so, wie du selbst von den andern behandelt werden willst. Im ersten Teil wird diese Regel in ihren Strukturelementen analysiert. Im zweiten Teil werden drei Thesen aufgestellt und Chancen und Grenzen diskutiert, die diese Lebensregel für Manager haben könnte.
Georges Enderle

8. Employee Value System Analysis: A New Tool for More Effective Management

Summary
Ever since the Industrial Revolution management has been searching for and experimenting with „fads“ or „panaceas“ that would enhance production and the efficiency of the labor force. Frederick Taylor was one of the first such researchers with his Scientific Management efforts, followed by the Gilbreths, Follett, and Mayo and Roethlisberger with the Hawthorne experiments. The Hawthorne experiments focused attention, for the first time, on the feelings, emotions, and intrinsic satisfiers of the working man. Management and researchers began to realize the importance of the individual employee and that each employee is different with different motivators and satisfiers. The Hawthorne research and the aftermath are appropriately credited with establishing the „employee behavior“ era of organizational theory.
Frank M. Rachel

9. Arbeit und Liebe: zur ethischen Begründung der Kooperation

Zusammenfassung
M. Hofmann, gleichermassen in Theorie und Praxis der Unternehmensführung tätig, hat von seiner wissenschaftlichen Herkunft aus der Wiener Ganzheitslehre verständlicherweise besonderen Zugang zu meta-ökonomischen Fragen und interdisziplinären Perpektiven. In der vorliegenden Arbeit versucht der Autor, die dem Menschen existentiell abverlangte Arbeitsleistung, die letztlich immer aufgrund ihrer arbeitsteiligen Natur auf Kooperation angewiesen ist, in Anwendung ethischer Dimensionen mit dem Liebesgebot in Verbindung zu bringen. Die aus der praktischen Erfahrung mit Erwartungen von Teilnehmern an Top-Management-Lehrgängen gewonnene Einsicht, dass heutzutage die Diskussion ethisch-moralischer Perspektiven in der Unternehmensführung wieder verstärkt gefordert wird, bewog den Verfasser zu einer ernsthaften Kombination des Wirtschaftshandelns, insbesondere der Managementleistung, mit der christlichen Liebeslehre. Unternehmensführung besitzt ihre Basis in der sittlichen Verantwortung.
Religion, die Rückverbindung des Menschen in die göttliche Schöpfung, ist Ausdruck, aber auch Notwendigkeit menschlicher Freiheit. Die christliche Glaubenslehre (im Besitze wertvollster Einsichten) ist offenbar nicht in der Lage, diese zu vermitteln und hält der bewussten Wertvernichtung im gegenwärtigen Zeitalter eine Ethik entgegen, die ihre seelische Wirksamkeit bereits verloren hat. Eine „neue Ethik“, abgeleitet aus dem zentralen christlichen Glaubenssatz — der Liebe -, muss entstehen.
Das Lebensziel des Menschen, „EUDAIMONIA“ (Aristoteles), Lebensglück als Zustand psychischer und physischer Gesundheit des Einzelnen und der Gemeinschaft, setzt aber eine tiefe, fest begründete und bewusste Verbindung des Liebesgebotes mit dem Wirtschaftshandeln voraus. Und nicht die erschreckende, im Gefolge des klassischen Liberalismus entstandene Trennung von Wirtschaft und Religion, als wären das zwei grundverschiedene Dinge. Der Verfasser bemüht sich, weiter in Darstellung des fünffältigen Liebesgebotes aus den Evangelien eine ethische Basis für die Arbeit zu gewinnen, die ebenso wie die Liebe unser Schicksal bedeutet. Die vor allem durch die „Verfremdungen“ entstandene Abwesenheit der Liebe in der Arbeits-bzw. Unternehmungswelt ist auch eine Ursache für Motivationsprobleme, also schwer oder gar nicht über Berufsarbeit gelingende persönliche Identität. Das wiederum verstärkt die Aggressivität als Störfaktor in der menschlichen Gesellschaft infolge verringerter Sublimierung von destruktiven Triebenergien und nicht ausreichend gelingender Kooperativität. Es gibt keine Ausnahmen von der Erfüllung des Liebesgebotes, die Liebe macht nicht halt vor den Toren der Unternehmung. Konkurrenzwirtschaft, die als ein aggressives Nullsummenspiel aufgefasst wird, kann letztlich nur zur Selbstvernichtung der Menschheit führen.
Hofmann beschliesst seine Gedankenführung in der Überzeugung, dass die fünf Formen des christlichen Liebesgebotes ein zureichendes praktisch-ethisches Normensystem für die Unternehmungsführung darstellen und dass die „neue Ethik“ eine gute Chance hat, schon aus der Erfahrung, dass letztlich die aufbauenden, lebensgebenden und lebenserhaltenden psychischen Energien des Menschen gegenüber den destruktiven Kräften in der Entwicklungsgeschichte immer die Oberhand behalten haben — die Liebe stärker war als der Hass!
Michael Hofmann

10. Die Ethik aus der Sicht der Unternehmungsführung

Zusammenfassung
Ethik soll Richtschnur für das richtige sittliche Verhalten sein. In der Unternehmungsführung stösst deren Erfassung auf vielfältige Schwierigkeiten, die folgenden Gegebenheiten entspringen: der Unterschiedlichkeit der Auffassungen in den verschiedenen Kulturkreisen, ihrem Wandel, den einander entgegenstehenden Wirkungen einer Handlung, dem Zwang zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit, der häufig zum Kampf um überleben zwingt. Viele der ethischen Entscheidungen der Unternehmung müssen daher in einer Grauzone vollzogen werden. Diese steht in einer vierfachen Beziehung: zum Markt und den Kunden, zu dem in ihr arbeitenden Menschen, zu ihren Kapitalgebern und zu ihrem Umfeld. Jedem dieser Kreise gegenüber bestehen für sie besondere Verantwortlichkeiten, deren Erfüllung durch Konflikte belastet ist. Mittels Credos wird versucht, allgemeine Grundsätze des Verhaltens für die Unternehmung festzulegen.
Walter Hess

11. Buchbesprechnung

Zusammenfassung
Nach einer Tätigkeit zuerst in der Seelsorge und dann, als Direktor des Lehrerseminars des Kantons Schaffhausen, in der Erziehung, bekleidete Arthur Rich von 1954 bis 1976 den Lehrstuhl für Systematische Theologie der Universität Zürich. In seiner Lehr- und Forschungstätigkeit erhielt die, Sozial- und Wirtschaftsethik einen immer höheren Stellenwert. Rich hat sich insbesondere in die Frage der Mitbestimmung der Arbeitnehmer in der Unternehmung vertieft, für welche er mit Überzeugung eintrat. Im Jahre 1964 erfolgte auf seine Anregung die Gründung des Instituts für Sozialethik an der Universität Zürich, das er bis zu seiner Emeritierung leitete. Im Jahre 1985 verlieh ihm die Hochschule St. Gallen in Anerkennung der durch seine Forschung errichteten Bausteine einer Wirtschaftsethik die Würde eines Ehrendoktors.
Charles Lattmann, Arthur Rich

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