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Über dieses Buch

Ethische Geldinstitute erfahren in den letzten Jahren vermehrt Aufmerksamkeit, was sich in steigenden Wachstumszahlen der jeweiligen Banken niederschlägt. Nicht selten werden sie als Hoffnungsträger eines Wandels diskutiert, der eine gerechtere Gestaltung des Banken- und Finanzwesens stützt. Der Band systematisiert die Kritik und die Praktiken ethischer Banken in Deutschland und fragt nach denkonstitutiven sozialen und normativen Strukturen. Darüber hinaus werden Herausforderungen und Potenziale einer Transformation im Bankenwesen am Beispiel von Investitions- und Anlageentscheidungen analysiert. Im Ergebnis zeigt sich, dass ethische Banken durchaus neue Formen der Arbeitsorganisation und der Unternehmenspolitik befördern können, dass die Vision einer Integration ethischer Selbstverpflichtung und gesellschaftlicher Verantwortung aber dort an Grenzen stößt, wo sie mit den weiterhin dominanten Markt- und Wachstumslogiken konfrontiert werden.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Entwicklung und Etablierung des ethischen Bankgeschäfts

Im Unterschied zu konventionellen Geldinstituten orientieren sich ethische Banken an Prinzipien, die nicht ausschließlich in ökonomischer Ertrags- oder Gewinnsteigerung aufgehen. Unter Ethical Banking oder Socially Responsible Investment (kurz SRI) werden im Allgemeinen Finanz- und Bankenpraktiken verstanden, die bankentypische Ziele um moralische Ziele erweitern. Zentrale Leitbilder und handlungsleitende Normen werden durch Prinzipien wie Transparenz, Fairness, gesellschaftliche Verantwortung und Nachhaltigkeit repräsentiert.
Sarah Lenz

Kapitel 2. Wirtschaft und Moral – die normative Fundierung der Wirtschaftssoziologie

Während die Beschäftigung mit dem Verhältnis von Markt und Moral durch die Soziologie erst mit der Aufhebung der disziplinären Arbeitsteilung mit der Ökonomie zu Beginn der 1980er-Jahre wieder aufgegriffen wurde, ist die Verbindung und die Wechselseitigkeit von Wirtschaft und Gesellschaft in den Werken der soziologischen Klassiker ein wichtiger Bestandteil. Eine zentrale Gemeinsamkeit in den Arbeiten von Émile Durkheim, Max Weber und Karl Polanyi ist die Abgrenzung von Theorien der klassischen Nationalökonomie und die damit einhergehende Ablehnung des individuellen Eigeninteresses zur Erklärung der Stabilisierung von Marktbeziehungen (vgl. u. a. Smith 2009 [1776]). So stellt Durkheim in seiner Theorie der normativen Integration die Moral als grundlegenden Integrationsmechanismus heraus und verdeutlicht dies beispielsweise an den vorvertraglichen und nicht-marktlichen Bedingungen des Vertrages: „denn nicht alles ist vertraglich beim Vertrag“ (Durkheim 2006 [1893], S. 267-272).
Sarah Lenz

Kapitel 3. Selbstbeschreibungen ethischer Geldinstitute

Zur besseren Einschätzung der Lage ethischer Banken in Deutschland sowie der ersten Identifikation möglicher Problemlagen, Konflikte und interessanter Konstellationen sollen im Folgenden die GLS Bank, die Triodos Bank, die UmweltBank, die EthikBank, die Bank im Bistum Essen und als streng konfessionell ausgerichtete Bank die Steyler Bank vorgestellt und im Anschluss vergleichend analysiert werden.
Sarah Lenz

Kapitel 4. Gemeinsamkeiten und Unterschiede ethischer Geldinstitute

Implikationen und Problemlagen
Ethische Banken wie die GLS Bank, die Triodos, die UmweltBank, die EthikBank, die BiB oder die BfS unterscheiden sich in ihren Schwerpunktsetzungen, die sich aus ihren jeweiligen ökologischen, sozialen oder konfessionellen ethischen Leitlinien ergeben. Das Leitbild und die Unternehmensphilosophie der GLS Bank beziehen sich beispielsweise hauptsächlich auf Gesellschaft und Natur, die UmweltBank AG konzentriert sich ausschließlich auf die Finanzierung und Förderung ökologisch-nachhaltiger Entwicklungen, die EthikBank versteht sich am ehesten als Sprachrohr (gesellschafts-)politischen Wandels, während sich die Triodos Bank auf die Förderung unternehmerischer Innovationen fokussiert. Die katholische Bank für Kirche und Diakonie eG richtet sich nach den Prinzipien der kirchlichen Sozialverkündigung.
Sarah Lenz

