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Über dieses Buch

Die Hoffnung, dass die Globalisierung und Demokratisierung der osteuropäischen Staaten in Europa zu einer Verringerung kultureller Unterschiede und der damit verbundenen Probleme führt, hat sich bislang nicht bewahrheitet. Im Gegenteil: Sowohl nationale Minderheiten als auch Einwandererminderheiten befinden sich nach wie vor in einem Dilemma zwischen Selbstbestimmung und Integration. Der Band umfasst vier Themenbereiche: Im ersten Teil sollen theoretische Aspekte der Multikulturalismusdebatte aufgezeigt werden, um anschließend im zweiten Teil allgemeine Migrations- und Integrationsaspekte von Einwandererminderheiten zu veranschaulichen. Im dritten und vierten Teil illustrieren einige Minderheitenbeispiele in Ost- und Westeuropa die Problematik ausschnitthaft und ermöglichen verschiedene Perspektiven auf die Auseinandersetzung zwischen Integration und Selbstbestimmung.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung

Zusammenfassung
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist es erstaunlich, dass trotz der globalisierenden Tendenzen und der damit einhergehenden Individualisierung, kulturelle Unterschiede wieder weiter in den Vordergrund rücken. Diese Entwicklung verwundert auch, da es gerade in Europa in den letzten Jahrzehnten viele Veränderungen gegeben hat. Der Kalte Krieg ist längst Geschichte und die osteuropäischen Länder haben den Weg zur Demokratie mit mehr oder weniger großen Hindernissen meist schon gefunden. Die Europäische Union wurde um viele osteuropäische Länder ausgeweitet, was auch eine Ausbreitung der demokratischen Vorstellungen und der damit begleiteten Wertvorstellungen mit sich brachte. Trotz (oder gerade wegen?) Globalisierung und Demokratisierung geraten nun kulturelle Unterschiede wieder stärker in den Vordergrund. Dies lässt sich an vielen Beispielen zeigen: An verschiedenen Orten in Europa streben Minderheiten nach mehr Selbstbestimmungsrechten und stellen damit die Integrationspolitik vor große Herausforderungen.
Karin B. Schnebel

I Theoretische Aspekte der Multikulturalismusdebatte

Frontmatter

Vielfalt und Ungleichheit?

Plädoyer für eine Synthese von Umverteilung und Anerkennung
Zusammenfassung
Spätestens seit den 1980er Jahren ist eine Verschärfung der Ungleichheit in der Verteilung von Vermögen und Einkommen zu konstatieren. In fast allen Ländern ist ein Rückgang des Anteils der Lohneinkommen am gesamten Volkseinkommen, bei einer gleichzeitigen Zunahme und Konzentration von Finanz- und Immobilienvermögen und eine zunehmende Spreizung zwischen hohen und mittleren bzw. niedrigen Einkommen zu beobachten (Marterbauer 2011, S. 26ff .). In Österreich ging beispielsweise die Lohnquote zwischen 1978 und 2008 von 77,7 % auf 66,8 % zurück (Guger et al. 2009, S. 24).
Karin B. Schnebel

Religiöse Vielfalt und soziale Homogenität in der Demokratie

Schritte zu einer theoretischen Analyse unter besonderer Berücksichtigung des Islam
Zusammenfassung
Das Verhältnis zwischen Religion und Demokratie gestaltet sich entlang des Gegensatzes zwischen Einheit und Vielheit. Gewährleistet die moderne demokratische Gesellschaft einerseits die Pluralität von Meinungen und (Glaubens-) Überzeugungen (woraus sie sich historisch wie normativ erst konstituiert hat), benötigt sie andererseits ein nicht unerhebliches Maß an sozialer Homogenität, die der allgemeinen Akzeptanz demokratischer Verfahrens- und Legitimierungsweisen vorausgeht. Aus diesem Grund befinden sich Religion und Demokratie in einem komplexen Spannungsverhältnis, welches ein komplementäres Zusammenwirken ebenso möglich macht wie die Formulierung konkurrierender Ansprüche und in dem die (demokratisch gebotene) institutionelle Trennung von religiöser und politischer Sphäre eine politisch-öffentliche Bedeutung der Religionen keineswegs ausschließt.
Karin B. Schnebel

„Die andere Moderne bei Cusanus“

Zur Einheit und Vielfalt in der aktuellen europäischen Integrationsdebatte
Zusammenfassung
Cusanus (1401-1464) wird oft als letzter Scholastiker und erster neuzeitlicher Philosoph bezeichnet, der einerseits noch zur Philosophie des Mittelalters gehört, ohne sich allerdings einer spätscholastischen Richtung anzuschließen, andererseits aber trotz seiner Rückwendung zu Platon auch nicht einfach zum Humanismus zu zählen ist (Schulthess und Imbach 1996, S. 292). Cusanus’ Hinwendung zur Metaphysik verbindet die Ideenwelt Platons mit der mittelalterlichen Philosophie und versucht so auf diesen aufb auend – in Zeiten des Umbruchs zwischen Mittelalter und Moderne – einen philosophischen Neuanfang in den Bereichen der Kirchen-, Staats- und Gesellschaft slehre.
Karin B. Schnebel

