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2024 | Buch

Ethisches Theater

Grundlagen des ethischen Managements und der strukturellen Transformation des Theaters

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Über dieses Buch

Mit dem Konzept des Ethischen Theaters wird ein ganzheitliches Zukunftsmodell vorgestellt. Ausgangspunkt ist die Analyse der gegenwärtigen Krisen und der Komplexität in den deutschsprachigen Theatern, um die Grundlagen für ihren Transformationsprozess zu entwickeln. Mit dem Ethischen Theater wird ein Ziel dieses Prozesses vorgestellt: das ganzheitliches Zukunftsmodell einer Theater-Organisation des 21. Jahrhunderts, in der ethische Überlegungen erstmals in allen Prozessen handlungsleitend sind. Das Modell ist kompatibel mit den Interessen der Stakeholder und den wichtigen Reformprozessen, es ermöglicht die anstehende strukturelle Modernisierung der Theaterbetriebe. Unterstützt wird es durch das Konzept des Ethischen Theatermanagements, das erstmals über die klassischen Funktionen hinaus auch Aspekte der Diversität, der Nachhaltigkeit, der Ethik und der Zukunftsfähigkeit adressiert. Mit den erweiterten Funktionen des ethischen Managements werden auch weitere Möglichkeitsräume für die Zukunft der Kultur-Organisationen eröffnet.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
Kapitel 1. Grundlagen eines gerechten und zukunftsfähigen Theaters
Zusammenfassung
In diesem Buch folge ich einem möglichen Pfad in die Zukunft des deutschen Theatersystems, wie es sich idealerweise herausbilden könnte, wenn man spezifischen Entwicklungen in der Theaterpraxis wie auch darauf zielenden, konzeptionellen Überlegungen folgt. Diese Überlegungen sind aus einer Kritik und profunden Analyse des bestehenden Theatersystems und der Funktionsweise der Theaterbetriebe im deutschsprachigen Theaterraum geboren. Sie werden verstetigt durch Konzeptionen und Modelle, die verstärkt seit dem Jahr 2015 für die deutsche Theaterlandschaft entstanden sind bzw. die aktuell und in näherer Zukunft entstehen. Zentrales Thema des ersten Kapitels sind die gesellschaftliche und die strukturelle Komplexität als Herausforderung für die Theater (1.1). Im zweiten Abschnitt analysiere ich die wesentlichen Krisen in den öffentlichen Theaterbetrieben. Im Zentrum steht hierbei die Krise der Institution Theater und der schleichende Verlust ihrer Fähigkeit zur Repräsentation der verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen. Hinzu kommen Managementfehler, Machtmissbrauch und strukturelle Probleme, von denen immer mehr Theater betroffen sind. Dies führt zu veränderten Anforderungen an die Leitung und das Management eines Theaters und zu einem verstärkten Reformbedarf (1.2). Das erste Kapitel schließt mit der grundsätzlichen Überlegung, dass modernes Theatermanagement deshalb zugleich immer ethisches Theatermanagement sein muss und definiert damit die grundlegende These des Buches: Das Ethische Theater ist ein möglicher Weg in die Zukunft (1.3).