Kapitel 5. Der Forschungsprozess: Erhebung und Auswertung

In Anlehnung an die Prämissen zur Durchführung eines Experteninterviews wurde ein teilstrukturierter Interviewleitfaden verwendet (vgl. Meuser und Nagel 1991, Kaiser 2014; Bogner et al. 2009). Der Vorteil des Experteninterviews besteht darin, dass Narrationen über biografische Ereignisse, subjektive Deutungen und das von allen geteilte „Betriebswissen“ evoziert werden können. Die Befragten werden so zu „Repräsentant_innen einer Organisation oder Institution“ (Nohl 2006, S. 21; Meuser und Nagel 1991, S. 74).
Sarah Lenz

Kapitel 6. Praktiken der Kritik in Phasen der beruflichen Umorientierung

In der gesellschaftlichen Wahrnehmung erhalten ethische Banken derzeit und vor allem seit der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise großen Zuspruch und Anerkennung. Sie bieten nicht nur für Kund_innen, sondern auch für konventionelle Banker_innen die Möglichkeit, ihrem Unmut gegenüber dem konventionellen Bankenwesen Ausdruck zu verleihen. Die Beschreibung beruflicher Werdegänge ethischer Banker_innen und speziell deren Rechtfertigungen für den beruflichen Wechsel lassen spezifische handlungsleitende Orientierungen erkennen, die es im Folgenden differenziert zu analysieren gilt.
Sarah Lenz

Kapitel 7. Die Rechtfertigungsordnung ethischer Banken

Symbolische Grenzziehungen und kollektive Identifikation
Der Gegenstand der vorangegangenen Anaöyse waren die sozialen und berufsbiografischen Bedingungen und Ereignisse, die einen Wechsel vom konventionellen Bankenwesen in ein ethisches Geldinstitut legitimieren. Dabei wurden variierende moments critiques als Momente kritischer Distanzierung rekonstruiert, die diesen Wechsel subjektiv plausibilisieren und auf unterschiedliche Formen von Kritik am konventionellen Bankenwesen verweisen. Das folgende Kapitel zielt auf die Rekonstruktion beruflicher Selbstverständnisse und auf eine Annäherung an die kollektiv geteilten Rechtfertigungen oder – globaler betrachtet – an die Rechtfertigungsordnung ethischer Banken.
Sarah Lenz

Kapitel 8. Konflikte und Problemlagen ethischer Investitionsentscheidungen

Die Dokumentenanalyse zur Identifizierung gemeinsamer Bezugspunkte, Visionen und Instrumente ethischer Banken arbeitete Spannungsverhältnisse und Handlungsprobleme heraus, die sich aus der Vermittlung ethischer Selbstverpflichtungen und wirtschaftlicher Prämissen ergeben (vgl. Kapitel 4). In der wirtschaftlichen Praxis ethischer Banken, wie sie die Interviewten schildern, sind deshalb häufig widersprüchliche und konfliktbehaftete Situationen vorhanden, in denen über strittige Kreditvergaben und Investitionen entschieden werden muss. Diese Situationen, wie sie sich in der konkreten beruflichen Praxis zeigen, stehen hier im Vordergrund.
Sarah Lenz

Kapitel 9. Schlussbetrachtung: Chancen und Risiken der Selbstregulierung

Im ersten Kapitel wurde die historische Entwicklung eines moralisch grundierten Bankgeschäfts dargestellt. Dabei wurde festgestellt, dass ethisches Finanzhandeln bereits eine lange Geschichte an Institutionalisierungs- und Differenzierungsprozessen zu verzeichnen hat und keinesfalls ein alleiniges Phänomen der letzten Finanz- und Wirtschaftskrise ist.
Sarah Lenz

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