Integration durch Leistung

Zur kritischen Verortung eines neuen Narratives österreichischer Integrationspolitik
Zusammenfassung
Dieser Satz aus dem Leitbild des österreichischen Staatssekretariats für Integration (SSI) bringt die seit seiner Gründung 2011 dominierende integrationspolitische Botschaft auf den Punkt: Integration soll nicht länger eine Frage der Überwindung von kultureller Diff erenz sein, sondern in Form von Einkommen, Ausmaß an Freiwilligenarbeit oder Schulnoten als messbare Leistung von MigrantInnen verstanden werden. Dabei handelt es sich nicht unbedingt um eine völlig neue politische Erzählung – ökonomische Aspekte haben nicht nur in Österreich schon in den Anfängen der Integrationspolitik eine zentrale Rolle gespielt (z. B. Michalowski 2006) – sie kann jedoch als Kontrast zu der vom „Paradigma kultureller Differenz“ (Sökefeld 2004) getragenen Argumentation der 2000er Jahre gesehen werden (Mourão Permoser und Rosenberger 2012).
Karin B. Schnebel

II Migrations- und Integrationsaspekte von Einwandererminderheiten

Frontmatter

Der Integrationsprozess aus der Perspektive der Mehrheitsbevölkerung

Ein Modell für religiöse Minderheiten
Zusammenfassung
Der Begriff „Integration“ wurde im Laufe der Zeit bereits auf unterschiedlichste Weise defi niert. Eine frühe Definition von Hoffmann-Nowotny (1973, S. 171ff.) versteht unter Integration die Partizipation von Migranten an der Statusstruktur der Aufnahmegesellschaft in Aspekten wie der beruflichen Stellung, Einkommen oder Bildung, während Assimilation ihre Angleichung an die Sprache und Kultur der Aufnahmegesellschaft bezeichnet. Der Begriff der Integration kann sowohl den Prozess der Eingliederung als auch das Ergebnis dieses Prozesses bezeichnen.
Karin B. Schnebel

Politische Partizipation von migrantischen Betriebsräten und Kammerräten als Motor oder Bremse der Integration?

Zusammenfassung
Der Soziologe Michael Bommes beschreibt gesellschaftliche Integration folgendermaßen: „Der Grad der gesellschaftlichen Integration von Migranten bezeichnet, soziologisch gesehen, im Kern die Frage, in welchem Ausmaß es ihnen gelingt, an den für die Lebensführung bedeutsamen gesellschaftlichen Bereichen teilzunehmen, also Zugang zu Arbeit, Erziehung und Ausbildung, Wohnung, Gesundheit, Recht, Politik, Massenmedien und Religion zu finden.“ (Bommes 2009, S. 91)
Karin B. Schnebel

Ökonomische Einbürgerungsvoraussetzungen im europäischen Vergleich: Irland, Dänemark und Österreich

Zusammenfassung
Einige europäische Staaten verlangen von MigrantInnen einen bestimmten Grad an ökonomischer Unabhöngigkeit, wenn sie die Staatsbürgerschaft ihres Aufenthaltslandes erlangen wollen. Diese Erfordernisse können ein bestimmtes Einkommenslevel, eine ständige Beschäft igung, die Unabhängigkeit von staatlichen Sozialleistungen oder Gebühren im Einbürgerungsprozess umfassen.
Karin B. Schnebel

Kognitive Vorbedingungen politischen Handelns bei Studierenden mit und ohne Migrationsgeschichte

Zusammenfassung
In modernen Demokratien ist die Partizipation der Bürger am politischen Geschehen von hoher Bedeutung für die Legitimität politischer Entscheidungen. Hierbei ist es ein Gemeinplatz, dass Menschen mit einem höheren politischen Interesse sowie einem höheren politischen Kompetenzempfinden politisch aktiver sind als andere Menschen. Allerdings haben diese beiden Variablen nicht zwingend die gleiche Bedeutung für die Initiierung politischer Partizipation – und sind möglicherweise von unterschiedlicher Bedeutung für Menschen mit gegenüber Personen ohne Migrationsgeschichte.
Karin B. Schnebel

III Einwandererminderheiten und nationale Minderheiten in Westeuropa

Frontmatter

1 Problem – 16 Lösungen?

Werkstattbericht zur Varianz institutioneller Arrangements in der Migrations- und Integrationspolitik deutscher Länder
Zusammenfassung
An der Frage, wie es zu einer derart hohen Aufmerksamkeit gegenüber Migration und Integration in Wissenschaft und Öffentlichkeit gekommen ist, ließen sich aus einflussreichen Denkschulen zahlreiche Begründungen finden. Objektivisten würden auf hohe Wanderungszahlen oder messbare Ungleichheiten beim schulischen Erfolg von Menschen mit Migrationshintergrund hinweisen. Sozialkonstruktivisten würden mittels veränderter Wahrnehmung argumentieren, dass sich der Umgang mit Kultur, Religion und Ethnie im Diskurs gewandelt hätte.
Karin B. Schnebel

Je mehr, desto besser?