Thomas Schmidt
Kapitel 2. Die Besonderheiten und Merkmale des Theaterbetriebs
Zusammenfassung
Im zweiten Kapitel werden die Besonderheiten des öffentlichen Theaterbetriebs im deutschsprachigen Raum vorgestellt, der neben den deutschen auch die österreichischen und die Theater in der deutschsprachigen Schweiz (DACH-Region) umfasst. Die deutsche Theaterlandschaft im Besonderen wird geprägt durch eine föderalistische Kulturpolitik der Länder und Kommunen. Sie ist horizontal und vertikal gegliedert durch eine Teilung zwischen öffentlichen, privaten und freien Theatern/Gruppen sowie durch eine Typisierung zwischen den öffentlichen Theatern selbst. Hervorzuheben ist der gesellschaftliche Auftrag des Theaters, der weit über die Entwicklung und Präsentation neuer Inszenierungen hinausgeht, die in den abendlichen Vorstellungen gezeigt werden. Als Kulturorganisation übernimmt es auch soziale und Bildungsaufgaben, die unerlässlich sind für jede demokratische Gesellschaft. Theater ist zudem ein öffentliches Gut das für jeden Menschen leicht zugänglich und erschwinglich ist, wobei die zu entrichtenden Preise nur einen Bruchteil der tatsächlichen Vorstellungskosten decken, die von den Kommunen (Stadt- und Landestheater) und den Bundesländern (Staatstheater) zu durchschnittlich 85% subventioniert werden. Die staatlich geförderten Kartenpreise sollen Theaterbesuche, die Auseinandersetzung der Bürger*innen mit dem gezeigten Programm und damit die Bildung von Menschen aller Altersgruppen anregen. Theater sind zugleich künstlerische wie auch wirtschaftliche Betriebe, in vielen kleineren und mittleren Städten zählen sie zu den größten Arbeitgebern und schaffen je nach Theater zwischen 100 und 1.000 Arbeitsplätzen. Sie stärken zudem erheblich die Wirtschaftsleistung und Attraktivität der Kommunen und Regionen durch den Tourismus und die wirtschaftliche Umwegrentabilität. Hervorzuheben sind das Intendantenprinzip: Jedem Theater steht ein künstlerischer Leiter vor, der als Intendant bezeichnet wird und damit automatisch die Aufgaben eines CEO übernimmt. An der Allmacht der Intendanten hat sich allerdings seit Jahren eine erhebliche Kritik entzündet, vor allem in den Theatern, in denen Intendanten ihre Macht nicht sensibel genug einsetzen. Dort kam es in den letzten Jahren vermehrt zu sofortigen Beurlaubungen und Entlassungen von Intendanten durch die Kommunen und Bundesländer (wie z.B. Volkstheater Rostock, Volksbühne Berlin, Berliner Festspiele, Staatstheater Darmstadt, Cottbus, Karlsruhe und Wiesbaden, Theater Trier, Oper Erfurt u.a.).
Thomas Schmidt
Kapitel 3. Theater, Organisation, Management und Komplexität
Zusammenfassung
Nachdem ich im 2. Kapitel vor allem versucht habe, den Theaterbetrieb und seine Besonderheiten und die wichtigsten Herausforderungen für die Zukunft der Theater zu strukturieren, werde ich mich in diesem dritten Kapitel mit der Bedeutung und den Auswirkungen einer zunehmenden gesellschaftlichen Komplexität auf die Arbeit, die Organisation und das Management von Theatern auseinandersetzen. Der erste Schwerpunkt des Kapitels bezieht sich deshalb auf die Rahmenbedingungen und deren Bedeutung für den jeweiligen Theaterbetrieb und seine künstlerische Arbeit (3.2). Die Untersuchung der Rahmenbedingungen ist jeweils Ausgangspunkt in den meisten meiner Veröffentlichungen, denn nur durch die Analyse des Umfeldes können wir die Spezifika und Bedürfnisse einer Kultureinrichtung genau ermitteln. So wie die Analyse der äußeren, ist auch die Untersuchung der inneren Bedingungen vordringlich. Hierzu zählen an erster Stelle die Organisationsstruktur und die verschiedenen möglichen Organisationstypen eines Theaters (3.3). Es folgt die Untersuchung der mehrdimensionalen Prozessebenen im Theater, zu denen im Kern die Programmentwicklung und die Inszenierungsprozesse gehören (3.4). Die Analyse schließt mit einer Untersuchung der Ressourcen, die im Theater benötigt und verwendet werden (3.5) und geht über in die Rolle des Theatermanagements. Hierzu zählen die Darstellung verschiedener möglicher Managementmodelle, die derzeit im Theater angewendet werden, wie auch der Umgang mit den Herausforderungen der zunehmenden Komplexität und der notwendigen Komplexitätsreduktion auf das Management (3.6). Das Kapitel schließt mit einer genauen Bestimmung der an den Theatern vorherrschenden Unternehmensethik. Hierzu zählen die moralischen Wertvorstellungen und der rechtliche Rahmen an den Theatern, das Thema der Good Governance und die für den künstlerischen Bereich spezifische Ethik. Die toxische Grundstimmung an einigen Theatern, in denen eine fehlende Leadership auf gravierende strukturelle Probleme trifft, wirkt sich allerdings negativ auf das Arbeitsumfeld und die Qualität der künstlerischen Arbeit an den Theatern aus (3.7). 
Thomas Schmidt
Kapitel 4. Herausforderungen und Ziele für ein modernes Ethisches Theater
Zusammenfassung
Die gegenwärtigen Krisen sind neben der im 3. Kapitel diskutierten Komplexität die wesentlichen Herausforderungen für das moderne Theatermanagement. Im Kern des vierten Kapitels stehen deshalb die Herausforderungen und die Ziele für einen modernen ethischen Theaterbetrieb und seine acht zentralen Wirkungskomplexe. Die Theaterkrise ist noch einmal der Ausgangspunkt meiner Überlegungen. Sie ist im Wesentlichen auf vier Teilkrisen zurückzuführen: die Strukturkrise und die damit verbundenen Asymmetrien der Macht, die eng damit zusammenhängende Organisationskrise, die Krise der Institution Theater und ihrer Repräsentation, und schließlich die Krise des Managements (4.1). Im zweiten Abschnitt beschäftige ich mich mit dem ersten Wirkungskomplex und zwar mit der Ästhetik und dem künstlerischen Erfolg, um mich von der künstlerischen Seite des Theaterbetriebs aus an das Ethische Theater anzunähern. Ich entwickle darauf fußend die Begriffe der künstlerischen, der strukturellen und der qualitativen Performance des Theaters. Darauf folgt in Abschnitt 4.3 eine intensive Analyse der Wirkungskomplexe: Organisation und Kultur, die das Theater wesentlich prägen und die wiederum von den aktuellen Krisen des Theaters geprägt werden. Es folgen die Wirkungskomplexe der Stakeholder- und Besucherbindung (4.4) und der Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit (4.5). Daraufhin analysiere ich die für einen ethischen Theaterbetrieb maßgeblichen Komplexe, insbesondere den Zusammenhang zwischen Leadership und Ethik (4.6), sowie das Diversity Management (4.7), die Innovationskraft (4.8) und die Zukunftsfähigkeit (4.9) als Herausforderungen und Parameter für das zukünftige ethische Theater. Im Abschnitt 4.10 analysiere ich den theoretischen und instrumentellen Rahmen für ein Theater der Zukunft und befasse mich einerseits mit den Prämissen des modernen Theaterbetriebs und mit den verschiedenen Anforderungen an ein ethisches Theatermanagement, das sowohl ganzheitliche, ethische, gerechte, wirtschaftliche und nachhaltige Impulse verarbeitet. Schließlich beende ich das vierte Kapitel mit einem Abschnitt über das moderne Theatermanagement und die zukünftig prägenden Diskurse: Macht, Gerechtigkeit, Diversität und Ethik (4.11).
Thomas Schmidt
Kapitel 5. Die grundlegende Struktur eines modernen und ethischen Theaterbetriebs und ihr Management
Zusammenfassung
Wenn ich von Modernisierung und einem modernen Theaterbetrieb spreche, handelt es sich in einer ersten Phase um Entwicklungen, die sich im Rahmen von Reformen irealisieren lassen. Es handelt sich dabei um Prozesse, mit denen das gegebene Grundmodell (Status Quo) des deutschen Theaterbetriebs verbessert und verändert, aber es erst einmal noch nicht verlassen wird. Damit ist noch kein Wandel und auch noch keine Transformation verbunden, aus denen heraus sich verschiedene Optionen und strukturelle Alternativen entwickeln würden, wie der Theaterbetrieb zukünftig gestaltet, organisiert, betrieben und gemanagt wird. Im fünften Kapitel beschreibe ich den anstehenden strukturellen Wandel der Theaterorganisationen (5.1). Dabei konzentriere ich mich auf sechs Ebenen: Auf der ersten Ebene stehen Organisation und Strategie im Mittelpunkt (5.2). Ausgehend vom aktuellen Organisationsmodell der Theater definiere ich die Ethische Transformation des Theaters als ein Beispiel nachhaltigen organisationalen und strukturellen Wandels. Auf der zweiten Ebene beschreibe ich die Leitung und Steuerung des Theaters (5.3). Hierzu zählen u.a. Leadership und gute Unternehmensführung, gerechtes und inklusives Personalmanagement, Lebens-Arbeitszeit-Modelle, wie auch Lebenslanges Lernen und Kompetenzentwicklung. In einem Exkurs betrachte ich die Auswahl von Intendanten als Ausdruck des jeweiligen strukturellen Paradigmas, das die Strukturen und Prozesse in den Theatern definiert. Im Zentrum der 3. Beziehungsebene (5.4) stehen Kooperationen und Kollaborationen, die „Eroberung“ des Stadtraums und der Communities wie auch die Entwicklung einer kreativen Multifunktions-Organisation aus dem klassischen Theaterbetrieb, der darüber hinaus weitere Theaternahe und Freizeitbereiche (Zirkus, Bibliotheken, Jugendaktivitäten, Club und Café u.a.) integriert, die die Reichweite erhöhen, und mit seinen Kernbereichen verknüpft. Es folgen Abschnitte zur instrumentellen (5.5) und zur Prozess-Ebene des Theaters (5.6). Das Kapitel schließt mit einer Betrachtung über Ethik als Querschnittaufgabe (5.7), wobei ich mich hier auf die allgemeine Unternehmens-Ethik und die weitere ethische Entwicklung des Theaters konzentriere.