Der Effekt unterschiedlicher Immigrantenanteile auf die Toleranz gegenüber Immigranten in der Schweiz
Zusammenfassung
„Europe’s Call to Intolerance“ lautete der Titel der Washington Post im Jahr 2009 kurz nach der Abstimmung über das Verbot von Minaretten in der Schweiz. Durch den steigenden Individualismus, die erhöhte Immigration sowie durch den fortwährenden Wandel in der Gesellschaft treffen vermehrt divergierende Werte, Lebensweisen und Kulturen aufeinander, wodurch der Ruf nach Toleranz in modernen Zivilgesellschaften immer lauter wird (Dunn 2012; Inglehart 1977; Inglehart und Baker 2000).
Karin B. Schnebel

Vereine als Quelle von Identität und Toleranz

Narrativ-biografische Interviews mit engagierten MuslimInnen in der Schweiz
Zusammenfassung
Vereine sind unabdingbar, wenn es um die Integration von Minderheiten in demokratischen Gesellschaften geht. Einerseits erlauben sie es den Mitgliedern von Minderheiten, sich mit gleichgesinnten Menschen zu assoziieren und somit Anschluss an größere, über die Primärgruppen hinausgehende, soziale Netzwerke zu finden. Andererseits zeigen sie ihnen auf, dass Menschen immer gleichermaßen zur Mehrheit als auch zur Minderheit gehören, und weihen sie folglich in eine wichtige Spielregel der Demokratie ein.
Karin B. Schnebel

Nationale Minderheiten im fremden Land: Die Basken in Spanien

Zusammenfassung
Viele Modernisierungstheoretiker prognostizieren, dass es trotz aller Veränderungen im Zusammenhang mit der Globalisierung auch im 21. Jahrhundert nicht zu einem entscheidenden Rückgang nationaler und ethnischer Partikularismen kommen wird, sondern das Gegenteil der Fall sein wird. Viele Völker erheben sich weiterhin oder auch von neuem gegen das politische System ihres Staates. Häufig führt dies zu bewaffneten Auseinandersetzungen. Beispiele dafür sind die Konflikte auf Korsika, in Nordirland oder im Baskenland.
Karin B. Schnebel

IV Einwandererminderheiten und nationale Minderheiten in Osteuropa

Frontmatter

Demografie und Minderheitenpolitik in Ostmitteleuropa: Die Ergebnisse der Volkszählung 2011

Zusammenfassung
Jede Form von Minderheitenforschung basiert auf der empirischen Grundlage von Volkszählungen. Nach der Wende wurden diese in Ostmitteleuropa in den Jahren 1990-92 und 2001/02 durchgeführt und galten als Orientierung für eine von Grund auf erneuerte Minderheitenpolitik im Postsozialismus. Allerdings spiegelten die Ergebnisse nur zum Teil die tatsächliche demografische Lage wider. Bei den Volkszählungen wurden zwar Kriterien wie Nationalität, Muttersprache oder kulturelle Identität erhoben, doch machten viele Personen etwa aus Datenschutzgründen keinen Gebrauch von diesen Antwortmöglichkeiten. Deshalb fallen die Schätzungen von Minderheitenorganisationen weitaus höher aus als die offiziell erhobenen Daten.
Karin B. Schnebel

„Alte“ und „neue“ Minderheit, „alte“ und „neue“ Staaten

Roma Integration als Beispiel für transnationalen Minderheitenschutz
Zusammenfassung
Das Leitmotiv der „Einheit in Vielfalt“ und der Anspruch, für die Bewahrung von kulturellen Eigenheiten und Traditionen im vereinten Europa einzustehen, werden von der EU schon seit Längerem propagiert – wirklich Einzug in die politische Praxis haben sie aber erst mit den Kopenhagener Kriterien (1993) gefunden. Unter dem Einfluss des Ethnozids in Ex-Jugoslawien und der Hilflosigkeit der Europäischen Union angesichts solcher Vorkommnisse, sollte auch der Schutz ethnischer Minderheiten in den Kriterienkatalog für EU-Mitgliedschaft aufgenommen werden – „Wahrung der Menschenrechte sowie Achtung und Schutz von Minderheiten“ sollten in Zukunft ein politisches Kriterium für die Bewertung der Beitrittsbereitschaft von potentiellen neuen Mitgliedsstaaten bilden.
Karin B. Schnebel

Backmatter

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