Thomas Schmidt
Kapitel 6. Die Ethische Struktur- und Organisationsentwicklung des Theaters – eine Institutionenkritische Konzeption
Zusammenfassung
Im Zentrum des sechsten Kapitels stehen die Themen Ethik, Organisation und Management im Theater der Zukunft. Im ersten Abschnitt werden die Voraussetzungen und Instrumente des Ethischen Theaterbetriebs behandelt (6.1), wobei ich mich hier auf die Good Governance, das Leitbild und die Unternehmens-Misson des Theaters konzentriere. Im zweiten Abschnitt befasse ich mich mit den ethischen Kodizes als Wertespiegel einer Organisation (6.2).  Hier versuche ich auf der Basis der acht verschiedenen Typen von Kodizes die Ziele und Modi ihrer Erstellung zu definieren und die ethischen Betriebstypen einzuteilen. Der ethische Umbau des Theaters (6.3) ist mit der ethischen Organisationsentwicklung und den Phasen eines ethischen Transformationsprozesses einer der zentralen Abschnitte dieses Kapitels. Ihm folgt mit Ethik, Organisationskultur und Management der Versuch, die Kräfteverhältnisse in einem modernen Theaterbetrieb neu zu ordnen und zu bewerten (6.4). Das Kapitel schließen die Abschnitte Struktur- und Organisationsentwicklung (6.5) sowie Der Einfluss der Institutionenkritik (6.6), mit einer Einordnung des hier behandelten Themas in die Debatte der Institutionenkritik des Theaters. Aus den Überlegungen der vorangegangen Kapitel ist sehr deutlich geworden, dass eine Zukunft des Theaters ohne den grundlegenden ethischen Umbau der Theaterorganisation und mit ihr auch der Organisationskultur nicht möglich sein wird, wenn die Umgestaltung darauf abzielt, die dringendsten Krisen und Probleme des Theaters tatsächlich nachhaltig zu lösen und ein zukunftsfähiges Theater zu entwickeln. Dies beinhaltet, dass am Ende eines damit verbundenen ethisch informierten, strukturellen Wandels:
  • das Theater zukunftsfähig, nachhaltig und weniger krisenanfällig,
  • die Arbeitsbedingungen fairer, diverser und inklusiver und
  • die Arten der Entscheidungsfindung und Kommunikation transparenter, partizipativer und gerechter gestaltet werden.
Thomas Schmidt
Kapitel 7. Beyond Management: Neue Modelle für eine ethische Theaterlandschaft
Zusammenfassung
Das siebte Kapitel dieses Buches widmet sich 'Neuen Modellen für eine ethische Theaterlandschaft'. In den ersten sechs Kapiteln konnte bestätigt werden, dass es in einem Theaterbetrieb und seinem Management grundsätzlich um die Entwicklung einer ganzheitlichen und integrierenden Ethischen Steuerungsidee geht. Diese wird mit den Komponenten verknüpft, die das Theater zukünftig prägen sollen, also dessen Organisation, Management und Kultur. Mit dieser Steuerungsidee sollen die auseinander laufenden Interessen der verschiedenen Stakeholder des Theaters, der Mitarbeiter*innen, der Leitung, der Besucher*innen und der Träger der Theater neu geordnet und so zusammengeführt werden, dass sie den Zielen dieser Idee ebenso dienen, diese anerkennen und aktiv daran partizipieren und mitwirken können. In den Abschnitten dieses Kapitels geht es vor allem um die Ableitung von neuen Modellen mit denen eine nachhaltige, moderne und ethische Theaterlandschaft realisiert und gefestigt werden kann. Im ersten Abschnitt befasse ich mich deshalb mit sechs Modellen, mit denen die gegenwärtige Logik der Kulturbetriebe nachhaltig durchbrochen werden könnte. Hierzu zählen zum Beispiel partizipative Modelle, Stakeholder Modelle und Modelle der Vergesellschaftung (7.1). Nach den Phasen der Transformation (7.2), befasse ich mich mit der Company und den Netzwerken als Bausteine und Kernmodelle einer modernen Theaterlandschaft (7.3). Auf dieser Basis entwickle ich das Organisationsmodell eines ethischen Theaterbetriebs (7.4) und leite neue Finanzierungsmodelle für die Theaterlandschaft aus dem Grundgedanken einer reformierten Theater-Institution ab (7.5). Schließlich folgere ich daraus eine grundsätzliche Neuordnung der Theaterlandschaft mit dem Ethischen Theater als Kern-Organisation. Es ist das Ergebnis der ersten Transformations-Phase der bestehenden Theaterstrukturen und der ihr übergeordneten Theatersysteme.
Thomas Schmidt
Kapitel 8. Das perfekte Theater gibt es nicht: Das Ethische Theater als Versuch
Zusammenfassung
Mit diesem Buch habe ich die Aufgabe verfolgt, die Grundlagen und Strukturen eines modernen, ethischen und zukunftsfähigen Theaters zu entwerfen und auszuarbeiten – ungeachtet der vielen Feinheiten und möglichen Varianten und Variationen. Im Zentrum meiner Ausarbeitungen ging es darum, die Voraussetzungen für ein Ethisches Theater und verschiedene mögliche Wege dorthin modellhaft zu entwickeln. Eng damit verbunden war es, das Modell eines modernen, ethischen Theatermanagements herauszuarbeiten. Im vorliegenden achten und letzten Kapitel dieses Buches geht es darum, das Modell des Ethischen Theaters als einen Versuch einzuordnen, der auf die jeweiligen Rahmenbedingungen angepasst und weiterentwickelt werden muss, um seine spezifischen Potentiale zur Entfaltung bringen zu können. Hier ordne ich das Ethische Theater auch als eine Station auf einem historischen Entwicklungsweg der Theater und der Theaterlandschaft ein, die über die ersten Reformen und die Identifikation und Ablösung diskriminierender Intendanten einen Bogen schlägt bis hin zu internen Reformgruppen, partizipativen Modellen der Intendanzfindung, in Kraft tretenden Codes of Conduct (Verhaltenskodizes) und organisationalen Veränderungsprozessen in den Theatern. Im ersten Abschnitt dieses Kapitels befasse ich mich mit den möglichen Entwicklungsräumen des Theaters für die Zukunft, in dessen Mittelpunkt die Theaterdirektor*in Neuen Typs steht. Die selbst gestellte Auftrag dieses Kapitels und der gesamten Publikation, die wie ein Kleeblatt aus vier zusammenhängenden Teilen besteht, wird zusammengehalten von der im zweiten Abschnitt gestellten Kernfrage: Was muss im Mittelpunkt einer erfolgreichen Reformagenda stehen, um die Institutionelle Transformation des Theaters von einer strukturell asymmetrischen und zerrissenen in eine ethische, kritische und symmetrische Institution voranzubringen. Denn zu den vier Teilen des Ethischen Theaters gehören: die institutionelle Transformation, das ethische Theatermanagement, der organisationale Wandel und die Potentiale des zukunftsfähigen Theaters. Während die einzelnen Theater spezifischer, organisationaler Reformen und struktureller Wandlungsprozesse bedürfen, bedarf das Theater als Institution einer generellen Transformation von einer derzeit zerrissenen in eine Ethische Institution, um zu überleben und in einer zukünftigen Gesellschaft seinen alten Stellenwert zurückzuerlangen. Hierfür habe ich mit diesem Buch in einem ersten Entwurf eine Skizze und eine Reihe Vorschläge vorgelegt, mittels derer Wege aus der aktuellen Theaterkrise gefunden werden können.
Thomas Schmidt
Metadaten
Titel
Ethisches Theater
verfasst von
Thomas Schmidt
Copyright-Jahr
2024
Electronic ISBN
978-3-658-42969-0
Print ISBN
978-3-658-42968-3
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-42969-0